Beiträge von Arkham Insider Axel

    Toobeeus Schöner Tip, Danke! Ich lese gerne oder würde gerne mehr Sachliteratur lesen – und diese hier steht ja im unleugbaren Zusammenhang mit der Phantastik. Wiewohl das ebenso für sämtliche Wissenschaften gilt, nicht nur für die Naturwissenschaften.

    Ich werde es wohl wagen müssen! Ich weiß auch, dass unser Arkham Insider Axel ein großer Freund des Episodenromans ist.

    So ist es; und ich würde mich in meiner generellen Einschätzung Neodyn anschließen.

    Der Große Pan zu gemüte führen. Habe schon viel von dieser Erzählung gehört und bin sehr gespannt darauf.

    Auch dies eine faszinierende Erzählung, wie ich finde. Stephen King erwähnt sie anlässlich seines Romans Revival. Was heißt: er hat sich gewisser Elemente daraus bedient.

    Stefan Falls du diese Broschüre nicht eh schon kennst: Der Orchideengarten. Eine kommentierte Bibliographie von Robert N. Bloch. Verlag Lindenstruth. Gießen 2018 (2. erw. Auflage).


    Eine praktische Übersicht aller Ausgaben, Autor*innen und Illustrator*innen, Nachdrucke in d. Regel mit Angabe der Erstveröffentlichungen, Nennung fremdsprachiger Originaltitel etc. Sehr hilfreich sind auch die Kommentierung bzw. kurzgefasste Inhaltsangabe.

    Unter anderem aus dem Rahmen fällt Wilhelm Meinold mit dem Beitrag "Bernsteinhexe". Der Autor hat einen Roman desselben Titels veröffentlicht: allerdings schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ob es sich dabei um einen Auszug handelt? Ich muss gestehen, dass ich das Buch hier stehen aber noch nicht gelesen habe …

    Meine diesbezügl. Frage wird auch beantwortet: Es handelt sich um einen Auszug.

    Besten Dank für weitere Hinweise und Links; interessant, was du noch alles herausgefunden hast.

    Die erst kürzlich mal wieder in einem spannenden Artikel über Alfred Döblin im Los Angeles Review of Books auftauchten... Ergänzend zu einem Absatz über sein literarisches Umfeld der 1920er Jahre: https://lareviewofbooks.org/ar…fred-doblins-anthropocene

    Sehr schön – hatte die Berge Meere und Giganten vor einigen Tagen bei einer heimischen Aufräumaktion mal wieder in den Händen … und überlegt, ob ich weiterlesen soll … das Buch ist ein Brocken und macht seinem Namen alle Ehre. Eine Zusammenfassung würde wohl auch reichen …


    Natürlich tut es nicht not, die europäische oder auch deutschsprachige unheimliche Phantastik vollständig gesondert von der Weird Tale zu betrachten. Allgemeinbeobachtungen – wie ich sie mir manchmal auch erlaube – müssen sich im Endeffekt in der Einzelanalyse bewähren. Dennoch würde ich sagen, dass ein H. P. Lovecraft mit seiner Art des kosmischen Horrors recht singular dasteht. In dem Sinn hat er mehr mit der Science Fiction gemein als mit der großstädtisch, nachdekadent geprägten Phantastik aus der Zeit der Weimarer Republik. Zwischen Lovecraft und Hanns Heinz Ewers – dazwischen liegen für mein Empfinden Welten (unabhängig davon, dass Ewers' "Die Spinne" Einfluss auf Lovecraft gehabt haben soll). Auch Leute wie Strobl, Frey oder Meyrink spielen in ganz eigenen – anderen – Ligen. Speziell die Form der Satire, besser gesagt: die Gesellschaftssatire, hat Lovecraft eher vernachlässigt – während sie in der dt. Phantastik jener Zeit (und bei den genannten Autoren: Ewers, Meyrink, Frey) keine Seltenheit ist.


