Beiträge von derTräumer

    Habt ihr Empfehlungen für Ausgaben seines Gesamtwerkes (so wie bei Lovecraft) – aber möglichst im EPUB-Format? Papier geht im Zweifel auch, aber elektronisches Lesen ist angenehmer für mich.

    Es gab im Englischen mal Anfang der 2000er eine sehr hochwertige "Gesamtausgabe" (vollständige Gesamtheit hat man da auch nicht, da die Historicals zum Beispiel nicht beachtet werden) von Ash-Tree Press (soweit ich weiß aus Kanada). Diese ist nur noch hochpreisig antiquarisch zu bekommen.


    Im Deutschen gibt es soetwas (noch) nicht.

    Hallo liebe Phantastikfreunde,


    Am 29.1.2021 gab es in Büdingen eine Hochwasserkatastrophe, wodurch Tags darauf die Hainmauer brach. Große Teile der Stadt wurden überschwemmt und Hunderte Anwohner stehen nun vor einem Scherbenhaufen.

    Betroffen ist auch das historische Fachwerkhaus Jörg Kleudgens, das die Familie erst im vergangenen Jahr erstanden und renoviert hatte. In dem Haus am Marktplatz liegt das Café der Familie Kleudgen und das Verlagsbüro der Goblin Press. Jörg ist ist nicht nur durch seine Band House of Usher eine Szenelegende, sondern vor allem ein seit über 30 Jahren enthusiastischer, engagierter Kulturschaffender, der junge Nachwuchsschriftsteller*innen selbstlos fördert und unterstützt.

    In Jörgs Wohnräumen stand das Wasser 1,80 m hoch, die Familie war zwei Tage lang ohne Elektrizität, Heizung und Licht. Auch, wenn die Privaträume elementarversichert sind, kann nicht alles davon bestritten werden: Es ist jetzt der Moment, in dem die Gemeinschaft der Kulturliebhaber'innen und Phantastikfans ihre Hilfe anbieten und Unterstützung zurückgeben kann!


    Unter folgendem Link könnt Ihr, wenn Ihr möchtet, eine kleine Geste der Solidarität zeigen.

    Jede Hilfe zählt.


    https://www.paypal.com/pools/c/8wAKSLphLb


    weitere Infos hier


    Vielen Dank an alle, die sich beteiligen!

    Ich habe nach ziemlich langem Abklappern diverser Zeitschriftenhändler nun eine Ausgabe ergattert.


    Ein schönes Interview, das öffentlichkeitswirksam beste Arbeit leistet. Top!

    (Ich war nur etwas verwundert über den Anglizismus auf dem Cover, ist das so gewollt?)

    Wo ist der Unterschied? ;)

    Definitorisch würde ich Philosophie eher verwenden, wenn Lovecraft da eine wirkliche Theoriebildung betrieben hätte. Lovecraft war kein Philosoph oder Akademiker. Sein Wissen war sehr unstrukturiert, er hat ja nicht systematisch an einem Thema (außer bei Supernatural Horror in Literature) gearbeitet. Daher sind seine Aussagen zu Politik, Gesellschaft etc. zwar unterfüttert durch wissenschaftliche Texte, aber in meinen Augen "Weltanschauung", also vor allem auch seiner individuellen Gemengelage und seinen Vorlieben geschuldet. Ich hoffe, das getippte ist verständlich.

    Hallo Maike,


    schön, dass es dich hier her verschlagen hat.


    Das ist ja ein interessantes Thema.


    Je nachdem, wie weit du abtauchen willst, würde ich immer ernstmal die Basics empfehlen:


    Joshi, S.T. (Hg.): Collected Essays, Volume 5: Philosophy; Autobiography & Miscellany. By H.P. Lovecraft. Edited by S.T. Joshi. Hippocampus 2006.


    -> Hier hast du Lovecrafts Primär-Texte. Klar, viel seiner "Philosophie" (fraglich, ob der Begriff wirklich trifft, was gemeint ist, oder ob Weltanschauung nicht besser wäre) wird vor allem in den Briefen verhandelt, aber da gibt es tausende und du wärst wohl zwei Semester nur mit Sichten beschäftigt.


    dann:


    Joshi, S.T. (Hg.): Collected Essays, Volume 5: Philosophy; Autobiography & Miscellany. By H.P. Lovecraft. Edited by S.T. Joshi. Hippocampus 2006.


