Lovecrafter Online – Rezension: Wirbeltrommel
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Seanchui -
5. Oktober 2026 um 12:00 -
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"Kurze Irritationen" lautet der Untertitel von Herbert Arkenriedts Kurzgeschichtensammlung "Wirbeltrommel". Und hier ist der Name wahrlich Programm, denn seine Texte sind mitunter reichlich kurz und wissen dennoch gelungen zu irritieren. Arkenriedt greift Alltagsmomente auf und verwandelt sie gekonnt in Begegnungen mit dem Unheimlichen. Dabei ist das Unheimliche hier nicht unbedingt als "bedrohlich" oder "gefährlich" einzustufen, sondern schlicht als seltsam, unbegreiflich - und damit auf eine Art furchteinflößend, wie sie Lovecraft wohl erfreut hätte.
Insgesamt zehn Kurzgeschichten sowie ein kurzes Gedicht hat Arkenriedt auf gerade einmal 48 Seiten versammelt. Allen ist gemein, dass wir einem oder auch mehreren Protagonisten in eine kurze Alltagssituation folgen, welche durch einen seltsamen Umstand ins Weirde umschlägt. Ein paar Beispiele seien mir erlaubt. So gibt es ein achtlos am alten Güterbahnhof herumliegendes Rohr. Dieses weckt irgendwann das Interesse eines auf seinem Balkon sitzenden Nachbarn - nämlich an jenem Zeitpunkt, als eine Katze auf der einen Seite hineinsteigt und ein Hund auf der anderen Seite herauskommt ... Ebenfalls um ein Rohr geht es bei dem Spielgerät auf dem Kindergartenspielplatz, in dem sich die Kinder verstecken können. Doch die andere Seite hält manche Überraschung bereit.
Natürlich schreibt Arkenriedt nicht nur über Rohre. Was steckt eigentlich hinter dem seltsamen Umstand auf der B22, dass Autofahrer ständig beim Überholen in den Gegenverkehr rasen? Wie entkommt man einer gefahrvollen Situation, wenn man sich nur auf seine Ohren verlassen kann? Und wie reagiert ein Programmierer, wenn sich die eigene KI an ihn wendet und um etwas bittet? All diesen Fragen geht Arkenriedt nach. Besonders gut gefallen hat mir dabei der Umstand, dass einige Geschichten locker miteinander verbunden sind und einen einmal begonnenen Handlungsfaden aufgreifen und in eine völlig andere Richtung weiterspinnen.
Trotz der Kürze der einzelnen Texte kann man Herbert Arkenriedt reichlich Kreativität attestieren. Die Vignetten sind abwechslungsreich einerseits, auf das Weirde fokussiert andererseits. Das weiß vollauf zu gefallen und wird von Arkenriedts gekonntem Schreibstil unterstützt. Als Vorbilder nennt er Schweblin, Aickman oder Barron und ja: Man erkennt, in welche Richtung sein Stil die Geschichten trägt, auch wenn wir es hier mit einem Erstling zu tun haben, dessen hoffentlich zahlreiche Nachfolger Arkenriedt immer weiter in die Richtung seiner Vorbilder tragen werden.
Ich möchte "Wirbeltrommel" jedem empfehlen, der das "Weirde" auch abseits des "Horrors" zu schätzen weiß. Mir hat der Band sehr gut gefallen.
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