Upton Abbey
Die Dienerschaft des Hauses Upton erlebt einen Schicksalsschlag nach dem nächsten, nachdem ein freudiges Weihnachtsfest die Familie erschüttert. Doch es kommt noch schlimmer.
Originalspielbericht
Die Charaktere
Theobald Wallace: Schon seit vielen Jahren der Butler der Familie. Der Ruhepol der Bediensteten, auch wenn ihm das aufgrund der angespannten finanziellen Lage nicht immer leichtfällt.
Frederic Sterling: Lord Percivals Sekretär. Der Sparfuchs kümmert sich vor allem darum, dass das Hause Upton nicht dem finanziellen Ruin anheimfällt.
Charles Fauntleroy: Der persönliche Kammerdiener des Lords und eine Vertrauensperson für ihn. Niemand der Bediensteten steht Lord Percival näher.
Gerty Hastings: Ein junges Dienstmädchen, das stolz darauf ist, einem so hohen Hause zu dienen. Sie ist für die Verteilung der Hauspost zuständig.
Ben Cobb: Der Stallbursche kümmert sich um die Pferde und den Hund des Lords. Er steht der Tochter des Lords am nächsten, da sie ebenfalls gerne Zeit bei ihrem Pferd Butterblümchen verbringt.
Die Geschichte
Prolog – Dezember 1912
Die Familie Upton, bestehend aus der 90jährigen Lady Cassandra, ihrem Sohn Lord Percival, dessen 50jährige Frau Margaret und der gemeinsamen, 14jährigen Tochter Clara, bereitet sich auf das Weihnachtsfest vor. Die Aufregung ist groß, denn sämtliche Lords und Earls der Umgebung sind eingeladen, daher muss alles tiptop sein. Ein weiterer Grund zur Freude ist die Schwangerschaft der Lady, welche sich heute aber schon den ganzen Tag über nicht besonders gut fühlt. Und Cassandra tadelt die Dienerschaft an diesem Tag natürlich besonders streng, denn alles muss perfekt sein.
Auch die Dienerschaft ist aufgeregt. Ein Hausmädchen hat vor lauter Panik einen Topf umgeworfen, woraufhin in der Küche absolutes Chaos ausbricht. Der tumbe Gärtner fragt dauernd nach neuen Anweisungen und warnt vor einem Unwetter. Und der Herr des Hauses zieht sich etwa jede Stunde um, weil er nicht sicher ist, was am besten aussieht.
Hinter der Kulisse des Prunks ist es allerdings eher schlecht um die Finanzen des Haushaltes bestellt. Doch zu Weihnachten will sich Percival darum keine Gedanken machen, schließlich muss seine Familie ihr Gesicht bewahren. Clara ist fast noch aufgeregter wie ihr Vater und traut sich kaum, ihr Zimmer zu verlassen, aus Angst, nicht gut genug auszusehen. Dann wird das Weihnachtsmenü einmal vorgekostet. Die schwangere Margaret, der es schon den ganzen Tag nicht so gut geht, bekommt plötzlich heftige Krämpfe. Dann hört man etwas Nasses zu Boden platschen, Blut spritzt zu Boden und Margaret fällt hin. Selbst die Hebamme gerät in Panik. Etwas stimmt nicht und zwar gewaltig.
Alle geraten in Panik und rufen nach einem Arzt, während draußen heftiger Platzregen einsetzt. Einer der Diener reitet trotz des Wetters sofort los, um den Arzt zu holen. Und zu allem Überfluss klingelt auch noch der Fernsprechapparat. Mehrere der Gäste sagen aufgrund des schlechten Wetters ab. Und dann ersterben Margarets Schreie. Sie und ihr Sohn sind bei der Geburt verstorben.
Trauer
9 Monate vergehen. Düstere Stimmung legt sich in dieser Zeit über das Anwesen. Es gibt etliche Entlassungen. Clara versinkt in Trauer. Cassandra hat stark abgebaut und sitzt mittlerweile im Rollstuhl, wo sie den ganzen Tag nur zetert und schimpft. Die Dienerschaft versucht, sie abzufüllen, damit sie erträglicher wird. Die Köchin möchte mit den anderen verbliebenen Bediensteten privat sprechen, da sie mit der Situation unzufrieden ist, aber nicht weiß, wie man sie ändern könnte.