    -> was am ehesten an eine systematische Untersuchung heranreicht. Hierbei vorsicht: Nicht alles was Joshi schreibt muss auch immer im "Großenganzen" zusammenpassen.


    Und vielleicht ist hier noch was für dich interessant:


    https://www.hplovecraft.com/study/litcrit/al.aspx

    Im Übrigen ist das überarbeitete Ebook zu "Alpträume in Norwegen" bei Yellow King Productions neu erschienen und seit einigen Monaten bei allen einschlägigen Händlern auf dem Markt zu finden. :)

    Tolle Nachrichten. Schade, dass ich eBooks nicht lesen kann (also ich empfinde es als wesentlich anstrengender mit dem Kindle zu lesen als ein Buch).


    Was heißt in diesem Fall "überarbeitet"? Sind die Passagen drin, die gekürzt wurden und dann in der CLneo zu lesen waren?

    derTräumer hat einen neuen Termin erstellt:

    Okay,


    dann mal Butter bei die Fische.


    Wie wäre:


    26.03.2021 (Freitag) - dLG-Buch-Club: Das Schloss Otranto - 20.00 Uhr im Discord der dLG


    Sofern in den nächsten 7 Tagen keine massiven Widerworte gepostet werden, werde ich den Termin am 17.01.2021 in den Vereinskalender eintragen.

    Da bin ich letzte Woche auch drüber gestolpert, da ich die Irish Times bei Facebook abonniert habe. Ein schönes Projekt von einem sehr netten Menschen.

    Wie wäre es mit einem längeren Werk (Roman o.ä.) und einer der klassichen LC Kurzgeschichten in Kombi? Ich persönlich kenne immer noch nicht alle Texte von Lovecraft und bin hier ursprünglich auch Mitglied geworden, um mich über solche Storys auszutauschen, weswegen ich es schön fände, den Gedanken aufzunehmen.


    Klar, das können wir natürlich auch machen.


    Zur kostenlosen Verfügbarkeit: Zu den "Klassikern" der Gothic Fiction findest du kostenlose Versionen in Hülle und Fülle, alleine schon in der Wikipedia. Das dürfte also kein Problem sein. Und, wenn man dann doch um die 10 Euro investieren möchte, findet man von der Oxford Press hervorragende Ausgaben mit Kommentierung, Einleitung, kontextualisierenden Essays und Zeitstrahlen zu Werk Autor.


    Zu den HPL-Geschichten: An welche hättest du denn gedacht, sonst könnte man ja auch noch drei hierzu definieren, es immer im Wechsel machen und hätte schonmal einen sehr weitreichenden Fahrplan.

    Hiho,

    okay, dann lass uns doch noch bis Sonntag 10.01.2020 dieses Thema zur Diskussion lassen. Also, wer gerne etwas anders wünscht, bitte jetzt melden.


    Ich denke, das wir es dann als offene Buch-Club-Runde halten sollten. es kann immer zu jedem Titel in diesem Topic eine kleine Liste mit geeigneter Sekundärliteratur zusammengesammelt werden, die ggf jeder individuell liest.

    Es wird keine Spezialisten geben, sondern alle kommen quasi auf gleichem "Level" aber mit unterschiedlichen "Verteilungen der Fertigkeiten" (Rollenspiel-Metapher) rein.

    Am Ende wird es eine kurze schriftliche Zusammenfassung des Abends inkl. kleiner "Further Reading" Liste geben, die wir dem LConline anbieten.


    -> Ist das so für alle tragbar, sofern jetzt keine (s.o.) weiteren Ideen kommen?

    Alle drei finde ich spannend - back to the roots!

    Das fing hier damals mit gena dem Thema an, deswegen wollte ich das nochmal in den Raum werfen.

    Wir können natürlich auch was ganz ganz anderes machen, etwa Lovecrafts Geschichten (wobei die ja fachhlich aussagekräftig von den Arkham Insiders besprochen werden), oder eine ganz andere Systematik. ich bin da offen.


    Gibt es andere Ideen/Wünsche?


    Drei-Monats-urnus finde ich gut.


    Die Mitschrift über den LConline zugänglich zu machen finde ich sehr sinnvoll.

    Ggfs. könnte das Literaturteam einen Discord-Buchclub auf die Beine stellen? Dann hätte man den ein oder anderen Themenabend zu Text X/Y?

    Eine sehr gute Idee.


