Lovecrafter Online – 053 – Chroniken des Grauens 3: Die namenlose Stadt

Markus Winter, seines Zeichens Drehbuchautor und Geschäftsführer des Hörspielverlages WinterZeit Audiobooks, bleibt sich im Rahmen der Chroniken des Grauens treu. Denn schon die ersten beiden Ausgaben widmeten sich Lovecraft-Geschichten, von denen er selten Vertonungen vorliegen. Mit Die namenlose Stadt liegt nun der dritte Teil der Reihe vor.

Inhalt

Wie auch in den beiden Vorgängern verquickt Drehbuchautor Markus Winter verschiedene Handlungsstränge in diesem Hörspiel miteinander. Neu ist allerdings, dass auch gleich verschiedene Lovecraft-Stories miteinander verknüpft werden. Denn in dieser Episode erleben wir nicht nur die Vertonung von Die namenlose Stadt, sondern auch Die Aussage des Randolph Carter. Es ist sogar letztere Geschichte, die in die Handlung einführt, denn der - wie immer als Protagonist auftretende - Randolph Carter erfährt erst im Nachgang seiner Aussage von den Geschehnissen in der namenlosen Stadt. Carter gerät nun - nach seinen Erlebnissen in Dagon und Die Gruft - immer tiefer in cthuloide Fallstricke.


Auch die flankierenden Handlungen, die sich nach wie vor auf verschiedenen Zeitebenen abspielen, nehmen langsam Fahrt auf. Immerhin waren zum Ende des zweiten Teils erste Anknüpfungspunkte zwischen den verschiedenen Zeiten geknüpft, die nun munter aufgegriffen und fortgeführt werden. Das Tempo ist dabei reichlich hoch. Während Lovecrafts Geschichten wie üblich ihr bekanntes Ende finden, bleiben die um die Originalgeschichte gestrickten Nebenhandlungen weiterhin völlig offen und machen neugierig auf den Fortgang.

Kritik

Wie ich bereits in den Vorgängerbesprechungen ausführte, hat sich Markus Winter wieder einige Freiheiten bei der Vertonung von Lovecrafts Werk genommen. Wiederum wurden Nebenpersonen erschaffen, um Monologe zu umgehen und die Vorlage hörspieltauglich zu machen. Und wiederum gelingt es Winter mit wenigen Eingriffen, eine recht werksgetreue Umsetzung in einem neuem Medium zu gestalten. Ein wenig unzufrieden bin ich mit der Lösung, dem Erzähler der Episode aus der namenlosen Stadt eine Verlobte an die Seite zu stellen - Lovecrafts kosmischer Horror und Romanzen vertragen sich nicht wirklich gut.


Den Zwischenstand der von Winter geschaffenen Rahmenhandlung bezeichnete ich nach der zweiten Episode als "kryptisch und ungenau". Diese Aussage kann ich an dieser Stelle nur wiederholen. Zwar werden die Handlungsstränge wie oben beschrieben mittlerweile enger verwoben, doch ist immer noch nicht abzusehen, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Wie bereits bei den Vorgängerepisoden gilt: Puristen dürfte es stören; alle anderen erhalten zumindest Zeit, ein wenig zu rätseln, wie diese Handlungen zusammenpassen könnten.

Technik

Technisch gibt es auch an Die namenlose Stadt nichts zu beanstanden. Wie üblich dräut der wirklich hervorragende Soundtrack von Michael Donner über dem Album, wie üblich erledigen Tommy Morgenstern als Randolph Carter und Wolfgang Pampel als Erzähler ihre Aufgabe souverän. Und auch die übrigen Sprecher erledigen ihren Job unaufgeregt und professionell. Bei dieser Ausgabe gefällt mir auch das Covermotiv wieder wesentlich besser. Es stimmt gut auf die vorliegende Episode ein. Und auch das Eigenleben stimmt wieder: Ein umfangreiches Booklet informiert über den Werdegang der Reihe und stellt einige der Sprecher und weitere Beteiligte vor. Technisch kann ich damit wiederum nur eine gute Note vergeben.

Fazit

Wieder machen es mir die Chroniken des Grauens nicht leicht, ein Fazit zu ziehen. Es bleibt eine gelungen umgesetzte Vertonung von gleich zwei Kurzgeschichten Lovecrafts, gepaart mit einer Rahmenhandlung, deren Qualität immer noch nicht wirklich ersichtlich ist und die Lovecraft-Puristen eher abschrecken dürfte. Das Ganze in technisch hervorragender Qualität. Ich bin gespannt, wie das Ganze im vierten Teil aufgelöst wird.


Chroniken des Grauens 3: Die namenlose Stadt

WinterZeit Audiobooks 2020

ISBN: 978-3960662860

Beim Verlag bestellen: https://www.winterzeitstudios.…e-03-die-namenlose-stadt/