Religiöse Spielercharaktere

  • Mir ist aufgefallen, dass Priester und andere religiöse Berufe im Regelwerk (bis auf die Missionarin) nicht vorgesehen sind. Das finde ich sehr schade, denn sie bieten meines Erachtens nach eine Menge Rollenspielpotenzial.
    Literarische und filmische Vorbilder gibt es haufenweise (wenn auch nicht bei Lovecraft selbst), vom Namen der Rose und Bruder Cadfael über Pater Brown bis zu Fantasy-Action-Trash a la Van Helsing. Außerdem können religiöse Organisationen perfekt als Kampagnenrahmen dienen (Geheimorden des Vatikans oder die Illuminaten beispielsweise).


    Darum mal ein paar Ansätze, wie man diese Aspekte einbauen könnte. Wenn die Grundidee Anklang findet muss man natürlich noch in die Details gehen.


    Neuer Beruf: Priesterin
    Mögliche Ausprägungen: Pfarrerin, Imam, Rabbiner, Predigerin, Exorzistin, Inquisitorin, Mönch, Nonne


    Neue Facette: Gläubig
    Menschen, die von ihrem Glauben fest überzeugt sind, können Extremerfahrungen psychisch oft besser verarbeiten. Sollte ihr Weltbild aber fundamental ins Wanken kommen, dann kommt der Zusammenbruch auch viel schneller.
    • Vorteil: Dein Charakter bekommt einen Bonus von +5% auf Proben gegen die Bedrohung deiner geistigen Stabilität.
    • Nachteile: Du erhältst den doppelten STA-Verlust, wenn ein STA-Wurf wegen Unnatürlichem misslingt. Du musst dich an die Regeln deines Glaubens halten.


    Freizeitbeschäftigung:
    Inanspruchnahme von Seelsorge, Beichten etc. könnte regeltechnisch wie „Zur Therapie gehen“ behandelt werden.


    Was haltet ihr davon? Alles überflüssig oder sinnvolle Ergänzungen?

  • Ich finde die Idee gut; das fehlt bei den aktuellen Berufen.


    Anmerkung: Im Gegensatz zu einigen anderen Systemen haben wir bei FHTAGN sogar Religion als Fertigkeit. :)
    https://fhtagn-rpg.de/regelwerk#religion
    U.a. weil es bspw. für Mittelalterszenarien ziemlich wichtig ist.


    Die Facette finde ich prinzipiell auch gut - du meinst +5% (Punkte) auf die Probe, richtig? Wie bei Glück?


    Doppelte STA-Verluste sind ziemlich krass. Man könnte auch den maximalen Wert nehmen, wie bei Abhärtung nur umgekehrt.
    Also bei 1/1W6 STA = 6 Punkte.

  • Ja, ich meinte +5%-Punkte auf die Probe. Vielleicht sind +10% auch angemessen, da fehlt mir noch das Gefühl.
    Doppelter STA-Verlust ist natürlich krass. Aber wenn ich merke, dass mein Weltbild und mein zentraler Lebensinhalt gleichzeitig den Bach runter gehen, dann ist das auch ziemlich krass. Maximalwert ist für mich aber auch in Ordnung.


    Wie meinst du das mit der Abhärtung? Ich dachte bei Abhärtung ist der STA-Wurf automatisch erfolgreich und es tritt dann der entsprechende STA-Verlust ein. Wo wird da ein Minimalwert genommen?

  • Dann versuche im mich doch mal am Beruf Priesterin (als Diskussionsgrundlage). Bei den Prozentwerten bin ich unsicher, ob das so passt. Eventuell noch mehr Fertigkeiten oder Prozentpunkte? Vier Bindungen halte ich für angemessen.
    Der Flufftext ist nur eine erste Idee. Das kann man auf jeden Fall noch besser machen.


    Möglicher Hintergrund:
    Auf dem Friedhof hinter deiner Kirche wurden in letzter Zeit immer wieder Gräber beschädigt. Du hast eine Clique von Jugendlichen im Verdacht, konntest sie aber nie erwischen. Heute Morgen ist es schlimmer als sonst. Das Tor zur Krypta der Familie von Hohenfeldt scheint aufgebrochen. Als du näher kommst siehst du zu deinem Entsetzen, dass sie von innen geöffnet wurde.


