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Lovecrafter Online – Rezension: Das alte Haus am Nordrand

  • AndreasGiesbert
  • 1. Januar 2024 um 12:00
  • 1.824 Mal gelesen
  • 0 Antworten

Wieder einmal widmet sich Andreas Giesbert dem kosmischen Horror in der modernen Literatur. Ein weiteres Mal kommt ein Werk aus dem Whitetrain-Verlag - dieses Mal aus der Feder von Erik R. Andara - unter die kritische Leselupe.

Foto: Peter Kastberger, Creative-Commons-Lizenz BY-NC-SA
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Buntes Wien
  2. Phantastische Kosmologie
  3. Fazit: Einzigartiger Leseeindruck

Valentina hat es nicht leicht. Nach einer unversöhnlichen Trennung steht sie vor einem Trümmerhaufen. Nachdem sich sogar die Unterstützung ihrer Freundinnen ihrem Ende entgegen neigt, steht sie schließlich ohne Bleibe in Wien. Dass ihr Vater jüngst verstorben ist, lässt sie dementgegen fast kalt, bestand doch bereits seit Jahrzehnten kein Kontakt mehr. Dass ihr so eine Mietwohnung am Nordrand Wiens in den Schoß fällt, kommt fast gelegen, entpuppt sich aber lediglich als Auftakt neuer Probleme. Zu einem ehrgekränkten rachsüchtigen Expartner und finanziellen Nöten gesellen sich nun auch noch Visionen von ihrem verstorbenen Bruder und eine Reihe an ebenso unerklärlichen wie besorgniserregenden Erscheinungen. Wie schon gesagt: Valentina hat es wahrlich nicht leicht …

Das neueste Werk von Erik R. Andara beginnt weitgehend mundan. Wir haben es mit den weltlichen Sorgen einer Frau zu tun, die sich schmerzhaft aus einer toxischen Beziehung löst und versucht, trotz Existenzängsten und handfesten Drohungen ihres Expartners, ihr Leben neu aufzubauen. Auch wenn sich früh phantastische Elemente andeuten, bleibt das Buch sehr lange „realistisch“. Mit lebendiger Detailverliebtheit zeichnet das Buch die Situation Valentinas nach und führt behutsam eine überschaubare Zahl an Charakteren ein. Wir blicken tief in Valentinas Gefühlswelt, ihre familiäre Geschichte und ihre wenigen Beziehungen. Wir begleiten sie bei Nachtschichten als prekär beschäftigte Hotelrezeptionistin, bei ihren kurzen Momenten der Ablenkung, wenn sie mit dem notorisch vergnügten Arbeitskollegen Hassan scherzt und ihrer Angst, wenn sie alleingelassen von Expartner Gregor bedroht wird und schutzlos um ihren Job fürchten muss.

Buntes Wien

Charaktere und Szenerien sind dabei so prägnant geschildert, dass selbst vermeintlich langweilige Szenen dazu führen, dass wir (oder zumindest ich) mit Valentina mitfühlen und in ein greifbar graues Wien gezogen werden. Dieses für Valentina von Tristesse geprägte Wien wird dabei vom Wahlwiener Andara in aller Bandbreite gezeichnet. In die Wiener Melange mischt sich hier – ganz wie im echten Wien – eine gehörige Portion Çay-Tee. Autochthone Wiener*innen bilden die Ausnahme. Valentina hat serbischen Hintergrund, ihre Nachbarn sind Iraker*innen und in der Geschichte zentrale Freunde ihres Archälogenvaters stammen aus der Türkei. Als jemand, der die Vielfalt der Wiener Straßen nicht nur aus Erzählungen kennt, gelingt es dem Autor dabei, all die Charaktere vielschichtig und glaubwürdig zu gestalten und mit Klischees zu brechen. Auch die immer wieder eingepflegten fremdsprachigen Redewendungen lesen sich natürlich, kommen aber leider ohne Übersetzung daher. Mit anderen Worten: Andara zeichnet ein modernes Wien, das sich bei aller spürbaren Liebe zur Stadt nicht in idyllischem Kitsch verliert.

Phantastische Kosmologie

Wie auch die anderen Romane aus Andaras Œuvre haben wir es hier mit einem phantastischen Roman zu tun. Wie erwähnt, zeichnet sich früh ein „magisches“ Element ab, das von den Charakteren zuerst erfolgreich wegrationalisiert wird. Sehr behutsam zieht sich die Schlinge des übersinnlichen Grauens um die Charaktere. Genau diese behutsame Arbeit ist es, welche die Schlagkraft des phantastischen Elements ausmacht. Die irrealen Brüche sind fest in der realistisch gezeichneten Welt verankert und entfalten so eine umso verstörende Wirkung. Die Verquickung mit dem persönlichen Alltagshorror, Familiengeschichte und der Autorität einer greifbar geschilderten Szenerie lässt das Mystische nicht so einfach beiseiteschieben.

Das wird durch eine in Briefen und Erzählungen präsentierte Kosmologie verstärkt, die diese Aspekte in ein größeres Ganzes einbettet. Ähnlich wie in Lovecrafts Cthulhu-Mythos deutet sich hier eine umfassendere Gegenrealität an, deren Schleier nur leicht gelüftet wird. Es stellt sich der wohlige Schauer ein, dass es neben unserer Wirklichkeit noch eine phantastische Realität gibt. Quasi eine Welt hinter der Welt, in der mächtige und uns nicht verständliche Kräfte herrschen. Die Kosmologie zeigt dabei originär Andarasche Züge. Der kosmische Nihilismus des Lovecraftzirkels kommt zwar durch, wird aber um Schöpfungsmythen und die Angst vor einem radikalen Nichts (terror nihil) ergänzt. Wer Andaras Texte kennt, wird einige der Elemente wiedererkennen, aber ein weiteres und durchaus zentrales Puzzlestück seiner Kosmologie entdecken.

Fazit: Einzigartiger Leseeindruck

Erik R. Andaras Romane treffen in mir einen Nerv. Seine klare und äußerst präzise Sprache, die sorgsam geplante Handlungsstruktur und die ungeschlagene Ortskenntnis ziehen mich in seine Welt wie kaum ein anderes Buch. Die Charaktere, ihre Beweggründe und Ängste stehen mir beim Lesen durchweg so plastisch vor Augen, dass der sich heranbahnende Horror wirklich bedrohlich wird. Dass dieser Horror dann auch noch eine eigene Kosmologie in seinem Rücken weiß, verstärkt diesen Effekt noch einmal. Die Mischung aus Realismus und konsequent durchdachter Phantastik ist meisterhaft gelungen und in dieser Form wohl einzigartig. Alle bisherigen Romane des Autors sind Freunden und Freundinnen der anspruchsvollen dunklen Phantastik nur zu empfehlen. Das alte Haus am Nordrand ist für mich dabei das bisher stärkste Werk aus Andaras Kosmos. Ob Charaktere, Kosmologie oder Handlungsstruktur: Hier stimmt einfach alles.

Das alte Haus am Nordrand

Whitetrain, 2023

Softcover, 320 Seiten, 23,90 €

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Leseprobe

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