Beiträge von Nils

    Abseits der geäußerten Gründe ist es auch einfach nicht üblich im kulturellen Bereich, sich als Verein/Society nach Strömungen, Epochen oder allgemeinen bzw. Fantasie-Begriffen zu benennen. Es gibt eine Goethe-Gesellschaft und eine Schiller-Gesellschaft, aber keine Sturm-und-Drang-Gesellschaft und auch keine Gesellschaft zur Erforschung der Literatur des ausgehenden 18. Jahrhunderts usw.

    Ähm....


    Zitat


    Ins Auge fallen auch hier die Einflüsse von Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Neben Moorcock sind dabei vor allem der durch seine Graphic Novels Watchmen (1986) und Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (Reihe ab 1999) bekannte Comic-Autor Alan Moore (*1953), die Illuminatus!-Trilogie (1969–1971) von Robert Shea (1933–1994) und Robert Anton Wilson (1932–2007) sowie der Horror-Schriftsteller H. P. Lovecraft (1890–1937) zu nennen. (…)


    Magier, Mystiker und Eurasier - COMPACT
    Der Chaos-Stern ist nicht nur das Symbol von Alexander Dugins Eurasischer Bewegung, sondern hat auch einen esoterischen Hintergrund. Dabei ist er ein Produkt…
    www.compact-online.de

    Lieber RLegrasse , ich bin da ja gar nicht maßgeblich. Diverse andere Beiträge zeigen ja, das Interesse besteht. Zudem: Meine Aussage bezog sich auf eine Forumsdebatte, bei der ich mich wohl eher rausgehalten hätte. An einer Bearbeitung des Themas, wie sie sich jetzt abzeichnet, habe ich großes Interesse.


    Wie wäre es zu dem Thema mit einem kleinen „opinion piece“? Eher ein paar hundert Worte Essay/Meinung/Kommentar, aus persönlicher Sicht - weniger eine umfassende akademische Ausarbeitung und Einordnung

    Genau solches hatte auch ich im Sinn, als ich den Vorschlag machte. Daher bin ich sehr gespannt! :)

    Ich möchte das Thema (und auch mich) nicht größer machen, als es ist. Wie ich das jetzt lese besteht kein Bedarf für eine weitere Befassung

    Huch, wieso denn das? Ich würde sagen, das Thema ist äußerst relevant und interessant und eine weitere Befassung wird hier seit deinem Einwurf doch schon angestoßen.


    Einem eigenen Text wäre ich wohl auch kaum akademisch gewachsen

    Versuch macht klug, und es handelt sich ja nicht um eine Magisterarbeit. Es klingt für mich so, als ob du gute Gedanken zum Thema hättest - dazu mit Volker Weiß eine gute akademische Aufarbeitung an der Hand hast - daher wäre eine kleine "Gedankengrütze" zum Thema durchaus willkommen. Man kann darüber natürlich vorab diskutieren, Änderungen vorschlagen o. ä., an einer Stellungnahme hättest du ja auch mitarbeiten wollen, wenn ich dich richtig verstanden habe. Natürlich ist es aber in Ordnung, wenn deinerseits nun absolut kein Interesse mehr besteht.

    Meine Frage ging auch dahingehend, ob es nicht vielleicht notwendig wäre, hier - ähnlich wie bereits für den Rassismus geschehen - an einer Diskussion/Stellungnahme/Kommentierung o.ä zu arbeiten.

    Ah, dann hatte ich dich falsch verstanden.


    Bevor man sich zu Tode präambelt, würde ich eher vorschlagen: Schreib doch einen Text, z. B. für den Lovecrafter Online. Die Stellungnahme zum Rassismus ruft ja explizit zur weiteren Klärung der Sachlage auf, da ließe sich gut ein Verweis auf den Blog machen. Klingt ja so, als ob du ganz gut im Thema wärst u starkes Interesse daran hast.


    Ich vermute zwar nicht, dass HPL demnächst von G. Kubitschek in der „Sezession“ besprochen werden wird


    Lovecraft wurde auf jeden Fall in mehreren Kontexten rechter Druckerzeugnisse erwähnt über die Jahre. Ich erinnere mich an eine Nennung in der Autobiographie von Alain de Benoist, außerdem an eine Kolumne von Günter Zehm aus der Jungen Freiheit und an einen Artikel im Compact Magazin. An einen handfesten Aneignungsversuch (der ja seine Basis hätte, machen wir uns nichts vor) erinnere ich mich aber nicht. Du hast Kubitschek schon benannt, da gibt es seitens seines Verlages ja z. B. eine Youtube-Reihe über vermeintlich rechte Autoren und auch Bücher mit Aufsätzen zu "rechten Lektüren". In diesen Kontexten ist mir Lovecrafts Name aber nicht begegnet.