    Mögliche Ausprägungen: Pfarrerin, Imam, Rabbiner, Predigerin, Exorzistin, Inquisitorin, Mönch, Nonne


    Empfohlene Attribute: EN, CH


    Berufsfertigkeiten:


    • Bürokratie 40% (30)
    • Fremdsprache (nach Wahl) 50% (50)
    • Kunst (nach Wahl) 30% (30)
    • Psychologie 50% (40)
    • Psychotherapie 30% (20)
    • Religion 60% (50)
    • Überzeugen 50% (30)
    (=250)


    Wähle 3 weitere Berufsfertigkeiten:


    • Buchführung 40% (30)
    • Erste Hilfe 40% (30)
    • Fremdsprache (nach Wahl) 30% (30)
    • Fremdsprache (nach Wahl) 30% (30)
    • Geschichte 30% (30)
    • Kunst (nach Wahl) 30% (30)
    • Okkultismus 40% (30)
    • Rechtswesen 30% (30)
    • Wachsamkeit 50% (30)
    (=90)
    (==350)


    Bindungen: 4
    (+50)

  • Danke, Case! Jetzt verstehe ich endlich, wie das mit den 400 Punkten gemeint ist. Bei den Auswahl-Fertigkeiten kommen immer die gleichen Aufschläge auf den Grundwert drauf! :!: Das könnte man noch in den Abschnitt zu neuen Berufen schreiben.


    Okkultismus hat den Basiswert 10%, kommt also in Summe auf 40%.

  • Hier ein Vorschlag für die neue Facette.
    Man könnte sie auch noch verstärken, indem der Bonus auf +10% erhöht wird und der STA-Verlust verdoppelt wird, statt den Maximalwert zu nehmen. :tuuluu:


    Gläubig


    Dein Charakter ist ein zutiefst religiöser Mensch. Wahrscheinlich ist er Mitglied in einer Kirche oder einer anderen Glaubensgemeinschaft. Sein Glaube gibt ihm Kraft, die schlechten Seiten der Welt besser zu ertragen.


    Vorteil: Bei Proben gegen die Bedrohung seiner geistigen Stabilität bekommt dein Charakter einen Bonus von +5%.


    Nachteil: Wenn deinem Charakter eine STA-Probe wegen Unnatürlichem misslingt, dann erleidet er automatisch den maximal möglichen STA-Verlust (z.B. 6 Punkte bei 1W6), weil sein Glauben ins Wanken kommt. Außerdem hält sich dein Charakter immer an die Glaubensregeln seiner Religion.

  • Bleibt aus meiner Sicht noch das Thema offen, Seelsorge, Beichte und Buße, Gebet, Meditation, religiöses Fasten usw. als stabilisierende Maßnahmen für die Psyche regeltechnisch als Freizeitbeschäftigung abzubilden. Dafür sehe ich zwei Wege.
    1. Wir behandeln das als Teil von "Zur Therapie gehen (und die Wahrheit sagen)" und fügen in den Beschreibungstext noch ein oder zwei Sätze ein.
    2. Wir machen eine eigene Freizeitbeschäftigung dafür. Diese bekommt dann etwas mehr beschreibenden Text als in Variante 1. Von der Wirkung her würde ich das irgendwo zwischen den beiden Therapie-Varianten (mit und ohne Wahrheit) ansiedeln.


    Was meint ihr?


  • Seelsorge, Beichte und Buße, Gebet, Meditation, religiöses Fasten usw. als stabilisierende Maßnahmen für die Psyche regeltechnisch als Freizeitbeschäftigung abzubilden. Dafür sehe ich zwei Wege.
    1. Wir behandeln das als Teil von "Zur Therapie gehen (und die Wahrheit sagen)" und fügen in den Beschreibungstext noch ein oder zwei Sätze ein.
    2. Wir machen eine eigene Freizeitbeschäftigung dafür. Diese bekommt dann etwas mehr beschreibenden Text als in Variante 1. Von der Wirkung her würde ich das irgendwo zwischen den beiden Therapie-Varianten (mit und ohne Wahrheit) ansiedeln.