Der Butler treibt ihr diese Idee jedoch aus. Stattdessen wendet er sich an Sterling, um diesen dazu zu bringen, etwas mehr Geld für gutes Essen herauszurücken, da er hofft, dass dies den Gemütszustand des Lords und seiner Tochter heben könnte. Der Stallbursche schafft es schließlich, Clara zu einem Ausritt zu überreden, nachdem sie ähnlich wie ihr Vater fast den ganzen Tag im Bett verbracht hat.
In einer privaten Besprechung des Lords, Butlers und Sekretärs erklärt letzterer, dass unerklärlicherweise 500 Pfund aus der Kasse fehlen und er keine Ahnung hat, was damit passiert ist. Und außer dem Lord und ihm weiß niemand, wo das Geld gelagert wird. Der Schock sitzt tief. Nahezu zeitgleich bemerken die Frauen, dass in der Küche Vorräte fehlen, die am Vortag noch dagewesen sind. Ob sich die Köchin daran bedient hat?
Verdachtsfälle
Beim Ausritt versucht der Stallbursche, Clara zum Essen zu bewegen, doch sie meint, alles sei hoffnungslos und sie brauche nichts mehr. Als der Mann erwähnt, dass sie doch noch ihren Vater habe, schluchzt sie und lässt sich vornüber in den Teich fallen. Er fängt sie auf und bringt sie zurück nach Hause, ist aber spürbar verstört über den Vorfall.
Der Butler geht später noch einmal die Rechnungen und Vorräte durch. Ihm drängt sich der Verdacht auf, dass eine Person mehr mitisst, als berechnet wird. Als er nachfragt, ob Clara eventuell Zusatzrationen erhält, huscht eine seltsame Regung über das Gesicht der Zofe, die er jedoch nicht deuten kann.
Eines der Hausmädchen schiebt Nachtwache, um zu sehen, ob sich vielleicht jemand heimlich nachts an der Vorratskammer bedient, stellt aber nichts Auffälliges dabei fest. Und der misstrauische Butler hilft morgens ebenfalls in der Küche aus, um zu sehen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Unerwarteterweise ist der Lord an diesem Morgen auch früh auf und wünscht, die Bande des Hauses zu stärken, indem endlich wieder alle miteinander speisen. Nur der Gärtner und Lady Clara sind nicht anwesend.
Der nächste Schock
Da der Lord für dieses Frühstück auch die Anwesenheit seiner Tochter wünscht, gehen ein paar Diener sie holen, finden sie jedoch erhängt an ihrem Bett vor. Sie ist bereits seit etlichen Stunden tot. Ihr Abschiedsbrief ist kryptisch: „Ich fühle es. Es darf nicht sein. Es muss enden.“
Natürlich ist der gesamte Haushalt entsetzt über Claras plötzlichen Tod. Niemand versteht, warum sie es getan hat. Cassandra schimpft über das Mädchen und dessen tote Mutter, während Percival einmal mehr in tiefster Trauer versinkt. Seine Familie ist am Ende.
Nachdem er und Cassandra endlich auf ihre Zimmer zurückgekehrt sind, setzen sich die Bediensteten zusammen und versuchen, Sinn aus dem Vorfall zu ziehen. Nun erzählt auch endlich die Köchin, dass Clara in letzter Zeit oft nachts in die Küche gekommen ist, um größere Mengen zu essen – teilweise für 2-3 Personen. Das geht allerdings erst seit etwa 2 Wochen so. Die Köchin berichtet auch, dass Clara teilweise Fisch in Marmelade getunkt hat. Als wäre sie schwanger. Wollte sie womöglich ihrem Vater keinen Kummer machen und hat sich deshalb das Leben genommen?
Dann kommt ein furchtbarer Verdacht auf, der ihre seltsame Reaktion auf die Erwähnung ihres Vaters am Vortag erklären könnte: Was, wenn er etwas damit zu tun hatte? Auf der anderen Seite ist Percivals Gesundheitszustand sehr bedenklich und scheint sich in den letzten Wochen verschlechtert zu haben. Ein Dienstmädchen erzählt, dass er neuerdings Briefe ohne Absender bekommt und sie hatte gehofft, dass er vielleicht eine Romanze hat.
Der Fremde
Als man den Gärtner befragt, ob der vielleicht Briefe für den Lord weggebracht hat, kommt stattdessen heraus, dass er einen hochgewachsenen Mann mit Hut und Mantel des nachts durch den Garten schleichen sehen hat. Dieser war bereits mehrmals da und ist immer hinter die Küche gegangen.