    Wir können ja hier mal drei Titel konsensualisieren, damit man schonmal einen kleinen Fahrplan hat.


    Mein Vorschlag wäre chronologisch:

    Walpole - Otranto

    Reeve - Old English Baron

    Radcliffe - Udolpho


    - wie gesagt, nur ein Vorschlag -


    Und dann der Intervall:

    jeden Monat ein Buchclub? Anderer Turnus?

    Jedes Treffen ein Text?


    Soll soetwas wie eine Zusätzliche Leseliste (Sek.Lit) erstellt werden?

    Soll soetwas wie eine Mitschrift gemacht werden?

    undundund...

    ich währe auch dabei. Aber tatsächlich empfinde ich ein Forum als zu träge dafür. Besser fände ich, wenn man je "buch" einen Termin im Discours hat. Im Gespräch kann man besser auch mal Ideenschnipsel einwerfen.

    Nachtrag:

    Damit es nicht wie undifferenziertes Gebashe gegen Joshi rüberkommt noch ein sehr positiver Punkt:


    In seinem Vorwort zu The Letters of August Derleth to Clark Ashton Smith ist Joshi sehr wohlwollend zugunsten Derleths und zeigt viel Verständnis für dessen Bemühen um die Veröffentlichung und die damit verbundenen Probleme von Smiths Büchern bei Arkham House. Auch macht Joshi hier sehr deutlich, dass Derleth steht's versucht hat Smith finanziell bestmöglich zu helfen.

    Triggerwarnung: Ich überspitze hier zum Teil und bin auch nicht immer Fair, aber dies, um meine Punkte zu verdeutlichen...


    Zu den "-ismen" (Strukturalismus, Dekonstruktivismus und wie die "Schulen" alle heißen):

    Ich hab fast das Gefühl, als hätte ich nicht richtig studiert (Geschichtswissenschaften, Germanistik, Kulturwissenschaften). Für mich waren diese "Schulen" immer kleine Wissenschaftsperspektiven. Nie hatte ich das Gefühl, dass eine davon nicht mehr legitim ist, weil es mittlerweile eine andere gibt. Also ich überspitze jetzt und mir ist bewusst, dass es so auch nicht gemeint war. Aber zumindest in meiner Hochschulzeit hatte ich nie das Gefühl, dass es da dogmatisch gelebt wurde. Meine Profs haben nie eine "reine Lehre" beschworen. Ganz im Gegenteil, die meisten meiner Profs waren da erstaunlich wenig involviert und ich hatte immer das Gefühl, dass da das ausschlaggebende Kriterium die Wissenschaftliche Methode und eine saubere Fragestellung war.





    Zu Joshis Monopolstellung:

    Es beginnt bei Joshi mit der Biografie. Joshi hat sein ganzes Leben an Lovecraft gekoppelt. Das ist ein Bild, das er natürlich stark forciert, aber es hat halt auch einen Werbeeffekt, den wir (also ich zumindest) auch immer wieder als Argument FÜR Joshi ins Feld führe.

    Joshi war zudem historisch relevant. Kurz vor Derleths Tod regte sich das Fandom und began Derleths Deutungshoheit zu hinterfragen, allen voran Mosig und Richard L. Tierney (The Derleth Mythos by Richard L. Tierney, H. P. Lovecraft: Myth-Maker by Dirk W. Mosig – beide in Dissecting Cthulhu: Essays on the Cthulhu Mythos, Edited by S.T. Joshi). Zeitgleich sammelte sich eine Gruppe junger Studenten, die als "Providence Palls" bekannt wurden. Das waren unter anderem Joshi, Marc Michaud (Gründer der Necronomicon Press), Robert M. Price (Bibelforscher und Neo-Con) Robert, Donald R. Burleson und weitere. Diese Studenten bildeten in den 80ern und 90ern (und irgendwie ja auch heute noch das Fundament des fandombasierten Umgangs mit Lovecraft mit einem wissenschaftlichen Interesse. Joshi verlegt immer wieder Bücher mit Texten dieses alten Gang und in „The Rise and Fall of the Cthulhu Mythos“ widmet er sich und seiner Gang ein ganzes Kapitel (Titel: „The Scholarly Revolution“) in der er beschreibt, wie sich die Lovecraft-Forschung von Derleth befreite und zu einer Verwissenschaftlichung kam; und an dem (vorläufigen) Endpunkt dieser Bewegung stehen Joshi und seine Kollegen. Das ist nicht respektlos gemeint, aber Joshi ist sehr bemüht, auch die Deutungshoheit über seine Stellung im Fandom zu haben.

