Beiträge von Rahel

    Schreib doch einen Text, z. B. für den Lovecrafter Online. Die Stellungnahme zum Rassismus ruft ja explizit zur weiteren Klärung der Sachlage auf, da ließe sich gut ein Verweis auf den Blog machen. Klingt ja so, als ob du ganz gut im Thema wärst u starkes Interesse daran hast.

    Das coole an einem Lovecrafter Online ist, dass das offensichtlich ein aktuelles Thema aus gegebenem Anlass ist. Passt meiner Meinung nach einfach hervorragend zu diesem Format und lädt gleichzeitig zur anschließenden Diskussion ein.


    Auf jeden Fall schon einmal vielen Dank, Nils für die spannenden Lektüretipps!

    Lektüretipps dazu fände ich auch grundsätzlich spannend! Ich persönlich habe mich kaum damit auseinandergesetzt; lediglich mit der Lovecraft-Spengler-Verbindung habe ich mich tiefergehend befasst.


    Insbesondere bei dem Begriff "Unbehagen an der Moderne" (und ähnlichen Phrasen) fällt natürlich auf, dass das salonfähige Begriffe sind. Phrasen, die nicht unbedingt von allen sofort als rechts identifiziert werden und die somit ein Stück weit unter dem Radar fliegen können.

    Hier direkt noch ein kleiner Hinweis hinterher: Der raptor-Verlag sucht nun auch Mitarbeitende auf freiberuflicher Basis. Gesucht wird insbesondere, aber nicht ausschließlich, für das Horror-Magazin VIRUS und in der Sparte Film-/Serien-Rezension.


    Andere Magazine des Verlags befassen sich mit Videospielen (EXP) und mit der Popkultur aus Japan (koneko), Südkoreo (K*Bang) und China (Dynasty).

    Genau solche Diskussionsräume soll das Statement eröffnen, ohne dabei selbst auf den Umfang eines kleines Romans zu kommen. Ich denke, was du hier verdeutlichst, ist, dass dieses Thema viele Facetten hat und es immer noch etwas hinzuzufügen gibt.

    Spannende Fragen zu Lovecrafts Werk. Ich muss da noch eine Weile nachdenken, eine Anmerkung habe ich aber schon:


    Zitat

    Selbst bei einer oberflächlichen Vertrautheit mit Lovecrafts Werk, springt die Tatsache ins Auge, dass Frauen in seinen Geschichten fast keine Rolle spielen. Seine literarische Welt ist eine ausgesprochen männliche. Heißt das im Umkehrschluss, dass in dieser Welt Frauen vernachlässigt, benachteiligt oder ungerecht behandelt werden? Und: dass diese Annahme ein Beispiel für Lovecrafts Sexismus sein könnte?

    [...]

    Er vertritt also gar nicht den Anspruch, literarisch breitgefächert oder einfühlsam zu sein. Stattdessen macht er es sich – zugegeben – einfach und greift auf die Person zurück, die ihm am nächsten steht: nämlich sich selbst. Das mag lahm sein, ein Indiz für Sexismus ist es nach meiner Auffassung nicht.

    Ich würde hier sehr wohl behaupten, dass das sexistisch ist - nur eben nicht misogynistisch. Mein Gedankengang: Genau wie Rassismus bedeutet Sexismus nicht unbedingt, Frauen zu verprügeln und bei Stammtischen problematische Witze zu reißen. Sexismus fängt da an, wo die eigenen Privilegien blind akzeptiert oder sogar als Anrecht wahrgenommen werden. Er fängt da an, wo 50% der Bevölkerung unsichtbar gemacht werden, "mitgemeint" sind, etc.


    Lovecrafts fiktionale Frauen sind noch krassere Pappaufsteller als seine Männer. Dort wo sie auftreten, sind sie zumeist böse und mit den kosmischen Grauen im Bunde.


    Das ist jetzt natürlich eine krasse Überspitzung und ich stimme dir definitiv zu, dass Lovecraft einfach auch einen extrem kleinen Horizont in seinem Schreiben hatte. Aber ich glaube, dieser schreiberische Horizont spiegelt durchaus irgendwo auch seinen persönlichen wider...


    War Lovecraft also aktiver Frauenhasser? Nein. War er krasser Sexist? Vielleicht nicht. Hatte er eine sexistische Weltanschauung? Definitiv.

