Schreckensherrschaft – Teil 1/3
3.6.1789, Frankreich. Das Volk leidet, während der Adel in seinen Reichtümern schwelgt. Eine Gruppe von Soldaten soll bei der Bestattung von Gebeinen in den Katakomben von Paris Wache stehen, als sich mehrere merkwürdige Vorfälle ereignen.
Originalspielbericht
Die Charaktere
Etienne Babin: 39 Jahre, Regimentszimmermann. Der überzeugte Monarchist hat eine Hand verloren und leistet seitdem nur noch Wach- und Botendienst.
Michel Beaumains: 29 Jahre. Der einfache Soldat sorgt für seinen kränklichen Vater, einen altern Bauern.
Joseph Hugel: 27 Jahre, Marketender. Nachdem Joseph ein Bein verloren hat, ist seine Frau Martine in seine Rolle geschlüpft, um weiterhin Geld zu verdienen. Sie ist eine geschickte Händlerin. Ihre Schwester Therese spielt ihre „Ehefrau“.
Christophe Pressi: 20 Jahre. Der junge Soldat ist ein feuriger Romantiker und führt eine heimliche, verbotene Beziehung mit Melodie, der Tochter von Comte Benoit. Obwohl er aufgrund seiner niederen Herkunft keine Karrie in der Armee machen kann, träumt er davon, einmal Hauptmann zu werden.
Thierry Renault: 24 Jahre, Serjant/Feldwebel. Hätte lieber eine konstitutionelle Monarchie. Liebt seine Ehefrau und seine beiden Töchter abgöttisch.
Jean Dupois: 49 Jahre. Treuer Monarchist und Säufer. Hat seine Ehefrau vor einem Jahr an die Cholera verloren und zieht sich seitdem immer mehr zurück. Bevorzugt die Gesellschaft von Tieren.
Prolog
Das Szenario beginnt mit einem Prolog, der ein Ereignis im Jahr 1794 zeigt: Ein Karren mit Insassen fährt vor, das Volk johlt. Nur ein paar wenige Personen und ein Hund mit schwarzem Ohr, sehen dem ganzen mit Schrecken zu. Ein Mann wird vom Wagen zur Guillotine geführt. Er hält den Kopf hoch erhoben und kniet sich freiwillig hin. Die Menge hält den Atem an.
Die Geschichte
Die Katakomben
Von Hauptmann Malon hat die Gruppe die Aufgabe erhalten, in dieser Nacht die Verladung von Gebeinen in die Katakomben zu bewachen, nachdem es beim letzten Mal einen Angriff gab. Es ist tief in der Nacht. Ein paar Geistliche und der Königliche Leibarzt Dr. Rigault haben die Aufsicht über das Geschehen, doch die Arbeit müssen die bürgerlichen Arbeiter machen, welche durstig sind und um Pausen bitten. Rigault wirkt nervös, kränklich und schwitzt stark.
Unten in den Katakomben glauben die Arbeiter, einen Geist gesehen zu haben und weigern sich, weiterzuarbeiten. Hugel schaut sich um und entdeckt Hundespuren. Während er und Renault nach dem Tier suchen und Dupois die Arbeiter antreibt, bricht oben das Chaos los. Die Kutsche eines Adligen, weiß mit auffällig roter Zierleiste, prescht in rasendem Tempo auf den Gebeinewagen zu. Pressi versucht zwar, das Gefährt aus dem Weg zu schaffen, doch zwei der Arbeiter werden von den Pferden übertrampelt. Er erkennt nur einen seltsamen Kutscher mit fahler Maske und in der Kutsche zwei Damen und einen Mann, der wie das pure Böse aussieht. Sein stechender markanter Blick, bohrt sich in die Seelen der Soldaten.
Der Vorfall sorgt für Chaos, vor allem, da Pressi, vermutlich aufgrund des Schocks, nicht beschreiben kann, wie der Adlige aussah. Unten taucht noch einmal das seltsame Hundewesen auf, zieht sich aber in einen Gang in den Knochen zurück, als auf es angelegt wird. Hugel verschließt das Loch mit den neu angekommenen Gebeinen, so gut es geht.
Der Mord
Nach dieser doch recht ereignisreichen Nacht wünscht sich die Gruppe etwas Schlaf, doch der ist ihr noch nicht gegönnt. Gegen Morgen nähert sich eine Gruppe von Reitern, angeführt von Malon persönlich. Er erklärt, dass ein Drucker ermordet wurde. Da die Polizei höchst korrupt ist, möchte er lieber seine eigenen Männer ermitteln lassen.
