In sehr elementaren Strukturen vergleichbar, aber in der Konsequenz irreführend und nicht gleichsetzbar. Welche "Sache" (um mal dieses Wort weiterhin zu nutzen) verfolgen denn Abenteuerschreiber, Filmemacher und Hörspielregisseure, wenn sie ihre Kunst machen? Da werden Lovecrafts Themen in einem kulturellen Kontext aufgenommen, um sie weiterzuverarbeiten. Verfolgen diese Leute dann ein irgendwie geartetes Anliegen? Suchen Sie, ihre "Sache" mit Argumenten via Lovecraft zu untermauern? Sie wollen ja niemanden agitieren, sondern eben Kunst machen. Du könntest natürlich ewtaige dahinterstehende Leute nennen, die Profit machen wollen, aber auch das kann kaum gleichgesetzt werden mit einer "Sache" im Sinne der Zielrichtung von eben einer gesellschaftlich-politisch-wissenschaftliche Inhalte implizierenden Bewegung wie der Prä-Astronautik.
Ich lese heraus dass der relevante Unterschied für dich der zwischen Fiktion (Romane, Filme, Spiele, Kunst) auf der einen Seite und Deutungsanspruch auf die Realität (Verschwörungstheorien, Paleo-Astronautik, Religion, Wissenschaft) auf der anderen Seite liegt. Habe ich dich da richtig verstanden?
Für mich ist dieser Unterschied nicht grundlegender Natur, weiß auch Fiktion immer auch eine Weltanschauung transportiert (Ausführung siehe weiter unten) und weil ich den meisten Lesern unterstelle nicht alles für bare Münze zu nehmen das man ihnen als Wahrheit verkauft (siehe meine Anmerkung zur Postmoderne, Fake News, Alternative Fakten).
Sicherlich ist da ein ähnlicher Effekt beobachtbar, ich persönlich halte von diesen Kulturwaren auch nichts. Aber wiederum ist dies keine "Vereinnahmung", wie ich sie bei der Prä-Astronautik kritisiere.
Warum ist dies keine Vereinnahmung? Weil Plüsch-Cthulhu-Macher nicht behaupten dass Cthulhu wirklich im Pazifik lebt? (das tun die meisten Okkultisten auch nicht, siehe meine Ausführung weiter unten ganz am Ende) Oder übersehe ich etwas anderes das für dich den Unterschied macht?
Als Grundaussage zuzugeben, aber wichtiger sind ja dann die Effekte. Eine Verschwörungstheorie, die sich verbreitet, wird wahrscheinlich erheblichere gesellschaftliche Effekte zeichnen, als beliebte Unterhaltungsliteratur.
Ich glaube Star Wars und Star Trek und Herr der Ringe haben (jedes für sich allein genommen) einen deutlich größeren gesellschaftlichen Effekt als es die Prä-Astronautik hat.
Lovecraft als mechanistischer Materialist hätte so immer argumentiert. Ob die Prä-Astronautik dies auch tut, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Bei der Fülle an naturwissenschaftlich sehr zweifelhaften Inhalten wäre das eigentlich eine Überraschung. Oder man rationalisiert es, indem man einfach behauptet, dass die "Schulwissenschaft" da eben noch nicht weit genug ist oder so etwas.
Meines Wissens ja. Die Prä-Astronautik ist sicherlich in ihren Details wissenschaftlich nicht haltbar, aber in der Grundüberzeugung ist sie "Wissenschaftsgläubig" (weil sie eben alles mit extrem fortschrittlicher Technologie zu erklären versucht - und nicht etwa mit göttlicher Intervention).
Siehe oben. Aus welcher "Rolle" soll er denn fallen?
Ich meine Lovecrafts "Rolle" als mechaistischer Materialist, analog zu Däniken's "Rolle" als Prä-Astronautiker. Ich verwende das Wort "Rolle" statt "Überzeugung", weil es für meinen Gedankengang ehre darauf ankommt welche Position sie nach außen vertreten und welche Wirkung sie damit auf ihr Publikum haben, nicht welche Position sie innen wirklich haben (nicht dass ich bei Lovecraft zweifeln würde dass die beiden nicht übereinstimmen, aber bei Däniken zweifle ich schon).
Ich verstehe gerade nicht, worauf du hinaus willst. Die Prä-Astronautiker, die sich auf HPL beziehen, nutzen doch nicht seine persönliche Argumentation, die er im Leben äußerte. Es geht ja um die Inhalte der Geschichten. Ich glaube, du würfelst da gerade etwas durcheinander, oder ich verstehe dich nicht.
Auch wenn Lovecraft ein Romancier ist und nie vorgibt etwas anderes zu sein, so sind seine Werke doch wirkmächtig, indem sie dazu beitragen seine Sicht auf die Welt in den Köpfen der Menschen zu verankern.
