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Lovecrafter Online – 045 – Die Berge des Wahnsinns in Wort und Bild

  • Seanchui
  • 8. Februar 2021 um 12:00
  • 3.355 Mal gelesen
  • 0 Antworten
Als eine Verfilmung von Lovecrafts Die Berge des Wahnsinns angekündigt wurde, war die Vorfreude groß. Immerhin ist die Novelle eines von Lovecrafts bekanntesten Werken und niemand anderes als Genregröße Guillermo del Toro wollte sich des Stoffes annehmen. Nun, das Projekt wurde mehrfach verschoben und wartet scheinbar immer noch darauf, dass die Sterne richtig stehen. Doch den Großen Alten sei Dank gibt es noch andere Möglichkeiten für uns Fans, die Berge des Wahnsinns auch optisch zu genießen.

Den Anfang in dieser kleinen Rundschau macht ein alter Bekannter. Denn bereits im Oktober 2015 veröffentlichte der renommierte FESTA-Verlag Berge des Wahnsinns: Illustriert und kommentiert. Lovecrafts Text wurde von A. F. Fischer ins Deutsche übertragen und von Timo Wuerz gekonnt illustriert. Bereits das Cover, geziert von einem der riesenhaften Albino-Pinguine, die in der Stadt der Älteren Wesen hausen, ist ein absoluter Blickfang. Und auch, wenn das ganze Buch gerade einmal mit 32 Illustrationen aufgelockert wurde, so ist die Andeutungskraft und Bildgewalt von Wuerz‘ doch eher skizzenhaften Interpretationen des Geschriebenen sehr eindrücklich. Wuerz' Arbeit kennt man sonst eher aus dem Comic-Genre – zuletzt veröffentlichte er Land of Giants bei Panini – oder von diversen CD-Covern. In Berge des Wahnsinns: Illustriert und kommentiert gelingt es ihm, oft mit einfachen Bleistiftstrichen eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die sich vor den noch vorzustellenden Bänden nicht verstecken muss.

Ein schöner Bonus sind die kurzen Aufsätze von Will Murray und David A. Oakes (welche die „Kommentierung“ der Ausgabe bilden), die sich mit Lovecrafts Geschichte und ihrer Einordnung beschäftigen.

Die Berge des Wahnsinns: Illustriert und Kommentiert

FESTA Verlag 2015

ISBN: 978-3-86552-422-5

Beim Verlag bestellen: https://www.festa-verlag.de/berge-des-wahn…ommentiert.html

Auch im zweiten Teil dieses Artikels begegnet uns ein alter Bekannter. Denn bereits im Lovecrafter Online 031 haben wir uns mit Gou Tanabe und seiner Rezeption des lovecraftschen Mythos auf das Genre der Manga-Comics beschäftigt. Mittlerweile hat der Carlsen Verlag auch Tanabes Interpretation der Berge des Wahnsinns auf Deutsch herausgebracht. Die Geschichte wurde dabei in zwei Bände aufgeteilt, wobei sich der zweite fast komplett der Erkundung der untergegangenen Stadt der Älteren Wesen widmet.

Wie auch schon in den bisher vorgestellten Bänden bleibt Gou Tanabe in der Handlung sehr eng an Lovecrafts Originalgeschichte. Und wiederum ist es der Detailreichtum, mit dem Tanabe seine Panels zu füllen weiß, der fasziniert. Dieses Mal sind die Charaktere zwar etwas mehr als Manga-Charaktere zu erkennen – insbesondere Dr. Lake – doch vermag das den Gesamteindruck nicht zu schmälern. Gerade im zweiten Band arbeitet Tanabe wieder mit groß angelegten Panels, die oftmals auch eine ganze Doppelseite füllen, um seiner Interpretation der Berge des Wahnsinns genügend Raum und visuelle Wirkkraft zu geben. Und wieder wird Tanabe Lovecrafts adjektivbelastetem Schreibstil durch seinen Detailreichtum absolut gerecht. Diese Adaption ist absolut gelungen.

Die Berge des Wahnsinns: Teil 1 und Teil 2

Carlsen Manga! 2020

ISBN: 978-3551724564

Beim Verlag bestellen: https://www.carlsen.de/softcover/hp-l…8-3-551-72456-4

Eine Vorstellung von lovecraftschen Büchern mit visueller Unterstützung wäre wohl nicht vollständig, ohne das Schaffen von Francois Baranger. Dieser französische Illustrator hat bereits mit seiner Version von Cthulhus Ruf ein beachtliches Ausrufezeichen gesetzt und sich sprunghaft einen Platz im Herzen vieler Lovecraft-Fans erarbeitet. Nun legt er mit At the Mountains of Madness nach. Und wie: Schon ein Blick auf das Cover verrät die zyklopischen Dimensionen, die Baranger seinen Bergen und vor allem den dort liegenden Ruinen verpasst hat. Wie auch schon im Vorgängerband sind die Illustrationen hochwertig und professionell. Die Farbgebung in blassen und kalten Tönen unterstreicht professionell die angestrebte Atmosphäre. Lovecrafts Text ist ästhetisch in die Gesamtkomposition aus Bild und Text eingefügt.

At the Mountains of Madness ist ein Hingucker, ein Coffee-Table-Book erster Güte. Leider hat man sich jedoch auch hier für eine zweibändige Ausgabe entschieden, was ob der Länge des Textes – immerhin hat der erste Band gerade einmal 64 Seiten – nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Finanziell darf man sich also ruhig ein wenig gegängelt fühlen. Und – auch das muss erlaubt sein zu sagen – bei all der Pracht, die Barangers Bilder bieten, so gelingt es ihm doch nicht, der bekannten Geschichte neue Facetten hinzuzufügen. Und auch die fremdartigen Älteren Wesen haben keine mutige Neuinterpretation erfahren; nein, die gewählte Optik ist bereits aus so mancher Rollenspielpublikation bekannt. Doch das sind kleine Wermutstropfen, wenn man die Bilder als Gesamtwerk auf sich wirken lässt.

At the Mountains of Madness (Part 1)

Design Studio Press 2020

ISBN: 978-1624650086

Bei amazon.de bestellen: https://www.amazon.de/At-Mountains-Madness-H-Lovecraft/dp/1624650082

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