Beiträge von anouphagos

    Ich habe das nun endlich auch mal gespielt. Mein Fazit: Coole Stories, wenn auch mythosseitig etwas überladen (Yellow King, Innsmouthers, Dagon, Shub-Niggurath, Hirnzylinder, H. West, …). Viele Entscheidungen fühlen sich nicht sonderlich wichtig an, man muss das eher ein bisschen wie einen narrativen Walking-Simulator sehen. Die Entscheidungen im Spiel trifft man für sich, und man kann tatsächlich mit einem Savegame alle 3 möglichen Enden angucken (muss dann aber jeweils die Credits ertragen). Mechanisch ist das Spiel etwas redundant, aber für die Dauer (knapp 25h mit einigen Nebenquests) kann man damit leben. Die Atmosphäre ist Geschmackssache, hat mir aber gut gefallen. Für Mythos-Fans auf jeden Fall einen Versuch wert, aber bitte nicht zum Vollpreis (um Halloween gab's das für 5,99, was ich mehr als fair finde). Ich hab das alles mit ein paar Screenshots und ausführlicheren Gedanken auch hier verbloggt.

    Heyho,

    bisher hab ich noch gar nichts davon gesehen. Sieht aber super aus! Ich find es nur nicht bei gängigen Streaming-Anbietern... wo hast du es denn gesehen?

    Leider habe ich auch keine "einwandfreie" Quelle dafür gefunden und daher auf eine "nicht-einwandfreie" zurückgegriffen ...

    Hat jemand die zweite Staffel 30 Coins schon geguckt? Ich schaue das gerade zur kognitiven Entlastung während des Masterarbeitschreibens.

    Außer sehr sprechenden Episodentiteln wir "Dreamlands" und "The Black Book of the Mad Arab" finden sich noch viele weitere Mythos-Bezüge und -Motive, inklusive Elder-Sign-Shirts. Zusammengehalten von einer mehr oder minder kohärenten Vatikan-Industriemagnaten-Apokalypse-Verschwörung.

    Die Atmosphäre der ersten Staffel fand ich besser (besonders ganz am Anfang), aber auch die zweite ist sehr unterhaltsam. (Man sollte auf Pulp Lust haben und sich an ein paar eher unlogischen Entwicklungen nicht stören.)

    Vielleicht ist dieses schmale Bändchen für einige hier interessant. Hartmut Rosa, der "Entschleunigungspapst" und vielgeliebte Talkshow-Gast, hat über seine Beziehung zum Heavy Metal geschrieben: Traditionslinien aus der Schwarzen Romantik, Transzendenzerfahrungen auf Konzerten, ein paar Statistiken (bei denen Metalheads gut wegkommen ^^) usw. Ich würde es nicht wirklich als "soziologisch" bezeichnen, das könnte man besser unter dem Etikett "Philosophie" einsortieren, aber das gilt ja für einige seiner letzten Veröffentlichungen.

    Wer jedenfalls eine Mischung lesen möchte aus

    • persönlichem Bekenntnisbuch "zum Metal" sowie
    • einer philosophischen Reflexion, wieso gerade Hard & Heavy geeignet ist, Menschen zu einer guten Weltbeziehung zu führen,

    sollte sich das mal angucken. Leider werden die cthuloiden Einflüsse auf einige Bands und Stücke nicht explizit angesprochen (Rages "The Crawling Chaos" wäre dafür sogar eine Gelegenheit gewesen -- bei 150 Seiten Text muss aber natürlich vieles unter den Tisch fallen). Es geht eher um die Ursprünge des Motiv-Kanons in der Romantik; statt kosmischem Grauen wird eher auf romantische Ironie ("man meint, was man sagt, und meint es gleichzeitig nicht") abgestellt.

    Ich bin ja nicht so metal-affin, daher würde mich sehr interessieren, wie das eingefleischte Metalheads hier lesen und bewerten.

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    Hartmut Rosa: "When Monsters Roar and Angels Sing. Eine kleine Soziologie des Heavy Metal"

    Kohlhammer 2023, 187 S., 20 Euro (print)

    anouphagos hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    Zitat
    2006 schrieb Gary Hill das Buch „The Strange Sound of Cthulhu“, in dem er sich umfassend mit cthuloider und Lovecraft-inspirierter Musik befasste. Mitkultist Dennis fragte Gary über dessen Buchprojekt und verwandte Themen aus.

