Beiträge von Chris


    In sehr elementaren Strukturen vergleichbar, aber in der Konsequenz irreführend und nicht gleichsetzbar. Welche "Sache" (um mal dieses Wort weiterhin zu nutzen) verfolgen denn Abenteuerschreiber, Filmemacher und Hörspielregisseure, wenn sie ihre Kunst machen? Da werden Lovecrafts Themen in einem kulturellen Kontext aufgenommen, um sie weiterzuverarbeiten. Verfolgen diese Leute dann ein irgendwie geartetes Anliegen? Suchen Sie, ihre "Sache" mit Argumenten via Lovecraft zu untermauern? Sie wollen ja niemanden agitieren, sondern eben Kunst machen. Du könntest natürlich ewtaige dahinterstehende Leute nennen, die Profit machen wollen, aber auch das kann kaum gleichgesetzt werden mit einer "Sache" im Sinne der Zielrichtung von eben einer gesellschaftlich-politisch-wissenschaftliche Inhalte implizierenden Bewegung wie der Prä-Astronautik.


    Ich lese heraus dass der relevante Unterschied für dich der zwischen Fiktion (Romane, Filme, Spiele, Kunst) auf der einen Seite und Deutungsanspruch auf die Realität (Verschwörungstheorien, Paleo-Astronautik, Religion, Wissenschaft) auf der anderen Seite liegt. Habe ich dich da richtig verstanden?

    Für mich ist dieser Unterschied nicht grundlegender Natur, weiß auch Fiktion immer auch eine Weltanschauung transportiert (Ausführung siehe weiter unten) und weil ich den meisten Lesern unterstelle nicht alles für bare Münze zu nehmen das man ihnen als Wahrheit verkauft (siehe meine Anmerkung zur Postmoderne, Fake News, Alternative Fakten).


    Sicherlich ist da ein ähnlicher Effekt beobachtbar, ich persönlich halte von diesen Kulturwaren auch nichts. Aber wiederum ist dies keine "Vereinnahmung", wie ich sie bei der Prä-Astronautik kritisiere.


    Warum ist dies keine Vereinnahmung? Weil Plüsch-Cthulhu-Macher nicht behaupten dass Cthulhu wirklich im Pazifik lebt? (das tun die meisten Okkultisten auch nicht, siehe meine Ausführung weiter unten ganz am Ende) Oder übersehe ich etwas anderes das für dich den Unterschied macht?


    Als Grundaussage zuzugeben, aber wichtiger sind ja dann die Effekte. Eine Verschwörungstheorie, die sich verbreitet, wird wahrscheinlich erheblichere gesellschaftliche Effekte zeichnen, als beliebte Unterhaltungsliteratur.


    Ich glaube Star Wars und Star Trek und Herr der Ringe haben (jedes für sich allein genommen) einen deutlich größeren gesellschaftlichen Effekt als es die Prä-Astronautik hat.


    Lovecraft als mechanistischer Materialist hätte so immer argumentiert. Ob die Prä-Astronautik dies auch tut, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Bei der Fülle an naturwissenschaftlich sehr zweifelhaften Inhalten wäre das eigentlich eine Überraschung. Oder man rationalisiert es, indem man einfach behauptet, dass die "Schulwissenschaft" da eben noch nicht weit genug ist oder so etwas.


    Meines Wissens ja. Die Prä-Astronautik ist sicherlich in ihren Details wissenschaftlich nicht haltbar, aber in der Grundüberzeugung ist sie "Wissenschaftsgläubig" (weil sie eben alles mit extrem fortschrittlicher Technologie zu erklären versucht - und nicht etwa mit göttlicher Intervention).


    Siehe oben. Aus welcher "Rolle" soll er denn fallen?


    Ich meine Lovecrafts "Rolle" als mechaistischer Materialist, analog zu Däniken's "Rolle" als Prä-Astronautiker. Ich verwende das Wort "Rolle" statt "Überzeugung", weil es für meinen Gedankengang ehre darauf ankommt welche Position sie nach außen vertreten und welche Wirkung sie damit auf ihr Publikum haben, nicht welche Position sie innen wirklich haben (nicht dass ich bei Lovecraft zweifeln würde dass die beiden nicht übereinstimmen, aber bei Däniken zweifle ich schon).


