Beiträge von Chris

    Wenn ihr Lust habt, könnte man auch Aufnehmen und als "Werbung" für das neue System veröffentlichen.
    Just sayin'


    Finde ich eine sehr schöne Idee aber fehlt bei einer Rollenspielrunde "nur mit Stimme" nicht ein bißchen was? ICh meine, eine Let`s Play, okay, aber nur anhören? Ich habe keine Ahnung wie bei sowas die Resonanz ist. Wäre natürlich eine coole Werbung...


    Die Idee finde ich super, wenn die Umsetzung entsprechend professionell ist. Bin selbst zum Beispiel leidenschaftlicher Hörer des Glass Cannon Podcast (englisch-sprachiger Pathfinder-RPG Actual Play Podcast). Die verwenden aber auch professionelle Aufnahmetechnik und kommen alle aus der Schauspiel-Branche. Kenne leider keinen zweiten ähnlichen Podcast der an deren Audio-Qualität auch nur annähernd herankommt. Ich höre so etwas auf der Fahrt zur Arbeit. Nur-Audio ist dafür eine Voraussetzung, ebenso dass die Aufnahme klar genug sein muss dass ich der Handlung auch bei lauten Nebengeräuschen noch folgen kann.

    [mention]Christopher[/mention]: Eine Kurzgeschichte von Ruthanna Emrys (Prequel zum Roman) gibt es hier online zu lesen:


    https://www.tor.com/2014/05/14…-of-earth-ruthanna-emrys/


    Im Grunde ist es eine Fortsetzung von The Shadow over Innsmouth, aus Sicht einer der von der Regierung zwangsumgesiedelten Fischmenschen betrachtet.


    Diese Prämisse zeigt meiner Ansicht nach gut, was der oben von [mention]Nils[/mention] verlinkte Artikel als "Counter-Lovecraft" bezeichnet: hier werden Motive von Lovecraft zitiert (Fischmenschen aus Innsmouth), aber die Angst vor dem Unbekannten (für Lovecraft ein Kern seines Verständnis von Horror) ins Gegenteil verkehrt, indem man (politisch korrekt) sich in die Perspektive dieses Unbekannten hineinversetzt: Bei HPL besteht der Horror darin dass der Protagonist herausfindet dass er selbst ein Fischmensch ist. Bei "Counter-Lovecraft" ist die Ausgangsprämisse dass die Protagonistin ein Fischmensch ist und der Horror besteht darin wie schlecht (mit rassistischen Vorurteilen behaftet) die Menschen ihre Art behandeln.


    Ich glaube allerdings nicht dass es einen eigenen Begriff "Counter-Lovecraft" braucht: "Genre-Literatur" hätte es auch getan. Ich habe nicht den Eindruck dass die Autoren hier absichtlich "gegen" Lovecraft schreiben wollen, sondern dass sie schlicht eine politisch korrekte dem Zeitgeist entsprechende Geschichte schreiben wollen, die bekannte und beliebte Motive verwendet (wie Innsmouth, Fischmenschen, Cthulhu), ohne sich über diese oberflächlichen Motive hinaus damit zu beschäftigen wie Horror in Geschichten von HPL funktioniert.

    Persönlich finde ich eine zentrale Tabelle übersichtlicher als die Informationen auf mehrere Stellen Fließtext und eine kleine Tabelle zu verteilen, egal in welchem Abschnitt die Tabelle nun steht. Aber das mag Geschmackssache sein.

    Ich verstehe dein Argument, [mention]Case[/mention]. Trotzdem hätte ich die Regel mit dem Spannen intuitiv auch in dieser Tabelle erwartet, genau wie [mention]jezo[/mention]. Können wir vielleicht die Tabelle umbenennen und darin alle Aktionen sammeln die nötig sind um eine Waffe schussbereit zu machen, egal ob einlegen, spannen, oder nachladen? Oder alternativ gleich eine Liste aller nötigen Aktionen (inklusive schießen) um zum Beispiel unmissverständlich klar zu machen dass „Karabiner spannen“ zwar eine eigene Aktion ist, „Bogen spannen“ aber Teil der Bogen-Schieß-Aktion?

    Zitat aus der letzten Rezension:

    Zitat

    [...]was ihn [gemeint ist Matt Ruff] näher an [...] als an [...] den rassistischen Horror-Meister H.P. Lovecraft rückt. Dessen Erbe huldigt er darin eh nur vordergründig, kehrt es vielmehr gewieft um und subvertiert es so.


