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Lovecrafter Online – Hölle ist nicht nur ein Wort... Rezension: Event Horizon - Dark Descent

  • Berenice van Buren
  • 16. März 2026 um 23:05
  • 1.037 Mal gelesen
  • 3 Antworten
Chefredakteur René widmet sich in aller gebotenen Ausführlichkeit der "Dark Descent"-Comic-Reihe, einem Prequel zum Erfolgsfilm "Event Horizon". Kann der Comic überzeugen?

Als ich, mit unschuldigen zwölf Jahren oder vielleicht noch etwas jünger, zum ersten Mal den mittlerweile zum Klassiker avancierten und stellenweise für seine Zeit überaus gorigen Sci-Fi-Horrorfilm Event Horizon (USA/UK 1997) im spätabendlichen Fernsehen gesehen habe, hatte dies eine ambivalente Reaktion in mir ausgelöst, die meine Faszination bis heute an diesen Film und die Welt(en), die er entworfen hat oder mit denen er verbunden werden kann, begleitet. Dies lag selbstverständlich nicht nur an dem (möglicherweise auch durch einen pubertären Hormonschub ausgelösten) Beinahe-Ohnmachtsanfall, der mich erfasste, als ich den besonders einprägsamen Satz „Eine Welt der absoluten Gewalt.“ von einem bis beinahe zur Unkenntlichkeit verstümmelten Dr. William Weir (fabelhaft gespielt von Sam Neill) hörte, sondern vor allem an einem transdimensionalen Weltkonzept, das der Film eröffnet hatte, indem er eine wissenschaftlich und ingenieurstechnisch ausgebildete und durchaus der physikalischen Wirklichkeit verhafteten Crew mit einem scheinbar andersweltlichen Phänomen konfrontiert, das sich mit traditionellen Vorstellungen der Hölle beschreiben ließe – nicht zwangsläufig einer theologischen Hölle, wie sie uns zahlreiche Bibelinterpretationen oder popkulturelle New-Age-Ansätze präsentieren, sondern ein Raum jenseits des Vorstellbaren, jenseits des mit konventionellen Bewegungsmöglichkeiten Erreichbaren und jenseits des physikalisch Erklärbaren. Die ‚Hölle‘ in Event Horizon war ein schemenhaftes Irgendwo oder Irgendwas, das sich im schemenhaften Irgendwo und Irgendwas des unerforschten Weltraum verbarg; das da draußen irgendwo real war und das ein virulentes Bewusstsein hatte, das gleichsam Schiff und Geist kontaminierte und zu unaussprechlichen Dingen zwang. Diese Hölle kannte keine Dämonen und keine Götter, keine Regeln und keine Moral. Sie war eine ferne Finsternis in einer anthropologisch dezentralisierten und säkularisierten Welt der fortschreitenden Wissenschaften: die letzte Konsequenz der Neugier und des Entdeckergeists und ein metaphysisches Raubtier.
Man kann herauslesen, dass ich von diesem Film mehr als begeistert bin. Diese Begeisterung teile ich mit vielen anderen, die sich durch die subtile Geheimniskrämerei um den Ursprung und die Natur der dämonischen Infektion animieren ließen, eigene Theorien zu spinnen. Der Film selbst gibt hierzu keinerlei Aufschluss und positioniert den Begriff ‚Hölle‘, dieses theologische Konzept einer Anti-Welt der unaussprechlichen Pein, somit lediglich im Modus einer menschlichen Übersetzungsarbeit: „Hölle ist nur ein Wort. Die Realität ist viel schlimmer“, tadelt Weir seinen ehemaligen Kollegen Cpt. Miller (Laurence Fishburn), kurz bevor der Film schließlich zum klassischen Rennen-gegen-die-Zeit-Höhepunkt antritt. So gibt es Spekulationen, die die Welt, in der Event Horizon spielt, aufgrund des Erzählstils und den Fokus auf das Unaussprechliche parallel zu dem Kosmos lesen lassen, den H. P. Lovecraft einst entworfen und der mit diesem Film wohl einen weiteren Baustein bekommen hat. Angeblich bezeichnete Stephen King des Film selbst als „Gruselshocker im Lovecraft-Stil.“ Auch mutmaßen nicht wenige, dass wir es mit dem revolutionären Antrieb des Schiffes mit einer Art vorsintflutlichen Warp-Antrieb aus dem Warhammer-40k-Universum zu tun haben könnten, der die originale Crew ganz ohne das schützende Gellerfeld in die tosenden Fluten des Reichs des Chaos katapultiert hat – mehrere zehntausend Jahre vor dem dunklen Zeitalter der Technologie oder dem Aufstieg des Imperators und seiner Primarchen. Das Rabbithole gleicht einem schwarzen Loch …