    Okay, das war einfach 1:1 meine Erfahrung :D

    Hab mir das Spiel ebenfalls geliehen, fand es ganz nett und unterhaltsam - mochte es insbesondere deswegen, weil es kein "Stress-Horror" war sondern eher auf Atmosphäre setzt - und wusste sofort, dass ich mir in den eigenen Hintern gebissen hätte, wenn ich es für den Originalpreis gekauft hätte. So war es voll in Ordnung und ein paar Abende nette Unterhaltung. Unter allen anderen Umständen hätte es einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

    Wenn du Lust hast und dich im Englischen fit genug fühlst, schließ dich doch dem dLG-Buchclub an! Wir lesen für unser Treffen am 24. Juni die Kurzgeschichtensammlung Weird Women: Classic Supernatural Fiction by Groundbreaking Female Writers: 1852-1923 (Hrsg. Lisa Morton & Leslie Klinger).

    Infidel war kurzweiliger, knackiger Horror, der nachdenklich stimmt. Hätte für mein Geschmak etwas umfangreicher sein dürfen, um den Themenmix Haunted House & Xenophobie enger miteinander zu verknüpfen.


    Jetzt geht's weiter mit den Weird Women (Hrsg. Klinger & Morton) für den dLG-Buchclub!

    Hm, liest du denn viel Comics? Ich erinnere mich, dass ich das Problem auch hatte, als ich mich dem Medium vor grauer Vorzeit näherte; inzwischen ist's wie Luft atmen.


    Jetzt lese ich Infidel (Pornsak Pichetshote & Aaron Campbell) - ebenfalls eine (abgeschlossene) Comic-Reihe.

    Derzeit lese ich Gou Tanabes HP Lovecrafts Der Schatten aus der Zeit. Bin gespannt, wie Tanabe die recht komplexe Erzählsituation visuell umsetzt. Meines Erachtens nach ist diese Erzählung seine bisher größte Herausforderung bei dem Lovecraft-Adaptionen.

    Wann und wie und wo hast Du die beiden kennengelernt?

    Auf der StokerCon 2017. Das ist die Jahresconvetion der Horror Writers Association, wo allerhand spannende Leute rumlaufen. Ich war da, weil sie in dem Jahr auch zum ersten Mal eine akademische Konferenz ins Programm integriert hatten.

    TJA, wer dachte, die Fragerunde zu Lovecraft in der Popkultur sei vorbei, hat falsch gedacht. Diese Woche geht's um Brettspiele ^^


    Also: Was sind eurer Meinung nach die Lovecraftschsten/Cthulhoidesten Brett- oder Kartenspiele, die man kennen muss?

    Ich selber spiele eigentlich eher selten Brettspiele; gleichzeitig steigt aktuell mein Interesse an der Materie. Im Lovecrafter hat es in der Vergangenheit bereits einige spannende Spielvorstellungen gegeben. Mich würde aber interessieren, was eure persönlichen Favoriten sind.


    Ich mach mal den Anfang:

    Durch Zufall bin ich auf Lovecraft Letter gestoßen und war überrascht und begeistert. Nicht, weil es meiner Meinung nach ein gutes Spiel mit ausgeklügelter Spielmechanik ist. Im Gegenteil. Das Spiel ist strenggenommen kein Spiel, lässt es den Spielenden im Prinzip nie wirklich eine Wahl, was ihre nächste Aktion sein sollte. Man hat lediglich zwei Karten auf der Hand, von denen man eine ablegegen muss - meistens besteht hier jedoch nicht wirklich eine Wahl, da die Karten gerne sehr bestimmte Aktionen erfordern oder Konsequenzen beinhalten. Sehr gerne können einem die abgelegten Karten der anderen Spielenden auch voll in die Parade fahren, ohne dass man es verhindern könnte. Wie gesagt: Eigentlich eine Vollkatastrophe. Aber...

    ...passt es nicht wunderbar zum Lovecraftschen Horror (wenn man von der albernen Seite des Spiels einmal absieht)? Reihenweise werden die Spielcharaktere durch abgelegte Karten verrückt, scheiden teilweise schon vor ihrem ersten Spielzug aus der Spielrunde aus, sind auf einem guten Weg zum Sieg - bis sie unvorbereitet von einem Hund von Tindalos aufgegessen werden - etc. Bei jeder anderen Prämisse hätte mich die Spielmechanik in den Wahnsinn getrieben - bei Lovecraft kann ich wunderbar damit leben und muss beim Spielen pausenlos darüber lachen, wie absurd das Ganze eigentlich ist.

    Bonuspunkte gibt es dafür, dass das Spiel so simpel ist, dass man es auch nach dem Genuss eines/mehrerer alkoholischer Getränke immer noch gut spielen kann.