Pegasus als Cthulhu-Lizenznehmer - pro und contra

  • Das hatte ich auch angenommen, weswegen die Andeutung von SWC mich erstaunt hat.


    Solange man nicht zu eng an Neuschöpfungen anderer Autoren bleibt, dürfte auch dort kaum mit Problemen zu rechnen sein, vermute ich, ohne da wirklich Ahnung zu haben. Jedenfalls liegen solche Rechte dann vermutlich nicht bei Pegasus, sondern bei den Verlagen dieser Autoren, nehme ich an. Sonst dürfte man bei übergreifenden Büchern wie dem Malleus Monstrorum vermutlich recht schnell an die Grenzen des Machbaren stoßen, oder?


    Ich will hier diese Frage auch nicht vertiefen. Das wäre wohl OT. Vielleicht erklärt SWC ja noch, wie sein Hinweis zu verstehen ist. Aber vielleicht darf er's auch nicht.

  • Werf ich doch einfach mal einen anderen Gedanken in den Raum:


    Warum macht der Pegasus Verlag, welcher sich mittlerweile eher als Brettspiel Verlag präsentiert und das auch gut macht, nicht eine Kooperation mit einem reinen Rollenspiel Verlag, der sich dann um Cthulhu und Shadowrun kümmern kann. Ein Beispiel so einer Kooperation ist letztes Jahr zwischen dem Heidelberger Spieleverlag und Prometheus entstanden. Vielleicht könnte so eine Kooperation fruchten und der Rollenspielsektor wäre vielleicht etwas Unabhängiger? Nur so als weitere Idee.

  • Dafür müsste Pegasus die Lizenzrechte dieser RPGs an einen anderen Verlag abgeben.
    Warum Pegasus kein Interesse daran hat, lass Dir von den anderen hier erklären...
    :)

  • Was die Sache mit den Inhalten angeht - ganz so einfach gestaltet sich das nicht - und Tina hat schon Recht.
    Beispiele:
    - Das "Ältere Zeichen", wie es z.B. in allen möglichen CoC-Texten verwendet wird (also das Pentagramm), oder auf Würfeln und dergleichen, ist ein Design, dass Chaosium GEHÖRT. Ähnliche Designs sind frei kreierbar (i.e. die IDEE ist nicht geschützt), aber dasselbe nicht kopierbar.
    - Das "Yellow Sign" ist ebenfalls CHAOSIUM. Und da ist es schwierig mit dem Kopieren, denn die Beschreibung ist wesentlich vager. Ein Symbol, dass dem generell als solches akzeptierten also sehr nahe kommt, könnte schon Probleme bedeuten.
    - Viele (ja, VIELE) Kreaturen des MM sind Schöpfungen, die im Rahmen des Rollenspiels von Chaosium erschaffen worden sind. Und die Rechte zu diesen Schöpfungen sind so ne Sache. Viele davon werden wohl ebenfalls über Chaosium gehen.


    Und genau hier ist die Crux.
    Einfach mal ein anderes Rollenspiel mit den Kreaturen und Symbolen und all dem machen, ist nicht.
    Ein Rollenspiel mit nicht geschützem Mythos-Inhalt machen, ist gar kein Problem. Nur muss man da eben wissen, was man tut - und im Zweifelsfall die Finger von lassen.


    Andere Beispiele:
    - Gofnn Hupadgh (oder wie sie heißen, die Geheiligten der Ziege)
    - Y'Golonac
    - Glaaki
    - Daoloth
    - Eihort
    und noch einige mehr
    ...sind Schöpfungen von Ramsey Campbell. Und der lebt noch.


    Da muss man echt hingucken...

    • Offizieller Beitrag

    genau das meinte ich, Simon :)


    ich vermute mal, über die Lizenz hinaus hat Pegasus sich "Cthulhu" als Marke schützen lassen, also den Namen *in Verbindung mit dem Logo* http://www.dpma.de/marke/ vermutlich ist es das, was swc meint


    wenn jetzt also jemand daherkäme, und ein Rollenspiel namens "Lovecraft" ausschließlich mit Inhalten, die mal HPLs copyright unterlagen, machen würde, wäre das mE rechtlich zulässig


    (womit ich nicht sagen möchte, dass dies zZt geplant ist...jedenfalls nicht nach meiner Kenntnis :P )

  • Rotthauser:
    Solche Kooperationen können aber auch gehörig in die Hose gehen. Schau nur mal hier:
    https://www.kickstarter.com/pr…rollenspiel/posts/1464694 (Verlinken hat bei mir diesmal nicht funktioniert?!)