    Gebet, Meditation, religiöses Fasten --> "Sich in die Natur zurück ziehen" - das kommt dem Punkt bereits sehr nah.
    Seelsorge, Beichte und Buße --> Zur Therapie gehen (und die Wahrheit sagen/verschweigen) - das ist ebenfalls recht nah dran für religiöse SCs.


    Sprich, das kann man IMHO sehr gut damit abbilden, ohne neue Kategorien schaffen zu müssen.

  • Gebet, Meditation, religiöses Fasten --> "Sich in die Natur zurück ziehen" - das kommt dem Punkt bereits sehr nah.
    Seelsorge, Beichte und Buße --> Zur Therapie gehen (und die Wahrheit sagen/verschweigen) - das ist ebenfalls recht nah dran für religiöse SCs.


    Sprich, das kann man IMHO sehr gut damit abbilden, ohne neue Kategorien schaffen zu müssen.


    Bin für einen zusätzlichen Satz/ Hinweis im Text. haben wir bisher bei DG auch so gehandhabt ohne zusätzliche Regel. Da ging einer zur Beichte gelegentlich. Keine Extra-Kategorie.


    Der Glaubensvertreter sieht jetzt so aus:


    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Möglicher Hintergrund:[/font][font=Times New Roman,serif] Auf dem Friedhof hinter deiner Kirche wurden in letzter Zeit immer wieder Gräber beschädigt. Du hast eine Clique von Jugendlichen im Verdacht, konntest sie aber nie erwischen. Heute Morgen ist es noch schlimmer als sonst. Das Tor zur Krypta der Familie von Hohenfeldt scheint aufgebrochen worden zu sein. Als du näher kommst, siehst du zu deinem Entsetzen, dass sie von innen geöffnet wurde. [/font][/font]



    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Mögliche Ausprägungen:[/font][font=Times New Roman,serif] Priesterin, Exorzistin, Religionswissenschaftlerin, Missionarin, Nonne, Inquisitorin, Schamanin, Sektenführerin, Okkultistin, Einsiedlerin, religiöse Anführerin, Fanatikerin, Mystikerin.[/font][/font]



    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Empfohlene Attribute:[/font][font=Times New Roman,serif] EN, CH.[/font][/font]



    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Berufsfertigkeiten: [/font][font=Times New Roman,serif]Bürokratie 40%, Fremdsprache (nach Wahl) 50%, Kunst (nach Wahl) 30%, Psychologie 50%, Psychotherapie 30%, Religion 60%, Überzeugen 50%[/font][/font]



    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Wähle 3 weitere Berufsfertigkeiten: [/font][font=Times New Roman,serif]Anthropologie 30%, Buchführung 40%, Erste Hilfe 40%, Fremdsprache (nach Wahl) 30%, Geschichte 30%, Kunst (nach Wahl) 30%, Okkultismus 40%, Rechtswesen 30%, Wachsamkeit 50%.[/font][/font]



    [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Bindungen:[/font][font=Times New Roman,serif] 4.[/font][/font]

  • Psychiotherapie im Sinne von Trost durch Glauben spenden? Für Einsiedler und Okkultisten passt es sonst nicht ao richtig. Sonst lieber als optionale Fertigkeit (dann 4 statt 3 zur Auswahl).


    Das bringt uns zu einer grundsätzlichen Frage: Psychotherapie ist ja eher allgemein zu verstehen als eine Art "Seelenheilkunde" IMHo denn streng genommen dürfte sowas nur einem Psychiater zustehen, ist aber eine Fertigkeit die jedem zusteht (10% Basiswert) und die es ja auch erlaubt, jemanden "zu beruhigen, wenn sich seine Störung zeigt". Insofern finde ich es für Okkultisten un Einsielder auch okay. Kann es aber natürlich gerne ändern wie von dir vorgeschlagen. Mehr Meinungen?