    Keine Ahnung was davon wirklich die Ansicht von Mat Ruff ist - und was vom Rezensionsschreiber hineininterpretiert - aber wenn ich das lese dann habe ich definitiv keine Lust mehr auf dieses Buch.

    Lass uns die Debatte hier abbrechen. Wir entfernen uns immer weiter vom ursprünglichen Thema und auch vom Bezug zu Lovecraft. Vielen Dank noch mal für den ausführlichen Austausch bis hierhin, ich denke ich kann deinen Standpunkt jetzt ein Stück weit besser verstehen und nachvollziehen.


    Zwei Dinge will ich abschließend noch richtigstellen, bei denen ich mich falsch wiedergegeben fühle. Ich versuche mich kurz zu fassen:

    • Politische Fake News sind ein Phänomen der Gegenwart (Tatsachenbehauptung, keine Wertung). Ich halte sie für wesentlich gefährlicher als die Prä-Astronautik (meine persönliche Wertung). Insbesondere hoffe ich dass ein kritischer Medienkonsument, wenn er in der Lage ist Fake News korrekt einzuordnen, erst recht in der Lage sein sollte Prä-Astronautik korrekt einzuordnen (unbegründete Unterstellung meinerseits).
    • Fiktion hat eine Wirkung gerade wenn sie nicht für wahr gehalten wird: einerseits transportiert sie Ideen und Werte (leichter verdaulich gerade weil sie an einer fiktiven Analogie erklärt werden), anderseits ist Fandom und Nerd-Kultur an sich ein kulturelles Phänomen (erwachsene Menschen die Zeit, Energie und Herzblut in etwas investieren, von dem sie wissen dass es fiktiv ist, anstatt zum Beispiel in Politik, Religion oder Beruf). Ich halte diese unterschwellige und unbewusste Wirkung von Fiktion für andersartig, aber mindestens genauso stark wie die Wirkung von Tatsachenbehauptungen (und glaube dass das auch durch psychologische Forschung belegt ist).


    Um zum ursprünglichen Thema zurück zu kommen, hier noch ein Video welches die Entwicklung von Lovecraft zu Ancient Aliens kurz zusammenfasst:


    Täuscht der Eindruck, oder werden hier momentan alle Beiträge von rsp-blogs.de ins Forum gestellt? Ich sehe gerade ziemlich viele Beiträge ohne erkennbaren Cthulhu-Bezug.

    Den aktuellen Umgang des Vereins und seiner Mitglieder mit der Thematik empfinde ich als angemessen und gut.


    Ich persönlich wäre sehr traurig darüber, wenn der Verein sich genötigt sähe, eine öffizielle Stellungnahme zum Thema Rassismus abzugeben, egal ob bezüglich der Einstellung seiner Mitglieder (etwa in der Art "Rassisten und AfD-Wähler sind in der dLG nicht willkommen") oder bezüglich der Einstellung von Lovecraft (weder in Form einer pauschalen Distanziuerung oder Entschuldigung, noch in Form einer "offiziellen" Deutung die die aktuellen pluralistischen Deutungsversuche ablöst).


    Ich bin für einen Verein der für alle offen steht die sich mit Lovecraft und kosmischem Horror interessieren und sich darüber in respektvoller Weise austauschen wollen, ungeachtet welcher Herkunft oder welcher (politischer) Überzeugung sie sind. Und bisher nehme ich den Verein genau als solches wahr.

    Hast du das Buch selbst schon gelesen, [mention]Nils[/mention]? Handelt es "nur" vom menschlichen Horror des alltäglichen Rassismus, oder hat es auch übernatürliche Elemente? Worin genau besteht die Analogie zu Lovecraft, wenn es schon "ohne Tintenfischgesichter" ist?

    PS: ich bin oben recht konkret auf Lovecraft-Bezüge in der Esoterik eingegangen - und weniger konkret auf Lovecraft-Bezüge in der Prä-Astronautik, vor allem deshalb weil ich mich mit letzeren nicht wirklich gut auskenne.