    Da ich gerade darin herumlese: Daniel Harms geht in einem Kapitel von "The Necronomicon Files" auf arabische Bezüge ein, "A Thousand and One Arabian Nightmares". Vielleicht bringen dich einige der dort erwähnten Quellen und Texte weiter, ein Beispiel:

    Zitat

    Lovecraft's fascination with The Arabian Nights definitely carried into his adult life, leading him to do further research into Islamic history and folklore, as indicated by books in his library: The Calif Haroun Alraschid and Saracen Civilization by Edward Henry Palmer, and Tales of the Genii by Sir William Charles Morrell (pseudonym).

    Oder suchst du nach etwas Bestimmtem?

    Ist das das Level mit dem Riesen-Shootout in diesem blutigen Tempel am Ende? Wo man sich dauernd zwischen Säulen und Vorhängen wegducken muss, während irgendwoher immer mehr Gegner spawnen? Das war meine Lieblinsstelle in dem Spiel, damals, als man sowas noch von einem älteren Kumpel auf mehreren gebrannten CDs auf dem Schulhof bekam, einzelne Archive mit Winrar zusammensetzen musste und dann doch der CD-Key fehlte. Dann musste man hochnotpeinlich auf dem Festnetztelefon der Eltern anrufen und irgendwas von Hausaufgaben vortäuschen, um den Kumpel zu sprechen. (Die Eltern dachten vermutlich, es ginge um noch Illegaleres als Privatkopien mit der falschen Altersfreigabe ...)

    Ich vermute aber, dieser Lupino Guy hatte eher das "Simon Necronomicon" als das richtige :D

    Danke für die Erinnerung!

    Danke für die Rezension. Die "Rangfolge" der Stories teile ich, die erste (Jenny) habe ich abgebrochen und die Norman-Story war mir auch mit Abstand die liebste. (Was insgesamt sehr schade ist, denn Jennies Hintergrund ist an sich sehr spannend, siehe den großen "The Investigators of Arkham Horror"-Band.)

    "Cosmic Horror" suche ich da zwar vergebens, aber da ich das LCG liebe (und folglich die Ermittlerkarten eh haben wollte ^^) machen die Geschichten schon teilweise Spaß. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass es ohne Bezug zum Spiel schon schwer ist, das auch nur als Unterhaltung ernst zu nehmen ... Aber offenbar geht auch das ;)

    Alles in allem mag ich die Anthologie bisher, einzig die Geschichte mit der Lotion war mir ein bisschen zu arg seltsam. Nicht schlecht, aber nicht ganz meins.

    Ja, da stimme ich zu, mir war sie zu ... grotesk? Man versteht den Konflikt und das Taxidermie-Thema passt gut dazu, außerdem

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    war das vermutlich sogar eine recht realistische Darstellung, wie jemand reagiert, wenn er von einem geliebten Menschen ermordet wird ... "Honey, something fell on me ..."

    Gerade der Teil hätte aber eher in "Fargo" gepasst als in eine Horrorgeschichte (so jedenfalls meine erste Empfindung).

    Ich hatte bei Pickman's Model ganz kurz die Hoffnung auf eine gänzlich andere Auflösung:

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    In der Brunnenszene in Pickmans Haus, nachdem ihn unser Erzähler angeschossen bzw. erschossen hatte, schien mir für einen Moment die Möglichkeit im Raum zu schweben, dass es gar nicht Pickman, seine Werke und das, was sie repräsentieren sind, vor denen wir uns füchten müssen, sondern dass unser Erzähler einfach durchgedreht ist und einen bloßen Exzentriker erschossen hat. Das wäre, mit einigem erzählerischen Aufwand, ein beunruhigenderes Finale gewesen als ein Kind im Hexenofen ...

    Dessen ungeachtet fand ich die Episode aber atmosphärisch und narrativ insgesamt überzeugend.

    Dreams in the Witch House ist (atmosphärisch und motivisch) eine meiner liebsten Lovecraft-Stories, und von der Umsetzung war ich etwas enttäuscht. Gute Szenen, but I dislike ghost stories in general.

    PS: Es gibt ja in mehreren Episoden geheimnisvolle Drogen, solche Motive mag ich auch immer sehr, vor allem, wenn sie sich durch das neu entstehende Erzähluniversum ziehen ... Ist das noch jemandem aufgefallen?

