Beiträge von Berenice van Buren

    Hellö,

    ich wollte, da ich vor Kurzem in einem Gespräch mit einer Bekannten auf oben genanntes Spiel aufmerksam gemacht wurde, mit dem Zusatz, dass sie selbiges gerade suche, einmal ganz naiv nachfragen, ob dies denn irgendwo für ein erkleckliches Geld vorhanden ist, oder ob es iwo Regeln, PDFs für selbiges gibt, wodurch sich die Möglichkeit eröffnen würde, sollte dies ausverkauft sein, wieder in die heimischen Spielesitzungen zu integrieren?

    Grüße. ^^

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas spät antworte, ich denke da auch an den Comic "The Nameless", zumindest auszugsweise, in dem eine gefangene Entität in einem Verließ eines Kometen dahinsiecht, der einst Teil des Planeten 'Marduk' war. Der letzte Überlebende eines kosmischen Krieges, der von seinem Gefängnis aus Wahnsinn und Fanatismus in die Köpfe der Menschen tröpfelt - wir kennen ihn als 'Gott'.

    Heyho, vielen Dank.^^ Ja, ich habe den Artikel leider relativ schnell runtergeschrieben, weshalb da auch einige Grammatikfehlerchen noch drin sind (psst).

    Jetzt, wo du es sagts, hab ich noch einmal über diese Stellen nachgedacht - insbesondere über die Logbuchaufnahmen, die der Comic ja derbe wegerklärt.

    Mich hat an dieser Aufnahme im Film auch immer der Gedankengang fasziniert, was überhaupt mit einem (vermeintlich geistig gesunden und professionellen) Menschen passieren muss, dass solche Szenen überhaupt möglich werden. Der Film hat das sehr gut gemacht, indem er gewissermaßen zwei Zustände und Vorstelungen von Psyche einander gegenübergestellt hat, die er anfangs noch durch diese Aufnahme-Glitches sehr obskur und stark voneinander getrent hält, um sie später zu vereinen und zu sagen: "Das sind die vermeintlich Gesunden! Die, die sich da gegenseitig zerreißen, das sind Leute wie wir, wie 'wir' 'uns' vorstellen und wie wir sein wollen." - oder zumindest kollabiert da ne normierte Vorstellung vom Menschen und seines Verhaltens.

    Indem der Comic jetzt aber sagt, dass das im Grunde die wiederbelebte und ins Marionettenhafte von Paimon verquerte Mannschaft ist, fällt dieses ganze Potenzial, menschliche Verhaltensnormen oder überhaupt anthropogene Vorstellungen von 'unserem Verhalten' infrage zu stellen oder mit Konzepten jenseits unseres Verständnisses in Relation zu setzen, leider Weg.

    Abgesehen von lediglich drei Figuren stirbt die Mannschaft, wird vorher vielleicht ein bissl irre, und ist dann quasi als "Zombie" irgendwie so platziert, dass es weitaus schwerer fällt, zu sagen, dass wir es mit psychisch komplexen Figuren zu tun haben. Tod und dämonische Manipulation machen da so extreme Grenzen für mich auf, dass ich die Wiederbelebten garnicht mehr in einer anthropogenen Sphäre verorten kann und sagen muss: "Ja, also eigentlich ist die 'echte' Mannschaft 'nur' tot. Und was Paimon da macht, das ist ja nur Paimon, sonst keiner." Und -Spoileralarm - genau das passiert ja auch mit dem Schiff selbst. Das wird gesprengt, von Paimon 'wiederbelebt' und dann im Film nochmal gesprengt. Ist das überhaupt die Event Horizon, die da im Film von 97 auftritt? Oder einfach nur irgendwie das Böse?

    Auf einmal haben wir wieder drei Instanzen:

    1. Die, die sich völlig irrational verhalten (die Zombiemannschaft),

    2. die, die sich rational verhalten (die letztlichen Heldinnen im Comic, die auch psychisch so disponiert sind, dass wir ihre Traumaerfahrungen weitaus eher moralisch vertreten können als z.B. die des Navigators [der ein Kind überfahren hat], die Mannschaft vor dem Übergang und Tod)

    3. und am Ende die Figuren, die innerhalb dieser Binärordnung für Disruptionen sorgen (Weir und Paimon) und eigentlich "Schuld" sind.

    Und das macht die ganze psychische Dynamik, das macht auch die ganzen anthropologischen Fragen extrem unterkomplex und reduziert den ganzen Kosmos auf ein Wir vs. Die. Je mehr ich drüber nachdenke, umso mehr denke ich, das der eigentliche Horror von Event Horizon jetzt der ist, dass man uns wieder einfache Weltbilder füttert, in denen am Ende natürlich auch der liebe Gott nicht fehlen darf. XD

    Berenice van Buren hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Zitat
    Chefredakteur René widmet sich in aller gebotenen Ausführlichkeit der "Dark Descent"-Comic-Reihe, einem Prequel zum Erfolgsfilm "Event Horizon". Kann der Comic überzeugen?