    Ich gehe davon aus (und habe auch den oben verlinkten Artikel so verstanden) dass die Prä-Astronautiker dieselben Motive verwenden die auch Lovecraft verwendet (eben Ancient Aliens), aber dass kein Prä-Astronautiker versucht die Werke von Lovecraft als Tatsachenberichte umzuinterpretieren, oder irre ich mich da? (Die "Beweise" der Prä-Astronautiker sind Nazca-Linien, Pyramiden und bildliche Darstellungen die entfernt wie Fluggeräte aussehen ... aber zum Beispiel eben nicht eine versunkene Stadt im Pazifik namens R’lyeh)


    In sehr elementaren Strukturen vergleichbar, aber in der Konsequenz irreführend und nicht gleichsetzbar. Welche "Sache" (um mal dieses Wort weiterhin zu nutzen) verfolgen denn Abenteuerschreiber, Filmemacher und Hörspielregisseure, wenn sie ihre Kunst machen? Da werden Lovecrafts Themen in einem kulturellen Kontext aufgenommen, um sie weiterzuverarbeiten. Verfolgen diese Leute dann ein irgendwie geartetes Anliegen? Suchen Sie, ihre "Sache" mit Argumenten via Lovecraft zu untermauern? Sie wollen ja niemanden agitieren, sondern eben Kunst machen. Du könntest natürlich ewtaige dahinterstehende Leute nennen, die Profit machen wollen, aber auch das kann kaum gleichgesetzt werden mit einer "Sache" im Sinne der Zielrichtung von eben einer gesellschaftlich-politisch-wissenschaftliche Inhalte implizierenden Bewegung wie der Prä-Astronautik.


    Ich lese heraus dass der relevante Unterschied für dich der zwischen Fiktion (Romane, Filme, Spiele, Kunst) auf der einen Seite und Deutungsanspruch auf die Realität (Verschwörungstheorien, Paleo-Astronautik, Religion, Wissenschaft) auf der anderen Seite liegt. Habe ich dich da richtig verstanden?


    Für mich ist dieser Unterschied nicht grundlegender Natur, weiß auch Fiktion immer auch eine Weltanschauung transportiert (Ausführung siehe weiter unten) und weil ich den meisten Lesern unterstelle nicht alles für bare Münze zu nehmen das man ihnen als Wahrheit verkauft (siehe meine Anmerkung zur Postmoderne, Fake News, Alternative Fakten).


    Sicherlich ist da ein ähnlicher Effekt beobachtbar, ich persönlich halte von diesen Kulturwaren auch nichts. Aber wiederum ist dies keine "Vereinnahmung", wie ich sie bei der Prä-Astronautik kritisiere.


    Warum ist dies keine Vereinnahmung? Weil Plüsch-Cthulhu-Macher nicht behaupten dass Cthulhu wirklich im Pazifik lebt? (das tun die meisten Okkultisten auch nicht, siehe meine Ausführung weiter unten ganz am Ende) Oder übersehe ich etwas anderes das für dich den Unterschied macht?


    Als Grundaussage zuzugeben, aber wichtiger sind ja dann die Effekte. Eine Verschwörungstheorie, die sich verbreitet, wird wahrscheinlich erheblichere gesellschaftliche Effekte zeichnen, als beliebte Unterhaltungsliteratur.


    Ich glaube Star Wars und Star Trek und Herr der Ringe haben (jedes für sich allein genommen) einen deutlich größeren gesellschaftlichen Effekt als es die Prä-Astronautik hat.


    Lovecraft als mechanistischer Materialist hätte so immer argumentiert. Ob die Prä-Astronautik dies auch tut, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Bei der Fülle an naturwissenschaftlich sehr zweifelhaften Inhalten wäre das eigentlich eine Überraschung. Oder man rationalisiert es, indem man einfach behauptet, dass die "Schulwissenschaft" da eben noch nicht weit genug ist oder so etwas.


    Meines Wissens ja. Die Prä-Astronautik ist sicherlich in ihren Details wissenschaftlich nicht haltbar, aber in der Grundüberzeugung ist sie "Wissenschaftsgläubig" (weil sie eben alles mit extrem fortschrittlicher Technologie zu erklären versucht - und nicht etwa mit göttlicher Intervention).


    Siehe oben. Aus welcher "Rolle" soll er denn fallen?


    Ich meine Lovecrafts "Rolle" als mechaistischer Materialist, analog zu Däniken's "Rolle" als Prä-Astronautiker. Ich verwende das Wort "Rolle" statt "Überzeugung", weil es für meinen Gedankengang ehre darauf ankommt welche Position sie nach außen vertreten und welche Wirkung sie damit auf ihr Publikum haben, nicht welche Position sie innen wirklich haben (nicht dass ich bei Lovecraft zweifeln würde dass die beiden nicht übereinstimmen, aber bei Däniken zweifle ich schon).