    Doch angesichts deiner aufschlussreichen Liste der dt. originalen Beiträge gilt, dass Urteile mit Bedacht gefällt werden sollten. Namen wie Kasimir Edschmid, Hans Reiser oder Oskar Maria Graf sind mir vornehmlich aus anderen Bereichen bekannt; so dass ich auch nicht sagen möchte, sie seien typische Vertreter der Phantastik der Weimarer Zeit. Und auch Döblin – siehe oben – lässt sich hier nicht fixieren. Berge Meere und Giganten mag zwar dem Inhalt nach phantastisch sein, die Form würde ich jedoch als expressionistisch bezeichnen. Als Unterhaltungsliteratur (und darüber unterhalten wir uns ja eigentlich im erweiterten Lovecraft-Umfeld) eignet sich das Buch definitiv nicht.


    Unter anderem aus dem Rahmen fällt Wilhelm Meinold mit dem Beitrag "Bernsteinhexe". Der Autor hat einen Roman desselben Titels veröffentlicht: allerdings schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ob es sich dabei um einen Auszug handelt? Ich muss gestehen, dass ich das Buch hier stehen aber noch nicht gelesen habe …

    Weil mich natürlich interessiert, wer von Euch sich auch schon mit dem Orichideengarten befasst hat

    Ich habe mich schon mit dem Heft befasst bzw. besitze auch einige Ausgaben.


    Dein enthusiastischer Überblick ist sicherlich gerechtfertigt, doch hat sich im Nachhinein der Blick auf das Blatt getrübt. Es wurde und wird immer wieder in einem Atemzug mit Weird Tales genannt: "Das erste Fantasy-Magazin, noch vor WT erschienen" o. ä. Auch wenn WT nicht ausschließlich Pulp-Material brachte, so hat es doch gerade diese Art der Unterhaltungsliteratur gefördert. Die deutschsprachigen Entsprechungen zum Phänomen Pulp werden eher auf dem Sektor der Kolportageliteratur und der Romanhefte zu finden sein. Nur: Das, was hierzulande als "Groschenhefte" geschmäht wurde, entsprach in formaler Hinsicht weniger den Pulps, sonden eher den sog. Dime Novels.


    Die Texte, die im Orchideengarten erschienen, berufen sich – das klingt auch schon bei dir an – teilweise auf andere literarische Traditionen. Die beiden Herausgeber Strobl und Czibulka waren ja auch noch in ganz anderen Bereichen unterwegs – was wiederum dazu führt, über die Phantastische Literatur im dt. Sprachraum an sich nachzudenken. Eine so klare Definition, wie wir sie heute benutzen, war damals nicht an der Tagesordnung. Erotische, abenteuerliche, groteske, grausige bis hin zu genuin phantastischen Stoffe wurde häufig als "Seltsame Geschichten" oder "Merkwürdige Geschichten" bezeichnet. Mitnichten hat man sich also anhand dieser Sammelbezeichnungen auf das Vorkommen übernatürlicher Momente versteift, sondern das Abseitige und Ungewöhnliche per se gesucht. In dem Sinn erscheint es zumindest mir gewagt, den Orchideengarten als frühes Fantasy-Magazin oder gar Vorläufer der Pulps einzuordnen.


    Es könnten ja damals durchaus einige Exemplare über den großen Teich gelangt und vielleicht sogar teilweise übersetzt worden sein... Ist Euch irgendetwas in dieser Hinsicht bekannt? Vielleicht lassen sich ja auch merkwürdige Parallelen zwischen Geschichten finden... Wer weiß!

    Das ist durchaus möglich, allerdings ist mir kein konkreter Fall bekannt. Parallelen zwischen hier und dort – die gibt es allerdings. So erschienen einige der Pulp-Stories in deutschen Übersetzungen noch lange vor Festa & Co., ja auch noch lange, bevor sich hier – ab den 1960er Jahren – die diversen Taschenbuchreihen etablierten. Zwei SF-Geschichten von Clark Ashton Smith erschienen z. Bsp. in den 1930ern in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens. Der Stuttgarter Verlag Dieck & Co. brachte in den 1920ern erfolgreich mehrere Tarzan-Bücher auf den Markt; nicht zu reden von Burroughs' Fantasy-Roman Eine Marsprinzessin (A Princess of Mars, 1912 im All-Story Magazin erschienen).


