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Lovecrafter Online – Veranstaltungsbericht: "Die Farbe" beim Studentischen Filmkreis der TU Darmstadt

  • Leuchtendes Trapezoeder
  • 22. April 2024 um 12:00
  • 1.353 Mal gelesen
  • 0 Antworten
Im Rahmen des 10-jährigen Vereinsjubiläums führen wir den Film „Die Farbe“ von unserem filmemachenden Kultisten Huan Vu im deutschsprachigen Raum auf. Unsere zweite Vorsitzende Laura berichtet von der Vorführung in ihrem Wohnort Darmstadt, wo die Deutsche Lovecraft Gesellschaft in Kooperation mit dem Studentischen Filmkreis der TU Darmstadt den Horrorstreifen im Audimax zeigte.

Der Audimax der TU Darmstadt bietet Platz für 732 Personen – ganz so viele sind am heutigen Abend des 16. Aprils nicht da, als der Studentische Filmkreis in Kooperation mit der Deutschen Lovecraft Gesellschaft zur Filmvorführung von „Die Farbe“ einlädt, der die Kurzgeschichte „The Colour out of Space“ von H. P. Lovecraft adaptiert und in den schwäbisch-fränkischen Raum verlagert. Als mein Blick über die Sitzreihen streift, zähle ich immerhin 30-40 Filmfans, und diese haben sich nicht zufällig hierher verlaufen; jemand ist sogar trotz verletztem Knöchel mit Krücken hierher gehumpelt, um der Vorführung beiwohnen zu können (und hat es auch nicht bereut, habe ich mir nachher sagen lassen). Auch dabei und aus Stuttgart angereist: Huan Vu, der Regisseur höchstselbst, den ich an diesem Abend zum ersten Mal persönlich treffe und als sehr sympathischen Menschen kennenlerne.

Filmvorführungen an der TU Darmstadt haben eine alte Tradition: Aus dem Wunsch heraus, den Student:innen der damals noch TH Darmstadt anspruchsvolle Filme zu zeigen, bildete sich 1953/54 der „Filmkreis“. Seine erste Filmvorführung fand am 26. Juli 1954 statt. Somit feiert nicht nur die dLG ein Jubiläum, sondern auch der Filmkreis mit 70 Jahren erfolgreicher Geschichte! Ich, die seit Beginn meines Studiums im Jahr 2013 unzähligen Filmvorführungen des Filmkreises zusammen mit meinen Kommiliton:innen beigewohnt habe und nun, lange nach Studienabschluss, dies immer noch tue, gratuliere herzlich und kann jedem aus Darmstadt und Umkreis empfehlen, doch einen Blick auf das aktuelle Programm des Filmkreises zu werfen. Huans Geheimtipp: „Skinamarink“, ein experimenteller Low-Budget-Horrorfilm, der am 19. Juni um 20:30 Uhr vorgeführt wird.

Laura begrüßt das Publikum, spricht über die Arbeit der dLG und stellt den Regisseur Huan Vu vor.

Doch zurück zum heutigen Filmabend: Zur Eröffnung darf ich ein paar Worte über die dLG und dessen Projekte und Jubiläumsprogramm verlieren und Huan Vu, der neben mir steht und lächelnd in die Menge winkt, als den Regisseur des heutigen Films vorstellen: Schon während seines Studiums an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen begann Huan mit seiner Arbeit an den Film „Die Farbe“, den er schließlich 2010 fertigstellte. Der Film wurde in Nordamerika, Schweden und Finnland veröffentlicht und mehrfach auf weltweiten Horror- und Fantasy-Filmfestivals ausgezeichnet. „Und letztes Jahr kam er auch in Japan“, ergänzt Huan, woraufhin das Publikum Beifall spendet, indem es – typisch studentisch – auf den Tischen klopft.

