Beiträge von Rahel

    Nicht ausschließlich Lovecraft-bezogen, aber vielleicht doch für einige von uns interessant:


    Jedes Jahr zeichnet der Vincent Preis dunkle Phantastik und Horrorliteratur in verschiedenen Kategorien aus. Dieses Jahr ist der Award zum ersten Mal ein reiner Publikumspreis. Bedeutet: Aktuell läuft bis zum 06. März die Nominierungsrunde, an der sich alle Interessierten online beteiligen können. Im Anschluss kann bis zum 10. April dann für die nominierten Werke gevotet werden.

    Definitorisch würde ich Philosophie eher verwenden, wenn Lovecraft da eine wirkliche Theoriebildung betrieben hätte. Lovecraft war kein Philosoph oder Akademiker. Sein Wissen war sehr unstrukturiert, er hat ja nicht systematisch an einem Thema (außer bei Supernatural Horror in Literature) gearbeitet. Daher sind seine Aussagen zu Politik, Gesellschaft etc. zwar unterfüttert durch wissenschaftliche Texte, aber in meinen Augen "Weltanschauung", also vor allem auch seiner individuellen Gemengelage und seinen Vorlieben geschuldet. Ich hoffe, das getippte ist verständlich.

    Spannende Frage. Sorry, Maike , wenn wir die Diskussion hier etwas entführen. Aber zu derTräumer : Gleichzeitig hätte ich gesagt, dass eine Weltanschauung deutlich umfassender, im wahrsten Sinne des Wortes "globaler" sein müsste als das, was HPL formuliert. Ich stimme dir zu, dass Philosophie und Weltanschauung nicht dasselbe sind. Aber meine Gedanken gehen in die Richtung, dass eine Weltanschauung deutlich systematischer sein muss als eine Philosophie, da sich daraus eben eine Art Weltbild ergibt.

    Guten Morgen Maike,


    hier auch von meiner Seite ein paar Literaturempfehlungen. Hoffentlich sind sie für Deine Zwecke nützlich:


    Es kann sehr gut sein, dass es für Deine Recherche einfacher sein wird, das Paper von der Richtung Stephen Kings aufzurollen und von dort aus dann zu suchen, was über ihn in Zusammenhang mit HPL diskutiert wird.


    LG,

    Rahel

    Okay, das hört sich ja schonmal ganz spannend an. Zu dem Thema kann man sicherlich viel machen! Ist die Arbeit für ein bestimmtes Fach (Literaturwissenschaft / Geschichtswissenschaft / ...)?

    Zu Stephen King: Er hat sich in einigen seiner Geschichten explizit in den Lovecraft-Kosmos eingeschrieben. Neben "Crouch End" gibt's beispielsweise noch "Gramma", "The Mist", Needful Thing und noch so einiges anderes. Solltest Du bei King bleiben wollen (was sicherlich machbar wäre), dann könntest Du als ersten Punkt für Deine Literaturrecherche einen Blick in sein Danse Macabre werfen. Da stellt er essayistisch seine eigenen Thesen sowie Meinungen zu Schreiberlingen wie HPL vor.

    Ich werd mir die Tage mal ein paar Gedanken machen. Ich denke, ich hab ein paar gute Empfehlungen für Dich.


    LG,

    Rahel

    Hi Maike,

    das hängt ganz davon ab, auf welche Aspekte Du Dich in Deiner Arbeit konzentrieren möchtest: linguistische und/oder narratologische Aspekte? Motive und Tropen? Metaphern? Philosophische Ideen?


    Ich hätte schon ein paar Ideen, in die das Ganze gehen könnte. Mit Quellen kann ich Dir ggfs. auch weiterhelfen. Vielleicht könntest Du mir etwas mehr über den Kontext und Umfang der Arbeit sagen, und ob die Quellen auf Deutsch sein müssen, oder ob Englisch auch in Ordnung wäre.


    Liebe Grüße,

    Rahel

    So langsam erwache ich aus der Weihnachtspause. Erst einmal danke Chris für Deinen Input - finde ich gut so weit. Hat sonst noch wer Anmerkungen/Wünsche zu der Leserunde (was wir lesen; wie wir lesen; wann wir lesen; ...)?


