Lovecrafter Online – 062 – Chroniken des Grauens 4: Die Musik des Erich Zann

Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Inhalt
  2. Technik
  3. Fazit

Ich muss vorweg nehmen, dass ich mit dem vierten Teil der Reihe nicht wirklich warm geworden bin. Doch ich komme nicht umhin, Drehbuchautor Markus Winter meinen Respekt dafür zu zollen, dass er sich an die Vertonung von Lovecrafts Die Musik des Erich Zann gewagt hat. Neben dem einfachen Umstand, dass ich ein großer Freund dieser Geschichte bin (was wohl meiner musikalischen Ader geschuldet sein muss), halte ich sie gerade ob der andersweltlichen Töne, die Zann aus seinem Instrument hervorzwingt, schwer umzusetzen. Aber der Reihe nach.

Inhalt

Wie auch in den Vorgänger-Kapiteln erlebt die Figur des Randolph Carter als Protagonist die originale Lovecraft-Geschichte. Dieses Mal verschlägt es den jungen Mann also nach Paris, wo er in einem ärmlichen Haus in ein Zimmer der vorletzten Etage einzieht. Dort lauscht er des Nächtens dem irrwitzigen Geigenspiel des Mieters über ihm. Eines Tages fasst er sich ein Herz und klopft an die Tür des Musikers. Doch diese Bekanntschaft wird er bereuen...


Im Gegensatz zu den vorhergehenden Teilen ist dieses Mal die Handlung der Originalgeschichte kaum von den anderen Handlungssträngen unterbrochen worden. Stattdessen konzentriert sich Winter in der Eröffnung des Hörspiels ganz auf Lovecrafts Geschichte – was dieser natürlich zugute kommt. Doch tatsächlich hat das Ende von Die Musik des Erich Zann dann auch direkten Einfluss auf die anderen Handlungsstränge, so dass diese andere Herangehensweise auch dramaturgisch Sinn macht. Die übrigen Handlungsstränge werden in diesem Kapitel zu einem ersten, wenngleich offenen Ende geführt. Endlich enthüllt der Rädelsführer hinter den Angriffen durch seltsame Kreaturen sein Gesicht und mit dem Auftritt einiger wohlbekannten Figuren erhalten wir auch endlich eine Erklärung für die oftmals verwirrend wirkenden Handlungsfetzen.


Kritik


Tja, was soll ich sagen? Ich habe es oben bereits angedroht – ein großer Freund dieses Kapitels der Chroniken des Grauens bin ich nicht geworden. Zwar ist die originale Erzählung dieses Mal angenehm dicht am Original, allerdings lässt ihr das Zusammenführen der übrigen Handlungsstränge schlicht nicht genügend Zeit zur Entfaltung. Und das Finale der neu hinzugefügten Handlungen erscheint mir übertrieben pulpig. Achtung, Spoiler: Ein wenig fühlte ich mich an die cthuloiden Gehversuche von John Sinclair erinnert – ähnlich verhält es sich hier, wenn eine Gruppe selbst ernannter Mythosjäger auf Nyarlathotep trifft und diesen mit einer List (!) zurück in fremde Sphären befördert.


Nun ist der Umgang mit dem Mythos schlussendlich natürlich Geschmackssache. Für jemanden, der gerade den subtilen Grusel eines Lovecrafts und seines literarischen Zirkel schätzt, bietet das Finale der Staffel wenig Hörenswertes. Wer stattdessen lieber die actionbetonten Seiten des Mythos-Settings mag, die gerade in den vergangenen Jahren durch Computer- und Rollenspiele ihren Auftrieb erfahren haben, der wird sich hier wohler fühlen. Für mich fühlte es sich nicht mehr wie eine Mythos-Geschichte an, daher bin ich ein wenig enttäuscht.

Technik

Ein stimmungsvolles Cover und ein informatives Booklet? Nahezu Standard bei dieser Reihe. Wolfgang Pampel und Tommy Morgenstern als tragende Stimmen? Natürlich wieder mit dabei! Der hervorragende Soundtrack von Michael Donner? Bedrohlich und eindringlich wie eh und je. Leider hat mir allerdings Wolfgang Ziffers Erich Zann nicht wirklich zugesagt – wobei ich nicht einmal sagen kann, woran das liegt. Wie jeder Sprecher in diesem Hörspiel erledigt er seinen Job souverän – einzig mein Kopfkino springt nicht recht an, was schade ist. Doch hier streiten wir schlussendlich über Geschmack. Technisch ist wie immer alles einwandfrei.

Fazit

Die erste Staffel ist vorbei. Zeit für ein erstes Fazit. Ich bin nicht ganz glücklich mit der Auflösung der neuen Handlungsstränge, da einige bekannte Setzungen des Mythos beiseite gewischt werden. Das ändert aber nichts an der Qualität der Vertonungen von Lovecrafts Originalgeschichten. Wer sich partout nicht mit der neuen Rahmenhandlung anfreunden kann, kann sich immerhin über die (meist) geschickt getrennten Tracknummern an den Originalen erfreuen. Denn diese sind ohne Wenn und Aber gut umgesetzt.


Chroniken des Grauens 4: Die Musik des Erich Zann

WinterZeit Audiobooks 2020

ISBN: 978-3960662877

Beim Verlag bestellen: https://www.winterzeitstudios.de/produkt/howard-phillips-lovecraft-chroniken-des-grauens-akte-04-die-musik-des-erich-zann/