    Ich habe Zweifel, ob eine Kooperation zwingend eine Verbesserung bedeutet. Pegasus hat schließlich selbst langjährige Erfahrung im Rollenspielbereich. Nur weil man Brett- und Kartenspiele produziert, ist die ja nicht zwingend null und nichtig. Ich denke man kann nicht behaupten, Pegasus hätte als Verlag von Rollenspielen keine Ahnung. Ich sehe deutliche Unterschiede zwischen den Heidelbären und Pegasus. Was für den einen gut ist, muss es für den anderen nicht sein.

  • Dumon:
    Klar darf man die Designs nicht kopieren.


    Auf Inhalte von anderen Autoren zu verweisen dürfte noch erlaubt (und bei Nachfrage meist auch wegen der positiven Werbewirkung genehmigt werden, wenn man nicht "kopiert") sein. Sicher muss man den Kontakt suchen, wenn man darüber hinaus gehen will. Aber im Zweifel eben nicht mit Chaosium / Pegasus, sondern mit dem Verlag, der die Rechte des jeweiligen Autors hält. Gerade deshalb fand ich die Aussage von SWC ja so erstaunlich. Er sagt ja, Pegasus hätte ein Wörtchen mitzureden, wenn eine Übersetzung von ToC (oder auch anderer Systeme?) auf den deutschen Markt kommen sollte...


    Auf die von Chaosium selbst erfundenen Wesen zu verzichten, sehe ich nicht als ein so großes Problem an, wenn man ein eigenständiges neues Produkt erstellen will. Schließlich macht das nur Sinn, wenn man etwas NEUES machen will. Eine Kopie des Bestehenden braucht sowieso keiner und sie hätte vermutlich auch keinen Markt.

  • Ich finde Rolands und Tod's Sicht ganz treffend. Aus verschiedenen Gründen macht der Verlag eigentlich alles richtig. Doch persönlich wäre ich trotzdem für einen Lizenz- bzw. Redaktionswechsel.
    (Achtung Wer sich für meine deutliche Meinung nicht interessiert braucht hier nicht weiterlesen ;) )


    Die Produktpalette suhlt sich in Konservativität die kaum zu überbieten ist. Die letzten drei normalen Quellen-/Abenteuerbücher Janus, Reisen und Düstere Orte waren für mich zum weiten Teil nicht zu gebrauchen und in vielerlei Hinsicht eine vertarne Chance (Details dazu hier, hier und hier). Die Berge des Wahnsinns Neuauflage hätte, nach meiner Spielerfahrung, auch eher eine umfangreiche inhaltliche Überarbeitung verdient, anstatt einen schnöden Neuaufguß.


    Das es auch anders geht zeigen Produkte wie Blood Brothers, Curse of the yellow sign, Stealing Cthulhu, Cthulhus Ruf, tremulus (insbesondere der Generator), Delta Green, World War Cthulhu, Gaslicht (ja auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn) oder das Gatsby Abenteuer. (Trail Produkte spare ich mir hier bewusst aus, da ich mir sonst nur wieder irgendwas von Fanboy Quatsch anhören muss. )
    Durch den Wegfall von Cthulhus Ruf wird der cthuloide RPG Einheitsbrei sogar noch schlimmer. Da kann man nur hoffen das bei Seanchui noch ein paar gute Ideen landen.


