Lovecrafter Online – Rezension: Culbards "The Case of Charles Dexter Ward"
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Seanchui -
3. August 2026 um 12:00 -
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I. N. J. Culbard ist ein anerkannter Künstler, der etwa bei Dark Horse Comics, Vertigo und bei SelfMadeHero veröffentlicht hat. Er hat die Originalgeschichte textlich adaptiert und gezeichnet. Für seine Graphic Novel At the Mountains of Madness gewann er 2011 den British Fantasy Award. 2012 folgte dann die Graphic Novel zu Lovecrafts The Case of Charles Dexter Ward.
The Case of Charles Dexter Ward gehört nicht nur zu Lovecrafts längeren Geschichten, sondern zugleich auch auf mehreren Ebenen ein gelungener Kriminalfall. Auch, wenn viele von Lovecrafts Werken Rätsel und Mysterien beinhalten, so hat es mir The Case doch sehr angetan. Umso mehr freute ich mich darauf, nach langen Jahren der Suche (der Band hatte schon einige Jahre auf dem Buckel, als ich begann mich für Culbards Schaffen näher zu interessieren), endlich diese Graphic Novel in der Hand zu halten. Worum es geht? Nun, der junge Charles Dexter Ward verschwindet eines Tages spurlos aus einer Nervenheilanstalt. Sein letzter Besucher, der Arzt der Familie Dr. Willet, kann nicht erklären, wie der Junge entkommen konnte. In der Folge lässt er uns Leser an seinen Beobachtungen der letzten Jahre teilhaben, skizziert, wie der junge Ward überhaupt in der Nervenheilanstalt landen konnte - und was unweigerlich geschehen muss... Zugegeben: Der "moderne" Leser, welcher Plot-Twists bereits durch zahlreiche Medien gewohnt ist, ahnt auch bei dieser Geschichte recht bald, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Das schmälert aber in keiner Weise die Qualität des Textes. Wie gelungen ist nun Culbards Umsetzung?
Culbards Strich ist grob, soviel sei vorweggenommen. Seine Stärke liegt in klaren, kantigen Zeichnungen und insbesondere in den Gesichtern der Charaktere. Diese sind ausdrucksstark, wenn auch stilistisch einfach gehalten, und deutlich voneinander zu unterscheiden. Culbard verliert sich nie in großen Landschaftsportraits oder überbordenden Details, sondern arbeitet mit Schatten und farbigen Flächen. Dies mag auf den ersten Blick wenig künstlerisch erscheinen, hilft jedoch dabei, den Fokus auf der Handlung und den handelnden Charakteren zu halten. Ebenso zeigen sich die Bilder recht aktionsarm und wenig dynamisch, was wiederum gut zur Vorlage passt.
Trotz der recht üppigen 128 Seiten bleibt diese Adaption leider einige Passagen aus Lovecrafts Originalgeschichte schuldig, wie beispielsweise die Reisen des jungen Ward nach Europa. Dennoch bleibt die Adaption insgesamt eng an der Vorlage und durch einige Kniffe - wie abgedruckte Briefe oder Zeitungsartikel - kann man der Handlung jederzeit gut folgen.
Lohnt sich also diese Adaption? Ja, in jedem Fall. Culbard vermag es mit seinen dunklen, kräftigen Bilder eine eigentümliche Atmosphäre heraufzubeschwören, welche der Vorlage mehr als gerecht wird. Kein Augenschmaus, dafür eine dunkle und kantige Melange aus Wahnsinn und Magie, die vollauf zu überzeugen weiß. Falls Ihr - wie ich - Fan des Originals seid und dieser Ausgabe habhaft werden könnt heißt es: zuschlagen!