    Falls nicht, würde ich vorschlagen, dass wir uns im Laufe dieser oder nächster Woche endgültig auf die Modalitäten einigen und dann loslegen :love:

    Alle drei finde ich spannend - back to the roots!


    Wir könnten eine optionale Liste an Sekundärliteratur zusammenstellen. Gerne können wir auch zu den Texten "expert readers" ernennen: sprich, wer sich dazu berufen fühlt, kann etwas tiefergehend zum jeweiligen Text (kurz) referieren, bevor wir gemeinsam in die Diskussion einsteigen. Wäre natürlich rein optional; aber zu Otranto könnte ich das beispielsweise gerne übernehmen.


    Zum Turnus: monatlich könnte sportlich sein; ich denke eher an 2-3 Monate. Aber was denken denn die anderen?


    Wie genau wir das gestalten - da gibt es viele spannende Möglichkeiten. Auch hier gerne wieder die Anfrage an alle anderen. Aber ich könnte mir beispielsweise die Mitschrift insofern vorstellen, als dass daraus kleine Blogbeiträge für den Lovecrafter Online werden könnten.

    ich währe auch dabei. Aber tatsächlich empfinde ich ein Forum als zu träge dafür. Besser fände ich, wenn man je "buch" einen Termin im Discours hat. Im Gespräch kann man besser auch mal Ideenschnipsel einwerfen.

    Ggfs. könnte das Literaturteam einen Discord-Buchclub auf die Beine stellen? Dann hätte man den ein oder anderen Themenabend zu Text X/Y?

    Hi Leute,


    soeben stieß ich auf diesen Thread - wie ist/war Eure Erfahrung mit der Leserunde? Steht die Idee im Raum, so einen Lesezirkel noch einmal zu starten? Falls ja, melde ich hier gerne Interesse an.


    LG,

    Rahel

    Ich persönlich bin der Meinung, dass insbesondere solche Einträge, die unvollständig sind, nicht übertragen werden sollten. Denn: Sollte jetzt die Meinung aufkommen, dass zu Thema X doch ein Eintrag benötigt wird, tut man sich eventuell einen größeren Gefallen, wenn er dann komplett neu geschrieben wird - dafür aber ordentlich.

    Erst einmal: Danke für die spannende Reaktion und viele anregende Lektüreempfehlungen. Außerdem: Große Zustimmung meinerseits zu vielen der genannten Punkte. derTräumer, ich finde nicht, dass du Joshi "bashst" - meiner Ansicht nach hast Du berechtigte Kritikpunkte, die Du differenziert darlegen konntest. Und den ganzen Mann hast Du damit jetzt auch nicht in die Tonne geworfen. Denn, ganz richtig: Niemand hat so viel für die Quellenarbeit getan.


    Da inzwischen mehrfach die Wissenschaften und die "-ismen" aufkamen: In der Tat, die "-ismen" sind out. Das ist ein Trend, der in den 70ern begann, in den 80ern Fahrt aufnahm und seit den 90ern beschlossene Sache ist - genau das gilt übrigens als Anfangszeit der Kulturwissenschaft. Weg von den rigiden Schubladen und hin zu einem interdisziplinäreren, anpassungsfähigeren Umgang. Beispielsweise ist die rigide Institutstrennung (Germanistik/Anglistik/Amerikanistik/...) seitdem nicht mehr ganz so beliebt; Unis, die nach dieser Zeit gegründet wurden, haben diese Trennung nicht mehr (bspw. Universität Siegen).


    Wer die Zeit hat für allgemeine und spezielle Lektüren ( Arkham Insider Axel) hat? Ich :D Weil es mein Job ist. Das erwarte ich aber auch nur von solchen akademischen Sesselpupsern wie mir (habe ein sehr kritisches Bild auf die Universität). Oder eben Leute wie Joshi, dessen Job es ebenfalls ist, nur von einer anderen Warte kommend. Ich glaube aber, genau daher kommen einige meiner Kritikpunkte:

    • Ich sehe, dass bei anderen Schriftsteller*innen deutlich besser zwischen den verschiedenen Instanzen (allgemein/speziell; akademisch/populärwissenschaftlich; etc.) kommuniziert wird. Ganz klar: Das sind dann Schreiberlinge, die fest in unserer Kultur verankert sind (bspw. Goethe). Ich würde mir wünschen, dass dies auch mit Autor*innen aus dem Bereich Horror/Gothic/Dark Fantasy/etc. gelingen würde, und eben speziell bei Lovecraft. Genau das ist aber vielleicht ein Beitrag, den eine Institution wie die dLG samt ihrer heterogenen Zusammensetzung leisten kann?
    • Joshi schießt sich für mich zu sehr auf die "gute" Weird Fiction ein und vernachlässigt/basht alles, was er als "schlecht" abtut. Das ist eben wieder so eine eingeschossene Sichtweise, die mich bei jemandem, der offensichtlich so viel Zeit mit dem Lesen der verschiedensten Primär- und Sekundärtexte liest, ärgert. Axel, Du nennst einige tolle Beispiele für "exotische Weird Fiction"; ich würde hier (mal wieder) den Verweis auf nicht-literarische Genres (bspw. der Comic; Videogames) sowie auf Strömungen des späten 20. Jahrhunderts und des 21. Jahrhunderts legen --> das, was man gelegentlich als "New Weird" bezeichnet. Genauso passt zu dem Problem aber auch Niels’ Verweise auf diesen Komplex Joshi-Haefele-Pugmire-Derleth. Joshi lässt weder diese Primär- noch Sekundärbeispiele zu - schade! Demnach wäre es nämlich bereits der letzte Nagel im Sargdeckel der Weird Fiction gewesen, die mit diesem abschließenden Urteil nun stagniert; wo keine weitere Kulturschaffenden mehr etwas hinzuzufügen haben; wo quasi alles gesagt wurde, was gesagt werden muss.

    Dass Joshi wichtig für die Lovecraft-Forschung ist: Keine Frage. Aber da muss frischer Wind rein - insbesondere eben in die Aufarbeitung, die jenseits der Quellenforschung geschieht.

    Hi Nils, danke für den Anfang :) Du kannst meine Antworten ruhig reinkopieren - heute und morgen bin ich leider recht viel unterwegs. Aber hier schonmal meine direkte Antwort auf die obigen Nachrichten:


    Zitat

    1. Literary Criticism ist ein Teil der Literaturwissenschaft, nur eben nicht unbedingt Teil der Literaturtheorie - obwohl Strömungen wie bspw. der New Criticism sich genau auf diesen Grenzen bewegen. Zu Joshis (Selbst-)Darstellung: In allen Publikationen, die ich hier habe, die von ihm verfasst oder herausgegeben wurden, wird er als "literary scholar" vorgestellt. Klar, das ist ein weiter Begriff: Aber Wissenschaftlichkeit wird hier schon suggeriert.

    2. Ich kritisiere an Joshi sowohl seine Methode als auch seine theoretische Rahmung.

    2.1 Methode eben, weil er veraltete Methoden verwendet. Und klar: es gibt in der Literaturwissenschaft nicht die "eine" Methode. Dennoch entwickelt sich die Wissenschaft; es hätte deultich bessere, weniger angreifbare Methoden für das Unterfangen gegeben. Auch die neoklassizistische Literaturkritik aus der Renaissance oder psychoanalytische Ansätze aus dem frühen 20. Jahrhundert stoßen beispielsweise heutzutage (meiner Meinung nach berechtigt) auf Kritik.

    So viele Briefe wie Joshi auch gelesen haben mag - Lovecraft hat er nie persönlich kennen gelernt, geschweige denn, in dessen Kopf gehaust. Es ist schwierig, die Weltanschauung und das Werk so unidirektional in Verbindung zu bringen. Da hätte man meiner Meinung nach dialogischer arbeiten müssen - was zu dem Zeitpunkt, lange nach der Gründung der Kulturwissenschaften - eigentlich schon gang und gäbe war.

    2.2 Der Forschungsstand: Entschuldige, dass ich da beim Schreiben nicht klar differenziert habe, was eigentlich zwei Punkte meinerseits waren. Meine Meinung zur Methode ist oben; beim Forschungsstand sind es Aussagen wie "founded and closed a genre" (zu Bierce) die mich stören. Da sage ich: Entweder, Joshi hat nicht genug gelesen, oder ignoriert, was ihm nicht in den Kram passt. Aber solche Aussagen sind Generalisierungen.