Auf dem Weg dorthin kommen die Soldaten an einem Mob vorbei, der sich vor einer Bäckerei versammelt hat. Die Leute haben im Voraus für Brot bezahlt, doch der Bäcker öffnet nicht. Er gibt an, keine Mehllieferung erhalten zu haben. Man handelt aus, dass er der Meute ihr Geld zurückgibt, kümmert sich aber nicht weiter um den Ausgang der Situation.
Vor der Druckerei wartet bereits die aufgelöste Hauswirtin, welche angibt, dass in der Nacht eine weiße Kutsche vor ihrer Tür gehalten habe und ein Adliger sich erkundigt habe, wo der Drucker lebe. Anschließend hörte sie Krachen und Schreie aus dem Nebengebäude, der Druckerei. Die Beschreibung der Kutsche passt auf das Gefährt, welches Pressi gesehen hat und auch die Frau kann sich nicht an das Gesicht des Mannes erinnern. Wie Pressi beschreibt sie ihn als das pure Böse.
Hugel durchsucht die Gassen um das Haus herum und findet ein feines Spitzentaschentuch, auf dem die Initialen M. A. eingestickt sind. Marie Antoinette. Drinnen liegt ein enthaupteter Dobermann, die gesamte Familie des Druckers wurde kopfüber mit aufgeschlitzten Kehlen im Eingang aufgehängt und der Kopf des Hundes liegt mit einem Zettel im Maul auf einem Tisch. Der Zettel ist ein Flugblatt, welches zur Revolution aufruft. Darauf ist mit Blut gedruckt: KENNT EUREN STAND!
Seltsamerweise ist unter den Leichen kaum Blut zu finden. Renault schwant übles und er schaut sich die Druckerpresse an. Darin liegen tatsächlich etliche weitere Flugblätter und die Presse wurde offensichtlich mit Blut gefüllt.
Aus einem Schrank dringt ein leises Wimmern. Dupois findet darin einen weißen Hundewelpen mit schwarzem Ohr und kümmert sich um diesen. Die Soldaten machen den Laden sauber. Der Hauptmann scheint über die gefundenen Beweise recht erfreut zu sein und erklärt, dass die Männer am nächsten Tag in Versailles eine Zeugenaussage machen sollen.
Comté Fenalik
Am nächsten Tag reist die Gruppe zum Schloss Versailles, wo sie sich erst einmal genauer umhört. Tatsächlich haben ein paar Pagen gesehen, dass die Kutsche von Fenalik in der Nacht für eine Weile weg war und auch sein Kutscher ist sehr bekannt, da er stets eine Maske trägt.
Während die anderen Männer bereits ins Schloss hineingehen, das bestialisch stinkt, schleicht sich Pressi kurz mit seiner Geliebten Melodie fort, kommt dann aber irgendwann nach. Man trifft sich mit Malon und Rigault. Die beiden hegen die Hoffnung, den Comté Fenalik zu diskreditieren. Dieser sorgt für Angst und Schrecken am Hof und hat sich zum Liebling von Marie Antoinette gemacht, wodurch er praktisch unangreifbar ist, solange keine Beweise gegen ihn vorliegen.
Doch gerade, als der Leibarzt loszieht, um eine Audienz zu ersuchen, hallen Schreie durch die Gänge: Der Dauphin – der Thronerbe – ist tot. Das Königspaar wird also bald aufbrechen und hat keine Zeit für die Anhörung. Und gerade, als der Leibarzt zur Gruppe zurückkehrt, um ihnen das mitzuteilen, stolziert Comté Fenalik durch die Gänge. Es fällt schwer, ihn anzusehen, da er so eine furchteinflößende Aura ausstrahlt. Gut hörbar für alle in der Nähe erklärt er, der Dauphin sei an Schwindsucht verstorben und deutet an, dass der kränkliche Leibarzt ihn womöglich angesteckt haben könnte.
Nachdem er weg ist, zieht sich die Gruppe zu einer erneuten Besprechung zurück. Der Hauptmann möchte, dass die Gruppe den Wohnsitz des Comte beschattet und Beweise sammelt, die man gegen ihn verwenden könnte. Er gibt wohl regelmäßige Festivitäten, für die man allerdings exklusive Einladungen benötigt. Pressi fragt Melodie danach, doch weder sie, noch ihr Vater wurden bisher eingeladen.
Das Anwesen
Die Gruppe bricht also auf zu dem Landhaus. Der Garten ist vollkommen verwildert, das Haus selbst wirkt merkwürdig schräg und falsch gewinkelt. Überall wachsen Brombeeren, aber es riecht extrem nach Rosen und die Blüten haben völlig falsche Farben. Der Kiesweg, der um das Gebäude herumführt, ist aus Vulkangestein.