    Eine internationale Liste der Autor*innen, die in WT veröffentlichten, findest du übrigens hier (darunter auch die deutschsprachigen, Browser-Suche mit Strg+F einschalten und nach "german" suchen):

    https://tellersofweirdtales.bl…/weird-tales-authors.html


    Und der exklusive Düsseldorfer Zagava-Verlag hat zumindest einen Nachdruck der Nr. 1 des Orchideengarten veröffentlicht:

    https://www.zagava.de/shop/der-orchideengarten

    Dieser Thread zu William Hope Hodgson (WHH) existiert zwar schon lange, doch gab es bisher noch keine regelrechte Einführung. Vielleicht haben ja einige schon ihre Erfahrungen mit seinem Werk gemacht – und andere kreisen noch etwas unschlüssig drumherum.


    Neben den maritimen Horrorgeschichten und den phantastischen Romanen sind es die Fälle des okkulten Detektivs Carnacki, die im deutschsprachigen Raum am stärksten mit seinem Namen verbunden sind.


    Wie also mal wieder William Hope Hodgson in Spiel bringen? Vielleicht ist ein pointierter Überblick wegweisender Veröffentlichungen in Deutschland interessant. — Dadurch dürften wir seine Geschichten am ehesten kennengelernt haben. Neben den Standards, namentlich in den Verlagen Insel, Suhrkamp und Festa, liste ich noch einige Obskuritäten, Raritäten und Adaptionen auf. Eventuell sind dabei ja noch neue Entdeckungen für den einen oder die andere möglich …


    Anmerkung: Meine Liste basiert auf der umfangreichen WHH-Bibliografie von Robert N. Bloch, erweitert um zwei Einträge aus meiner eigenen Bibliothek.


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    1. Die Jahre 1969 bis 1987: Erste Veröffentlichungen

    1969 — Die (bisher) bekannteste früheste deutschsprachige Veröffentlichung „Die Stimme aus der Nacht“ („The Voice in the Night“) ist enthalten im 15. Band von Ullsteins Kriminalmagazin.


    1970 — In der Bibliothek des Hauses Usher (Insel Verlag) erscheint das Buch Stimme in der Nacht mit vier von Hodgsons gruseligen Seegeschichten, darunter der Kurzroman Die Boote der ›Glen Carrig‹ (The Boats of the ›Glen Carrig‹). Diesem Buch folgt 1973 Das Haus an der Grenze, das neben dem Titelroman (The House on the Borderland) drei weitere Stories enthält: allesamt Fälle des paranormalen Ermittlers Carnacki.


    1982 — Bastei Lübbe veröffentlicht mit Das Nachtland den visionären Endzeitroman The Nightland. Auf der Rückseite ist das Urteil eines gewissen „H. P. Lovekraft“ abgedruckt: „Eines der machtvollsten Werke düsterer Imagination, das je geschrieben wurde.“


    1987 — Die Phantastische Bibliothek (Suhrkamp Verlag) würdigt Hodgson mit dem Band Geisterpiraten und andere schauerliche Seegeschichten. Dank des Titelromans liegt nun der vierte von Hodgsons Romanen auf Deutsch vor.


    2. Die Jahre 2003 bis 2017: William Hope Hodgson im Festa Verlag

    2003 — Festas hauseigenes Magazin Omen bringt in seiner ersten Ausgabe die See- und Abenteuergeschichte „Die Insel des Ud“ („The Island of the Ud“). Leider kappt das Satzprogramm den Schluss der Story, so dass sie noch einmal vollständig in Omen 2 (2005) abgedruckt wird.


    2004 — Festa wagt sich an eine Neuausgabe von Das Haus an der Grenze. Übersetzt von Michael Siefener und mit aufschlussreichem Vorwort von Brian Stableford versehen, kann diese Fassung problemlos neben der früheren Insel-Veröffentlichung bestehen.


    2007 — Die Anthologie Die Pflanzen des Dr. Cinderella. 25 Unheimliche Geschichten liefert mit „Der Spuk auf der Jarvee“ („The Haunted Jarvee“) einen Carnacki-Vorgeschmack. Es handelt sich um eine – freilich mittelmäßige – Verquickung von okkulter Detektiv- und unheimlicher Seegeschichte.


