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Lovecrafter Online – Rezension: Gefangen bei den Pharaonen (Gruselkabinett)

  • Seanchui
  • 7. Juli 2025 um 12:00
  • 498 Mal gelesen
  • 0 Antworten

Nachdem einige blutige und schaurige Märchen die letzten Ausgaben des „Gruselkabinetts“ bestimmt haben, nimmt sich Marc Gruppe mit der 192. Ausgabe wieder einmal H. P. Lovecraft an. Die bisherigen Vertonungen lovecraftscher Werke konnte ich als gut bewerten. Trifft das auch auf „Gefangen bei den Pharaonen“ zu?

Howard Phillips Lovecrafts „Gefangen bei den Pharaonen“ aus dem Jahr 1924 hat eine besondere Entstehungsgeschichte. Denn sie entstand als Auftragsarbeit des Verlegers Henneberger in Zusammenarbeit mit dem Magier und Entfesselungskünstler Harry Houdini, unter dessen Namen sie auch erstveröffentlicht wurde. Bis 1939 wurde sie sogar ausschließlich Houdini zugeschrieben. Diese erste Zusammenarbeit mündete in mehreren kleinen Projekten bis zum Tode Houdinis im Jahr 1926.

Die Geschichte ist ein fiktionaler Reisebereicht des Harry Houdini, der von seinen Erlebnissen im Ägyptenurlaub im Jahre 1910 handelt. Hier nimmt er die Dienste eines Führers namens Abdul Reis el Drogman in Anspruch, welcher ihm zunächst die Wunder des alten Ägyptens zeigt, den bekannten Magier dann aber in eine Falle lockt: Houdini wird Zeuge eines Streites zwischen seinem Führer und dem Beduinen Ali Ziz, welchen die beiden bei einem traditionellen Faustkampf auf der Großen Pyramide von Gizeh beilegen wollen. Hier überwältigen sie Houdini und werfen ihn in ein finsteres Loch irgendwo unter der Großen Sphinx. Hier gelangt Houdini in eine große, zeremonielle Halle, wo er auf die Geister des alten Ägyptens – Mumien, halb Mensch, halb Tier und eine monströse Gottheit, welche Vorbild für die Sphinx war – trifft, bevor er den unterirdischen Schrecken entkommen kann.

„Gefangen bei den Pharaonen“ wurde vom Publikum wohlwollend aufgenommen und gefiel auch Houdini ausnehmend gut. Nichts desto trotz ist gerade die Umsetzung als Hörspiel nicht ohne Tücken und auch diese Ausgabe ist für ein lockeres Hörvergnügen kaum geeignet. Zu wortgewaltig und zu detailverliebt sind die zahlreichen Beschreibungen nicht nur der Wunder des Morgenlandes am Tage, sondern auch der unterirdischen Schrecken, welche zumeist als Monolog vorgetragen werden. Was schlicht der Vorlage geschuldet ist erfordert tatsächlich konzentriertes Zuhören, um nicht den Faden zu verlieren. Schauspieler und Synchronsprecher Matthias Lühn, welcher in die Rolle von Houdini schlüpft, gibt sich alle Mühen um die langen Textpassagen ansprechend zu gestalten. Dennoch erwarten den Hörer eher schaurig-schöne Beschreibungen denn ein spannender Handlungsbogen, etwas, worauf man sich einlassen können muss. Es passiert nicht viel in „Gefangen bei den Pharaonen“, trotzdem sind Furcht und Schrecken in den Monologen gegenwärtig.

Technisch gibt es allerdings auch an dieser Ausgabe des „Gruselkabinetts“ nichts auszusetzen. Matthias Lühn konnte ich bereits lobend erwähnen, doch auch anderen Sprecher – darunter Axel Lutter herrlich diabolisch als Abdul Reis el Drogman – erledigen ihre Aufgaben souverän. Insbesondere die von Regisseur Marc Gruppe gewählte Musik ist passend und untermalt die Stimmung hervorragend – auch, wenn man als langjähriger Hörer der Reihe die Melodien bereits schon einmal gehört hat. Das Cover stammt dieses Mal von Bastien Ephonsus und ist in seinen düsteren Farben und klaren Motivik hervorragend gelungen.

Fazit: „Gefangen bei den Pharaonen“ ist ein interessanter Text aus Lovecrafts Feder mit einer spannenden Entstehungsgeschichte. In dieser Variante werksnah umgesetzt, ist das Hörerlebnis zwar herausfordernd, aber lohnenswert.

Gruselkabinett 192: Gefangen bei den Pharaonen
Titania Medien
ISBN: 978-3785786928

Beim Verlag bestellen: https://titania-medien.de/album/folge-19…i-den-pharaonen

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