    Ja richtig, Begleitbände für Spieler und 20 Euro Bücher sind auch ne Veränderung, aber das macht das Spiel für mich nicht wirklich attraktiver oder besser. Eher im Gegenteil. Als Fan hab ich kein Problem 30-50 Euro für ein gutes Produkt zu zahlen. Jetzt hab ich eher das Gefühl das an Autoren, Qualität und neuen Ideen (Übersetzungen sind schließlich billiger) noch mehr gespart werden muss.
    Dazu kommt der neue Trend auf biegen und brechen Spieler ansprechen wollen. Sowas bietet sich vielleicht für Shadowrun mit seinen Regelfundament und den verschiedenen Charaktertypen an, für Cthulhu erscheint mir so eine Strategie aber eher befremdlich. Ja sogar fast so als käme sie von jemanden ohne Bezug zum Spiel!
    Genauso wie die Entscheidung das jahrelang gewachsene SL Handbuch durch eine sehr eigenartige Regelbuchaufteilung zu ersetzt (Nach meiner Beobachtung braucht eine engagierte Gruppe übrigens $Spieleranzahl GRWs + 1 Investigatoren Kompendium statt andersrum).
    Hier wäre eine konservative und von Chaosium unabhängigere Richtung für meinen Geschmack sinnvoller gewesen.


    Vielleicht ist die Redax kritikfähig, mein Eindruck ist allerdings nicht so. Bei mir kommt eher an "Wir finden unseren Kram supergeil und du Exot bist uns egal" Aber das mag vielleicht auch daran liegen, das man mir nicht mehr zuhören will? ;)


    Wie gesagt ich kann den Weg der Redaktion/Verlags zum Teil zwar aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehen und ich bin mir sogar sicher das sich die Bücher gut verkaufen. Aber für mich fühlt sich das an, als ob Metallica ein Country Album aufnehmen oder George Lucas plötzlich eine Trilogie über Darth Vaders Kindheit/Jugen machen würde.


    Zum Schluß noch ein Zitat, das ich so unterschreiben kann:

    Zitat von Roland Welslau

    Was ich zu schätzen gelernt habe ist die Community und all die Menschen halt drumherum die man dadurch kennenlernt ...das ist das was Spaß macht.
    Fazit: ich bin davon überzeugt: Cthulhu kann verdammt viel mehr ...hat ein unglaubliches Potenzial ...welches nicht richtig genutzt wird!

  • Zitat von purpletentacle


    Wie gesagt ich kann den Weg der Redaktion/Verlags zum Teil zwar aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehen und ich bin mir sogar sicher das sich die Bücher gut verkaufen. Aber für mich fühlt sich das an, als ob Metallica ein Country Album aufnehmen oder George Lucas plötzlich eine Trilogie über Darth Vaders Kindheit/Jugen machen würde.viel mehr ...hat ein unglaubliches Potenzial ...welches nicht richtig genutzt wird!


    Wie Du weißt, sind wir nicht immer einer Meinung.
    Ich gebe Dir allerdings Recht - ein Mythos-Rollenspiel KÖNNTE viel mehr als das, was Pegasus gerade tut. Witzigerweise sind wir uns in einer der wichtigsten Aspekte da total überhaupt nicht grün, da ich weniger Mythos verlange, DU mehr. Aber das ist Geschmackssache.


    Mit dem obigen Zitat aber widersprichst Du Dir ein bisschen selbst. Du sprichst ja vom Einheitsbrei des im alten verorteten Pegasus-Cthulhu. Und vergleichst das dann mit dem krassen Gegenteil?
    Zwar weiß ich, was Du meinst, aber das Beispiel ist etwas schlecht gewählt, oder?
    :)


    Im Prinzip aber ist es doch so - wir Spieler, und auch die RPG-Szene, haben uns weiterentwickelt. Wir haben gesehen, was machbar ist, haben mittlerweile andere Ansprüche und Ideen. Das Cthulhu-RPG von Pegasus hat dies nicht, weil es auf Altbekanntes baut und dies als seinen Kern präsentiert. Das ist meines Erachtens nach durchaus nachvollziehbar und berechtigt. Genau wie es seltsam wäre, von einem Ensemble zu verlangen, Mendelsohns "Elias" mal anders zu spielen, oder einfach mal andere Meldensohn-Musik zu machen. Mendelsohn ist Mendelsohn. Cthulhu RPG ist Cthulhu RPG.


