Lovecrafter Online – 051 – Hingesehen: Das Bild im Haus

David Lapuch, Jahrgang 1987, ist ein junger Filmemacher aus Österreich. Er hat bereits als Drehbuchautor, Regisseur und Editor einige Filme mitgestaltet, darunter hauptsächlich Kurzspielfilme. Auch sein aus dem Jahr 2018 stammender Film Das Bild im Haus ist mit knapp 40 Minuten Spielzeit eher in der Kurzfilmsparte einzusortieren.


Mit Das Bild im Haus adaptiert Lapuch eine Lovecraft-Geschichte, die ohne außerweltliche Kreaturen auskommt. Nach unzähligen, schlecht gemachten CGI-Kreationen und billigen Spezialeffekten, die uns bisher in so mancher Lovecraft-Verfilmung begegnet sind, ist das schon einmal eine gute Voraussetzung. Auch, dass Lapuch den Stoff der Geschichte sehr frei interpretiert und auch mutig genug ist, seine eigenen Vorstellungen zu integrieren, schadet dem Film in keiner Weise.


Gleich dem Erzähler in Lovecrafts Geschichte, flüchtet auch in Lapuch's Das Bild im Haus ein Mann in ein scheinbar leerstehendes Haus. Entgegen dem Original ist es jedoch kein Unwetter, dass den Namenlosen Obdach suchen lässt, sondern die Flucht vor einem blutgierigen Lynchmob. Lapuch hat die Geschichte kurzerhand in eine unbestimmte, nahe Zukunft verlegt, eine Welt die unserer ähnlich sieht und doch von Faustrecht regiert wird. Herumstehende Autowracks lassen auf ein apokalyptisches Szenario rückschließen, doch man erfährt nichts weiter über das Setting. Einmal im Haus angekommen, trifft der Flüchtige alsbald auf den Besitzer – und auf ein Buch mit seltsamen Zeichnungen, welches aufgeschlagen auf dem Küchentisch liegt …


Neben der Veränderung des Settings sind es vor allem die handelnden Charaktere, die Das Bild im Haus von Lovecrafts Original entfernen. Denn hier ist niemand harmlos. In einem sogartigen Dialog zwischen dem Flüchtling und dem Hausbesitzer stellen sich beide ihrer Vergangenheit - und keiner von beiden ist auch nur ansatzweise unschuldig. Als der Lynchmob schließlich vor der Tür steht, kulminieren die Ereignisse und wir erfahren mehr über die Handlungsträger, als wir uns hätten vorstellen können … oder wollten.


Das Bild im Haus ist eine äußerst gelungene Interpretation von Lovecrafts Geschichte. Nicht nur hat die Veränderung des Settings als Frischzellenkur der Geschichte gut getan. Nein, David Lapuch nutzt auch seine eigene Form der „Gewaltenteilung“, um eine eindrückliche, eigene Geschichte zu erzählen. Dabei sind Wortgewalt, Bildgewalt und brutale Gewalt die Mittel seiner Wahl, um eine Drastik zu erzeugen, die nicht nur auf den Schockmoment aus ist, sondern nachhaltig beeindruckt. Empfehlenswert.