Beim Durchsuchen von Claras Zimmer finden die Bediensteten eine lose Bodendiele, in der ein altes Spannbettlaken mit einem verkrusteten Blutfleck darauf ist. Es ist definitiv anders als bei ihrer Monatsblutung und verstärkt den Verdacht, dass sie schwanger gewesen sein könnte. Von dem unheimlichen Fremden?
Am nächsten Morgen findet man frische Spuren im Gras, die von keinem der Anwesenden stammen und auch ein neuer Brief ohne Absender ist da. Dieses Mal liest die Dienerschaft ihn. Es ist ein Drohbrief, indem der unbekannte Schreiber verkündet, Rache zu nehmen. Für was, wird allerdings nicht gesagt.
Man beschließt, Percival den Brief nicht zu geben, um zu sehen, wie er reagiert. Während er frühstückt, sieht man sich in seinem Zimmer um, um nach weiteren dieser Briefe zu suchen. Tatsächlich findet man auch einige, in denen ein Unbekannter in abscheulicher Weise über die aufgehende Frucht – Claras Schwangerschaft – spricht. Dass er es riechen könne beispielsweise und dass der Lord mit seiner Entscheidung leben müsse und bald erlöst würde. Die Diener vermuten, dass Percival aufgrund seiner fortschreitenden Erkrankung sehr darauf erpicht war, einen Stammhalter zu bekommen. Hat er Clara womöglich an diesen Mann verkauft?
Die Antwortbriefe sollte der Lord in das Zimmer seiner verstorbenen Frau bringen, die er seit ihrem Tod verschlossen hält. Allerdings ist es ein Rätsel, wie dieser mysteriöse Mann die Antwortbriefe dort herausgeholt haben soll und vor allem, wie er ungesehen durchs halbe Haus gelaufen sein kann. Als sich die Dienerschaft genauer im Haus umsieht, entdeckt man Hinweise, dass sich die verstorbene Lady Margaret an einen Wunderheiler gewandt hat, der es offenbar auch geschafft hat, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch einmal schwanger werden konnte.
Die Rache beginnt
Beim Rundgang durchs Haus entdecken die Bediensteten, dass mehrere Fenster, die verschlossen sein müssten, heimlich geöffnet worden sind, aber angelehnt wurden, sodass es nicht auf den ersten Blick auffällt. So wäre es ein leichtes für einen Fremden, ins Haus einzusteigen,
Dann stellen sie fest, dass die Küchentür geschlossen und von drinnen ein elendiges Röcheln zu hören ist. Was geht da drin vor? Schnell verschafft sich die Gruppe Zugang zur Küche. Dort sieht man die Köchin am Boden knien, ein Armbrustbolzen steckt in ihrem Hals und die Tür in den Garten steht weit offen. Sofort ist klar: Der mysteriöse Fremde ist hier und er nimmt Rache für Claras Tod.
Eine erhängte Dienstmagd kracht plötzlich durch das Küchenfenster und versetzt die ohnehin schon aufgeregte Gruppe in Panik. Offensichtlich wurde sie aus dem ersten Stock herausgeworfen. Der Mörder oben und könnte es auf den Lord abgesehen haben, also rennt ein Großteil der Dienerschaft los. Nur der Sekretär bleibt vorerst unten, weil er bemerkt, dass der Speiselift nach unten fährt – und dieser ist groß genug, damit eine Person sich darin verstecken könnte.
Den anderen stellt sich derweil Cassandra in den Weg, die wie immer schimpft und zetert und den Weg nach oben verbauen will. Als die Diener versuchen, an ihr vorbeizukommen, rollt sie ihnen entgegen und fällt im Gerangel die Treppe nach unten. Diejenigen, die nach ihr sehen wollen, werden von ihr gebissen und lassen sie schließlich liegen. Und gerade, als sie oben angekommen sind, schlägt unten lautstark die Eingangstür zu.
Absolutes Chaos
Oben ist das Zimmer des Butlers durchwühlt und verwüstet. Von hier baumelt das Seil der erhängten Frau herunter und seine Schrotflinte ist verschwunden. Der Butler befürchtet fast schon, dass der Lord den Verstand verloren haben könnte und für den Mord verantwortlich ist. Als er loslaufen will, um nach Percival zu sehen, öffnet sich eine andere Tür und jemand schießt auf die Diener.