    Ich denke, das Problem, das wir haben, ist, dass wir uns schwer damit tun, von unserem alten, liebgewonnenen Baby zu lassen, es uns aber gleichzeitig total nervt. Etwa wie die Eltern, die den 21jährigen Jungen nur ungern gehen lassen würden, sich aber ständig darüber aufregen, dass er immer noch da ist.
    Für uns als diejenigen, die sich weiterentwickelt haben, wird es mMn Zeit, das Alte gehen zu lassen, sich zu lösen und nach etwas Neuem Ausschau zu halten. Und nicht auf Teufel komm raus zu versuchen, das Alte (und funktionierende) zu etwas machen zu wollen, was es nicht ist.


    Gerade deshalb finde ich eine Neuvergabe von Lizenz hier überhaupt nicht relevant. Viel relevanter ist es doch, zu diskutieren, wohin ein MYTHOS-RPG gehen könnte. Und wie wir das umsetzen, wo wir Ansätze suchen und finden, und ob wir das auf die Beine stellen können.


    Ob dies dann konkurrenzfähig ist, sei dahingestellt. Oft sind es Neuaufgüsse und -interpretationen im Lichte des Traditionellen nicht. Aber das liegt eben in der Natur der Sache. So gut ein Appletini schmecken mag, wird er doch nie die Klasse des traditionellen Martini ersetzen können (und jetzt krieg ich bestimmt von Mr.Y aufs Hirn)...

  • Zitat

    Mit dem obigen Zitat aber widersprichst Du Dir ein bisschen selbst. Du sprichst ja vom Einheitsbrei des im alten verorteten Pegasus-Cthulhu. Und vergleichst das dann mit dem krassen Gegenteil?


    Ich bezog mich damit eher auf die wirtschaftlichen Entscheidungen des Verlags, also die Änderungen die gemacht werden und mir Schmerzen bereiten. Vielleicht ist es jetzt klarer :D

  • Zitat von Dumon


    Ich denke, das Problem, das wir haben, ist, dass wir uns schwer damit tun, von unserem alten, liebgewonnenen Baby zu lassen, es uns aber gleichzeitig total nervt. Etwa wie die Eltern, die den 21jährigen Jungen nur ungern gehen lassen würden, sich aber ständig darüber aufregen, dass er immer noch da ist.
    Für uns als diejenigen, die sich weiterentwickelt haben, wird es mMn Zeit, das Alte gehen zu lassen, sich zu lösen und nach etwas Neuem Ausschau zu halten. Und nicht auf Teufel komm raus zu versuchen, das Alte (und funktionierende) zu etwas machen zu wollen, was es nicht ist.


    Gerade deshalb finde ich eine Neuvergabe von Lizenz hier überhaupt nicht relevant. Viel relevanter ist es doch, zu diskutieren, wohin ein MYTHOS-RPG gehen könnte. Und wie wir das umsetzen, wo wir Ansätze suchen und finden, und ob wir das auf die Beine stellen können.


    Ob dies dann konkurrenzfähig ist, sei dahingestellt. Oft sind es Neuaufgüsse und -interpretationen im Lichte des Traditionellen nicht. Aber das liegt eben in der Natur der Sache. So gut ein Appletini schmecken mag, wird er doch nie die Klasse des traditionellen Martini ersetzen können (und jetzt krieg ich bestimmt von Mr.Y aufs Hirn)...


    Das sehe ich ehrlich gesagt komplett anders. Ich halte die Neuvergabe einer Lizenz und/oder einen Redaktionswechsel für sehr relevant.


    Denn was Cthulhu in meinen Augen wirklich fehlt - und das kreide ich der Redaktion durchaus an - ist eine Vision davon, wie das Spiel aussehen soll. Damit meine ich nicht (nur) die Optik (auch, wenn die ohne wirklich drüber nachzudenken im Vorbeigehen über den Haufen geworfen wurde...), sondern den Inhalt und die Darbietung des Ganzen.


    In Hellerschen Zeiten war das anders. Zumindest fühlte es sich anders an. Das deutsche Cthulhu war ein kleines Kunstwerk in sich - sicher, es hatte seine Schwächen und es hat weite Teile der Nicht-Cthulhu-RPG-Community verwirrt (Atmo-Spiel ohne Regeln, wie man im Tanelorn immer hört) - doch es war sich treu und man erkannte einen designerischen Plan.


