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Lovecrafter Online – 109 – Rezension: Cthulhus Ruf (Manga)

  • Seanchui
  • 21. Februar 2022 um 12:00
  • 2.216 Mal gelesen
  • 2 Antworten
Der Mangaka Gou Tanabe widmet sich ein ums andere Mal dem Werk Lovecrafts und überführt es in das für europäische Augen oft ungewohnte Format des Mangas. Mit Cthulhus Ruf wagt sich Tanabe nun an Lovecrafts Schlüsselwerk. Wie gelungen ist die Adaption?
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Inhalt
  2. Kritik
  3. Fazit

Gou Tanabe wurde 1975 in Tokyo geboren. Bereits seit 2004 adaptierte er Lovecrafts Werk – beginnend mit Der Außenseiter – als Manga und erhielt so immer größere, auch internationale Aufmerksamkeit. Natürlich zeichnet er auch für die vorliegende Adaption von Lovecrafts Werk in der Manga-Variante verantwortlich. Der Carlsen Verlag sorgt unter seinem Speziallabel Carlsen Manga! für die deutsche Lokalisation, in der bislang acht Bände erschienen sind.

Inhalt

Der Ruf des Cthulhu stellt eine Art zentrales Werk des Cthulhu-Mythos dar. Die Geschichte ist für den Mythos in unserer realen Welt ein ähnlich zentraler Mittelpunkt wie es das Necronomicon für Lovecrafts erdachte Welten ist. Ähnlich wie in der Novelle Berge des Wahnsinns werden hier zentrale Aspekte des Mythos präsentiert, welche die Geschichte unserer Welt, wie wir Menschen sie uns in unserem Meer der Unkenntnis zusammengereimt haben, auf den Kopf stellen. Ich gehe davon aus, dass sich Leser, welche sich auf diese Seite verirren, mit der Handlung der Geschichte vertraut sein dürften. Dennoch möchte ich die kurze Handlungszusammenfassung weitgehend spoilerfrei halten:

Providence im Jahre 1926. Nach dem mysteriösen Tod seines Großonkels wird der junge Francis Wayland Thurston zum Nachlassverwalter des Verstorbenen bestimmt. Dieser war ein berühmter Professor für semitische Sprachen an der Brown-Universität. Doch seine letzten Forschungen hielt er streng geheim. Nach der Sichtung der zahlreichen Unterlagen seines Großonkels ergibt sich für Thurston ein erschreckendes Bild. Doch erst ein bemerkenswerter Zufall lässt ihn alle Puzzlestücke zusammensetzen…

Kritik

Hier endet nun der spoilerfreie Bereich, denn um Tanabes Adaption der Geschichte richtig zu besprechen gilt es, den einen oder anderen Aspekt beim Namen zu nennen. Selbstverständlich.

Da wäre zunächst einmal die generelle Adaption der Geschichte. Dem neuen Medium mit seinen visuellen Möglichkeiten geschuldet widmet Tanabe dem einen oder anderen - von Lovecraft eher randseitig behandelten Aspekt - deutlich mehr Raum als die Originalgeschichte. So ist dem zum Beispiel dem Kampf der Matrosen der Emma rund um Maat Johansen mit dem Dampfer Alert und seiner kultischen Besatzung deutlich mehr Platz gewidmet, während die Träume des Bildhauers Wilcox und seine fiebernde Raserei nahezu stiefmütterlich behandelt werden. Durch die verschobenen Aspekte geht auch ein wenig der puzzleartige Charakter des Originals verloren, welcher meiner Meinung nach einen besonderen Reiz der Geschichte ausmacht. Statt Stück für Stück Puzzleteile zusammenzusetzen folgen wir Wayland Thurston eher stringent durch die Handlung. Die beinhaltet natürlich alle wesentlichen Aspekte, fühlt sich jedoch schlicht anders an.

Optisch präsentiert sich Tanabe ein weiteres Mal sehr routiniert. Die Zeichnungen sind - wie auch bereits in den anderen Bänden - von hoher Qualität. Sein Zeichenstil ist qualitativ hochwertig, detailfreudig und lädt zum Verweilen ein. Besonders gelungen ist Tanabe die Darstellung des aus der Tiefe des Meeres emporgestiegenen R'lyeh. Die nichteuklidische Architektur, die ungesunden Winkel, die fremdartigen optischen Reize - Tanabe gelingt es, gerade im Zusammenspiel mit den umherirrenden Matrosen, die einzigartige Atmosphäre der toten Stadt einzufangen. Leider verwendet er eher selten die großformatigen Panels, welche in den anderen Mangas als Ruhepole beeindruckende Panoramen zu präsentieren wissen. Ein wenig enttäuscht war ich außerdem von der Darstellung Cthulhus selbst; nicht nur, dass Tanabe den üblichen, optischen Interpretationen des Großen Alten wenig hinzuzufügen weiß, nein, auch die Deutlichkeit, mit der Cthulhu bereits recht früh in der Geschichte in Erscheinung tritt, schadet der Immersion. Während er die Flugkraken in Der Schatten aus der Zeit gekonnt nur schemenhaft darstellte, wählt Tanabe hier eine sehr direkte Präsentation Cthulhus, was wiederum wenig in Lovecrafts Geist gedacht ist.

A propos Lovecrafts Geist: In wenigen Geschichten sind Lovecrafts Ressentiments gegenüber dunkelhäutigen Menschen und sein hasserfüllter Rassismus offener zutage getreten, als in Der Ruf des Cthulhu. Die finsteren Kulte rund um den Erdball werden in Lovecrafts Geschichte von dunkelhäutigen, degenerierten Menschen gebildet, die kaum als solche zu erkennen sind. Leider bedient Tanabe in seinen Bildern diese Klischees, ohne sie weiter zu hinterfragen oder sie in eine modernere Sichtweise zu transponieren. Hier wäre ein wenig weniger Werktreue förderlich gewesen.

Fazit

Natürlich ist Der Ruf des Cthulhu eine großartige Geschichte, und auch Gou Tanabes Variante ist - allen Änderungen am originalen Aufbau zum Trotz - eine großartige Horrorgeschichte mit zentralen Elementen des Mythos. Erstmals bei der Sichtung von Tanabes Werk habe ich aber nicht das Gefühl, die Geschichte hätte durch die Adaption interessante Aspekte hinzugewonnen. Damit bleibt Cthulhus Ruf trotz der starken Vorlage einer der schwächeren Bände der Reihe.

Cthulhus Ruf

Carlsen Manga! 2021

ISBN: 978-3551767165

Beim Verlag bestellen: http://https//www.carlsen.d…8-3-551-76716-5

  • lovecraft
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Antworten 2

SteamTinkerer
21. Februar 2022 um 13:49

Moin,

vielen Dank für die Rezi. :thumbup:

Aber kontrolliere bitte einmal den Link, der zum Carlsen Verlag führt. Statt zu "Cthulhus Ruf" gelange ich indes zu "Schatten aus der Zeit". ;)

Liebe Grüße,

Mirco

Seanchui
21. Februar 2022 um 22:35
Zitat von SteamTinkerer

Moin,

vielen Dank für die Rezi. :thumbup:

Aber kontrolliere bitte einmal den Link, der zum Carlsen Verlag führt. Statt zu "Cthulhus Ruf" gelange ich indes zu "Schatten aus der Zeit". ;)

Liebe Grüße,

Mirco

Gefixt, danke für den Hinweis!

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