    Berenice van Buren hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Berenice van Buren
    29. Mai 2024 um 12:00

    Zitat
    Für die Großen Alten hat Zeit keine Bedeutung, für uns Sterbliche aber schon, weshalb wir vom Vorstand und von der Lovecrafter-Redaktion unter dem Einsatz unaussprechlicher Pakte noch einen Monat herausschlagen konnten, in dem Ihr Eure Beiträge für das neue Lovecrafter-Emblem bei uns einreichen könnt. Danach kehren wir wieder in den inneren Zirkel der Beratung ein, der uns eine*n Gewinner*in (und vielleicht etwas Wahnsinn bescheren) wird.

    Berenice van Buren hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Berenice van Buren
    12. März 2024 um 12:00

    Zitat
    Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft e. V. feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Die Sterne stehen günstig für eine ganze Reihe von Transformationen, und auch das Vereinsmagazin Lovecrafter wird einer deutlichen Metamorphose unterzogen, die gleichsam richtungsweisend sein, aber auch an alte Traditionen anschließen soll. Der Rufer, jenes charismatische Symbolbild, welches den Titelschriftzug des Magazins seit jeher begleitet hat, legt sein Megafon nieder und macht nun Platz für neue Ideen.

    Serh schön. Vielen Dank. Ich tanzte ja leider wieder auf mehreren Hochzeiten und mein Avatar glotzte irgendwann in Erich Zann-Manier nur doof in die Fernsterecke. ich werde schauen, dass ich die Resourcen behalte, das Ganze weiter zu verfolgen und mal auch paar Sachen von mir raufzuladen. ^^

    Ich kann das Stellen von 'provokanten Fragen' recht gut verstehen und sehe darin eine Art Ventil der selbstkritischen Beschäftigung, die hier aber mehr Dampf ablässt als notwendig.

    Die etwas krude Metapher einmal aufgelöst: @Scharmützelmax: Ich werde das gefühl nicht los, dass dich die Vorwürfe gegen Lovecrafts Rassismus auch selbst stark berühren und du dich in einer Art moralischem Dilemma befindest. Bewegungen, die für mehr awareness und Aufmerksamkeit werben - auch aggressiver werben - finde ich gut, doch die von dir erwähnten Beispiele, den Namen Lovecrafts zu 'streichen' oder das Konterfei im Vereinswappen infrage zu stellen (die du, so lese ich das rein, auch nicht goutierst), hielte ich für Augenwischerei. Nicht nur ist es nicht hilfreich, die Symbole und Namen, die mit Rassismus verbunden sind, 'zu streichen'; vielmehr halte ich es für einen sauberen Diskurs, in dem man Phänomene, Konzepte, Namen etc. konkret benennen will um diese zu reflektieren, sogar für äußerst kontraproduktiv. (Stell dir vor, wir kritisieren Rassismus und keiner weiß, von wem...)

    Ich habe nicht die Zeit gehabt, sämtliche Links durchzusehen, möchte aber den HBO-Artikel mal auszugsweise kommentieren.

    Zitat

    Lovecraft leaves no room for a debate about separating the artist from their art.

    Das sehe ich anders. Zwar sind rassistische Stereotype bei vielen der Geschichten Lovecrafts omnipräsent und gerade im Lichte antirassistischer und awareness-mäßiger Denkkonstrukte auffälliger, dass man solch elementare Eigenschaften wie seinen Rassismus aber eher sekundär betrachten kann, zeigen die Beschäftigungen anderer Lovecraft-Lesegemeinschaften z.B. im Ausland (und ja, ich bin mir der Ironie meines Kommentars bewusst, wenn ich von 'Lovecraft'-Lesegemeinschaften schreibe^^). In Mexiko, Ecuador etc. z.B. wird auch Lovecraft gelesen (und das, obwohl die Südamerikaner*innen bei ihm auch nicht gut weg kommen, das wissen die), und liegt der Fokus der Horror-Rezeption weniger auf der xenophoben Angst, sondern vielmehr auf der Angst vor Vereinsamung in einem endlosen Kosmos (was m.E.n. mit dem vitalistischem Bild von lebendigen Farben und hunderten Arten weniger zusammenpasst, aber da sind kulturelle Unterschiede ja sehr spannend).