    Im Moment wird das nur noch irgendwie verwaltet und mit noch nicht abgegrasten Themen vermixt, während Leute die sich über Spieldesign oder damit verwandte Themen null Gedanken gemacht haben in der Verantwortung sind.


    Und vielleicht täusche ich mich ja in alledem was ich sage. Aber die Diskussionen im anderen Forum, die man mit der Redaktion führen darf, lassen nicht darauf rückschließen, dass sich umfangreiche Gedanken um die Produkte gemacht werden die über "Thema - Seitenzahl - Lektorat - Fertig" hinausgehen...

  • Als absoluter CoC-Anfänger/Neuling, denn so fehlte es mir immer an ambitionierten Spielern, kann ich nur sagen, dass mir die momentane Vorgehensweise der 7. Edition recht gut gefällt. Für mich erscheint die 7. Edition rund und klar, was in meinen Augen nicht immer der Fall bzgl. der Regelwerke für Pen and Paper ist.
    Aufgrund meiner eingeschränkten Erfahrungen bzgl. des CoC-Rollenspiels, komme ich folglich zu dem Schluss, dass ich zufrieden bin, was natürlich nicht den Horizont abbildet, den erfahrene SpielerINNEN haben mögen.


    Nebenbei: Interessant finde ich, welche Fülle an weiteren CoC-Spielformaten es gibt bzw. Alternativen/Varianten. ACHTUNG! Cthulhu war mir bekannt (wobei es mir neu war, dass eine dt. Übersetzung erfolgen soll).


    Beste Grüße,


    MacReady :kutulu:

    • Offizieller Beitrag
    Zitat von MacReady

    ANebenbei: Interessant finde ich, welche Fülle an weiteren CoC-Spielformaten es gibt bzw. Alternativen/Varianten. ACHTUNG! Cthulhu war mir bekannt (wobei es mir neu war, dass eine dt. Übersetzung erfolgen soll).


    Kurze Produktinformation: https://www.cthulhu-wiki.de/rollenspiele :kutulu:

  • Was McReady hier anspricht, ist genau das, was ich meine.
    Ich kann Dich, Seanchui, allerdings auch verstehen. Ich wage aber, zu fragen, wo beim Heller'schen Cthulhu eine "Linie" ersichtlich war. Das Einzige, was ich da als "roten Faden" sehen kann, ist, dass Cthulhu bemüht war, sich vom alten "Cult of the Week"-Schema zu lösen, der "Cthulhu-Matrix" zu entfliehen. Sonst aber sehe ich dort wie hier eine Fülle an Materialien und Richtungen, die verschiedentlich ausgetestet, weitergeführt oder eingestellt wurden. Ich sehe ein verbindendes Element in den Designs von Manfred Escher (über die Rücken hinaus), das mir nun etwas fehlt, gut. Aber wo ist dort wie hier eine Linie? Wo gab es tatsächlich eine "Vision"?


    Meiner Meinung nach dümpelt Cthulhu schon lange an der Linie des guten alten "investigativen RPGs mit Horror-Elementen" entlang. Entwickelt haben sich zum Teil die Funktionalität des Systems (besonders vielleicht auch nun in der 7. Edition, da kann ich mir noch kein Urteil erlauben) und Nutzbarkeit der Abenteuer (über Schiemichen-Style Erzählstrukturen hinaus, die mehr Wert auf Flavor als Gehalt legten) während Hellers Redateurs-Tätigkeit. Und man kam eben von dem besagten "Kult der Woche"-Abenteuer weg. Aber diesen Weg führt auch das Gillsche Cthulhu weiter. VerPDFte Handouts (als technische Verbesserung), eine etwas bessere Fokussierung auf Spieler-Einbindung (durch "Empowerment"-Regeln wie durch Begleitbände) etc.


    Sonst aber?
    Da fehlt mir doch tatsächlich der Hinweis auf eine nun fehlende Vision, die es vorher gegeben haben soll. Vielleicht kannst Du mir das genauer erläutern - ich bin da allerdings eher skeptisch...


    Die Entwicklungsmühlen mahlen langsam, und zudem sind nicht alle Müller derselben Meinung, wohin die Reise denn nun gehen sollte. Daher finde ich einen CUT und einen Neuanfang besser als alles Andere. Ich denke nicht, dass das deutsche Cthulhu "sich verloren" hat. Es ist nur bei dem geblieben, was es kann. Tried and true.