    2017 — Unverzichtbar im Festa-Programm: das Buch Carnacki, der Geisterdetektiv, das 2017 erstmals sämtliche Geschichten um die übersinnliche Spürnase auf Deutsch versammelt. Zum Reiz der Publikation trägt noch ein Aufsatz von Mark Valentine bei; der britische Autor, Herausgeber und Büchersammler befasst sich seit den 1980er Jahren mit William Hope Hodgson.


    3. Obskuritäten, Raritäten und Adaptionen

    1988 — „Geschichten, die nach Salzwasser schmecken“ präsentiert der bekannte Autor Alexander Kent (d. i. Douglas Reeman) in der Sammlung Kapitänsgarn (Sea Captains’ Tales). Ohne dezidiert der Phantastik zu frönen, enthält das Buch aus dem Ullstein Verlag den Sargassosee-Klassiker „Das Ungeheuer im Beerentang“ („The Thing in the Weeds“).


    1998 — Abseits von Meeresungeheuern und Geisterdetektiven präsentiert die Anthologie Räuber, Schurken, Lumpenpack (The Mammoth Book of Historical Detectives) Hodgson als Verfasser einer historischen Kriminalerzählung: „Das Wirtshaus zur Schwarzen Krähe“ („The Inn of the Black Crow“). Das Buch erscheint bei Bastei Lübbe; Herausgeber Mike Ashley ist u. a. bekannt durch seine Algernon Blackwood-Biografie Starlight Man.


    2004 — In Arcana Nr. 6 wird auf einen Privatdruck hingewiesen: William Hope Hodgson. Das Rufen des Meeres. Gedichte. Der Druckt ist limitiert auf 100 Exemplare, übersetzt und herausgegeben von Denis Vidinski; das Vorwort stammt von Boris Koch. Kernstück ist die Ballade „Die Stimme des Ozeans“ („The Voice of the Ocean“), die Robert N. Bloch mit Colerdiges „Ancient Mariner“ vergleicht.


    2016 — Unter der Regie von Jörg Buttgereit und Bodo Traber entsteht das Hörspiel Fungus – Pilz des Grauens, basierend auf der Geschichte „The Voice in the Night“, erweitert um einen japanischen Schauplatz und eine vom Original abweichende Figurenkonstellation. Ausstrahlungen 2016 vom WDR und 2017 vom Deutschlandfunk.

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    Horror. Gruselgeschichten aus alter und neuer Zeit. Herausgegeben von Kurt Singer. Mit Bildern von Günther Stiller. Leinen, mit Schutzumschlag, 325 Seiten. Deutscher Bücherbund. Hamburg, Stuttgart, München 1971


    Dieses faszinierende Buch habe ich in meiner Jugend entdeckt. Die Mutter eines guten Freundes besaß ein Exemplar, das ich mir ausleihen durfte. Außer H. P. Lovecraft, H. G. Wells, Charles Dickens und vielleicht noch Robert Bloch waren mir die anderen AutorInnen unbekannt. Seit rund 30 Jahren begleitet mich diese Sammlung, die ich immer wieder gerne zur Hand nehme und die immer wieder neue Möglichkeiten der Beschäftigung bietet; insbesondere im Umkreis der erweiterten Lovecraft-Lektüre.

    Editionsgeschichte

    Was ist nun das Besondere an der Anthologie? In der vorliegenden Fassung stellt sie einen Querschnitt dar aus Kurt Singers vierbändiger Buchreihe Horror, erschienen zwischen 1969 und 1971 im Verlag Krüger (das Originalmaterial hatte Singer in mehreren englischsprachigen Anthologien zwischen 1965 und 1969 kompiliert). Heyne brachte wenig später eine Taschenbuchausgabe auf den Markt, welche jedoch aus 5 Bänden besteht; das Originalmaterial somit noch erweitert. Die hier vorgestellte gebundene Ausgabe bietet 19 Erzählungen, die fast komplett aus den Bänden Horror 1 und Horror 2 stammen.