Event Horizon ist zu einem Klassiker geworden, obschon er weder an der Kinokasse noch unter den Augen der Kritiker bestehen konnte. Auf Rotten Tomatoes erreicht er gerade einmal 36 % im ominösen ‚Tomatometer‘ und ein Popcorn-Meter-Rating von 62 %. IMDB scheint mit einer Bewertung von 6,6/10 da schon etwas gnädiger zu sein. Am Klasikerstatus ist wohl nicht zuletzt auch eine Reihe von Mysterien verantwortlich, die den Film selbst umgeben und sich hauptsächlich auf geschnittenes und teilweise unwiederbringbares Material beziehen. So gehören zu den (tragischerweise) für immer verlorenen Stellen ausgedehnte Gore-Szenen, die das Schicksal der originalen Crew in einer cineastischen Phantasmagorie aus Blut und Eingeweiden noch deutlicher ausmalt als es der beinahe legendäre Blick auf die wiederhergestellten Bordeinträge des Captains Kilpack (Peter Marinker) ohnehin schon tun – dem Produktionsstudio war eine FSK-16-Freigabe wichtig. Darüber hinaus vielen auch zahlreiche Szenen dem Post-Produktions-Skalpell zum Opfer, die eine stärkere Aufklärung bezüglich des Ursprungs der oft nur als ‚Entität‘ bezeichneten Infektion versprachen – aus meiner Perspektive eine richtige Entscheidung, gab dies den ZuschauerInnen doch ausreichend Raum, ihre eigenen Fantasien und Fiktionen in die Erzählung hineinzuprojizieren.

Cosmic horror und theologsicher Horror
Dieser Raum der Spekulation, dieses fruchtbare Nichts ist nun geschlossen worden, als IDW Publishing (Teenage Mutant Ninja Turtles x Godzilla, A Quiet Place: Storm Warning, Dark Spaces sowie zahlreiche Star-Trek-Adaptionen) beschloss, Christian Ward (Batman: City of Madness, Tommy Gun Wizards) für ein Storyboard und Tristan Jones (Aliens: Defiance, Silent Hill: Downpour) sowie Pip Martin (Everything Dead and Dying) am Zeichenbrett zu engagieren, um das Mysterium um diesen ‚Hölle‘ genannten Ort jenseits des observierbaren Weltraumes endlich zu lüften. Die Geschichte von Dark Descent erzählt vom Schicksal, den Ängsten, Sünden und schließlich der Verdammnis der ursprünglichen Crew unter dem Komando Cpt. Kilpacks, die mit ihrer Jungfernfahrt im Jahre 2040 (also in vierzehn Jahren!) Weirs revolutionären Gravity Drive (eine Ansammlung konzentrischer Kreise um ein komprimiertes schwarzes Loch, die wie eine Reminiszenz an Dantes Höllenarchitektur anmuten) in einem Feldtest erproben und ins benachbarte Proxima-Centauri-Sternensystem (ca. 4,25 Lichtjahre Entfernung) aufbrechen soll. Sie kommen in der Hölle an …