Die Zierbrunnen auf dem Gelände sind mit Wein gefüllt. Und die Statuen sind verstörend. Eine zeigt Ikarus mit Fledermausflügeln und irrem Blick, eine Armor, der Psyche in den Hals beißt, eine den Tod mit Perücke und eine die Madonna mit spitzen Zähnen, welche ihr Kind merkwürdig anstarrt. Hugel fängt daraufhin an, über Vampire zu brabbeln, was die anderen als Unsinn abtun.
Dann sieht man, wie einzelne Kutschen vorfahren, als Adlige zur Feier eintreffen. Sie betreten das Anwesen nur sehr zögerlich, Entsetzen steht in ihren Blicken geschrieben, als sie die Pforte des Anwesens betreten. Von den Pagen am Eingang erhalten sie Masken, dann werden sie in den Speisesaal geführt.
Man beobachtet das Geschehen durchs Fenster und sieht man an, wie ein Mann in Marie Antoinettes Kleid hereinkommt und dahinter eine Frau, welche die Kleidung von König Ludwig trägt. Die Gäste albern ein wenig herum und Marie peitscht Ludwig spielerisch mit der Reitgerte aus. Dann jedoch tritt der Comte ein. Die Türen öffnen und schließen sich vor und nach ihm wie von Zauberhand. Die Atmosphäre verändert sich, wird eisig, gezwungener und das Auspeitschen wird regelrecht brutal. Schließlich stürzen sich die Gäste auf die Person in Maries Kleid und treten auf den Mann ein, bis dieser blutig am Boden liegt und sich nicht mehr bewegt. Dann brechen alle zum Ballsaal auf.
Ins Haus hinein
Die Soldaten haben genug gesehen, aber sie brauchen nun handfeste Beweise. Also umrunden sie das Gebäude. Weiter hinten fällt eine gut gesicherte Kellertür auf und ein offenstehendes Fenster, durch das man eindringt. Die Gruppe schleicht sich zunächst in den Speisesaal und steckt ein paar der goldenen Becher ein, auf denen ein merkwürdiges Kreuzsymbol ist. Hugel schaut hinter das große Portrait, was an der Wand hängt und den Comté in venezianischer Grandenkleidung darstellt. Das Bild ist auf 1538 datiert, der Künstler als CV. Das bestärkt Hugel nur in seinem Glauben, dass es sich bei Fenalik um einen Vampir handeln muss.
Man schleicht sich weiter in die Eingangshalle, wo eine große, erhabene Gestalt steht. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich um einen Papst, dem die Haut abgezogen wurde – Martin der 5., verstorben 1431. Zum Beweis für dieses frevlerische Werk bricht man ihm den Finger ab, an dem sein päpstlicher Ring prangt, da dieser sich nicht einzeln abziehen lässt.
Die Soldaten verlassen das Gebäude nun doch wieder und beobachten den Ball nur vom Fenster aus. Hier sieht man den toten Dauphin mit ausgerissenen Augen auf einer Art Thron sitzen. Schnell bemerkt man jedoch, dass es nicht wirklich der Dauphin ist, sondern ein Kleinwüchsiger, dem man eine Maske aufgesetzt hat, an seiner Seite eine aufreizende, attraktive Dame voller Anmut, die seine Hand hält.
Der Comté spricht ihn mit dem Namen Dietrich Zann an und befiehlt ihm, die Musik von Anderswo zu spielen. Zann erklärt jedoch, dass das Stück noch nicht fertig ist. Zögerlich, nach weiteren Aufforderungen und Androhungen, spielt er eine einzelne Note auf einer Geige, welche dafür sorgt, dass den Leuten die Ohren bluten und Angst sowie Verwirrung sich verbreiten.
Unzufrieden erklärt der Comté, dass das Stück bis zum Karneval der Tiere fertig sein muss. Für diesen Werten an die Gäste, goldene Einladungskarten ausgehändigt. Die Soldaten können sich einer dieser bemächtigen. Da man genug gehört hat, brechen die Soldaten wieder auf.
Fazit
Das Szenario findet sich im gleichnamigen Band „Schreckensherrschaft – Horror unter der Guillotine“ und trägt den Orginial Titel Reign of Terror. Autoren sind Mark Morrison, Penelope Love, James Coquillat und Darren Watson.
Es vermittelt seine düstere, bedrückende Atmosphäre sehr gut. Die Hoffnungslosigkeit der Menschen um die Soldaten herum kommt immer wieder zum Tragen. Dann erlebt man den krassen Gegensatz, das höfische Leben mit all seinen Exzessen. Und dann kommt der Wahnsinn des Comte hinzu, dieser unbesiegbar erscheinenden Figur, die irgendetwas Furchtbares vorhat. Als Spieler fühlt man sich machtlos.