Schreibstil von Lovecraft

  • Hallo erstmal,


    ich muss demnächst eine wissenschaftliche Arbeit über H. P. Lovecraft schreiben. Jedoch ist es komischerweise relativ schwer seriöse Quellen oder Arbeiten zu finden.

    Die wesentliche Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann ist, woran erkennt man das Autoren aus unserer Zeit in Tradition von Lovecraft schreiben? Mir ist bis jetzt aufgefallen, dass viele Autoren, wie z. B. Stephen King in der Kurzgeschichte Crouch end, eins zu eins Lovecraft übernimmt. Gibt es evtl. noch andere typische Merkmale außer den Cthulhu-Mythos bzw. dem außeriridischen und den Ängsten vor dem Unbekannten? Zum Beispiel von dem Ablauf der Geschichten (wie die Einleitung gestaltet ist oder wie der Schluss endet) oder Sprache, die Lovecraft benutzte?


    Ich würde mich sehr auf antworten oder auch einfach nur Quellen freuen. Danke schon mal im voraus :)

  • Hi Maike,

    das hängt ganz davon ab, auf welche Aspekte Du Dich in Deiner Arbeit konzentrieren möchtest: linguistische und/oder narratologische Aspekte? Motive und Tropen? Metaphern? Philosophische Ideen?


    Ich hätte schon ein paar Ideen, in die das Ganze gehen könnte. Mit Quellen kann ich Dir ggfs. auch weiterhelfen. Vielleicht könntest Du mir etwas mehr über den Kontext und Umfang der Arbeit sagen, und ob die Quellen auf Deutsch sein müssen, oder ob Englisch auch in Ordnung wäre.


    Liebe Grüße,

    Rahel

  • Hi Rahel,


    ich würde mich hauptsächlich auf linguisitische Aspekte und Lovecrafts Philosophische Ideen beschrenken. Bei den zwei Punkten wird bei mir der Philosophische Teil der Hauptkern sein. Wie er mit der Angst und Wahnsinn umgegangen ist.


    Aufgrund von Corona muss meine Arbeit ebenfalls etwas kürzer ausfallen, deswegen bin ich auch schon am Überlegen, ob ich als Beispieltext Stephen King's Kurzgeschichte Crouch end benutzen soll und daran alles gut aufweisen und erklären kann, wie er diese Aspekte von Lovecraft umgesetzt hat.


    Liebe Grüße

    Maike

  • Okay, das hört sich ja schonmal ganz spannend an. Zu dem Thema kann man sicherlich viel machen! Ist die Arbeit für ein bestimmtes Fach (Literaturwissenschaft / Geschichtswissenschaft / ...)?

    Zu Stephen King: Er hat sich in einigen seiner Geschichten explizit in den Lovecraft-Kosmos eingeschrieben. Neben "Crouch End" gibt's beispielsweise noch "Gramma", "The Mist", Needful Thing und noch so einiges anderes. Solltest Du bei King bleiben wollen (was sicherlich machbar wäre), dann könntest Du als ersten Punkt für Deine Literaturrecherche einen Blick in sein Danse Macabre werfen. Da stellt er essayistisch seine eigenen Thesen sowie Meinungen zu Schreiberlingen wie HPL vor.

    Ich werd mir die Tage mal ein paar Gedanken machen. Ich denke, ich hab ein paar gute Empfehlungen für Dich.


    LG,

    Rahel

  • Hallo Maike,


    schön, dass es dich hier her verschlagen hat.


    Das ist ja ein interessantes Thema.


    Je nachdem, wie weit du abtauchen willst, würde ich immer ernstmal die Basics empfehlen:


    Joshi, S.T. (Hg.): Collected Essays, Volume 5: Philosophy; Autobiography & Miscellany. By H.P. Lovecraft. Edited by S.T. Joshi. Hippocampus 2006.


    -> Hier hast du Lovecrafts Primär-Texte. Klar, viel seiner "Philosophie" (fraglich, ob der Begriff wirklich trifft, was gemeint ist, oder ob Weltanschauung nicht besser wäre) wird vor allem in den Briefen verhandelt, aber da gibt es tausende und du wärst wohl zwei Semester nur mit Sichten beschäftigt.


    dann:


    Joshi, S.T. (Hg.): Collected Essays, Volume 5: Philosophy; Autobiography & Miscellany. By H.P. Lovecraft. Edited by S.T. Joshi. Hippocampus 2006.


    -> was am ehesten an eine systematische Untersuchung heranreicht. Hierbei vorsicht: Nicht alles was Joshi schreibt muss auch immer im "Großenganzen" zusammenpassen.


    Und vielleicht ist hier noch was für dich interessant:


    https://www.hplovecraft.com/study/litcrit/al.aspx

    “I couldn’t live a week without a private library – indeed, I’d part with all my furniture and squat and sleep on the floor before I’d let go of the 1500 or so books I possess.”
    H.P. Lovecraft in einem Brief vom 25. Februar/1. März 1929 an Woodburn Harris
  • Ich müsste die Arbeit in Literaturwissenschaft schreiben, aber zum Glück habe ich dort viele Freiheiten bezüglich der Gestaltung.

