Lovecrafter Online – Comic-Rezension: Lovecraft
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Seanchui -
31. Juli 2023 um 12:00 -
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Keith Ian Giffen ist ein US-amerikanischer Comiczeichner und Autor. Er ist hauptsächlich für seine Arbeiten im Superhelden-Genre bekannt. So arbeitete er in den 1980er und 1990er Jahren an „Legion of Super-Heroes“, schuf die außerirdische Söldnerfigur Lobo und den respektlosen Möchtegern-Helden Ambush Bug. Seine Dialoge zeichnen sich normalerweise durch einen bissigen Witz aus, was vom Publikum oft eher gemischt aufgenommen wurde. Der in Italien lebende Enrique Breccia, der Sohn des bekannten Comiczeichners Alberto Breccia, zeichnete 1968 sein erstes Werk, als er zusammen mit seinem Vater Vida del Che (Das Leben des Che) illustrierte, eine biografische Historieta des berühmten Revolutionärs Che Guevara. Seit den frühen 2000ern zeichnet er für amerikanische Comicverlage und arbeite für die Reihen X-Force, Batman: Gotham Knights und Swamp Thing. Hans Rodionoff schließlich arbeitet als Comic- und Drehbuchautor. Zu seinen bekanntesten Erfolgen gehören Filme wie Lost Boys oder Deep Blue Sea 2 sowie die Marvel-Comicreihe Man-Thing. Dieser illustren Gruppe verdanken wir die Existenz der Graphic Novel Lovecraft.
Lovecraft liegt als handliches Hardcover im amerikanischen Letterformat vor. Der Buchumschlag weist edle Prägungen auf und bereits auf dem Cover werden wir von Breccias Zeichnungen begrüßt. Die Geschichte ist durchgängig vollfarbig gezeichnet und gedruckt, auch wenn Breccia hin und wieder mit unterschiedlichen Farbnuancen spielt. Im Vorwort kommt John Carpenter, besser bekannt als Regisseur zahlreicher Horrorstreifen, zu Wort und würdigt Lovecraft.
Lovecraft verfolgt einen sehr offensiven Ansatz, um das Leben und Schaffen des zu portraitierenden Künstlers miteinander zu verquicken. Denn hier wählen die Autoren die Prämisse, dass all die furchtbaren Dinge, welche H.P. Lovecraft in seinen Geschichten beschreibt, schlicht und ergreifend wahr sind. Alles beginnt damit, als Lovecrafts Vater in ein Sanatorium eingewiesen wird. Denn der noch kindliche Lovecraft findet in den Habseligkeiten seines Vaters das Necronomicon, ein Buch, dass ihn sofort fasziniert. Doch mit zunehmender Lektüre muss der junge H.P. Lovecraft feststellen, dass er versehentlich ein Tor in eine alptraumhafte Welt geöffnet hat... Die weiterführende Geschichte hält sich grob an die tatsächliche Biographie Lovecrafts, verquickt aber verschiedene Ereignisse in seinem Leben mit den tatsächlich realen Umtrieben des Mythos. So landet auch Lovecrafts Mutter im Sanatorium, nachdem sie in dem Buch ihres Sohnes geblättert hat und die Scheidung von Sonia Greene erfolgt nach einem gemeinsamen Besuch im schattenhaften Arkham. An dieser Stelle endet dann auch Lovecraft und spart die letzten Lebensjahre des Autoren aus.
Künstlerisch weiß mir Lovecraft durchaus zu gefallen. Gerade die beiden unterschiedlichen Zeichenstile, mit denen Breccia die Sequenzen um den Mythos und die realweltlichen Ereignisse voneinander zu trennen versteht, machen das Buch zu einem kleinen Augenschmaus. Dabei geht Breccia - gerade in den Horrorszenen - durchaus auch explizit und brachial zu Werke und scheut sich auch nicht davor, großzügig Innereien und Blut in den Panels zu verteilen. Dennoch wird Lovecraft nie geschmackloser Bodyhorror, sondern bleibt eine eigene Verneigung vor dem kosmischen Horror Lovecrafts.
Die Qualität der Geschichte wiederum steht und fällt mit der Erwartungshaltung. Als Biographie ist Lovecraft sicherlich nicht zu gebrauchen, auch, wenn einige Stationen aus Lovecrafts realem Leben portraitiert werden. Auch als Charakterzeichnung des Autoren aus Providence eignet sich Lovecraft nicht, werden doch viele der gerade heute so wichtigen, problematischen Aspekte des Autors gar nicht angesprochen. Schlussendlich entfaltet Lovecraft eine gewisse Stärke als reine Horrorgeschichte mit einem Blick auf einen Mann, der unversehens zwischen einer Welt des Schreckens und unserer Realität steht und sich selbst als letzten Verteidiger unserer Wirklichkeit ansieht. Ansehen muss. Ob es dafür allerdings wirklich der Figur "Lovecraft" bedurft hätte, wage ich zu bezweifeln. So bleibt Lovecraft eine weitere von mittlerweile sehr vielen Geschichten, welche H.P. Lovecraft als Person zum Teil seines eigenen Werkes machen, ohne hier irgendeine spannende Nuance zu dieser verbrauchten Idee hinzufügen zu können. Etwas mehr Eigenständigkeit und der Verzicht auf Lovecrafts Namen als Zugpferd hätten dieser Graphic Novel tatsächlich gut zu Gesicht gestanden. Wer allerdings noch nie eine Geschichte dieses Strickmusters gelesen hat, findet hier einen gutgemachten Vertreter dieser Art vor.
Fazit: Starke Zeichnungen in hochwertiger Verpackung. Keine Biographie, keine Charakterskizze sondern "nur" eine Horrorgeschichte, mit Lovecraft als - unnötigem - Protagonisten. Wem das genügt, der darf einen Blick riskieren.