    Allgemein zu neu-rechten Aneignungstaktiken im literarischen Feld verweise ich gern auf Torsten Hoffmann:


    Hi RLegrasse


    Ein nachvollziehbares Anliegen und zweifellos ein spannendes Feld. Deine ersten Vermutungen und Denkansätze gehen in eine richtige Richtung. Die Neue Rechte, wie sie sich seit den 1970ern vor allem in Frankreich, Deutschland und Italien herausgebildet hat, ist maßgeblich eine intellektuell orientierte Sache. Plumpen Rassismus findet man da eher nicht, genauso wenig wie offenen Antisemitismus und ähnliche Dinge. Diese Aspekte rechten Denkens sind gleichsam eingepackt in ein Päckchen, auf dem als Label "Unbehagen an der Moderne" o. ä. stehen kann, das hast du korrekt identifiziert. Insofern sind modernekritische Ansätze von rechts ideengeschichtlich genau der Punkt, wo Lovecraft als Gewährsmann interessant werden kann für solche Leute.


    Ich habe mich vor Jahren damit viel befasst, mittlerweile ist das Thema für mich persönlich auserzählt. Ich könnte hier gerade nur sagen, dass du - wenn du dich tiefer damit befassen willst - auf diesem Pfad weiter gehen solltest. Lovecrafts Aufnahme von Denkern wie Nietzsche und Spengler ist von Wichtigkeit, diese führen dann ins Spektrum der sog. "Konservativen Revolution".


    Wenn du eine konkrete Frage hast, kann ich aber gern versuchen, zu antworten oder Lektüretipps zu geben.

    Zitat

    Für viele Horrorautoren wie Stephen King ist der 1937 verstorbene H. P. Lovecraft ein wichtiges Vorbild. Doch Lovecrafts Texte stecken voller giftiger Ansichten. Wie umgehen mit dem schwierigen Erbe?


    H. P. Lovecrafts schwieriges Erbe: Autor, Horrormeister und Rassist
    Für viele Horrorautoren wie Stephen King ist der 1937 verstorbene H. P. Lovecraft ein wichtiges Vorbild. Doch Lovecrafts Texte stecken voller giftiger…
    www.stuttgarter-nachrichten.de

    Zitat

    H. P. Lovecraft war eine Kanaille. Einer der maßstabsetzenden Autoren der dunklen Phantastik, zugegeben, aber eine Kanaille. Und was für eine!


    Die neue kommentierte Gesamtausgabe seines erzählerischen Werks im Verlag Fischer Tor wird nicht müde, auf die charakterlichen Defekte des Autors hinzuweisen, die sich in seinen Geschichten spiegeln: Fremdenfeindlichkeit, Abneigung gegen Juden und gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe. Mit einem Wort (oder genauer mit deren zwei): ein Rassist.

    Literaturgeschichte - Heilige und Hurensöhne
    In der Literaturgeschichte entwickelt sich eine biografische Ungleichbehandlung. Steckt ein Konzept dahinter?
    www.wienerzeitung.at

    Relevanz ist ein guter Punkt. Die ist bei dem Gedicht nämlich nicht wirklich gegeben. Es ist ein enfacher Weg, um aufzuzeigen, dass Lovecraft ein dummer Rassist war, und mehr kann man damit nicht anstellen (das ist übrigens nichts schlimmes, wenn man das als Beispiel anführt).

    Kannst du deine Relevanz-Kriterien transparent machen? Bisher ist es mir nicht gelungen, deine Argumentation hier nachzuvollziehen. Besonders, da du ja nun festgestellt hast, dich hinsichtlich der strittigen Autorschaft geirrt zu haben. Mir würden wohl ein paar Punkte hierzu einfallen, aber ich hätte vorher gern deinen Standpunkt gehört.


    Es scheint mir auch widersprüchlich, dem Gedicht einerseits Irrelevanz zu attestieren und es andererseits dann Beispiel-fähig zu nennen (letztere Funktion erfüllt es in der Stellungnahme übrigens). Vielleicht verstehe ich dich aber auch falsch.