Spoiler-Alarm: Es ist die Hölle. Die theologische Hölle, die sich am untersten Ende einer christlich-theologischen Weltordnung positioniert und deren Agenden sich scheinbar voll und ganz mit den theologischen Konzepten und Ideen, die von einer Kanzel gepredigt werden können, vereinbaren lässt. In den bisher fünf erschienenen Ausgaben begleiten wird die Crew, bestehend aus der Quantenphysikerin Dr. Jennifer Kwon, Ltd. Sara Tsang, Physiker Dr. Peter Adjej, Chefingenieur Yusef Quinn, Navigator Devlin Conners, Kommunikationsoffizierin Nia Atwell und natürlich dem Kapitän John Kilpack, einem leidenschaftlichen Gläubigen, in den Abstieg nicht nur in die kosmologische Hölle, sondern auch in jeweils eigene Verdammnis. Bereits die erste Ausgabe dient hier als Exposition, die uns nicht nur die Figuren mit ihren multinationalen Hintergründen und jeweiligen Aufgaben vorstellt, sondern sie auch als Flüchtige vorstellt – die alle vor einem Verbrechen oder einer Enttäuschung in die Weiten des Alls fliehen, die sie der Erde entfremdet hat. Kilpack kämpft so mit einem schweren Vaterkomplex, Sara Tsan flieht aus einer missbräuchlichen Ehe, Peter verheimlicht ein Krebsleiden und das ‚Final Girl‘ Dr. Jennifer Kwon kann den Tod ihere Schwester nicht überwinden. Diese Struktur einer ausnutzbaren Verletzung zieht sich tief bis in die Wurzeln des Schiffes selbst. Bereits der Film macht deutlich, dass Dr. William Weir vor Jahren seine Frau verloren hatte, die sich aufgrund einer depressiven Erkrankung das Leben nahm und von ihrem workaholischen Ehemann keinerlei Trost oder Heilung versprechen konnte. In Dark Descent ist diese Wunde für Paimon (auch Paymon oder Paimonia) ein Einladung in die Welt der Menschen, genauer: in die Welt Weirs, der, das macht der Comic klar, bereits am Reißbrett zum ersten Entwurf des Gravity Drives nicht nur immer wieder von Visionen seiner verstümmelten Frau, sondern auch von überaus physischen Manifestationen Paimons selbst heimgesucht wird, was ihn eher im Lichte eines Verbündeten als dem eines an Bord der Event Horizon Korrumpierten erscheinen lässt. Paimon ist dabei keine originäre Erfindung Wards, sondern findet bereits im Dictionaire Infernal (1863, de Plancy), im Pseudomonarchia Daemonum (1583, Weyer) und in der Goetia (1997, Weiser, Crowley et al.) Erwähnung, wo er als einer der treuesten Diener Luzifers dargestellt wird. Paimon gebietet über eine Armee aus 200 Legionen, teils Teufel, teils Engel, und kann dem Beschwörer oder der Beschwörerin mit profunden Wissen über die Wissenschaften, Künste und alle Dinge, die unter Wasser oder Erde verborgen sind, aushelfen – wenn man seine Worte denn versteht, denn er neigt zum Schreien und kündigt sich mit einem infernalischen Pandemonium aus Blasinstrumenten an. Paimon ist es nun, der, sobald die Event Horizon einmal den Realraum verlassen hat und in einer überaus schönen und organischen Höllenstruktur feststeckt, sich auch Zutritt zu selbiger durch den korrumpierten Gravity Drive verschafft, den Maschinenraum zu seinem Thronraum erklärt und sich der Dienste der Crew versichert. Das alles geschieht überaus schnell, bereits in der zweiten Ausgabe, und während Jen und Sara nun verzweifelt versuchen, sich gegen die dämonischen Kräfte zu wenden, wechselt der Comic immer wieder zwischen unterschiedlichen Figuren, beleuchtet ihren Abstieg in ihre persönlichen Höllen und sorgt mit Rückblenden in die nachhaltig traumatischen Momente ihrer Vergangenheit für eine gewisse ironische und sinnstiftende Kohärenz. Das Ganze könnte man, bös gesagt, auch in einem einzigen Graphic Novel erzählen, was aber geschiet in den übrigen drei Ausgaben, die eine Wartezeit von ca. einem Monat pro Ausgabe ja irgendwie rechtfertigen müssen. Die vierte Ausgabe kokettiert mit dem Motto „again … again … again“ und zeigt die wiederholten Verstümmelungen, die sich die ermordete und immer wieder belebte Crew vor den Augen des entsetzten Kapitäns antut, vermengt dies mit dessen Traumata aus der eigenen Vergangenheit, bis die Szenenreihung schließlich in der aus dem Film bekannten Losung „Libera Te Tutemet Ex Inferis“ konkludiert, während die fünfte Ausgabe schließlich den letzten Kampf der beiden verbündeten Sara und Jennifer thematisiert, der im Grunde noch einmal das Ende des Films als vorgeladenes Echo wiederholt: in einem Kampf auf Zeit gelingt es ihnen, die Event Horizon in die Luft zu sprengen und wenigstens Jennifer kann seinem Griff durch den Deus Ex Machina des liebenden Geistes ihrer verstorbenen Schwester entkommen. Allein die dritte Ausgabe zeigt sich mit der Vorstellung eines der ‚Höllenhunde‘ Paimons noch etwas weniger vorhersagbar, aber dennoch nicht innovativ.