    Dies hat mich an die Rolle von Musik und Tönen erinnert, wie mein Lieblingsethnologe Michael Taussig sie in einem Handbuchartikel zum Thema (religiöse) Grenzüberschreitungen beschreibt:

    "Here is where sound as with bull roarers, sacred flutes, and singing, becomes important because, unlike the prohibition on the visual manifestation of the secret, the sound, whose whole purpose is to be public, evokes the secret's presence without otherwise manifesting it. Therefore, sound provides a perfect vehicle for absent presence. Sound is like a metasecret or the " skin" of the secret, announcing but concealing its content, and it is precisely this skin that represents the mysterious line of transgression which has to (yet must not) be breached."

    Sehr spannender Gedanke, vielen Dank! Das erinnert wiederum mich an Mark Fisher und seine Überlegungen zum Verhältnis Absence/Presence im Uncanny/Weird/Eerie. Das muss ich mal bei Gelegenheit nachlesen, aber ich glaube, es ging so, dass im "Weird" etwas Unpassendes "present" ist, während im "Eerie" entweder etwas präsent ist, was absent sein sollte, oder etwas absent ist, was präsent sein sollte.

    Und es erinnert natürlich an Isis-Mysterien, den Schleier der Maya etc., also an das Symbolhafte des Nicht-Darstellbaren oder Darstellungsverbotenen. Ich muss mal meine ex-katholische Frau fragen, ob das auch für Artefakte/Symbole wie Monstranzen gilt ...

    Iä zusammen :)

    Wie man vielleicht mitbekommen hat, habe ich in den vergangenen Monaten v.a. zum Thema Musik und Mythos recherchiert. Das hat einerseits zu einigen Einträgen hier im Wiki (und einem Gutschein des Cthulhu-Webshops! Woohoo!) geführt, andererseits aber auch zu einem laaaangen Aufsatz zum Thema "Musik als Motiv in Mythos-Geschichten".

    Den habe ich jetzt in mein Blog gepackt: https://dennisschmolk.de/tag/weird-harmonies/

    Ergänzungen, Korrekturen, Widerspruch sind mir wie immer sehr willkommen :) Das ist sozusagen auch mein vorläufiger Schlusspunkt unter das ganze Recherche-Unterfangen. Ab jetzt wird wieder zum reinen Vergnügen gelesen ;)

    Schöne Grüße!

    Dennis

    Ich bin an diesem Wochenende voraussichtlich in Jena und habe gerade festgestellt, dass der 1.11. gar kein bundeseinheitlicher Feiertag ist. (Man verzeihe mir die beschränkte bairische Sicht auf die Welt.) Falls ich tatsächlich in Thüringen bin, komme ich vermutlich mal rüber nach Erfurt, das kann ich aber erst nach Semesterstart sagen ... Ich hatte ganz vergessen, wie kompliziert Studien-Logistik ist.

    Danke für die Rezension. Ich habe das auf Englisch vor einer Weile gelesen, und kann deinen Eindruck nur teilen. Die AHLCG-Romane und auch die Novellas wirken mir alle nach Zeilenschinderei ("Acolyte will 240 Seiten? Naja, dann machen wir einfach alle Beschreibungen 30% länger"). Und bei The Last Ritual fand ich Setting, Personal und Ereignisse eher langweilig.

    Wenn man großer Fan des Spiels ist, macht es Spaß, Investigatorinnen und Verbündete wiederzuerkennen, aber als Weird Fiction oder gar Cosmic Horror kann man das nicht ernst nehmen. Da die Kampagnen des Spiels zunehmend komplexer und storygetriebener werden, erfüllen die Bücher glaube ich auch zunehmend eine Hintergrund-Erklärfunktion, sodass ich auf das bald erscheinende Buch zu "Scarlet Keys" trotzdem gespannt bin.

    Ich habe gerade die Anthologie "Song of Cthulhu" (Herausgeber: Stephen Mark Rainey) gelesen – mit wenigen Ausnahmen recht gelungene Geschichten und sehr verschiedene Blickwinkel auf Musik als Mythos-Element. Leider ziemlich vergriffen, ich musste eine Ausgabe für 70 Euro aus den USA bestellen, die mich dann mit einem "Our Price: 9.99$"-Aufkleber verhöhnte ...

    Direkt anschließend lese ich jetzt "The Last Trumpet" von S.M. Rainey. Die Mythos-Bezüge sind eher lose – werden zwei zusammenhängende Horror-Geschichten, von denen einer ein Zitat aus dem Al Azif vorangestellt ist, dadurch schon zu Mythos-Geschichten ...?

    Langsam habe ich jedenfalls genug zu "Musik im Mythos" gelesen und sollte anfangen, das in einen Essay zu packen ... oder eine Artikelreihe ...

    Update: Der Artikel ist jetzt online: https://dennisschmolk.de/tag/weird-harmonies/