    Ich verstehe gerade nicht, worauf du hinaus willst. Die Prä-Astronautiker, die sich auf HPL beziehen, nutzen doch nicht seine persönliche Argumentation, die er im Leben äußerte. Es geht ja um die Inhalte der Geschichten. Ich glaube, du würfelst da gerade etwas durcheinander, oder ich verstehe dich nicht.


    Auch wenn Lovecraft ein Romancier ist und nie vorgibt etwas anderes zu sein, so sind seine Werke doch wirkmächtig, indem sie dazu beitragen seine Sicht auf die Welt in den Köpfen der Menschen zu verankern.

    Wenn Lovecrafts Werk als Literatur rezipiert wird, dann wird der geneigte Leser wohl eher nicht daran glauben dass in einer versunkenen Stadt im Pazifik oder unter dem Eis des Südpols uralte außerirdische Kreaturen verborgen sind (und insofern verstehe ich wo du den Unterschied zu Däniken siehst). Aber die Rezeption von Lovecrafts Werk wird sehr wohl die Idee des mechanistischen Materialismus in den Köpfen der Leute verfestigen.


    Wenn Lovecraft übersinnliche Wesenheit kanalisiert hat, dann gibt es diese doch in dieser Sicht und damit hat er sie dann ja den Tatsachen entsprechend beschrieben, oder?


    Jein ...
    Ja, hätte er. Aber dann hätte er ja gelogen als er behauptet hätte ein mechanistischer Materialist zu sein - und das wäre dann in der Tat eine Unterstellung seitens der Okkultisten, die ich ihnen auch als Instrumentalisierung übel nehmen würde.

    Es gibt nach meinem Verständnis drei verschiedene Ansätze mit denen sich Okkultisten auf Lovecraft beziehen:

    • Trittbrettfahrer: in der Zeit vor dem Internet ist jemand auf die tolle Idee gekommen ein "echtes" okkultes Nekronomikon zu schreiben. Gutes Marketing, weil Leute die sich für Okkultismus interessieren mit Lovecrafts Werk direkt oder über Umwege in Kontakt gekommen sind, dachten das wäre ein echtes böses okkultes Buch - und danach gesucht haben. Dieses Trittbrettfahrertum mag moralisch zweifelhaft sein (aber aus anderen Gründen als wir hier diskutieren), aber die Welle auf der die Trittbrettfahrer hier reiten wurde von Lovecraft selbst generiert, weil er in seinem Werk echte mythologische Zitate mit seinen eigenen Erfindungen mischt.
    • Chaosmagier: eine postmoderne Strömung der Magie die keinen grundsätzlichen Unterschied sehen ob sie Satan anrufen oder Mickey Maus. Der Cthulhu-Mythos war bei denen mal eine Weile beliebt, aber sie haben nie abgestritten dass es Fiktion ist. Chaosmagier glauben (stark vereinfacht gesagt - ich hoffe kein Chaosmagier fühlt sich jetzt davon auf den Schlips getreten) dass man sich in eine beliebige Fiktion hereinsteigern kann und trotzdem einen vergleichbaren Effekt erzielen kann als wenn man eine "reale" (historisch überlieferte) Wesenheit anruft.
    • Dann gibt es noch die Apologetik, auf die ich mich oben bezogen haben (und zu der ich vor einer Weile schon mal einen Link im Forum gepostet habe): Okkultisten die glauben dass es tatsächlich Wesenheiten gibt die den Wesenheiten entsprechen die Lovecraft beschrieben hat. Sie behaupten aber weder dass Lovecrafts Geschichten Tatsachenberichte wären, noch dass Lovecraft als "Prophet" oder "williges Medium" deren Botschaft niedergeschrieben hätte. Vielmehr behaupten sie dass etwas Lovecraft unbewusst und unwissentlich beeinflusst hat (je nach Modell kann dieses etwas entweder ein psychologischer Archetyp sein der uns allen innewohnt, oder aber eine Wesenheit analog zur fiktiven Handlung am Anfang von Lovecrafts Call of Cthulhu). Mein Eindruck ist dass hier Lovecrafts Wesenheiten zitiert werden weil diese etwas ausdrücken woran die okkulten Autoren glauben, was sie aber selbst nicht besser ausdrücken können.