    Ich hab mir jetzt auch noch einmal ein paar Gedanken gemacht und habe mich entschiedenn, dass ich bei Stephen King bleibe. Ich glaube, dass ist ein relativ guter Vergleich, vor allem dadurch das so gut wie jeder King kennt bzw. seine Geschichten.

    Und danke dir nochmal, dass du dir Gedanken machst. Ich freu mich schon auf deine Empfehlungen.


    LG,

    Maike

  • Guten Morgen Maike,


    hier auch von meiner Seite ein paar Literaturempfehlungen. Hoffentlich sind sie für Deine Zwecke nützlich:


    Es kann sehr gut sein, dass es für Deine Recherche einfacher sein wird, das Paper von der Richtung Stephen Kings aufzurollen und von dort aus dann zu suchen, was über ihn in Zusammenhang mit HPL diskutiert wird.


    LG,

    Rahel

  • seiner "Philosophie" (fraglich, ob der Begriff wirklich trifft, was gemeint ist, oder ob Weltanschauung nicht besser wäre)

    Wo ist der Unterschied? ;)


    Bisher wurden, glaube ich, vornehmlich englischsprachige Quellen genannt. Ich würde noch den Suhrkamp-Band H. P. Lovecrafts kosmisches Grauen (1997) in den Ring werfen, der folgende, im Bezug auf das hier gefragte Arbeitsthema wohl nicht uninteressante Texte enthält:


    • Marco Frenschkowski - H. P. Lovecraft: ein kosmischer Regionalschriftsteller
    • Michael Koseler - Anmerkungen zur Erzählkunst Howard Phillips Lovecrafts
  • Wo ist der Unterschied? ;)

    Definitorisch würde ich Philosophie eher verwenden, wenn Lovecraft da eine wirkliche Theoriebildung betrieben hätte. Lovecraft war kein Philosoph oder Akademiker. Sein Wissen war sehr unstrukturiert, er hat ja nicht systematisch an einem Thema (außer bei Supernatural Horror in Literature) gearbeitet. Daher sind seine Aussagen zu Politik, Gesellschaft etc. zwar unterfüttert durch wissenschaftliche Texte, aber in meinen Augen "Weltanschauung", also vor allem auch seiner individuellen Gemengelage und seinen Vorlieben geschuldet. Ich hoffe, das getippte ist verständlich.

    “I couldn’t live a week without a private library – indeed, I’d part with all my furniture and squat and sleep on the floor before I’d let go of the 1500 or so books I possess.”
    H.P. Lovecraft in einem Brief vom 25. Februar/1. März 1929 an Woodburn Harris
  • Definitorisch würde ich Philosophie eher verwenden, wenn Lovecraft da eine wirkliche Theoriebildung betrieben hätte. Lovecraft war kein Philosoph oder Akademiker. Sein Wissen war sehr unstrukturiert, er hat ja nicht systematisch an einem Thema (außer bei Supernatural Horror in Literature) gearbeitet. Daher sind seine Aussagen zu Politik, Gesellschaft etc. zwar unterfüttert durch wissenschaftliche Texte, aber in meinen Augen "Weltanschauung", also vor allem auch seiner individuellen Gemengelage und seinen Vorlieben geschuldet. Ich hoffe, das getippte ist verständlich.

    Spannende Frage. Sorry, Maike , wenn wir die Diskussion hier etwas entführen. Aber zu derTräumer : Gleichzeitig hätte ich gesagt, dass eine Weltanschauung deutlich umfassender, im wahrsten Sinne des Wortes "globaler" sein müsste als das, was HPL formuliert. Ich stimme dir zu, dass Philosophie und Weltanschauung nicht dasselbe sind. Aber meine Gedanken gehen in die Richtung, dass eine Weltanschauung deutlich systematischer sein muss als eine Philosophie, da sich daraus eben eine Art Weltbild ergibt.

  • Ich will mal nicht den alten Humboldt zum Thema "Weltanschauungen" aus dem Kalender bemühen.


    Ich verstehe, wenn man versucht, hier unterschiede zu setzen. Letztlich sehe ich aber trotz definitorischer Unterschiede erstmal keinen großen Unterschied zwischen einer aus diversen Erfahrungs- und Empfindungsquellen gespeisten Sicht auf die Welt und einer Philosophie, die sich irgendwie einen deutenden Reim auf die Welt zu machen versucht. Die qualitativen Unterschiede wären da für mich interessanter.


    Lovecraft war kein Philosoph oder Akademiker

    Philosophen sind wir letztlich alle, wenn wir Weltinterpretation betreiben. Was wertiger ist und was nicht, ist nicht selten keine inhaltliche Debatte, sondern eine Frage von Macht und Diskurshoheit. Und ob AkademikerInnen jetzt immer die besseren Ideen haben... was nicht bedeutet, dass ich Lovecrafts Weltbild irgendwie teilen oder für hochwertiger als andere Weltbilder halten würde. Aber damit gehen wir jetzt wirklich weit weg vom Thema. Meine Schuld! Sorry. :)

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