    Die rassismuskritische Rezeption Lovecrafts ist mir eine richtige und wichtige. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie besonders präsent in weißen, westlichen Mehrheitsgesellschaften ist, die langsam beginnen, ihr koloniales Erbe zu reflektieren. Wir lesen Lovecraft oft unter einer anderen kulturellen Brille als andere und hier die Texte auf die whiteness des ängstlichen Autors zu reduzieren, würde den Rezeptionstendenzen anderer Kulturen nicht gerecht.

    Ich kann die Aussage Matt Ruffs hier daher nur unterstützen:

    Zitat

    “In giving vent to his bigotry, he taps into a larger fear that I think we all have of people who are different from us and mean us no good,” he said. “It’s one of the reasons you can take his stories and repurpose them. ... He may not have realized the universalism of some of what he was writing about, but I can take that away from his work.”

    Die Angst vor dem Anderen, nicht zwangsläufig die Angst vor anderen Menschen, Kulturen, etc., sondern schlichtweg die Angst vor der Irritation, die eintritt, wenn das Weltbild zusammenbricht, wenn sich zeigt, dass man in einer anderen Welt lebt, als man diese sich vorgestellt hat und dass man - da widerspreche ich LaValle (der sagt, dass diese 'narzisstische Angst' der Weißen Schwarze nicht betreffe) entschieden - nicht Mittelpunkt der Welt ist, ist eine, die alle betrifft und mit der alle umgehen müssen.

    Spezifisch bei HPL zeigt sie sich als kultureller Intertext einer verängstigten white-privilege-Gesellschaft, die weiß, dass sie ihren Reichtum durch Diebstahl erworben hat, die ihre heterogene Identität (selbst als Zuwanderergesellschaft) primär durch Abgrenzung und diffuse Begriffe definiert. Sie zeigt sich aber auch im präviktorianischen England, das um 1700 - 1800 mehr und mehr vom biblischen Weltbild wegrückte und mit Geologie und Paläontologie Zeiträume eröffnete, die die Genesis-Geschichte einfach verschluckt hätten. Sie zeigt sich in der religiösen Panik des Klerus, der sich dem heliozentrischem Weltbild gegenüber sah. Sie zeigt sich sogar in den traumatisierenden Begegnungen des Kleinkindes, das zum ersten Mal einsehen muss, dass nicht jeder Gedanke und jeder Schrei gleich mit sofortiger Bedürfniserfüllung verbunden ist und dass es eine Milliarde anderer Kleinkinder gibt, die auch schreien. Und sie zeigt sich (wenn vielleicht auch im geringerem Ausmaß) einer Mücke, die realisiert, dass der 'Brunnen' aus dem sie trinkt, auf einmal zurückhaut und sie zerquetscht (gibt's nen schönen Comic von Junji Ito zu).

    Rassismus, so denke ich, ist eine spezielle, kulturell und wissensgeschichtlich oft sanktionierte (daher so präsente) Form von Angst vor dem Anderen, Angst vor Veränderung und dem plötzlichem Ereignis. Aber sie ist keine, der man selbst wehrlos gegenüber stehen muss.

    Das 'Streichen' oder Canceln scheint mir mehr eine sehr affekthafte Ausprägung butlerscher Sprachkritik zu sein.

    Zitat

    Und wenn man sich die Diskussion anschaut von wegen "Lovecraft streichen", der Name darf nie wieder fallen, man darf nicht mehr über den Mann reden, der ist überschätzt blablabla, dann lohnt es sich, sich darauf vorzubereiten und der Diskussion zuvor zu kommen. Vielleicht kann man selber mal so eine Diskussion organisieren?

    Die Gedanken eines größeren Forums gab und gibt es bereits. Die Stellungnahme war auch ein Manöver, eine Diskussion proaktiv einzuleiten (was ja, wie man hier sieht, auch geklappt hat, Leute kommen über das Forum). Eine größere Diskussionsrunde haben wir mal besprochen, bisher aus Zeit- und Pandemiegründen jedoch noch nicht in der Planung realisieren können. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, ich spreche für mich, wenn ich aber sage, dass ich das gerne etwas international gestalten möchte.

    Ich denke - aber das ist nur meine Meinung - dass ein*e jede*r, derdie Lovecraft oder vergleichbares liest, sich auch im Klaren darüber sein muss, dass er oder sie Teil dieses schrecklichen Universums ist, und diesem nicht oppositionär gegenüber steht. Das Sprechen über elementare Ängste und ihre schlimmsten Ausprägungen ist immer auch ein Sprechen über uns selbst und über das, was wir nicht von uns sehen wollen. Der Innsmouth-touch ist eine äußerst wirksame Metapher für das Triebhafte, Unkontrollierbare und sehr Schädliche (neudeutsch: toxische) in uns, mit dem wir uns auseinander setzen müssen, von dem wir uns nicht distanzieren können.