    Ich verstehe gerade nicht, worauf du hinaus willst. Die Prä-Astronautiker, die sich auf HPL beziehen, nutzen doch nicht seine persönliche Argumentation, die er im Leben äußerte. Es geht ja um die Inhalte der Geschichten. Ich glaube, du würfelst da gerade etwas durcheinander, oder ich verstehe dich nicht.


    Auch wenn Lovecraft ein Romancier ist und nie vorgibt etwas anderes zu sein, so sind seine Werke doch wirkmächtig, indem sie dazu beitragen seine Sicht auf die Welt in den Köpfen der Menschen zu verankern.


    Wenn Lovecrafts Werk als Literatur rezipiert wird, dann wird der geneigte Leser wohl eher nicht daran glauben dass in einer versunkenen Stadt im Pazifik oder unter dem Eis des Südpols uralte außerirdische Kreaturen verborgen sind (und insofern verstehe ich wo du den Unterschied zu Däniken siehst). Aber die Rezeption von Lovecrafts Werk wird sehr wohl die Idee des mechanistischen Materialismus in den Köpfen der Leute verfestigen.


    Wenn Lovecraft übersinnliche Wesenheit kanalisiert hat, dann gibt es diese doch in dieser Sicht und damit hat er sie dann ja den Tatsachen entsprechend beschrieben, oder?


    Jein ...
    Ja, hätte er. Aber dann hätte er ja gelogen als er behauptet hätte ein mechanistischer Materialist zu sein - und das wäre dann in der Tat eine Unterstellung seitens der Okkultisten, die ich ihnen auch als Instrumentalisierung übel nehmen würde.


    Es gibt nach meinem Verständnis drei verschiedene Ansätze mit denen sich Okkultisten auf Lovecraft beziehen:

    • Trittbrettfahrer: in der Zeit vor dem Internet ist jemand auf die tolle Idee gekommen ein "echtes" okkultes Nekronomikon zu schreiben. Gutes Marketing, weil Leute die sich für Okkultismus interessieren mit Lovecrafts Werk direkt oder über Umwege in Kontakt gekommen sind, dachten das wäre ein echtes böses okkultes Buch - und danach gesucht haben. Dieses Trittbrettfahrertum mag moralisch zweifelhaft sein (aber aus anderen Gründen als wir hier diskutieren), aber die Welle auf der die Trittbrettfahrer hier reiten wurde von Lovecraft selbst generiert, weil er in seinem Werk echte mythologische Zitate mit seinen eigenen Erfindungen mischt.
    • Chaosmagier: eine postmoderne Strömung der Magie die keinen grundsätzlichen Unterschied sehen ob sie Satan anrufen oder Mickey Maus. Der Cthulhu-Mythos war bei denen mal eine Weile beliebt, aber sie haben nie abgestritten dass es Fiktion ist. Chaosmagier glauben (stark vereinfacht gesagt - ich hoffe kein Chaosmagier fühlt sich jetzt davon auf den Schlips getreten) dass man sich in eine beliebige Fiktion hereinsteigern kann und trotzdem einen vergleichbaren Effekt erzielen kann als wenn man eine "reale" (historisch überlieferte) Wesenheit anruft.
    • Dann gibt es noch die Apologetik, auf die ich mich oben bezogen haben (und zu der ich vor einer Weile schon mal einen Link im Forum gepostet habe): Okkultisten die glauben dass es tatsächlich Wesenheiten gibt die den Wesenheiten entsprechen die Lovecraft beschrieben hat. Sie behaupten aber weder dass Lovecrafts Geschichten Tatsachenberichte wären, noch dass Lovecraft als "Prophet" oder "williges Medium" deren Botschaft niedergeschrieben hätte. Vielmehr behaupten sie dass etwas Lovecraft unbewusst und unwissentlich beeinflusst hat (je nach Modell kann dieses etwas entweder ein psychologischer Archetyp sein der uns allen innewohnt, oder aber eine Wesenheit analog zur fiktiven Handlung am Anfang von Lovecrafts Call of Cthulhu). Mein Eindruck ist dass hier Lovecrafts Wesenheiten zitiert werden weil diese etwas ausdrücken woran die okkulten Autoren glauben, was sie aber selbst nicht besser ausdrücken können.