    Um eine Analogie aus einem anderen Bereich zu bringen: wenn ich "des Kaisers neue Kleider" als Bild bemühe um auf eine Situation zu verweisen in der meiner Meinung nach keiner sich traut die offensichtliche Wahrheit zu sagen (völlig unabhängig davon ob ich damit die Wahrheit sage oder auf gefährliche Weise Fehlinformationen schüre), dann "instrumentalisiere" ich ja nicht Hans Christian Andersen, sondern ich zitiere ihn, um einen Standpunkt anhand einer Analogie zu einem allgemeinbekannten Bild klarzumachen. Ähnlich sehe ich es hier - und ich persönlich finde es adelt Lovecraft sogar in gewisser Weise, dass seine Werke inzwischen ähnliche Allgemeinplätze geworden sind wie Märchen oder Bibel-Zitate. (Auch wenn dieser Erfolg irgendwo auch zweischneidig ist und in gewisser Form den unbefangenen Zugang zum Original-Werk verstellt)

    Danke für deine ausführliche Antwort.

    Vereinnahmung finde ich grundsätzlich ärgerlich. Sich aus einem toten Autor einen Gewährsmann für seine Sache zu schneidern, ist unredlich und es verstellt unter Umständen den Zugang zu Person und Werk.


    Ist es wirklich die Vereinnahmung als solche die dich ärgert - oder die Vereinnahmung für eine Sache die du nicht gutheißt?

    Die Rollenspieler vereinnahmen Lovecraft ja auch für ihre Sache. Die Film- und Hörspiel-Industrie vereinnahmt Lovecraft für ihre Sache (und das ist etwas wogegen sich Lovecraft zu Lebzeiten explizit ausgesprochen hat). Cthulhu-Plüschtiere vereinnahmen Lovecrafts Werk für sich. Und die verstellen auch den Zugang zu Person und Werk (es gibt ja eine Debatte dass die Präsenz in der Popkultur den unassprechlichen Horror trivialisieren würde). Gehe ich trotzdem recht in der Annahme dass diese Art der Vereinnahmung durch die Pop- und Nerd-Kultur für dich nicht dieselbe Art von Ärgernis darstellt?

    Du tust wieder so, als sei Prä-Astronautik einfach ein literarisches Genre. Das ist es nicht, das würde auch von Däniken rigoros bestreiten, gemessen an seinen Interviewaussagen. Deine Ansicht hier ist bestätigend in der Hinsicht, dass so durch die Vereinnahmung eines Autors durch die Prä-Ast. eine Form der Selbstlegitimierung betrieben wird.


    Ja, natürlich, er fällt nie aus der Rolle. Aber in Zeiten von alternativen Fakten und Fake News halte ich alternative Theorien zur Früh- und Vorgeschichte für vergleichsweise harmlos (verglichen mit anderen Themen über deren Deutungshoheit im Moment gestritten wird). Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu abgestumpft durch die Postmoderne in meinem Bezug zur Wahrheit.

    Sowohl Unterhaltungliteratur als auch Verschwörungstheorien sind ein Ausdruck einer Befindlichkeit, einer Sichtweise auf die Realität die aus ihrem kulturellen Kontext entsteht. So vertreten sowohl Lovecraft als auch die Prä-Astronautiker die Überzeugung dass alles "übernatürliche" sich auf Wissenschaft oder Technologie zurückführen lässt. Und zumindest bei dieser Aussage kann man unterstellen dass auch Lovecraft sie ernstaft vertreten hat und nie aus der Rolle gefallen ist. Und weil Lovecraft diese Position ernsthaft vertreten hat, halte ich es auch für statthaft und angemessen wenn jemand sich auf einer philosophischen Ebene darauf bezieht oder ein Gegenargument aufstellt. Wie zum Beispiel Okkultisten und Esoteriker die behaupten dass Lovecraft in seiner Literatur unbeabsichtigt und unbewusst Archetypen oder übersinnliche Wesenheiten kanalisiert hat (sieh behaupten ja gerade nicht dass Lovecraft-sche Werke Tatsachenbereichte wären). Ihre Sichtweisen muss man nicht teilen, aber ich finde man kann sich (als philosophisches Gedankenexperiment) darauf einlassen ihre innere Logik zu verstehen.

