Schließe mich Jamel und Katja Tiltmann an.
Bloodborne ist ein großartiges Spiel, dass viele Kernaspekte lovecraftschen Horrors gekonnt einfängt.
Zusätzlich zu den genannten Punkten von Jamel, würde ich gern folgendes ergänzen:
Einsamkeit
Die Präsenz der Einsamkeit ist in Bloodborne allgegenwärtig. Wir erwachen in Iosefkas Klinik ohne zu wissen, wo oder wer wir sind. Niemand ist anwesend den wir nach Rat oder dem Weg fragen könnten. Unsere einzige Möglichkeit besteht darin, Schritt für Schritt die Welt um uns herum zu erkunden und die wenigen Anhaltspunkte die wir erhalten, einigermaßen vernünftig in Beziehung zu setzen. Dieses Gefühl der Isoliertheit wird darin noch gesteigert, dass es keine musikalische Untermalung gibt, außer in den Bosskämpfen. Zudem lernen wir die meisten Npc's in Bloodborne nur dadurch kennen, dass wir mit ihnen hinter verschlossener Tür sprechen können. Zwar gibt es die Möglichkeit, diese in die Oedon-Kapelle einzuladen, doch auch hier sind uns Grenzen gesetzt.
Bedrohung
Hand in Hand mit der von mir erwähnten Einsamkeit, geht die permanente Bedrohung in Bloodborne. Wie ich bereits erwähnt habe, können wir uns nur dadurch ein Bild von unserer Situation machen, indem wir die Welt um uns herum erkunden. Doch handelt es sich hierbei nicht um einen Spaziergang im Park, sondern vielmehr um einen leibhaftigen Alptraum, der jede Tür die es zu öffnen gilt, zum Akt des Mutes macht. Diese Art der Bedrohung, der wir uns allein stellen müssen, fördert zusätzlich noch das Gefühl der Einsamkeit. Wie oft auch im realen Leben verhällt es sich in Bloodborne so, dass das Bestreiten großer Widrigkeiten dadurch erschwert wird, dass wir allein sind und mit den vor uns liegenden Aufgaben dementsprechend selber zurecht kommen müssen.
Verfall & Degeneration
In den ersten Stunden, in denen wir die Welt von Bloodborne erkunden, wird uns schnell bewusst, dass es sich bei der Stadt Yharnam um eine Hochkultur handelt. Das erkennt man besonders an dem Schloss Cainhurst, der Odeon-Kapelle, der heilenden Kirche und der Byrgenwerth-Bibliothek. All diese Bezirke wirken verfallen und verlassen. Wir als Spieler können nur mutmaßen, welch Streben und Treiben die Stadt Yharnam einst bevölkert hat.
Abgesehen von der reichhaltigen Architektur, sehen wir auch die Bewohner Yharnams der gnadenlosen Degeneration ausgeliefert. Sei es nun Ludwig die heilige Klinge, Pater Gascoigne, die schöne Vikarin Amelia oder der Adel von Cainhurst. Die gesamte Bevölkerung ist nur noch ein grausiges Zerrbild dessen, was sie einmal waren. Dabei scheint es so, dass diese Form des Zerfalls unabwendbar ist und allmählich in alles Erhabene und Schöne Yharnams kriecht, was wiederum das Gefühl der Hilflosigkeit und des Verloren-seins verstärkt.
Sinn- und Aussichtslosigkeit
Nachdem wir sämtlichen Gefahren getrotz und uns unseren schlimmsten Alpträumen gestellt haben, drängt sich uns am Ende unserer Reise dennoch das Gefühl der Sinnlosigkeit auf. Wir realisieren, dass all unsere Taten eigentlich nichts am Ausgang der Geschichte geändert haben. Wir sind nur ein kleiner Teil eines nie endenden Zyklus, in dem wir uns als Spielball der Umstände konfrontiert sehen. Uns wird bewusst, dass unser Weg nur auf eine Weise ein Ende finden kann und das der Glaube, wir könnten Einfluss auf unser eigenes Schicksal nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Traum war. Wir hatten eine Funktion, diese Funktion wurde erfüllt und nun heißt es sich dem Wirken des Traumes auszuliefern. Egal ob wir wollen oder nicht.
Soundtrack
Wie ich bereits schon erwähnt habe, gibt es in Bloodborne keine musikalische Untermalung, außer in den Bosskämpfen. Das ist deswegen so bemerkenswert, weil wir dadurch den Kontrast in einem Gemisch aus Furcht und unerträglicher Erregung verspüren. Nach langen Perioden der Stille, betreten wir ein unscheinbares Gelände, in dem wir plötzlich mit einer Bedrohung konfrontiert werden, mit der wir nicht gerechnet haben. Wir wissen nicht was oder wem wir gegenüber stehen, was es uns umso schwerer macht, uns emotional zu ankern und uns dem Gegner mit einem Hauch von Selbstvertrauen zu stellen. Der Soundtrack, der diese Begegnung untermalt, ist dermaßen gewaltig, dass er uns noch lange Zeit danach im Gedächtnis bleibt.
Liebe Grüße,
Euer William