    Um eine Analogie aus einem anderen Bereich zu bringen: wenn ich "des Kaisers neue Kleider" als Bild bemühe um auf eine Situation zu verweisen in der meiner Meinung nach keiner sich traut die offensichtliche Wahrheit zu sagen (völlig unabhängig davon ob ich damit die Wahrheit sage oder auf gefährliche Weise Fehlinformationen schüre), dann "instrumentalisiere" ich ja nicht Hans Christian Andersen, sondern ich zitiere ihn, um einen Standpunkt anhand einer Analogie zu einem allgemeinbekannten Bild klarzumachen. Ähnlich sehe ich es hier - und ich persönlich finde es adelt Lovecraft sogar in gewisser Weise, dass seine Werke inzwischen ähnliche Allgemeinplätze geworden sind wie Märchen oder Bibel-Zitate. (Auch wenn dieser Erfolg irgendwo auch zweischneidig ist und in gewisser Form den unbefangenen Zugang zum Original-Werk verstellt)

    Danke für deine ausführliche Antwort.

    Vereinnahmung finde ich grundsätzlich ärgerlich. Sich aus einem toten Autor einen Gewährsmann für seine Sache zu schneidern, ist unredlich und es verstellt unter Umständen den Zugang zu Person und Werk.


    Ist es wirklich die Vereinnahmung als solche die dich ärgert - oder die Vereinnahmung für eine Sache die du nicht gutheißt?


    Die Rollenspieler vereinnahmen Lovecraft ja auch für ihre Sache. Die Film- und Hörspiel-Industrie vereinnahmt Lovecraft für ihre Sache (und das ist etwas wogegen sich Lovecraft zu Lebzeiten explizit ausgesprochen hat). Cthulhu-Plüschtiere vereinnahmen Lovecrafts Werk für sich. Und die verstellen auch den Zugang zu Person und Werk (es gibt ja eine Debatte dass die Präsenz in der Popkultur den unassprechlichen Horror trivialisieren würde). Gehe ich trotzdem recht in der Annahme dass diese Art der Vereinnahmung durch die Pop- und Nerd-Kultur für dich nicht dieselbe Art von Ärgernis darstellt?

    Du tust wieder so, als sei Prä-Astronautik einfach ein literarisches Genre. Das ist es nicht, das würde auch von Däniken rigoros bestreiten, gemessen an seinen Interviewaussagen. Deine Ansicht hier ist bestätigend in der Hinsicht, dass so durch die Vereinnahmung eines Autors durch die Prä-Ast. eine Form der Selbstlegitimierung betrieben wird.


    Ja, natürlich, er fällt nie aus der Rolle. Aber in Zeiten von alternativen Fakten und Fake News halte ich alternative Theorien zur Früh- und Vorgeschichte für vergleichsweise harmlos (verglichen mit anderen Themen über deren Deutungshoheit im Moment gestritten wird). Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu abgestumpft durch die Postmoderne in meinem Bezug zur Wahrheit.


    Sowohl Unterhaltungliteratur als auch Verschwörungstheorien sind ein Ausdruck einer Befindlichkeit, einer Sichtweise auf die Realität die aus ihrem kulturellen Kontext entsteht. So vertreten sowohl Lovecraft als auch die Prä-Astronautiker die Überzeugung dass alles "übernatürliche" sich auf Wissenschaft oder Technologie zurückführen lässt. Und zumindest bei dieser Aussage kann man unterstellen dass auch Lovecraft sie ernstaft vertreten hat und nie aus der Rolle gefallen ist. Und weil Lovecraft diese Position ernsthaft vertreten hat, halte ich es auch für statthaft und angemessen wenn jemand sich auf einer philosophischen Ebene darauf bezieht oder ein Gegenargument aufstellt. Wie zum Beispiel Okkultisten und Esoteriker die behaupten dass Lovecraft in seiner Literatur unbeabsichtigt und unbewusst Archetypen oder übersinnliche Wesenheiten kanalisiert hat (sieh behaupten ja gerade nicht dass Lovecraft-sche Werke Tatsachenbereichte wären). Ihre Sichtweisen muss man nicht teilen, aber ich finde man kann sich (als philosophisches Gedankenexperiment) darauf einlassen ihre innere Logik zu verstehen.

    An sich ein ärgerliches Thema, mit dem man sich als Lovecraftian immer mal wieder herumschlagen muss: Lovecrafts Vereinnahmung durch Ancient-Aliens-Jünger und esoterische Atlantis-Menschen etc.


    Warum empfindest du das als ärgerlich?