    Okay, Disclaimer ganz oben: Gerne können wir weiterdiskutieren, gerne im angemessenen Thread - über's Migrieren würde ich mich also freuen. Nils und ich haben uns ein paar Nachrichten geschrieben, aber ich denke, wir hätten beide Interesse an einer größeren Unterhaltung.


    Jetzt etwas im Detail:

    Zitat

    die Auseinandersetzung mit Brian Keene

    Oh mein Gott ja. Das war einfach ein ganz, ganz schlimmer Moment. Huiuiuiui. Genau wie derTräumer 's Verweis auf Wilum Pugmire...


    Ich persönlich bedauere sehr den Elitismus, mit dem Joshi sowohl bestimmten Kulturschaffenden (ob's jetzt in der Literatur, Film, etc. ist, spielt da keine Rolle) als auch bestimmten Kulturformen (bspw. Comics) gegenübersteht.


    Zitat

    Fakt ist jedoch, dass seine Publikationen in (dem Fandom nahe stehenden) Genre-Verlagen (Hippocampus Press, Necronomicon Press) mehr in die Breite gewirkt haben als die rein akademischen Arbeiten zu Lovecraft.

    Das stimmt absolut. Aber es gibt auch durchaus andere Publikationen, die nicht reinwissenschafltich sind, die leider weniger Aufmerksamkeit erhalten haben. Das liegt nicht immer nur an der Qualität, sondern eben auch daran, dass es mit wachsender Joshi-Publikationsliste schwierig wird, noch ein Plätzchen auf der Bühne zu finden. Wobei ich davon ausgehe, dass irgendwann eine Übersättigung stattfindet, und es dann auch wieder etwas vielstimmiger wird.

    Na dann - gerne weiter per PN oder auch mal Discord :) Zumindest, wenn Du weiterdiskutieren möchtest? Ich find die Unterhaltung ganz spannend. Vielleicht von meiner Seite als Abschluss für die Diskussion in diesem Thread:

    Joshi ist ein formidabler Lovecraft-Forscher. Mit seiner Methode und seinen Schlüssen stimme ich oft nicht überein. Daher (und das war meine eigentlich Inspiration, mich hier zu Wort zu melden) würde ich mir wünschen, dass Joshi nicht so stark glorifiziert wird, wie Joshi im Gegenzug Lovecraft glorifiziert. Also meine Hoffnung: eine heterogenere Lovecraft-Rezeption.

    Ja, das verstehe ich. Da können wir auch gerne weiter drüber diskutieren, ich will allerdings auch hier nicht den Thread hijacken - hab mich eigentlich ja eher mit einer Randnotiz gemeldet. Hier aber vielleicht noch etwas, womit ich meine Sicht exemplarisch etwas greifbarer machen kann, weil es meiner Ansicht nach ein recht krasses Beispiel ist:


    In The Weird Tale (1990) versucht Joshi, eine Typologie der Weird Fiction zu skizzieren, indem er sechs Schriftsteller, bzw. deren Weltanschauung diskutiert. Das ist ein spannender Ansatz, allerdings verbeißt Joshi sich darin, eine grundlegende Philosophie und Weltanschauung für diese Autoren zu finden. Laut Joshi ist die stringente Philosophie dieser Schriftsteller, die ihre Erzählungen zu den Weird Tales machen, die sie sind. Konkretes Beispiel hierfür ist, dass Joshi bekannterweise Lovecrafts Briefe für dessen wichtigste Texte hält (in The Weird Tale schreibt er gar: "I maintain that his letters may ultimately be his greatest accomplishment", 170). Dem entsprechend reduziert Joshi hier auch Lovecraft (und dieses Kapitel ist mit Abstand das beste des Buchs, abgesehen vielleicht von der Introduction) auf seine mechanistisch-materialistische Epistemologie, was schade ist. Das implizite Argument ist also: Die Erzählungen von Arthur Machen, Lord Dunsany, Algernon Blackwood, M.R. James, Ambrose Bierce und eben H.P. Lovecraft sind blumige, fiktionale Ausdrücke ihrer Weltanschauung, und es ist eben das, was diese Literatur überhaupt zu "echter" (sprich: wertvoller) Literatur macht. Das sind Methoden, die hat die Literaturwissenschaft spätestens in den 1960ern mit Roland Barthes abgelegt. Da wird Fiktion auf einen herbeigezwungenen Bezug zur Person des Autors reduziert.