    An sich ein ärgerliches Thema, mit dem man sich als Lovecraftian immer mal wieder herumschlagen muss: Lovecrafts Vereinnahmung durch Ancient-Aliens-Jünger und esoterische Atlantis-Menschen etc.


    Warum empfindest du das als ärgerlich?

    Ich kann verstehen dass jemand nichts Prä-Astronautik und Esoterik nichts übrig hat, weil das den eigenen Überzeugungen nach entweder gotteslästerlich oder unwissenschaftlich ist. Aber warum empfindest du die "Vereinnahmung" von Lovecraft in diesem Zusammehnang als besonders "ärgerliches Thema"? Lovecraft selbst hatte ja durchaus Interesse an diesen Themen. Daran geglaubt hat er natürlich nicht, aber er hat sich damit beschäftigt - und er hat in seinen literarischen Werken kräftig daraus zitiert und die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischt. Wenn nun die Prä-Astronautik und Esoterik ihrerseits wiederum Lovecraft zitiert, dann halte ich das auf der einen Seite nur für fair - und auf der anderen Seite auch irgendwie für unterhaltsam.

    Ich meine: was unterscheidet zum Beispiel einen Erich von Däniken fundamental von einem H. P. Lovecraft? Beide sind Autoren von Prä-Astronautik-Schundliteratur, beide spielen damit dass ihre Werke Tatsachenberichte sein könnten, beide finde ich (vielleicht gerade deswegen) unterhaltsam.

    Wird es demnächst einen offiziellen Startschuss für FHTAGN geben, im Sinne von "Das FHTAGN Grundregelwerk ist jetzt fertig und wird heute veröffentlicht".

    Ich persönlich beobachte die Entwicklung von FHTAGN mit großem Interesse. Momentan habe ich allerdings noch den Eindruck dass sich das Regelwerk noch mitten in der Entwicklung befindet: es gab eine recht große Ankündigung als das FHTAGN-Projekt vorgestellt wurde, seitdem wird das Regelwerk von fleißigen Freiwilligen aktiv erweitert und umgeschrieben. Das (zusammen mit der Tatsache das das PDF-Regelwerk bei jedem Download aus der in Arbeit befindlichen Wiki-Version generiert wird) erzeugt bei mir den Eindruck dass FHTAGN heute noch eine "Beta-Version" ist. Also warte ich geduldig und voller Vorfreude auf die Veröffentlichung von "FHTAGN erste Edition" :tuuluu: ... und spiele in der Zwischenzeit eben andere Rollenspiele.

    Für mich ist das auch voll okay so ... aber letztes Wochenende hatte ich eine Unterhaltung mit [mention]Dark_Pharaoh[/mention] und [mention]POWAQQATSI[/mention], in der es unter Anderem um die aktive Beteiligung der Mitglieder im Verein und um die Mangelnde Rezeption von FHTAGN ging. In diesem Zusammehnang möchte ich hier einfach mal folgende These in den Raum stellen:

    Wenn wir das FHTAGN-Regelwerk in einer abgeschlossenen Version veröffentlichen, dann wird es auch mehr bespielt werden und Feedback erhalten wahrgenommen werden. Ob wir das jetzt "Erste Edition" oder "Playtest" nennen halte ich für egal, solange klar ist dass das ein Stand ist den wir für spielbar und stabil halten. Ein interessierter potenzieller Neu-Spieler sollte zuerst diese stabile Version zu sehen bekommen. Die ständig in Arbeit befindliche Wiki-Version ist für Freiwillige die mithelfen wollen.

    Hier noch eine Kurzgeschichte zum Lesen (Reisebericht?), sowie eine Fernseh-Verfilmung einer anderen Geschichte von Robert Aickman (beide in englisch):

    http://tinhouse.com/the-fully-conducted-tour/

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    Danke [mention]Nils[/mention] - durch deinen Beitrag hier habe ich zum ersten Mal von Robert Aickman gehört - und war sofort von ihm begeistert.
    Die Kombination von Unheimlichkeit mit einem Anflug von britsichem Humor gefällt mir sehr.