Das ist aus erzählerischer Sicht leider eine Enttäuschung, die noch umso herber ist, bedenkt man nun, dass das unausgesprochene Versprechen, die faszinierende und unheimliche Geschichte um die Entität (in) der Event Horizon mit einem würdigen Prequel zu beleuchten, nun mit einem Rückwurf dieser auf mittelalterlich-christliche Weltarchitekturen und Wertvorstellungen ein wenigstens ambivalentes Ergebnis produziert. Einerseits ein konsequentes, bedenkt man die zahlreichen Verweise auf gothische Architekturen und zeitgenössische Literaturen und Mythen, aus denen Event Horizon im Vollen zitiert; andererseits ein deutlicher Schritt zurück auf Ordungen, die den Menschen, seine Ängste, Sünden sowie westliche und eurozetristische Moralvorstellungen wieder in den Kern eines unheimlichen und unendlichen Kosmos stellen. Dark Descent ist werkstreu ohne Zweifel. Der Comic scheint gerade jene Konzepte und Ideen erfolgreich aufzugreifen und zu einem Ganzen zu verbinden, die Jahrzehnte zuvor der Postproduktion oder dem Eingreifen des Studios zum Opfer fielen und zitiert damit aus einem kulturellen Gedächtnis, dessen Wurzeln tief in antiken Höllenvorstellungen und Dämonologien verankert sind – doch damit kappt es auch die Verbindung zu dem Unaussprechlichen, Unsagbaren und Unvorstellbaren, das die weird fiction gerade ausmacht, wen sie die scheinbar ontologischen Widersprüche aus Physik und Metaphysik, Wissenschaft und Mythos miteinander kollidieren lässt und auf die wundersamen Schrecken verweist, die selbst unsere ambitioniertesten Kosmologien überfordern.
Bleibt zu sagen, und das sage ich als Laie, dass die Bilder, die der Comic produziert, wenigstens in vereinzelten Fällen über die erzählerische Ödnis hinwegtrösten können. Fans von Publikationen wie Spawn und Ähnlichen werden am organisch Wirkenden der unsauberen, oft ‚dreckig‘ und fleckig erscheinenden Linienführung, der farblichen Kontaminationen und reliefhaften Strukturen sicher Gefallen finden, wenn sie über die oft monochrome Farbgebung hinwegsehen können. Dark Descent ist keine optische Hochglanzproduktion und zeigt Mensch, Schiff und Hölle in einer rohen Ästhetik, die das psychische Absinken in Chaos und Wahn gut durch einen scharlachroten Einheitsbrei artikuliert, in dem noch gerade so Strukturen und Konturen zu erkennen sind. Solche Bilder aber, die z.B. in einer großformatigen Komposition aus tiefschwarzem Schiff in leuchtender Organmasse für ein bewunderndes Lächeln sorgen können, sind insgesamt rar gesät und verblassen irgendwann zwischen einer Aneinanderreihung kleinformatiger Panels, die zeigen, was ebenso gut durch eine Filmkamera hätte visualisiert werden können.

Für Fans des Films, LiebhaberInnen des Gore ist also Event Horizon: Dark Descent durchaus einen Blick wert. Wer sich jedoch einmal in das Rabbithole um die Spekulationen herabgelassen und sich von der Faszination des Undenkbaren und Widersinnigen hat anstecken lassen, dem wird dieser eine Blick auch völlig genügen; wenn er/sie ihn nicht lieber ganz bleiben lassen, sich vielleict dem Roman oder besser seiner eigenen Imagination zuwenden sollte.

Event Horizon: Dark Descent erschien von August 2025-Februar 2026 exklusiv über den Verlag IDW Publishing und ist mit fünf Ausgaben abgeschlossen und ausverkauft.

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Antworten 3

JaneDoe
23. März 2026 um 14:37

Ein schöner Artikel, dem nur ein paar mehr Absätze der Lesbarkeit halber gut getan hätten.

Ich bin auch ein großer Fan des Films und habe, ähnlich wie du, gerade die Andeutungen, auch die der wirklich schlimmen Szenen am Ende, eben als Andeutungen die Raum für eigene Interpretation lassen geschätzt.

Berenice van Buren
27. März 2026 um 19:47

Heyho, vielen Dank.^^ Ja, ich habe den Artikel leider relativ schnell runtergeschrieben, weshalb da auch einige Grammatikfehlerchen noch drin sind (psst).

Jetzt, wo du es sagts, hab ich noch einmal über diese Stellen nachgedacht - insbesondere über die Logbuchaufnahmen, die der Comic ja derbe wegerklärt.

