Lovecrafter Online - 011 - Call of Cthulhu: ein lovecraftsches Detektivspiel

Albträume, Alkohol und Schlaftabletten

Von Johannes Pilger



Hauptprotagonist und Privatdetektiv Edward Pierce leidet unter Folgen des Großen Krieges, Albträumen sowie einer Menge Alkohol und Schlaftabletten, als er den Auftrag bekommt auf der Insel Darkwater den Tod einer Familie zu untersuchen.Wie Lovecraftkenner nun schon ahnen, zeigt auch der Beginn des Spiels auf: Hier ist etwas Seltsames am Werk.


Auf Darkwater Island angekommen, kommt der Spieler direkt in den Genuss der größten Tugend von Call of Cthulhus: die Atmosphäre. Dicht gepackt zieht sie sich durchs gesamte Spiel. Schaurig, beklemmend und surreal. Und je weiter das Spiel voranschreitet, um so intensiver wird man von dieser Atmosphäre umschlossen. Unterstützt wird diese Stimmung durch einen guten, passenden Soundtrack sowie gut geschriebene und vor allem gutvertonte NPCs. Diese Atmosphäre und viele kleine Details und Anspielungen auf Lovecrafts Werke bzw. seinen Mythos erzeugen eine Grundstimmung wie sie lovecraftscher kaum sein könnte (und waren für mich der Hauptgrund, das Spiel ein einem Schwung durch zu ziehen).


Starken Anteil an diesem lovecraftschen Flair hat auch Pierces Geisteszustand, welcher im Verlauf des Spiels einen immer stärkeren Einfluss auf Möglichkeiten und Verhalten hat. Dieses Spiel mit dem Wahnsinn ist größtenteils durchdacht und lassen Pierce, z. B. durch Panikattacken, glaubhaft erscheinen und verleihen ihm Charakter. Dieses atmosphärische Eintauchen lässt auch die etwas altbacken wirkende Grafik und die stellenweise hölzerne Animation der Charaktere verzeihen.


In die Rolle des Detektivs geschlüpft

Call of Cthulhu ist kein wirkliches Horrorspiel und auch kein typisches Rollenspiel. Vielmehr ist es ein Detektivspiel mit Horror- und Rollenspielelementen. Konversationen führen, Gegenstände und Informationen sammeln und Puzzle lösen nehmen viel Zeit von Pierces Aufenthalt auf Darkwater Island ein. Ein Rekonstruktionsmodus erlaubt es, an verschiedenen Schauplätzen einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und das dortige Geschehen nachzuverfolgen, um so für die Gegenwart neue Informationen zu erlangen.


Das Spiel folgt einem klaren und linearen Geschichtenverlauf, erlaubt es dem Spieler aber in verschiedenen Kapiteln auf verschiedenen Wegen ans Ziel zu kommen. Hier zeigen sich die Rollenspielelemente von Call of Cthulhu wohl am meisten. Dies sind zum Pierces Fähigkeiten. Redegewandtheit, Entdeckung, Ermittlung, Stärke, Psychologie, sowie Okkultismus und Medizinkunde. Auf diese verteilt man zu Beginn einige Charakterpunkte und hat im Spielverlauf die Möglichkeit, diese durch weitere erworbene Punkte oder das Auffinden von Büchern u. ä. weiter zu steigern.


Zum anderen, die Wahlmöglichkeiten in Gesprächen. Diese Auswahlmöglichkeiten werden durch Pierces Fähigkeitenlevel sowie seinen Geisteszustand beeinflusst. Mit mehr Redegewandtheit offenbart sich Pierce ein anderer Weg, als wenn mehr Charakterpunkte in Stärke geflossen sind. Diese Ermittlungsarbeit wird immer wieder durch Rätsel aufgelockert. Diese sind nicht wirklich schwer, passen aber zum und ins Geschehen und kommen erneut der Atmosphäre zugute. Auch einzelne Schleichpassagen stehen für Pierce an. Einige dieser Szenen frustrieren ein wenig, da hier die Spielmechanik nicht mit der Atmosphäre mithalten kann. Aufgrund ausreichender Speicherpunkte des Spiels sind aber auch diese gut zu bewältigen.

Subtiler Horror, starke Atmosphäre

Der Horror in Call of Cthulhu ist subtil. Hauptsächlich durch die düstere Grundstimmung und Spannung aufbauende Atmosphäre hat man als Spieler, vor allem zum Ende des Spiels, ein sehr intensives Gruselgefühl. So ist man hier nicht ständig physisch auf der Flucht vor einem Ungetüm und mäht diese Ungetüme auch nicht reihenweise mit Waffengewalt nieder, sonder ist lange genug sich selbst und der eigenen Vorstellung überlassen.


Call of Cthulhu bietet von Anfang bis Ende eine gute Story mit packender Atmosphäre und einer Menge cthuloiden Flair und ist mit seinen ca. 10 Stunden Spielzeit für rundum zu empfehlen.