    Zu Houellebecq: Du hast mich da offenbar falsch verstanden. Macht aber nichts, diese Debatte ist trotzdem interessant - und zeigt, dass die Stellungnahme ihren Zweck hier schon erfüllt.


    Es ist völlig unstrittig, dass Houellebecqs Text in letzter Konsequenz keine Arbeit ist, auf der man ein substanzielles Argument aufbauen kann (das tut die Stellungnahme übrigens auch nicht). Danke für die Zitate von Joshi und Derie an dieser Stelle. Hier haben wir es natürlich mit Autoritätsargumenten zu tun, insofern müsste man sich alles genauer anschauen, aber für einen Forumsbeitrag dürften die beiden gut herhalten (wobei mich die genaue Herkunft von Deries Zitaten interessieren würde, die konnte ich auf reddit eben nicht feststellen. Ein Blogbeitrag? Ein Essay?), wobei der erwähnte Aufsatz von Joshi in der Tat zu empfehlen ist (zu finden im Lovecraft Annual 12/2018). Ich hatte die potentielle Minderwertigkeit der essayistischen Qualität nicht in Frage gestellt, mir schien lediglich deine Aussage inakkurat und zu polemisch zu sein, da der Text eben einiges an Quellen und biographischen Fakten enthält. Nenn mich meinetwegen kleinkariert.


    Man müsste nun in die Kritik des Quellenmaterials gehen (für dessen unzureichendes Volumen Houellebecq nicht verantwortlich gemacht werden kann) und sich natürlich auch den Umgang damit anschauen. Derie deutet oben an, Houellebecq habe Quellen erfunden (ich verstehe ihn jedenfalls so, wenn er sagt "wasn't above making up quotes"), Joshi sagt im Gegenteil, M. H. habe gar keinen Grund gehabt, dies zu tun, daher sei nicht davon auszugehen. Hier kann sich jeder seine Lieblings-Autorität aussuchen.


    Dann die Frage, ob man das alles nun zitieren darf.


    Es zählt also nur Bekanntheitsgrad? Die Mängel sind egal?. Gegen die Art, wie er hier zitiert worden war, hab ich nichts. Es hätte bessere "komplementäre" Erwähnungen gegeben.

    Die Mängel sind natürlich nicht egal, sobald der Text als substanzielle Quelle herangezogen wird. Ich würde argumentieren, dass dies hier nicht der Fall ist. Es wird sich einer Interpretation angeschlossen, die man auch verwerfen kann oder für die man andere Quellen findet, wenn man sich die Arbeit macht, Lovecrafts Briefe u. a. aus New York an seine Tanten akribisch auszuwerten. Selbst im ersteren Fall wird die Stellungnahme dadurch nicht in der Sache beeinträchtigt, würde ich meinen.


    Aus diskursanalytischer Sicht kann ich mich deinem offenbar pejorativen Gebrauch des Bekanntheitsgrades als Begründung für die Nutzung in einem solchen Text nicht anschließen, aber hier wären wir wieder bei meiner Frage nach deinen Relevanz-Kriterien.


    Welche anderen Quellen hättest du gewählt und warum?


    Wenn dich die Art, wie M. H. hier zitiert wird, gar nicht stört, warum dann überhaupt die Kritik daran?

    Hallo Dennis,


    eine interessante Faktensammlung! Ich bin kein Musik-Kenner und habe deswegen auch nie groß auf dieses Thema geachtet, erinnere mich aber aus der Biographie-Lektüre an eine Stelle, wo Lovecraft schildert, er habe einmal als Teil eines Barbershop-Quartetts musiziert (oder etwas in der Art). Darüber hatte ich auf deinem Blog nichts gelesen.


    Btw: Kennst du Galpins A Lament for HPL?


    Lament For HPL
    Stream Lament For HPL by HPLHS on desktop and mobile. Play over 265 million tracks for free on SoundCloud.
    m.soundcloud.com

    Mit "On the creation of n*" einzusteigen ist natürlich der einfachste Hook

    Das hat, würde ich meinen, weniger etwas mit Spannungsaufbau zu tun als vielmehr mit Strukturlogik und Relevanz.



    wenngleich man gar nicht 100% genau sagen kann, ob das Gedicht wirklich von Lovecraft ist (es ist zugegebenermaßen extrem wahrscheinlich).

    Hast du dafür eine Quelle? In den gängigen Sekundärwerken finde ich dazu nichts.