    Ich würde die frühe Neuzeit auch bis ca. 1800 ansetzen; danach eine Epoche "(klassische) Moderne" von 1800 bis 1940er; und dann "Postmoderne" von 1940er bis zur Gegenwart. "Industrielle Revolution" wäre dann ein "Setting" innerhalb der Moderne. Es ist zwar ein großer technologischer Unterschied zwischen beginnender industrieller Revolution und Ende des zweiten Weltkriegs - aber die Übergänge dazwischen kommen mir so fließend vor dass es mir schwer fällt da eine harte Epochengrenze einzuziehen.

    Das Ganze hätte dann nur den Schönheitsfehler dass das "Setting" namens "Moderne" (also die Gegenwart) nicht in der Epoche "Moderne" liegt.

    Super mit welchem Elan du hier bei der Arbeit bist.

    Ist die Tabelle mit den Technologiestufen immer noch für Waffen- und Rüstungslisten gedacht? Oder schwebt dir etwas größeres vor?

    Solange es nur um Waffen- und Rüstungslisten würde es für die Belange unseres Spiels wohl auch mit deutlich weniger Stufen funktionieren.

    Ich kann mir natürlich auch die Situation vorstellen: "Wir spielen 1980. Ist der tragbare CD-Spieler eigentlich schon erfunden?" Nur, um so etwas abbilden zu können müssten die Technologiestufen schon unheimlich fein ausgearbeitet sein, denn es wird ja ständig was neues erfunden. Und an einem gewissen Punkt kommen wir dann zu der Frage ob es nicht einfacher ist auf Wikipedia nachzuschauen (Discman kam 1984 auf den Markt), anstatt in der Ausrüstungstabelle nachzuschlagen dass ein tragbarer CD-Spieler Technologielevel 8^42 ist und das Setting in dem wir spielen nur 8^12.

    Mir gefällt deine Idee, dass Technologie noch mal innerhalb einer Epoche differenziert werden kann, aber ich würde das lieber aus Sicht des jeweiligen Settings spontan beschreiben. Zum Beispiel die Regeln beschreiben dass es so etwas wie eine "altmodische Pistole" gibt. In den 1920ern wäre das eine Pistole aus der Piratenzeit, in den 2000ern könnte es auch eine Pistole aus dem 1. Weltkrieg sein. Würde das für unsere Zwecke nicht ausreichen? (Zwischen "Vorderlader", "Revolver", und "Halbautomatik" kann man ja unabhängig davon trotzdem noch regeltechnisch differenzieren, wenn man will...)


    Vorschlag: man könnte den Überbegriff "Naturwissenschaften" verlassen und es einfach "Wissenschaft" nennen, darunter kann man von Biologie bis Mathematik und von Chemie bis Krypotologie alles subsummieren.


    Dann würden wir aber auch alle Geisteswissenschaften mit erschlagen. Insbesondere Anthropologie, Archäologie und Geschichte (die heute als eigene Fertigkeiten aufgeführt sind) wären dann nur noch eine Spezialisierung von Wissenschaft. In der Realität sind das wahrscheinlich ähnlich obskure Wissensgebiete wie Mathematik oder Chemie ... aber im Zusammenhang mit dem Lovecraft-Mythos verdienen sie es vielleicht trotzdem eine eigene Fertigkeit zu bleiben.

    Ich kenne leider keinen griffigen Begriff im Deutschen, der Mathematik explizit einschließt aber die Geisteswissenschaften ausschließt.

    Ja, du hast völlig recht, [mention]JaneDoe[/mention]: "antiquarisch" und "antiquiert" macht als Epochen-Beschreibung keinen Sinn. Meine Logik war, dass es eine Liste von Waffen ist, die aus unserer heutigen Sicht veraltet erscheinen. Das passt zwar zur Auflistung wie sie im Moment ist, aber für ein Rollenspiel in einer früheren Epoche wäre eine Auflistung nach Epoche, wie du vorschlägst, besser (z.B. "Messer" und "Beil" tauchen momentan nur in der "modernen" Liste auf, obwohl es sie auch in anderen Epochen gibt).