    Interessant ist hierbei, wenn man sich die Geschichte zu „Rise and Fall“ anschaut. Joshi behauptet in diesem Buch vieles und teilt immer wieder gegen Derleth aus, was ja grundsätzlich legitim ist, sofern die Kritik fundiert ist. Leider – und da spreche ich als jemand, der sich seit fast 10 Jahren mit dem Spannungsfeld Lovecraft – Derleth beschäftigt, arbeitet Joshi gerade bei seiner Kritik nicht so gründlich wie bei seiner Beschäftigung mit Lovecraft. John D. Haefele verfasste aus dieser Erkenntnis heraus das Buch „The Derleth Mythos“, in dem er die „Fehler und Schwächen“ der Punkte Joshis aus „Rise and Fall“ relativ fundiert belegte und relativierte (bedenke, wir sprechen hier immernoch vom semi-wissenschaftlichen Raum). In der zweiten Auflage von „Derleth Mythos“ schrieb Wilum Pugmire das Vorwort, in dem er seine Begeisterung für Haefeles Buch ausdrückte, weil es einen Diskurs anregt. Joshis Reaktion darauf war ein ätzender Blogeintrag, in dem er Pugmire absprach fachlich mitreden zu können (und dann wurde noch weiter gegen Haefele geschossen) Pugmire und Joshi sind eigentlich Freunde gewesen und da sollte man einen höflicheren öffentlichen Ton erwarten. An sich kommt Joshi immer wieder sehr beleidigt rüber, wenn er kritisiert wird, worauf er dann fast persönlich wird. Zwischenzeitlich hat Joshi eine zweite Auflage von „Rise and Fall“ vorgelegt. Diese habe ich noch nicht gelesen, aber ich erwarte, dass er dort irgendwo auf den Verlauf der Joshi-Haefele-Kontroverse eingeht.



    Joshi – seine eigene Schöpfung

    Ich bin zugegebenermaßen etwas befangen, weil ich zu dem Lager derer gehöre, die Derleth totz vieler Fehler nicht verdammen und für sein Engagement und Verdienste um Lovecrafts Erbe schätzen. Ich versuche immer beide Seiten zu besprechen. Joschi schreibt in seinen Essays zu Derleth immer wieder, dass Derleth Lovecrafts Geschichten umdeutete in Geschichten über Hexerei, Götter, den Kampf Gut gegen Böse und die Einteilung der Wesen in Elemente. Joshi selbst macht aber ähnliches - er postuliert, dass Lovecrafts Geschichten immer ein Spiegel seiner Philosophie waren. Aber – und da bin ich bei Haefele – in Lovecrafts Geschichten gab es immer und zu jeder Zeit seines Schaffens neben dem Materialismus auch Magie und Hexerei (um nur ein Beispiel zu nennen). Es ist eben auch vielschichtiger als Joshi es zum Teil dastellt.



    Der eigentliche Verdienst

    Joshis Essays sind unterschiedlich gut und fundiert. Aber sie sind immer gut belegt. Und da kommen wir zu seinem eigentlichen Verdienst: Joshi hat die definitive Version der Originaltexte erarbeitet, er hat die Essays Lovecrafts veröffentlicht und ist immernoch dabei jeden Brief, an den er gelangen kann, zu veröffentlichen. Das ist sein eigentlicher Verdienst. Er holt all das hervor, an das man sonst höchstens nach monatelangen Recherchen am anderen Ende des Atlantik bekommen hätte. Das ist die grundlage für eine internationale Lovecraft-Forschung. Das ist das wichtigste, was er in seinem Leben getan hat. Seine Biografie ist gut, aber mit den Quellen, die er hervorgeholt hat, könnte fast jeder eine solche schreiben (überspitzt gesagt).



    An sich bin ich da aber auch ganz bei Axel: Für die Literaturwissenschaft ist Joshi irrelevant, für die Lovecraft-Forschung ist er ein Fundament.Zugegebenermaßen ist mir die allgemeine Literaturwissenschaft aber auch egal, Ich lese Genreliteratur und die Sub-Sektion der Literaturwissenschaft, die dies tut interessiert mich, da brauche ich selten Gerard Genete oder Foucault...