Wenn Lovecrafts Werk als Literatur rezipiert wird, dann wird der geneigte Leser wohl eher nicht daran glauben dass in einer versunkenen Stadt im Pazifik oder unter dem Eis des Südpols uralte außerirdische Kreaturen verborgen sind (und insofern verstehe ich wo du den Unterschied zu Däniken siehst). Aber die Rezeption von Lovecrafts Werk wird sehr wohl die Idee des mechanistischen Materialismus in den Köpfen der Leute verfestigen.
Wenn Lovecraft übersinnliche Wesenheit kanalisiert hat, dann gibt es diese doch in dieser Sicht und damit hat er sie dann ja den Tatsachen entsprechend beschrieben, oder?
Jein ...
Ja, hätte er. Aber dann hätte er ja gelogen als er behauptet hätte ein mechanistischer Materialist zu sein - und das wäre dann in der Tat eine Unterstellung seitens der Okkultisten, die ich ihnen auch als Instrumentalisierung übel nehmen würde.
Es gibt nach meinem Verständnis drei verschiedene Ansätze mit denen sich Okkultisten auf Lovecraft beziehen:
- Trittbrettfahrer: in der Zeit vor dem Internet ist jemand auf die tolle Idee gekommen ein "echtes" okkultes Nekronomikon zu schreiben. Gutes Marketing, weil Leute die sich für Okkultismus interessieren mit Lovecrafts Werk direkt oder über Umwege in Kontakt gekommen sind, dachten das wäre ein echtes böses okkultes Buch - und danach gesucht haben. Dieses Trittbrettfahrertum mag moralisch zweifelhaft sein (aber aus anderen Gründen als wir hier diskutieren), aber die Welle auf der die Trittbrettfahrer hier reiten wurde von Lovecraft selbst generiert, weil er in seinem Werk echte mythologische Zitate mit seinen eigenen Erfindungen mischt.
- Chaosmagier: eine postmoderne Strömung der Magie die keinen grundsätzlichen Unterschied sehen ob sie Satan anrufen oder Mickey Maus. Der Cthulhu-Mythos war bei denen mal eine Weile beliebt, aber sie haben nie abgestritten dass es Fiktion ist. Chaosmagier glauben (stark vereinfacht gesagt - ich hoffe kein Chaosmagier fühlt sich jetzt davon auf den Schlips getreten) dass man sich in eine beliebige Fiktion hereinsteigern kann und trotzdem einen vergleichbaren Effekt erzielen kann als wenn man eine "reale" (historisch überlieferte) Wesenheit anruft.
- Dann gibt es noch die Apologetik, auf die ich mich oben bezogen haben (und zu der ich vor einer Weile schon mal einen Link im Forum gepostet habe): Okkultisten die glauben dass es tatsächlich Wesenheiten gibt die den Wesenheiten entsprechen die Lovecraft beschrieben hat. Sie behaupten aber weder dass Lovecrafts Geschichten Tatsachenberichte wären, noch dass Lovecraft als "Prophet" oder "williges Medium" deren Botschaft niedergeschrieben hätte. Vielmehr behaupten sie dass etwas Lovecraft unbewusst und unwissentlich beeinflusst hat (je nach Modell kann dieses etwas entweder ein psychologischer Archetyp sein der uns allen innewohnt, oder aber eine Wesenheit analog zur fiktiven Handlung am Anfang von Lovecrafts Call of Cthulhu). Mein Eindruck ist dass hier Lovecrafts Wesenheiten zitiert werden weil diese etwas ausdrücken woran die okkulten Autoren glauben, was sie aber selbst nicht besser ausdrücken können.
Um eine Analogie aus einem anderen Bereich zu bringen: wenn ich "des Kaisers neue Kleider" als Bild bemühe um auf eine Situation zu verweisen in der meiner Meinung nach keiner sich traut die offensichtliche Wahrheit zu sagen (völlig unabhängig davon ob ich damit die Wahrheit sage oder auf gefährliche Weise Fehlinformationen schüre), dann "instrumentalisiere" ich ja nicht Hans Christian Andersen, sondern ich zitiere ihn, um einen Standpunkt anhand einer Analogie zu einem allgemeinbekannten Bild klarzumachen. Ähnlich sehe ich es hier - und ich persönlich finde es adelt Lovecraft sogar in gewisser Weise, dass seine Werke inzwischen ähnliche Allgemeinplätze geworden sind wie Märchen oder Bibel-Zitate. (Auch wenn dieser Erfolg irgendwo auch zweischneidig ist und in gewisser Form den unbefangenen Zugang zum Original-Werk verstellt)