    Wie lange soll denn die Waffenliste am Ende werden? Wie du schon sagst [mention]Case[/mention], das Ganze soll keine Simulation werden.

    Als pragmatischer Vorschlag: warum nicht eine einzige Auflistung von allen Waffen (Epochen-übergreifend), mit einer eigenen Spalte in der die typischen Epochen für jeden einzelnen Eintrag aufgelistet werden? (Steinzeit*, Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Moderne, Postmoderne, Traumlande, etc.)

    Fußnote:
    :* Steinzeit eignet sich auch "primitive" Ureinwohner, in einem Expeditions-Szenario das eigentlich in der Moderne oder Postmoderne spielt.

    Ja, ausreichen sollten die Waffen für die Antike ... aber man könnte sich jetzt noch die Mühe machen auszufiltern was in der Antike noch nicht verfügbar war. Ein Langschwert oder Zweihänder wäre nur im Mittelalter und den Traumlanden verfügbar, ein Kurzschwert zusätzlich auch in der Antike, eine Axt zusätzlich noch in der Moderne und in der Steinzeit, etc.

    Ein letzter Vorschlag noch für den Begriff: "Antiquiert".

    Danke für deine ausführliche Antwort, Case.
    Auch von dir sind das sehr interessante Gedanken.

    Ein paar Anmerkungen noch zu einzelnen Punkten:


    Aus Sicht der Moderne kann man Informatik als eigene Fertigkeit durchaus rechtfertigen, da sie heutzutage quasi von jedem etwas gekonnt wird. Das FHTAGN Informatik gilt ja auch im weiteren Sinne einer "Computerbenutzung".


    Ja, du hast recht. Wenn man sich die Beschreibung durchliest geht es weniger um ein abgeschlossenes Informatik-Studium und mehr um praktische Computerbenutzung und Hacking. Wobei ich dann sogar dafür plädieren würde die Fertigkeit "Computer und Technik" oder "IT-Systeme" zu nennen (ist dann zwar immer noch eine rein moderne Fähigkeit, aber macht den praktischen Ansatz deutlicher).

    wobei man da noch "Autofahren/Fuhrwerk lenken" schreiben müsste oder einen anderen zeitlosen Begriff findet.


    "Fahrzeuge führen"?

    Damit wären Informatik und Mathematik als eigene Fertigkeiten ganz gut gerechtfertigt.


    Nur zum Verständnis: meinst du jeweils eine eigene Fertigkeit "Informatik" und "Mathematik", oder eine gemeinsame Fähigkeit "Informatik und Mathematik"?

    Möchtest du denn "die Antike" (Griechen und Römer in Sandalen) in deine Definition mit einschließen?
    Falls nicht, dann vielleicht "Vormoderne"? (laut Wikipedia ein Begriff der Mittelalter und frühe Neuzeit umfasst)

    Ansonsten vielleicht "Historisch" oder "Nicht-Modern" oder "Antiquarisch"?

    Hallo zusammen,

    beim Durchstöbern des Regelwerks bin ich über die Fertigkeit "Informatik" gestolpert: bei jeder Epoche außer der Moderne entfällt sie - und momentan ist es auch die einzige Fertigkeit im Regelwerk ist die überhaupt irgendwo entfällt.

    Wäre es nicht eleganter "Informatik" zu einer Spezialisierung von "Handwerk" oder "Naturwissenschaft" zu machen? (Handwerk wegen der Nähe zu Elektrotechnik und Mikroelektronik die dort eingruppiert sind; Naturwissenschaft wegen der Nähe zu Mathematik die dort eingruppiert ist ... obwohl genau genommen weder Informatik noch Mathematik eine Naturwissenschaft sind)

    Oder alternativ, sollte es nicht wenigstens eine entsprechende "Rest-Fertigkeit" in anderen Epochen geben (analog zu "Autofahren" / "Fuhrwerke lenken")? Verschlüsselung zum Beispiel (heute Teil der Informatik) wurde schon von Cäsar betrieben.