  • [font=Calibri,sans-serif][font=Times New Roman,serif]Mögliche Ausprägungen:[/font][font=Times New Roman,serif] Priesterin, Exorzistin, Religionswissenschaftlerin, Missionarin, Nonne, Inquisitorin, Schamanin, Sektenführerin, Okkultistin, Einsiedlerin, religiöse Anführerin, Fanatikerin, Mystikerin.[/font][/font]


    Also an dieser Liste gefallen mir ein paar Einträge so nicht.


    Eine Religionswissenschaftlerin gehört für mich immer noch zu den Kulturwissenschaftlerinnen. So jemand kann völlig ungläubig sein und Religionen als abstraktes Forschungsobjekt ansehen. Okkultistin sehe ich ähnlich.


    Nonne zu schreiben, aber den Mönch wegzulassen, geht über das generische Femininum eindeutig hinaus. Hier gibt es zwei völlig unterschiedliche Begriffe für beide Geschlechter. Auch im üblichen generischen Maskulinum würde man da immer "Nonne und Mönch" schreiben.


    Einsiedlerin ist eine Lebensweise, hat aber mit Religion zunächst nichts zu tun und gehört darum nicht hier hin. Wenn, dann könnte man Eremit nennen.


    Nur so aus Interesse: Warum habt ihr alle Ausprägungen weggelassen, die zu einer konkreten Religion gehören (Rabbi, Imam, Pfarrerin, Diakonin)? Das zeigt doch besser als alles Andere, was hier gemeint sein kann.

  • Bei weiterem Nachdenken passt auch der Eremit (gibt es das Wort Eremitin?) gar nicht hier hin. Die Fertigkeitenliste hat einen klaren Schwerpunkt bei sozialen und Kommunikationsfertigkeiten. Außerdem hat die Glaubenvertreterin vier Bindungen. All das passt einfach gar nicht und ich würde den Eremit weglassen. Wenn man so etwas spielen will geht das mit der Überlebenskünstlerin sicher besser. Der Einsiedler steht da ja auch schon.

  • Zunächst ist festzuhalten, dass das ja nicht die endgültige Version sein muss. Über die wird [mention]Case[/mention] sicher auch nochmal drüberschauen.


    - Über Religionswissenschaftlerin in diesem Beruf kann man gern streiten. Jemand der Theologie studiert wird aber vermutlich auch dran glauben. Sonst würde er vielleicht Philosphie studieren. Insofern...
    - Der Einsiedler, der natürlich auch nicht-religiös sein, kann geht aber schon auf religiös motivierte Personen zurück (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Einsiedler) und wer weiß, was so ein Eremit vorher im Leben gemacht hat? Einsiedler "wird" man ja nicht nach dem Schulabschluss ;).
    Für mich und Frank war das schon religiös konnotiert. Man kann ja hier Eremit schreiben und beim Überlebenskünstler den Einsiedler nehmen, der eben nicht religiös ist.
    - Mönch kann wegen mir gerne dazu. Bei den Ausprägungen geht es letztlich ja nur um Beispiele und wenn da Nonne steht, dann ist dneke ich jedem klar, dass man auch einen Mönch spielen kann.


    Ich versuche mal zu erklären, was hinter der Wahl der Ausprägungen steckt. Wir haben intern darüber diskutiert und waren der Überzeugung, dass in einem Setting wie Cthulhu sowas wie Sektenführer und Okkultist etc. in diesen Beruf rein sollte. Das in einem Satz mit "echten" religiösen Führern zu erwähnen (Rabbi, Diakon) stieß bei uns auf die Befürchtung, dass gläubige Menschen da gehörig auf den Schlips getreten fühlen könnten. Deshalb haben wir es allgemein gehalten ("Priester") und die ganz expliziten Bezeichnungen rausgenommen. Wird das so verständlicher? Man kann das durchaus als übertrieben vorsichtig sehen, aber wir waren uns dahingehend eigentlich einig.
    Eine Mystikerin oder Okkultistin gehört für mich jedenfalls absolut hier rein.

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