Mich hat an dieser Aufnahme im Film auch immer der Gedankengang fasziniert, was überhaupt mit einem (vermeintlich geistig gesunden und professionellen) Menschen passieren muss, dass solche Szenen überhaupt möglich werden. Der Film hat das sehr gut gemacht, indem er gewissermaßen zwei Zustände und Vorstelungen von Psyche einander gegenübergestellt hat, die er anfangs noch durch diese Aufnahme-Glitches sehr obskur und stark voneinander getrent hält, um sie später zu vereinen und zu sagen: "Das sind die vermeintlich Gesunden! Die, die sich da gegenseitig zerreißen, das sind Leute wie wir, wie 'wir' 'uns' vorstellen und wie wir sein wollen." - oder zumindest kollabiert da ne normierte Vorstellung vom Menschen und seines Verhaltens.

Indem der Comic jetzt aber sagt, dass das im Grunde die wiederbelebte und ins Marionettenhafte von Paimon verquerte Mannschaft ist, fällt dieses ganze Potenzial, menschliche Verhaltensnormen oder überhaupt anthropogene Vorstellungen von 'unserem Verhalten' infrage zu stellen oder mit Konzepten jenseits unseres Verständnisses in Relation zu setzen, leider Weg.

Abgesehen von lediglich drei Figuren stirbt die Mannschaft, wird vorher vielleicht ein bissl irre, und ist dann quasi als "Zombie" irgendwie so platziert, dass es weitaus schwerer fällt, zu sagen, dass wir es mit psychisch komplexen Figuren zu tun haben. Tod und dämonische Manipulation machen da so extreme Grenzen für mich auf, dass ich die Wiederbelebten garnicht mehr in einer anthropogenen Sphäre verorten kann und sagen muss: "Ja, also eigentlich ist die 'echte' Mannschaft 'nur' tot. Und was Paimon da macht, das ist ja nur Paimon, sonst keiner." Und -Spoileralarm - genau das passiert ja auch mit dem Schiff selbst. Das wird gesprengt, von Paimon 'wiederbelebt' und dann im Film nochmal gesprengt. Ist das überhaupt die Event Horizon, die da im Film von 97 auftritt? Oder einfach nur irgendwie das Böse?

Auf einmal haben wir wieder drei Instanzen:

1. Die, die sich völlig irrational verhalten (die Zombiemannschaft),

2. die, die sich rational verhalten (die letztlichen Heldinnen im Comic, die auch psychisch so disponiert sind, dass wir ihre Traumaerfahrungen weitaus eher moralisch vertreten können als z.B. die des Navigators [der ein Kind überfahren hat], die Mannschaft vor dem Übergang und Tod)

3. und am Ende die Figuren, die innerhalb dieser Binärordnung für Disruptionen sorgen (Weir und Paimon) und eigentlich "Schuld" sind.

Und das macht die ganze psychische Dynamik, das macht auch die ganzen anthropologischen Fragen extrem unterkomplex und reduziert den ganzen Kosmos auf ein Wir vs. Die. Je mehr ich drüber nachdenke, umso mehr denke ich, das der eigentliche Horror von Event Horizon jetzt der ist, dass man uns wieder einfache Weltbilder füttert, in denen am Ende natürlich auch der liebe Gott nicht fehlen darf. XD

JaneDoe
29. März 2026 um 18:47
Zitat von Berenice van Buren

Abgesehen von lediglich drei Figuren stirbt die Mannschaft, wird vorher vielleicht ein bissl irre, und ist dann quasi als "Zombie" irgendwie so platziert, dass es weitaus schwerer fällt, zu sagen, dass wir es mit psychisch komplexen Figuren zu tun haben. Tod und dämonische Manipulation machen da so extreme Grenzen für mich auf, dass ich die Wiederbelebten garnicht mehr in einer anthropogenen Sphäre verorten kann und sagen muss: "Ja, also eigentlich ist die 'echte' Mannschaft 'nur' tot. Und was Paimon da macht, das ist ja nur Paimon, sonst keiner." Und -Spoileralarm - genau das passiert ja auch mit dem Schiff selbst. Das wird gesprengt, von Paimon 'wiederbelebt' und dann im Film nochmal gesprengt. Ist das überhaupt die Event Horizon, die da im Film von 97 auftritt? Oder einfach nur irgendwie das Böse?

Das hast du schön formuliert. Genauso ist es. Die Vorstellung, was passiert sein muss, das sich (zwischen Menschen) diese Szenen abspielen ist soviel erschreckender als die Vorstellung, es sind nur dämonisch Wiederbelebte. Nimmt dem Ganzen seinen irgendwie unfassbaren Schrecken.

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