Unten wartet der Sekretär darauf, dass sich die Klappe zum Speiselift öffnet, da er darin den Mörder vermutet. In dem Moment kommt allerdings der Gärtner herein, den die Situation verwirrt und das Türchen einfach selbst aufmacht. Darin liegt nur eine Axt, die der Sekretär sofort an sich nimmt und sich dann auf den Weg zu den anderen macht.
Das Zimmer des Lords ist leer, aber jetzt kann man durch die Verbindungstür ins Zimmer von Lady Margaret, um nach den restlichen Briefen zu sehen. Währenddessen hört man aus dem Zimmer mit der Schrotflinte etwas zu Boden gehen, dann stürmt Percival vollkommen panisch heraus und wirft sich von außen gegen die Tür, um diese zuzuhalten. Er erklärt, der Mann im Mantel wäre darin und versuche, ihn umzubringen.
Schnell merken die Diener jedoch, dass niemand versucht, die Tür zu öffnen und dass der Lord sich nicht mehr dagegendrückt. Stattdessen versucht er, die Bediensteten mit einem Messer abzustechen. Sein Blick ist vollkommen wahnsinnig. Unten will auch der Sekretär nach Cassandra sehen, doch die beißt nach ihm und er trennt ihr mit einem sauberen Axthieb den Kopf ab. Dann hastet er nach oben.
Er kommt gerade rechtzeitig an, um zu sehen, wie die anderen Bediensteten Percival das Lebenslicht ausblasen. Da er keine Ahnung hat, was vorgefallen ist, geht er auf sie los, wird jedoch überwältigt und gefesselt.
Die Wahrheit
In Margaretes Raum riecht es stark nach Kerzenwachs. Der gesamte Raum ist über und über mit seltsamen Zeichen bekritzelt, überall stehen rote und schwarze Kerzen herum. Als erstes findet man die Briefe von Percival, der offensichtlich um jeden Preis eine Heilung von seiner tödlichen Krankheit gesucht hat – und die hat der Fremde ihm angeboten.
Als die Überlebenden jedoch genauer hinsehen, stellen sie fest, dass die Handschrift des Lords und des Fremden sich irgendwie ähneln, nur dass die des Fremden etwas krakeliger ist. Allmählich fügen sich die Puzzleteile zusammen: Ganz offensichtlich war der Lord wahnsinnig, hat sich selbst Briefe geschrieben und seine eigene Tochter geschändet. Das würde auch erklären, warum diese so am Boden zerstört war.
Und dann entdeckt man noch ein okkultes Buch, in dem unter anderem ein Heilungszauber beschrieben wird, für den man einen eigenen Nachkommen, idealerweise ein Neugeborenes, opfern muss. Hier weiß der Stallbursche zu berichten, dass ein todkrankes Pferd auf mysteriöse Weise gesundet ist, nachdem es sein Fohlen auf die Welt gebracht hat und dieses über Nacht einfach verschwunden ist. Offenbar hat der Lord hier den Zauber ausprobiert und es hat funktioniert. Es ging ihm bei Claras Schwangerschaft also nicht um die Erhaltung seiner Blutlinie, sondern um seine eigene Rettung.
Aber das Haus Upton existiert nicht mehr. Die Bediensteten zerstreuen sich, suchen sich neue Arbeit und hoffen, den Schrecken irgendwann hinter sich lassen zu können.
Fazit
Das Szenario lebt vom Charakterspiel und der Interaktion der Bediensteten untereinander. Jeder von ihnen weiß etwas, aber nicht, wie wichtig es sein wird. Besonders der erste Teil des Szenarios besteht hauptsächlich daraus, dass die Charaktere miteinander agieren. Der eigentliche Schrecken beginnt erst richtig im Finale, wenn plötzlich alles aus dem Ruder läuft. Bis dahin ist das Szenario relativ ruhig.
Ich persönlich fand es etwas zu langatmig und unspannend und den Umschwung zum Finale etwas zu plötzlich. Das Charakterspiel hat jedoch sehr viel Spaß gemacht. Besonders die Darstellung des Gärtners war immer wieder erheiternd, da er oft gar nichts gecheckt hat.
Trotz seiner Ruhe ist Upton Abbey nichts für zarte Gemüter, da hier Themen wie Kindstod und Vergewaltigung vorkommen. Wer sich davon abgestoßen fühlt, sollte dem Szenario lieber fernbleiben.