    Zitat

    Mich würde ja interessieren, was für eine psychische Störung da zugrunde lag.

    Wobei ich da vorsichtig wäre, das alles zu pathologisieren. Einerseits nimmt das die Eigenverantwortung für be***ene Geisteshaltungen ein Stückweit weg, andererseits wären bestimmt viele mit ensprechenden (herbaispekulierten) Pathologien wenig erfreut, mit anderen Leuten wegen solcher Ideologien etc. in einen Topf geworfen zu werden. Ist irgendwie so ein Ding der Moderne: Alles, was nicht passt oder ungemütlich ist, kann man wegtherapieren. Aber oft ist es auch 'nur' ein ekelhafter Charakterzug. Dabei, das denke ich, liegen hier Genie und Wahnsinn weniger nahe beieinander als Genie und nostalgische Verbohrtheit.

    Hat mir zu Beginn gut gefallen, originell, spannende Argumentation, für marxistische Grundlagentheorie bin ich immer zu haben...

    Aber in Spielfilmlänge(!) wurden mir die albernen Einlagen dann doch zu viel und die Grundthesen zu dünn gestreckt. Und auch wenn die Textarbeit und -präsentation sorgfältig erschien - was bei diesem Thema besonders wichtig ist - finde ich, man hätte das alles viel pointierter und gebündelter präsentieren können.

    Dieser Komplex rund um Hierarchien, Konservatismus und Reaktionismus ist natürlich sehr amerikanisch und ich bin mir unsicher, für wie abendfüllend ich das Buch vom Robin als (edit: nicht ganz, aber fast) alleinige Grundlage halte. Da bräuchte ich aber die Argumentation des Videos in Papierform, um mich damit richtig auseinanderzusetzen. Nicht mein Medium, fürchte ich. Meine Kritik bleibt daher persönlich.

    Vieles in dem Beitrag scheint mir auch von der (durchaus gelungenen und inspirierenden) Performance zu leben.

    Hui. Wie schön lebendig es hier ist. dies erfüllt mein sprödes Herz mit Stolz. ^^

    Tatsächlich hatten wir alle Jahre immer größere Schwierigkeiten, Autor*innen für den Non-Play-Teil zu finden. Insofern sollten sich alle, die hier ihre Nicht-Spieler*innenschaft bekennen, nicht von schlechtem Gewissen plagen lassen. ;)

    Von einigen der hier Diskutierenden habe ich schon Mails bekommen und so wie es aussieht, scheint sich, was die Autor*innensuche im Non-Play-Bereich betrifft, gerade etwas stark zu ändern. Ich zähle drei Interessenten, damit hat sich seit Veröffentlichung des Gesuchs das Autor*innenteam potenziell erstmal verdoppelt.

    Das mit dem Faktencheck interessiert mich tatsächlich auch. Auch wenn man solche Sachen, denke ich, in einen größeren Rahmen einbauen kann. Den Begriff des 'Faktischen' und die proklamierte Akkuratesse (oder Non-Akkuratesse) würde ich aber immer etwas vorsichtig benutzen und nicht zwangsläufig an unseren heutigen Wissensstandard ausrichten - der ist ja auch hoch instabil - und der Objektivierungsanspruch in den Naturwissenschaften (die ja eine sehr junge Disziplin sind) geht nicht zwangsläufig damit einher, wirkliche objektive Wahrheit vermitteln zu können. Das Verhältnis zwischen naturwissenschaftlich autorisierten Wissensinhalten und phantastischer Spekulation ist aber tatsächlich etwas, das man auch mal behandeln kann.

    Michael H. : wenn Du mir noch eine NMail schicken magst, können wir das gerne mal besprechen und ich kann Dir eine Einladung zur RedCon im Dezember (+ Arbeitsplan) schicken.

    Berenice van Buren hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Berenice van Buren
    21. Oktober 2022 um 12:00

    Zitat
    Der Lovecrafter ist seit 2016 das offizielle Vereinsmagazin der Deutschen Lovecraft Gesellschaft und versorgt die Vereinsmitglieder in einer zur Zeit einmal jährlich erscheinenden Doppelausgabe mit Informationen rund um die Themen Weird Fiction, Cosmic Horror, phantastische Literatur mit cthulhoidem Themenschwerpunkt und weitere literarische Yog-Sothothery. Darüber hinaus veröffentlicht der Lovecrafter regelmäßig Szenarios und NPC-Entwürfe für das Rollenspiel FHTAGN und wirft ein Auge auf alle Entwicklungen und Veröffentlichungen, die den praktizierenden Homo ludens interessieren könnten.

    Wir suchen Verstärkung!