Die Welt, 31.10.17: H. P. Lovecraft Wie ein Rassist und Angstpatient die Horrorliteratur erfand

  • Herrschaftszeiten... Was soll das sein? Eine Hommage? Was Herr Freund da in plumper Prosa zusammengetrümmert hat, ist vielmehr eine despektierliche, biedere Glosse voller Fehler und geschmacklich fehlgehender Pseudo-Bezüge ins Heute. Man ist es langsam wirklich leid, ständig so einen Unrat zu lesen.

  • Ich weiß gar nicht was da los ist... Ist es den jeweiligen Autoren echt egal was für einen Tinneff sie da schreiben oder sind wir - durch unser Fandom - zu sensibel?
    Eigentlich müsste man bei sowas massenhaft gegenan schreiben... aber wer hat schon so viel Zeit.

    “I couldn’t live a week without a private library – indeed, I’d part with all my furniture and squat and sleep on the floor before I’d let go of the 1500 or so books I possess.”
    H.P. Lovecraft in einem Brief vom 25. Februar/1. März 1929 an Woodburn Harris
  • Wir sind auf jeden Fall durch unser Fandom zu sensibel (schön ausgedrückt!). Das Feuilleton kann man nur zur Kenntnis nehmen (was wir hier ja auch machen), große Würfe dürfen wir eher nicht erwarten; auch das haben die letzten Artikel gezeigt. Und für die eigene Arbeit hat so etwas gar keine Auswirkung. Ebenso bleibt die ernsthafte Lovecraft-Rezeption davon unbefleckt, denn die hat ihre eigenen Plattformen, wo es glücklicherweise gewissenhafter und sachlich korrekter zugeht. Gehen wir also zur Tagesordnung über …

  • Ich sehe das doch noch etwas problematischer. Selbst wenn es so ist, dass Feuilletonisten "nur zur Kenntnis nehmen" können, so muss man sich doch fragen, warum dabei ein Artikel voller Fehler und tendenziöser bis übergriffiger Formulierungen heraus kommt. Ich denke eigentlich nicht, dass wir im "Fandom" zu sensibel sind für Kritik, dieses Narrativ dürfte sich empirisch kaum halten lassen. Kein Gedanke daran, die Welt mit HPL beglücken zu wollen oder eingeschnappt zu sein, wenn jemand Lovecraft kritisiert oder nicht mag. Aber schlechter Journalismus auf dem Niveau eines boulevardesken Banausentums zum reinen Leserfang durch sensationsmäßig aufgeblasene Worthülsen sollte erkannt und kritisiert werden. Sowas heute in etablierten Medien zu lesen ist an sich aufschlussreich.


    Dagegen anschreiben, wie derTräumer sagt, kann man wohl wirklich nicht und dies ist wohl auch nicht nötig, denn wer ernsthaft rezipieren will, der geht ohnehin tiefer und wer sich an entsprechenden Texten "kleinbürgerlich aufgeilt" (Charles Bukowski), der wird es auch mit vorliegender Gegenrede weiterhin tun. Aber gänzlich widerspruchslos verhallen sollten solche Machwerke auch nicht, finde ich.

  • Also um mal die Gegenposition einzunehmen. Ich finde den Text jetzt gar nicht so schlecht. Käme ich mit völligem Unwissen über HPL an diesen Text, wäre mein Interesse zumindest geweckt. Ich denke, dass der Text nicht die Katastrophe ist, als die er hier verissen wird. Wenn ich mich versuche mich an die Stelle eines unbedarften und fachfremden Leser zu stellen, dann gibt der Text mir einen Wegweiser in die Hand. Ich bin mit den biografischen Eckpunkten und den gängigen Kontroversen um Lovecraft in Berührung gekommen und habe ggf. Interesse entwickelt, wie das Werk dieses Mannes so einflussreich werden konnte. Mehr kann ein solch kurzer Artikel wohl nicht leisten. Als Kenner der Materie schaudert man natürlich manchmal, aber das geht jedem Experten in allen Themen so. Wenn ich mir als Historiker ZDF Dokumentationen über die Frühe Neuzeit ansehe ("Die Deutschen") dann schüttel ich mitunter auch die Faust, aber das ist nunmal für viele der erste Berührungsüpunkt und irgendwo muss man ja in den hermeneutischen Zirkel eintreten. Da ist dieser Artikel wirklich nicht der schlechteste Punkt.

  • Das könnte man dann unter dem Credo "Schlechte PR ist auch PR" einordnen, wobei ich Fehler und extreme Übertreibungen selbst mit einem solchen Minimalkonsens objektiv gesehen als schlechte Arbeit sehe. Selbst einen ersten niedrigschwelligen Zugang in den "hermeneutischen Zirkel", wie du es nennst, kann man deutlich hochwertiger gestalten.

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