    Ich kann verstehen dass jemand nichts Prä-Astronautik und Esoterik nichts übrig hat, weil das den eigenen Überzeugungen nach entweder gotteslästerlich oder unwissenschaftlich ist. Aber warum empfindest du die "Vereinnahmung" von Lovecraft in diesem Zusammehnang als besonders "ärgerliches Thema"? Lovecraft selbst hatte ja durchaus Interesse an diesen Themen. Daran geglaubt hat er natürlich nicht, aber er hat sich damit beschäftigt - und er hat in seinen literarischen Werken kräftig daraus zitiert und die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischt. Wenn nun die Prä-Astronautik und Esoterik ihrerseits wiederum Lovecraft zitiert, dann halte ich das auf der einen Seite nur für fair - und auf der anderen Seite auch irgendwie für unterhaltsam.


    Ich meine: was unterscheidet zum Beispiel einen Erich von Däniken fundamental von einem H. P. Lovecraft? Beide sind Autoren von Prä-Astronautik-Schundliteratur, beide spielen damit dass ihre Werke Tatsachenberichte sein könnten, beide finde ich (vielleicht gerade deswegen) unterhaltsam.

    Wird es demnächst einen offiziellen Startschuss für FHTAGN geben, im Sinne von "Das FHTAGN Grundregelwerk ist jetzt fertig und wird heute veröffentlicht".


    Ich persönlich beobachte die Entwicklung von FHTAGN mit großem Interesse. Momentan habe ich allerdings noch den Eindruck dass sich das Regelwerk noch mitten in der Entwicklung befindet: es gab eine recht große Ankündigung als das FHTAGN-Projekt vorgestellt wurde, seitdem wird das Regelwerk von fleißigen Freiwilligen aktiv erweitert und umgeschrieben. Das (zusammen mit der Tatsache das das PDF-Regelwerk bei jedem Download aus der in Arbeit befindlichen Wiki-Version generiert wird) erzeugt bei mir den Eindruck dass FHTAGN heute noch eine "Beta-Version" ist. Also warte ich geduldig und voller Vorfreude auf die Veröffentlichung von "FHTAGN erste Edition" :tuuluu: ... und spiele in der Zwischenzeit eben andere Rollenspiele.


    Für mich ist das auch voll okay so ... aber letztes Wochenende hatte ich eine Unterhaltung mit [mention]Dark_Pharaoh[/mention] und [mention]POWAQQATSI[/mention], in der es unter Anderem um die aktive Beteiligung der Mitglieder im Verein und um die Mangelnde Rezeption von FHTAGN ging. In diesem Zusammehnang möchte ich hier einfach mal folgende These in den Raum stellen:


    Wenn wir das FHTAGN-Regelwerk in einer abgeschlossenen Version veröffentlichen, dann wird es auch mehr bespielt werden und Feedback erhalten wahrgenommen werden. Ob wir das jetzt "Erste Edition" oder "Playtest" nennen halte ich für egal, solange klar ist dass das ein Stand ist den wir für spielbar und stabil halten. Ein interessierter potenzieller Neu-Spieler sollte zuerst diese stabile Version zu sehen bekommen. Die ständig in Arbeit befindliche Wiki-Version ist für Freiwillige die mithelfen wollen.

    Hier noch eine Kurzgeschichte zum Lesen (Reisebericht?), sowie eine Fernseh-Verfilmung einer anderen Geschichte von Robert Aickman (beide in englisch):


    http://tinhouse.com/the-fully-conducted-tour/




    Danke [mention]Nils[/mention] - durch deinen Beitrag hier habe ich zum ersten Mal von Robert Aickman gehört - und war sofort von ihm begeistert.
    Die Kombination von Unheimlichkeit mit einem Anflug von britsichem Humor gefällt mir sehr.

    Ich würde die frühe Neuzeit auch bis ca. 1800 ansetzen; danach eine Epoche "(klassische) Moderne" von 1800 bis 1940er; und dann "Postmoderne" von 1940er bis zur Gegenwart. "Industrielle Revolution" wäre dann ein "Setting" innerhalb der Moderne. Es ist zwar ein großer technologischer Unterschied zwischen beginnender industrieller Revolution und Ende des zweiten Weltkriegs - aber die Übergänge dazwischen kommen mir so fließend vor dass es mir schwer fällt da eine harte Epochengrenze einzuziehen.


    Das Ganze hätte dann nur den Schönheitsfehler dass das "Setting" namens "Moderne" (also die Gegenwart) nicht in der Epoche "Moderne" liegt.