    Dass die eigenen Produkte oder vielleicht Talente wegfallen, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ist entweder der Wirtschaftlichkeit oder eben der fehlenden Vereinbarkeit der Idee des Verlages mit der der Talente geschuldet. Das hat aber nichts mit der Ausrichtung von Cthulhu per se zu tun.


    Es mag sein, dass Pegasus Cthulhu sich, wenn es bei seinem "Tried and True"-Linienplan bleibt, langsam ins Aus manöveriert - sowohl, was interessierte Mitarbeiter und Talente angeht, als auch, was Inhalte und Innovationen angeht. Aber das kann nur der Markt zeigen. Wir hier argumentieren auf einem ganz anderen Level, denn wir sind die "alten Hasen", denen die Entwicklung nicht weit genug geht, die sich etwas anderes wünschen.


    Wünschen aber bringt kein Brot auf den Teller. Dafür müssen wir "machen". Und einen Neuanfang starten - etwas neues beginnen. Ein funktionierendes System (und das ist Pegasus Cthulhu noch immer) MUSS nicht überholt werden. Aber wer die Stützräder eben nicht mehr braucht, oder der Zeit des Gebrauchtwagens entstiegen ist, der muss sich eben nach etwas Neuerem, Schnittigerem umsehen.

  • 1. Mir fehlt hier der LIKE-Button ;)


    2. Dumon: Deinen letzten Satz verstehe ich nicht?!


    3, Ich finde es gut, dass hier eine solche Diskussion von FanSeite geführt wird, die weit außerhalb redaktioneller Sicht steht!
    Ich finde auch, dass es im Bereich Cthulhu RPG sehr sehr viel Potenzial gibt (auch innerhalb des BRP), das viel zu wenig genutzt wird.
    Die Frage, ob sich das bei einem anderen Lizenznehmer ändern würde, stelle ich stark in Frage, da es einem Verlag stets um wirtschaftliche Interessen gehen muss, da er sonst insolvent wird.
    Als Pegasus noch klein war, wurde da viel mehr experimentiert! Jetzt da der Verlag eine Marke im Spielebreich ist (nicht Rollenspiel), da wir Cthulhu ein Nischenprodukt, das aber aufgrund einer steten WinWinSituation nicht abgelegt wird und es im Verlag doch noch ein paar Cthultisten gibt, de aber nicht an den wichtigen Entscheidungen zwingend beteiligt sind.
    Von daher wird eine Abgabe der Lizenz nicht zu erwarten sein.


    4. Was das für das ungenutzte Potenziial nun bedeutet, steht auf einem anderen Blatt!
    Ich als fauler Fanboy, der inhaltlich bei Cthulhu ncht mitarbeiten will, finde es gut, dass es einerseits den Verlag mit seinem Mainstream-Programm gibt, dass eher im Bereich sichere Verkäufe denn gewagte Experimente läuft, aber es gibt ja auch die Macher vom RUF, die dann eher die experimentelle Seite fahren (Gatsby, CthulhuNoir, Piraten,...).
    Und wenn die Gräben zwischen den beiden Machergruppen nicht zu groß werden, sehe ich da gerade mit Erscheinen der 7er eine große Menge an nutzbarem Material und Potenzial!
    Für das braucht es aber Macher!


    Und ich bin leider nur der faule Fanboy, der den geilen Kram kaufen will...
    :roll:

    "Worte schaffen Wirklichkeiten!"
    (John Rogers Searle )


    sapere aude

  • Der letzte Satz meinte einfach nur, dass diejenigen, denen das Pegasus-Cthulhu nicht mehr das gibt, was sie suchen - die dem sozusagen "entwachsen" sind - nicht versuchen sollten, es umzubauen, sondern sich eben nach etwas Neuem umzusehen. Oder etwas Neues zu schaffen. Metaphorisch das, was ich vorher schon sagte...
    :)


    Und ich kann auch Deinen Ansatz verstehen, swc, denke aber, dass die "Macher" ob der Knüppel, die ihnen oft zwischen die Beine geworfen werden (oder wurden), sich irgendwann auch anderweitig orientieren werden. Der "Ruf" endet mit Ausgabe 10. Dann wird es hier weitergehen mit einem Vereinsmagazin. Das aber wiederum nur zu einem geringen Teil das RPG betreffen wird (wenn überhaupt - das wird ggf. von Ausgabe zu Ausgabe unterschiedlich sein).


