Lovecrafter Online – Rezension: Edgar Allan Poes Rätseluniversum

Das heute auf dem Prüfstand stehende Rätselbuch stammt aus dem Hause Ullmann Medien und stammt aus dem Jahre 2018. Einmal in die Hand genommen fällt zunächst die grundsolide Aufmachung auf. Die Seiten sind reißfest, das Buch vollfarbig, der etwas verdickte Umschlag verspricht Langlebigkeit. Das weiß zu gefallen. Doch wie steht es um den Inhalt?


Die Einleitung kommt gleich ein wenig arg vollmundig daher. Neben einem sehr kurzen Portrait des berühmten Autoren Poe höchstselbst - welches sich jedoch auf wenige Fakten beschränkt - behauptet das Vorwort, bei den vorliegenden Texten würde es sich um eine bislang unveröffentlichte, von Poe selbst stammende und nun erst als Dachbodenfund wieder aufgetauchte Variante seiner Texte handeln. Nun rühmte Poe sich durchaus eines scharfen Verstandes und vermeinte auch, ein jedes Rätsel lösen zu können - doch das ist dann doch ein wenig dick aufgetragen. Gehen wir also eher davon aus, dass der als Autor aufgeführte Jason Ward nicht nur für die Rätsel, sondern auch für die neuen Textpassagen verantwortlich zeichnet.


Neue Textpassagen? Nun, widmen wir uns kurz dem Aufbau des Buches. Dieses enthält einige von Poes berühmtesten Geschichten. Enthalten sind beispielsweise Die Maske des Roten Todes, Der Rabe, Das Fass Amontillado, Der Untergang des Hauses Usher und noch einige andere. Doch Vorsicht: Zuerst dachte ich, es würde sich wirklich um eine Poe-Lesefibel handeln welche "nur" mit einigen Rätseln durchsetzt worden sei. Stattdessen wurden die altbekannten Texte großflächig umgeschrieben, um den angedachten Rätseln mehr Platz einzuräumen. Zugegebenermaßen gelingt es Jason Ward dabei mehr als einmal den passenden Ton zu treffen: Seine Passagen passen sich in altertümlicher Wortwahl und Wortgewalt durchaus der Vorlage an. Nichts desto trotz geht natürlich jegliche Gruselstimmung dahin, wenn ganze Passagen nur neue Charaktere einführen, welche im folgenden Rätsel eine Rolle spielen.


Doch eigentlich haben wir ja auch keine Lesefibel vor uns, sondern ein Rätselbuch. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, dass man sich nicht "zwischendurch" an Poes Meisterwerken ergötzen kann, sondern das Buch um der Rätsel willen aufschlägt, erhält man eine Fülle an Knobeleien. Manche sind altbekannt oder in anderer Gestalt schon einmal gesehen, andere wiederum sind mir bislang nicht untergekommen. Besonders schön - gerade für eine spätere Verwendung im Rollenspiel - sind Rätselsprüche wie

Zitat

Was hat jeder Mensch gesehen - und wird es doch nie wiedersehen?

Doch auch einige Mathematik- und Logikrätsel finden sich in dem Buch wieder. Alle Lösungen sind - schön kompakt - am Ende des Buches versammelt.


Die Aufmachung des Buches ist tatsächlich sehr gut gelungen. Der Band ist reichhaltig illustriert. Dabei setzt der Verlag hauptsächlich auf grobe Skizzen und holzschnittartige Szenerie-Bilder. Diese sind nicht immer hübsch anzusehen, passen aber hervorragend zu einer illustrierten Poe-Ausgabe. Die Farbgebung in beige, rot und dunklem blau unterstreicht den Charakter von Poes Geschichten gekonnt.


Fazit: Mir hätte eine Kombination aus Lesefibel und Rätselbuch, welche sich nach der Inhaltsangabe durchaus hätte ergeben können, fast noch besser gefallen. Doch so oder so kommen Rätselfreunde hier voll auf ihre Kosten - und wer darüber hinaus Edgar Allan Poe etwas abgewinnen kann, findet hier Rätsel die einen hübschen Poe-Anstrich verpasst bekommen haben.


Edgar Allan Poes Rätseluniversum

Ullmann Medien, 2018

Softcover, 208 Seiten, 9,99 €

ISBN: 978-3741523267


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Inspiriert vom Virtuosen des Grauens Edgar Allan Poe entwickelte der Autor über 80 spannende Rätsel, die den Leser das Fürchten lehren.
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