    Pulp Fiction

    Erst in den letzten Jahren wurde mir bewusst, dass Singers Auswahl zum Gutteil aus originärem Pulp-Material besteht. Es handelt sich um Stories aus einschlägigen Magazinen bzw. Stories von Leuten, die für dieser Magazine schrieben: an erster Stelle Weird Tales. Die Veröffentlichung des Buchs fiel mithin in einen Zeitraum, in dem auch in Deutschland Pulp-Material aus den 1920er bis 50er Jahren ausgegraben wurde. Zu nennen sind etwa Formate wie die Bibliothek des Hauses Usher (Insel Verlag, 1969 – 1975 ), Terra Fantasy (Pabel Verlag, 1974 – 1982 ) oder diverse andere Taschenbuchreihen (vor allem des Heyne Verlags). Interessanterweise – das ist meine These – war sich das damalige Publikum über Wesen und Wirkung der Pulps kaum im Klaren. Und die Idee, den Begriff „Pulp“ im Sinn einer Marketingstrategie einzusetzen, lag noch in weiter Ferne …

    Einige Highlights

    Neben Whites „Lakandu“, Lovecrafts „Träume im Hexenhaus“ oder Longs „Der Mann mit den tausend Beinen“ gefallen mir besonders die folgenden Geschichten:


    • Laurence Manning: „Die Höhlen des Schreckens“
      Ein betuchter Jäger entdeckt unter seinem Anwesen auf Long Island eine unterirdische Welt. Er organisiert für seine Freunde eine subterrane Großwildjagd auf die dort hausenden Monster.
    • Mearle Prout: „Das Haus des Wurms“
      Eine düstere Vision von Fäulnis und Verfall, angesiedelt in einer atmosphärisch geschilderten Waldumgebung.
    • Eric Frank Russell: „Der Rhythmus der Ratten“
      Die alte Sage des Rattenfängers von Hameln transformiert in eine Weird Tale mit einem Schuss Coming of Age; ebenso ungewöhnlich wie unheimlich.

    Lovecraft meldet sich zu Wort

    Um abschließend auf Lovecraft selbst zu sprechen zu kommen: Dieser hatte zu einigen der genannten Autoren eine mehr oder weniger enge Beziehung. So besaß er das Buch Lukandoo & other stories (1927) von Edward Lucas White – das Geschenk eines Brieffreunds. Lovecraft war fasziniert von Whites Behauptung, er habe die darin enthaltenen Erzählungen tatsächlich geträumt. Eine konkrete Äußerung gibt es außerdem zu Mearle Prouts „Das Haus des Wurms“. Lovecraft hatte die Geschichte 1933 in Weird Tales gelesen: „Ungewöhnlich vielversprechend ist, meiner Meinung nach, das unausgegorene ‚House of the Worm‘ eines unbekannten Autors – Mearle Prout.“ schrieb er im Oktober 1933 an den jungen Robert Bloch.

    Fazit

    Horror präsentiert einige herausragende Beispiele der Weird Tale aus dem ersten Drittel bzw. aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben der gelungenen Wahl der Geschichten verdient das Buch an sich Beachtung: ein relativ großformatiges Hardcover mit Schutzumschlag, blutrotem Vorsatzpapier und illustriert mit vielen Collagen von Günther Stiller. Die hochwertige Aufmachung passt zur Büchergilde Gutenberg, die den Titel ebenfalls in ihr Programm aufnahm. Antiquarisch sind dieses Buch sowie einige der erwähnten anderen Ausgaben problemlos aufzutreiben.

    Inhaltsübersicht

    1. Edward Lucas White: Lakandu (Lukundoo)
    2. Frank Belknap Long: Der Mann mit den tausend Beinen (The Man with the thousand legs)
    3. Charles Allston Collins und Charles Dickens: Der Mordprozeß (To Be Taken with a Grain of Salt/The Trial for Murder)
    4. Robert Bloch: Die Männchen des Grauens (Mannikins of Horror)
    5. H. G. Wells: Das unerfahrene Gespenst (The Inexperienced Ghost)
    6. Roger M. Thomas: James Bradleys Vampir (The Bradley Vampire)
    7. Laurence Manning: Die Höhlen des Schreckens (Caverns of Horror)
    8. Tigrina [d. i. Edythe D. Eyde]: Letzter Akt: Oktober (Last Act: October)
    9. Enid Bagnold: Der verliebte Geist (The Amorous Ghost)
    10. Arlton Eadie: Das Wolfsmädchen von Josselin (The Wolf Girl of Josselin)
    11. Seabury Quinn: Die Herren des Geisterlandes (Repayment)
    12. Gans T. Field [d. i. Manly Wade Wellman]: Ein halbes Spukhaus (The Half-Haunted)
    13. Frank Lillie Pollock: Die letzte Morgenröte (World-Wreckers)
    14. Eric Frank Russell: Der Rhythmus der Ratten (The Rhythm of the Rats)
    15. Robert Bloch: Der grinsende Ghul (The Grinning Ghoul)
    16. H. P. Lovekraft [sic!]: Träume im Hexenhaus (The Dreams in the Witchhouse)
    17. Hugh Walpole: Mrs. Lunt (Mrs. Lunt)
    18. Frank Belknap Long: Die zwei Gesichter (Two Face)
    19. Merle [sic!] Prout: Das Haus des Wurms (The House of the Worm)