    Dann wird Houellebecq zitiert, dessen Biografie mehr Fiktion war als alles andere.

    Ich bin wahrlich kein Freund von Houellebecqs Buch, aber Gerechtigkeit darf man ihm gewiss angedeihen lassen. Zum einen handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Biographie, sondern um eine essayistische Annäherung an Person und Werk. Der Autor hat das ja selbst entsprechend seinem Text voran gestellt. Über den Kerngedanken, den Houellebecq verfolgt, kann man streiten, und ob seine Ergebnisse valide sind, ebenso. Einfach zu behaupten, ein Text, der nicht einfach ins Blaue geschrieben wurde, sondern mit einer Vielzahl an empirischen Belegen arbeitet, sei "mehr Fiktion als alles andere", ist wenig ertragreich.


    Zum anderen ist immer auch vorrangig interessant, wie so ein Text zitiert wird. In der Stellungnahme wird deutlich, dass er komplementär herangezogen wurde, was überhaupt kein Problem darstellt. Im Gegenteil: Einen solchen Text, der Bekanntheit erlangt und Verbreitung gefunden hat, hier einfach zu ignorieren, ergäbe überhaupt keinen Sinn.


    Mit ein paar Schlagworten der Stellungnahme "Oberflächlichkeit" zu attestieren, ist schnell erledigt, bringt in der Sache aber nicht weiter - und ignoriert die Aufgabe eines solchen Aufschlags.


    Man kann Lovecraft und Rassismus m.E. nicht mehr ohne Derie besprechen.

    Sicherlich gibt es hier viele Leute, die sehr daran interessiert wären, einen Folgetext mit Derie-Bezug zu lesen, wenn er denn für das Thema so wichtig ist. Wie wäre es?

    Hi Alexandra,


    in der Tat ein interessantes Thema. Ich bin beileibe kein Experte, habe aber mal einen kleinen Text zum Thema verfasst. Den könnte ich dir zukommen lassen, dort sollten sich auch ein paar Ansätze für tiefere Recherchen finden lassen.

    Ich teile einfach mal zwei Internetfunde zum Thema.



    Auf dem Blog von Jess Nevins habe ich einen Text gefunden, der sich in loser Form Gedanken über Autorinnen macht, die Lovecraft irgendwie beeinflusst haben könnten.


    Some Thoughts on Women Writers and Lovecraft


    Zitat

    In Which I Ramble About Indirect Influences and the Pernicious Power of Sexism


    The following isn’t going to be an academic article on the subject of How And Which Women Horror Writers Directly Influenced Lovecraft. I’m not literary critic enough or expert enough on Lovecraft to write that.


    What this is, rather, is a semi-organized group of thoughts–can’t even call it an essay, to be honest–on a subject that hasn’t gotten a lot of coverage–or any, really, which is which women writers either directly or indirectly influenced or were an important part of the movements that influenced Lovecraft.


    Some Thoughts on Women Writers and Lovecraft | jessnevins.com




    Eine gute Anlaufstelle allgemein ist gewiss auch Bobby Deries Blog:


    Deep Cuts in a Lovecraftian Vein


    Zitat

    Deep Cuts in a Lovecraftian Vein is a review site, dedicated to examining some of these lesser-known works of the Mythos. Stories I particularly want to focus on will involve writers and protagonists that are female or POC, LGBTQ issues, and related themes of sex, gender, race, and all the other bits and pieces that people don’t normally like to talk about.


    Deep Cuts in a Lovecraftian Vein
    The Undiscovered Mythos
    deepcuts.blog

    Der war mir auch schon mal aufgefallen:



    Ziemlich... seltsam, dass Festa sowas bringt.

    Da mir gerade wieder auffiel, dass der Briefwechsel HPL-FBL in Buchform weiterhin schmerzlich vermisst wird, freut mich diese Neuigkeit (27.12.21) umso mehr:


    Zitat

    Much more momentously, I have begun serious work on the preparation of the letters of H. P. Lovecraft and Frank Belknap Long, from scans provided by the John Hay Library. I should say that I am merely following up on extensive—nay, massive—work already done on the book by David E. Schultz, who will properly be designated the top editor. We also hope to include Long’s side of the correspondence, which exists in substantial albeit incomplete form in the John Hay Library. The intellectual content of Lovecraft’s letters to Long is unsurpassed.


    S. T. Joshi - Blog from 2021