    Auch schwierig sind beispielsweise solche Aussagen, dass Ambrose Bierce auf einzigartige Weise Horror und Satire zusammengebracht hätte: "he simultaneously founded and closed a genre; he has no successors" (167). Bierce war sicherlich einzigartig - aber nicht ohne Grund gilt er als Schriftsteller, der mit seinem Werk das Horrorgenre nachhaltig geprägt und inspiriert hat.

    Ganz klar: The Weird Tale ist von 1990. Ob Joshi das heute noch so herausgeben würde, weiß ich nicht. Als Einleitung zur Thematik dennoch wertvoll, natürlich. Aber es war schon damals nicht der aktuelle Stand der Forschung, und die Arbeitsweise hat Joshi meines Erachtens nach bis heute nicht abgelegt.
    Plus, wie gesagt: Er ist mir oft zu respektlos. Das ist aber, wie Du richtig schreibst, ein Problem mit der Person.

    Aus akademischer Sicht arbeitet Joshi nicht wissenschaftlich, verkauft sich aber so. Dazu gehört beispielsweise auch seine Glorifizierung Lovecrafts in allen Bereichen (und ja, dazu zählt auch die alte Leier der Xenophobie, mit der Joshi meines Erachtens nach grottenschlecht umgeht) und seine Verachtung vielen anderen Schriftstellern (bspw. Derleth, aber insbesondere alles, was im 21. Jahrhundert veröffentlicht wird) gegenüber. Ich nenne das bewusst "Verachtung", weil Joshi sich teilweise unmöglich äußert - sowohl schriftlich als auch mündlich. Das ist unprofessionell und hat mit Literaturwissenschaft nichts zu tun, wird aber so verkafut. Das ist insbesondere deswegen schade, weil Joshi meiner Meinung nach durchaus ordentlich arbeiten könne. Er tut es nur nicht. Ich würde mir wünschen, Joshi würde seine Einstellung als Fan und seine Einstellung als Literaturwissenschaftler etwas besser voneinander trennen.

    Hier mal ein konkretes Beispiel, dass leider allerdings aus einem Konferenzbesuch stammt und ich daher nicht schön mit Zitaten untermalen kann: Ich erinnere mich an eine Tagung 2017, bei der Joshi Panelmitglied in einer Diskussion zu "New Weird" war. Seine Haltung war, dass es New Weird schlicht nicht gibt, dass das alles überflüssiger Abklatsch sei und besser unterlassen werden sollte, und dass insbesondere "neue Medien" wie Comics (nicht grade neu...) doch bestenfalls Schund sind. Wirklich erklärt hat er diese Position jedoch nicht. Joshi hat hier sehr gerne die anderen Panelisten nicht aussprechen lassen und ist auch überhaupt nicht auf deren Punkte eingegangen. Dem Begriff "New Weird" kritisch gegenüber zu stehen = voll okay. Dieser Umgang mit den Panelisten und Ansichten ohne Begründungen in den Raum zu stellen = nicht okay.


    Wie gesagt: Joshi hat seine Hausaufgaben gemacht. Er hat sich viel mit Lovecraft beschäftigt und ist noch ins letzte Archiv herabgestiegen. Das will ich überhaupt nicht anzweifeln oder in seiner Wichtigkeit herabsetzen. Mich stört die Glorifizierung Lovecrafts unter dem Gewand der Wissenschaft, und eben diese elitäre Abfälligkeit über alle, die nicht gut genug für Lovecraft sind.

    Aus wissenschaftlicher Sicht ist Joshis Arbeitsweise tatsächlich sehr schwierig: Zum einen hat er eine sehr feste Sicht auf Lovecraft und passt alles, was er in die Finger bekommt, in dieses Bild rein; zum anderen hat er es geschafft, die Lovecraft-Rezeption vollkommen zu monopolisieren (bei der Fleißarbeit durchaus zurecht; schade ist es trotzdem...). Ich bin auf Konferenzen in einigen Diskussion bereits mit ihm aneinander geraten, weil er auch überhaupt nicht von seiner Interpretationsweise abrücken kann.

    Gut sind seine Ausgaben immer noch, weil er einfach "seine Hausaufgaben gemacht hat". Aber einen kritischen Blick sollte man auf seine Anmerkungen schon werfen, weil eben stark voreingenommen.