    Vielen Dank für diese interessanten Ausführungen!


    Zitat

    Die Intrigen und Kämpfe, der Riese als übernatürliches Wesen, eine Prophezeiung und göttliches Wirken, das Schloss als Handlungsmittelpunkt; all das sind Elemente die schon in den höfischen Romanen von u. a. Chrétien de Troyes, Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach vorkommen.


    Darf ich fragen, wer sich von euch mit diesen genannten Romanen beschäftigt hat?

    Sehr gerne würde ich den Lovecrafter #7 lesen, aber um den ist es ja seit März sehr still geworden.

    Nr. 7 und Nr. 8 werden als Doppelausgabe erscheinen – so wirst du doppeltes Lesefutter haben.

    Zeitpunkt: Wenn alles nach Plan läuft, geht das Package im Juni in den Druck und wird auch dann verschickt.

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    Franz Rottensteiner: Insel Almanach auf das Jahr 1972. Pfade ins Unendliche

    Broschur, 177 Seiten. Insel Verlag. Frankfurt a. Main 1971

    Beschreibung

    Als einen Sidekick zur Bibliothek des Hauses Usher und der Reihe Phantastische Wirklichkeit – Science Fiction der Welt (beide Insel Verlag) möchte ich den Insel Almanach auf das Jahr 1972 bezeichnen.


    Herausgegeben von Franz Rottensteiner bietet dieses Jahrbuch eine kurzweilige Mischung aus phantastischer Primär- und Sekundärliteratur; oder – wie der Untertitel verkündet: „Pfade ins Unendliche“. Dies scheint denn auch der einzige Almanach des Verlags zu sein, der sich so dezidiert der Phantastik widmet.


    In puncto Lovecraft ist das Buch in zweierlei Hinsicht nennenswert: Zum einen enthält es Lovecrafts launige Selbstbeschreibung „Autobiographie – Bemerkungen über einen unbedeutenden Menschen“ („Autobiography: Some Notes on a Nonentity“). Dies müsste die erste deutsche Verlagsübersetzung sein, sie stammt von Michael Maier und beinhaltet auch die Einführung und zahlreichen Anmerkungen von August Derleth. Franz Rottensteiner selbst hat den Text später für den Azathoth-Band (Suhrkamp, PB 230, 1989) noch einmal übersetzt. Zum anderen ist die eher zweitrangige Story „Der Untergang Sarnaths“ („The Doom that came to Sarnath“) abgedruckt. Auch diese Version von Michael Maier weicht von der späteren Suhrkamp-Fassung ab (übersetzt als „Das Verderben, das über Sarnath kam“ von Michael Walter, in: In der Gruft, PB 71, 1982).


    Aufgelockert wird der Almanach von 4 schwarzweißen Illustrationen Helmut Wenskes in einer minutiösen, punktierten Technik; nicht zu vergessen das farbenfrohe Coverartwork.

    Mit seinen psychedelischen Bildern hat der Künstler „Anfang der 70er Jahre […] für die Covergestaltung der Science Fiction im deutschen Raum neue Maßstäbe“ gesetzt, wie Christoph Roos auf dem
    Blog Phantastische Bilder zwischen Traum und Wirklichkeit schreibt. Übrigens: Eine Lovecraft-Illustration von Wenske ziert auch den Festa-Band Der Lovecraft-Zirkel (2006).