    Oder aber, kann man zumindest die Ausnahmesituation umdrehen? Statt "Informatik" in die allgemeine Fertigkeiten-Liste aufzunehmen und bei jeder Epoche außer der Moderne "Informatik entfällt" zu schreiben, warum nicht "Informatik" als zusätzliche Fertigkeit für die Moderne aufnehmen, so wie jetzt schon "Träumen" für die Traumlande?


    Das alles jetzt als Vorschlag zur Diskussion, unter der Annahme dass wir mit FHTAGN-Regelkern nicht sklavisch Delta-Green-Kompatibel bleiben wollen (ich vermute die Fertigkeiten-Liste kommt daher), sondern das Spiel in eine eigene Richtung entwickeln wollen.

    "Dagon" hat auch sehr starke Parallelen zu "The Temple": in beiden taucht die deutsche Marine auf (wenn auch hier als Widersacher und dort als Protagonist); beides spielt auf hoher See; und in beiden macht der Protagonist eine Reise durch eine fremdartige und verlassene Welt, zwar unfreiwillig aber doch auch fasziniert. In beiden Geschichten trifft der Protagonist auf Kultur-Artefakte die tief unter dem Meer verborgen waren. Nur am Schluss laufen die Geschichten auseinander: während der Protagonist aus "Dagon" das Monster deutlich sieht und danach in seine Welt zurückkehrt, bricht die Erzählung von "The Temple" ab bevor der Protagonist erfährt was genau er vorfinden wird und es ist abzusehen dass er nicht zurückkehren wird.

    Und hier noch mal die Ultra-Kurz-Fassung als Comic auf einer Seite:
    http://underwhelminglovecraft.tumblr.com/post/967056269…lovecraft-comic

    Die Story ist eigentlich sehr einfach gestrickt, aber gerade in ihrer Einfachheit hat der finale Twist fast schon etwas archetypisches. Weiß jemand ob Lovecraft dieses "Monster-geht-ans-Telefon-deines-Freundes-Trope" erfunden hat ... oder gab es vor ihm schon mal jemanden der es verwendet hat? Die Technologie (also das tragbare Telefon) war zu seiner Zeit ja noch ziemlich neu.

    In ähnlicher Form (nur mit Briefen statt mit Telefon) hat es ja auch Lovecraft selbst noch an anderer Stelle verwendet ("The Whisperer in Darkness") - aber die sofortige Rückmeldung eines Telefons gibt dem Horror noch mal eine andere Qualität.

    Adele Spitzeder: eine mittellose Schauspielerin um 1870 in München, die aus dem Nichts mit einem Schneeballsystem (zumindest kurzzeitig) eine erfolgreiche Bank aufbaut. So weit die Fakten und ich gebe zu das ist noch kein kosmischer Horror - aber was wenn sie unnatürliche Magie benutzt hätte, um ihrem Kunden und die Öffentlichkeit zu verblenden ...

    https://www.zeitsprung.fm/podcast/zs112/

    In der "Vereinszeitung" einer Gruppe von Satanisten Magiern der Linken Hand ist ein interssanter Artikel mit Bezug zu Lovecraft erschienen.

    Der Lovecraft-Mythos wird ja immer wieder von "echten" Okkuktisten aufgegriffen - und dabei drängt sich natürlich die Frage auf wie man ernsthaft Wesenheiten anrufen kann, die bekannterweise von einem übezeugten Materialisten und Atheisten als Fiktion geschaffen wurden. Dieser Artikel zeigt einen in meinen Augen sehr interessanten Ansatz einer "Apologetik" des Lovecraft-benutzenden Okkultismus:

    Zitat

    Lovecraft carries an atmosphere of those like Crowley, Grant, Levenda, Aquino, and LaVey, but also shows the fear and ignorance of a strict Christian pastor. In other words, when Lovecraft describes hideous rituals, grotesque beings, and gory sights, it should be seen as something similar to the description of the Satanic Ritual Abuse scandals from the 1980’s.

    Hier der Link zum Magazin. Der Artikel zu Lovecraft beginnt auf Seite 17: http://orderoftheserpent.org/data/star/The_…ar_Volume_3.pdf