    Was ich mir jedoch recht gut vorstellen kann, das ist, dass hinter den Kulissen bereits an etwas Neuem gewerkelt wird. Etwas, das auch "Cthulhu" ist, aber vielleicht nicht "Cthulhu BRP" oder "Pegasus/Chaosium Cthulhu". Denn ein kreativer Geist lässt sich nur bis zu einem gewissen Grade bändigen und in Käfigen halten.
    WISSEN tue ich das allerdings nicht...
    :)


    Übrigens, "aude" ohne "m"...
    :)

  • Zitat von purpletentacle


    Das es auch anders geht zeigen Produkte wie Blood Brothers, Curse of the yellow sign, Stealing Cthulhu, Cthulhus Ruf, tremulus (insbesondere der Generator), Delta Green, World War Cthulhu, Gaslicht (ja auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn) oder das Gatsby Abenteuer. (Trail Produkte spare ich mir hier bewusst aus, da ich mir sonst nur wieder irgendwas von Fanboy Quatsch anhören muss. )
    Durch den Wegfall von Cthulhus Ruf wird der cthuloide RPG Einheitsbrei sogar noch schlimmer. Da kann man nur hoffen das bei Seanchui noch ein paar gute Ideen landen.


    Das klassische Cthulhu wird von Pegasus gut bedient. Was kann man da anderes sagen? Mir persönlich ist es zuviel Historie, deshalb landen die ersten eigenen Ideen wohl auch im Now :lol:.
    Ich hatte gestern die obigen Werke mal gesucht, wenn ich mich nicht täusche, sind die, bis auf Blood Brothers, nicht von Chaosium veröffentlicht worden. Müsste der Weg zu mehr Kreativität dann in Deutschland nicht auch neben Pegasus geschehen?

  • Gaslicht ist als Einziges von Pegasus veröffentlicht worden. Und das wohl nach deutlicher Überarbeitung durch deutsche Mitarbeiter (winkewinke an Daniel). Alle anderen von purple genannten Produkte sind entweder nicht bei Pegasus erschienen (Blood Brothers), nicht bei Chaosium aber für BRP erschienen (Cthulhus Ruf, Delta Green, Gatsby, World War Cthulhu, im weitesten Sinne Curse of the Yellow Sign), oder gar ganz andere Systeme (Delta Green (das Neue), tremulus). "Stealing Cthulhu" sagt mir (leider) nix.
    :)


    Und ja, das sehe ich ganz genauso, Bluestone.
    Innovation etc. sollte auf anderer Ebene geschehen. Da aber Pegasus wohl seinen Daumen auf der Lizenz halten wird, und neben sich keine weiteren "Götter" dulden werden wird (Vermutung, natürlich), ist es da am Wahrscheinlichsten, dass solche Kreativität in neue Bahnen gelenkt werden sollte - eben in neuem Systemkleid...

  • Zitat von Bluestone

    Edit: Stealing Cthulhu stellt Ideen vor wie man Lovecrafts Geschichten aufgreift und leicht ändert, um daraus ein gefühlt neues Abenteuer zu erstellen. Dabei wird auf Locations, Gefühle, Monster usw. eingegangen. http://www.rpg.net/reviews/archive/15/15498.phtml


    Ist zwar etwas off-topic, aber ich möchte trotzdem kurz einwerfen, dass ich Stealing Cthulhu als Inspirationsquelle für cthuloide Rollenspielszenarien wärmstens empfehlen kann. Meiner Meinung nach ist es eindeutig das Beste, was es in dieser Hinsicht - also zur Verwendung des Cthulhu-Mythos im Rollenspiel - an Material gibt.

    ~ First Keeper ~


    "What a man does for pay is of little significance. What he is, as a sensitive instrument responsive to the world's beauty, is everything!" ― H. P. Lovecraft

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