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Lovecrafter Online – Rezension: Das Grab

  • Seanchui
  • 25. August 2025 um 12:00
  • 701 Mal gelesen
  • 0 Antworten
H. P. Lovecrafts Werk ist umfangreich. Wesentlich umfangreicher als die Geschichten, welche dem „Cthulhu“-Mythos zugerechnet werden können, welcher seinen triumphalen Einzug in die Popkultur gehalten hat. Mit „Das Grab“ liegt eine Comic-Adaption einer eher unbekannten Geschichte des Altmeisters des Grauens vor. Lohnt sich die Lektüre?

Lovecraft ist „in“, wie man so schön sagt, Graphic Novels ebenso. Kein Wunder, dass es bereits einige Graphic Novels mit lovecraftschen Motiven gibt. Mit „Das Grab“ haben D.D. Bastian und Nino Cammarata allerdings eine eher unbekannte Geschichte aus seiner Feder für ihre aktuelle Adaption ausgewählt. Wobei: eigentlich macht es sich gerade D.D. Bastian eher leicht – dazu aber später mehr. Worum geht es eigentlich?

In Das Grab folgen wir der Lebensgeschichte des menschenscheuen Jervas. Dieser verlebt eine einsame Kindheit. Die Lektüre uralter Bücher und Ausflüge in die Wälder und Felder rund um das Gut seiner wohlhabenden Familie sind sein einziger Trost. Eines Tages stößt er dabei auf das Grab der Hydes, einer entehrten Familie mit dunkler Vergangenheit, deren letzter lebender Nachkomme er scheinbar ist. Jervas sucht diesen makabren Ort immer öfter auf und seine Faszination wird schnell zur Besessenheit. Die Geheimnisse des alten Geschlechts führen den Jungen auf einen düsteren Pfad, an dessen Ende Vergessen, Paranoia und Visionen eines grauenhaften Todes warten…

Die Adaption verzichtet darauf, Lovecrafts eher nüchternen Text in neue Form zu pressen. Stattdessen verwendet D.D. Bastian die Originalgeschichte und lässt diese von Nino Cammarata in eindrucksvollen Bildern untermalen. Dies hat zwar den Vorteil, dass wir der Geschichte nahezu unverfälscht folgen können, macht jedoch auch recht wenig aus dem Medium „Comic“, welches ja seine ganz eigenen Erzählweisen zu erzeugen vermag. Immerhin ist Cammaratas Pinselstrich sehr gelungen. Gerade die Charakterzeichnung Jervas‘ sowie weiterer wiederkehrender Figuren ist sehr gut gelungen. Optischer Höhepunkt sind aber zweifelsohne die Passagen, welche vorrangig in Jervas Kopf stattfinden und die Vergangenheit oder Visionen darstellen – hier wird mit großflächigen, verwirrenden Motiven gearbeitet, welche mir sehr gut gefallen haben.

Inhaltlich ist Das Grab eher seichte Kost. Jervas geistiger Niedergang ist zwar typisch Lovecraft, doch geschieht schlussendlich wenig in der Geschichte. Auch der Gruselfaktor hält sich eher in Grenzen. So ist Das Grab zwar keine langweilige Lektüre, allerdings gibt es deutlich stärkere Geschichten in Lovecrafts umfangreichem Schaffen.

Das Grab wird vom Splitter-Verlag als stabiles Hardcover verlegt. Der Band ist etwas kleinformatiger als die meisten Splitter-Bände, ist vollfarbig und optisch ansprechend gestaltet. Die Verarbeitung verspricht Langlebigkeit und weiß vollends zu überzeugen.

Fazit: Das Grab bietet eine originalgetreue Wiedergabe einer eher unbekannteren Lovecraft-Geschichte, welche optisch ansprechend gestaltet wurde, aber das Medium „Graphic Novel“ in meinen Augen zu wenig nutzt.

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