    Fazit

    Eine nette Ergänzung zu den eingangs erwähnten Reihen. Hinsichtlich der Sekundärliteratur ist natürlich das Alter zu beachten: So kann der Vampir-Text von Chotjewitz naturgemäß nicht den Boom berücksichtigen, der im Gefolge der Bücher von Anne Rice in den 1980er und 90er Jahren entstand. Und auch die theoretische Auseinandersetzung mit der Science Fiction dürfte seit den frühen 1970er Jahren nicht auf der Stelle stehen geblieben sein …

    Inhalt

    • Franz Rottensteiner: Science Fiction. Eine Einführung
    • Stanisław Lem: Erotik und Sexualität in der Science Fiction
    • Michel Butor: Die Krise der Science Fiction
    • Robert Plank: Golems und Roboter
    • Peter O. Chotjewitz: Der Vampir. Theorie einer Mythe
    • Stanisław Lem: Das Märchen vom König Murdas
    • H. P. Lovecraft: Autobiographie – Bemerkungen über einen unbedeutenden Menschen
    • H. P. Lovecraft: Der Untergang Sarnaths
    • Bücher aus dem Insel Verlag

    Zudem wurde die Geschichte in einer der letzten Folgen der Arkham Insiders erwähnt, was mich zusätzlich neugierig machte.

    Es ist so, dass ich mehr von der Geschichte halte als Mirko. Aber in nicht allzu ferner Zukunft werden wir sie besprechen.


    The Mound basiert wirklich nur auf einem fragilen Plot von Zealia Bishop und ist zu 99% Lovecraft. Die Erzählung steht m. M. nicht unbedingt schlechter da als Mountains of Madness oder Shadow out of Time. In dem Zusammenhang – also im Kontext von Themen wie Eroberung, Zivilisation usw. – sollte sie stärker beachtet werden.

    Weitermachen! Schließe mich der Vorrednerin an: Version 1 ist die schönere. Der krass anders geartete Farbhintergrund wirkt zu erdrückend. Ansonsten: interessante Kombi aus filigraner Linienzeichnung und grobkörniger Struktur.

    Turner, James (Hg.): H.P. Lovecraft Hüter der Pforten. Heyne

    Volle Zustimmung!


    In diesem Band ist mein persönlicher Favorit dieses Triple, idealerweise auch in der Reihenfolge zu lesen:


    Robert Bloch: Der Schlächter von den Sternen (The Shambler from the Stars, 1935)

    H. P. Lovecraft: Der leuchtende Trapezoeder (The Haunter of the Dark, 1936)

    Robert Bloch: Der Schemen am Kirchturm (The Shadow from the Steeple, 1950)

    Das Originalbuch "The Disciples of Cthulhu" wurde in diese beiden deutschen Büchlein gesplittet.

    Danke für den Hinweis. Über diese Aufteilung war ich mir nicht im Klaren. Den Namen Eddy C. Bertin habe ich mir schon vorgemerkt. Zum Glück hat mir Mirko auch den Chaosium-Nachdruck von The Disciples of Cthulhu vermacht: die Story wurde beibehalten. Ich habe schon gesehen: deutscher Spruch am Anfang und dann gehts gleich in Hamburg los … ich bin gespannt.

    völlig umsonst

    So würde ich das nicht sehen. In puncto Yidhra konnte ich eine Mythos-Lücke auffüllen. Und … meine zurückhaltende Einschätzung von Ramsey Campbell fand ich einmal mehr bestätigt. :P

    Angeregt durch diesen Thread habe ich mir einen Titel vorgenommen, den mir just mein Podcast-Kollege Mirko vermacht hat. Meine verhaltene Besprechung gibt es hier:


    Edward P. Berglund (Hrsg.): Cthulhus Schüler


    Das Buch wurde ja schon erwähnt ( Leuchtender Trapezoeder sei Dank) ; ich fand es zudem interesssant zu sehen, dass die darin genannte Göttin Yidhra bereits einen stattlichen Wiki-Eintrag aufzuweisen hat.


    Vielleicht nicht gerade ein Favorit, aber ein ordentlich fabriziertes Beispiel für cthuloide Literatur ist für mich jedenfalls:

    Wo Yidhra geht (Where Yidhra walks) von Walter C. DeBill Jr.