Das Licht geht aus und wir starten mit dem Kurzfilm „The Pride of Strathmoor“. Gewählt hat Huan diesen Film, um auf die Problematik von Lovecrafts Rassismus einzugehen und diese zu thematisieren. Danach leitet das bekannte Filmkreis-Intro mit seinem charakteristischen Jingle den eigentlichen Film ein – treue Fans wissen genau, wie sie beim Klingen des Jingles ihre Füße auf den Boden stampfen müssen und zu welchem Augenblick genau die Bierflaschen mit den Bügelverschlüssen möglichst laut ploppend geöffnet werden dürfen (wiederum erkennt man Filmkreis-Neulinge daran, dass sie völlig unwissend dieses Rituals ihr Bier bereits vorher aufgeploppt haben).

Dann heißt es: Film ab! Und obwohl Huan mir im Vorhinein sagte, dass er sich während des Films aus dem Hörsaal schleichen würde, um noch ein spätes Abendessen in Darmstadt einzunehmen – immerhin hat er seinen eigenen Film ja schon mehrmals gesehen – blieb er dann doch noch eine Weile sitzen und war fasziniert ob der Filmqualität, die der Projektor im Audimax lieferte. Später kommentierte diesbezüglich auch ein Zuschauer, der „Die Farbe“ schon mehrmals gesehen hat und auf DVD besitzt, dass der Film hier im Audimax eine ihm bisher ungekannte Farbgebung gezeigt hat. Diese, so erklärt Huan, ist der speziellen Kamerabauart geschuldet, die für die Aufnahmen eigens gebaut und verwendet wurde, und deren spezielles Farbprofil, obwohl es letzten Endes ein Schwarz-Weiß-Film ist, über den Audimax-Projektor besonders gut dargestellt wurde.

An dieser Stelle ist wohl der Moment gekommen, an dem ich mich in zweifacher Hinsicht outen muss: Erstens, war das mein erstes Mal, dass ich „Die Farbe“ von Huan Vu gesehen habe. Zweitens, und das mag viele wohl überraschen oder sogar schockieren, war das der allererste Horrorfilm überhaupt, den ich je gesehen habe. Ja, richtig gelesen, die zweite Vorsitzende eines Vereins, der sich mit einem Horror-Autor beschäftigt, hat zuvor noch nie Horrorfilme gesehen. Das liegt schlichtweg daran, dass ich mich erst mit der Entdeckung von H. P. Lovecrafts Werk im Jahr 2018 für das Horror-Genre überhaupt geöffnet habe und das zunächst einmal rollenspielerisch und literarisch. „Die Farbe“ war nun mein erster Berührungspunkt mit der Horrorfilmwelt und ich kann nichts anderes sagen, als dass ich ganz begeistert und inspiriert von dieser Erfahrung bin. Das wird sicherlich nicht der einzige und letzte Horrorfilm in meinem Leben bleiben!

Huan Vu beantwortet im anschließenden Filmgespräch alle Fragen, die den Zuschauer:innen auf der Zunge brannten.

Im Anschluss an den Film stellten Huan und ich uns schließlich mit Mikrofonen ausgerüstet wieder vorne hin und beantworteten Fragen aus dem Publikum – oder besser gesagt: Huan beantwortete Fragen aus dem Publikum, während ich begeistert daneben stand und den interessanten und spannenden Antworten Huans lauschte, der auf Fragen einging wie: „Warum ausgerechnet rosa?“, „Warum die Zeitverschiebung?“ und „Warum trauen sich nicht mehr Filmemacher, weniger zu zeigen?“

Gegen 22:30 Uhr endete ein wirklich gelungener und spaßiger Abend im Audimax der TU Darmstadt. Im Namen des Vereins bedanke ich mich beim Studentischen Filmkreis nochmal für die tolle und unkomplizierte Kooperation, bei allen Zuschauer:innen für's Kommen und natürlich auch bei Huan Vu für seine Anreise aus Stuttgart und die Bereitschaft, für ein Filmgespräch zur Verfügung zu stehen. Vielleicht sehen wir uns zu einem zukünftigen Zeitpunkt in dieser Konstellation wieder – möglicherweise dann, um Huans neuen Film „The Dreamlands“ zu zeigen.

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