Something Wicked
1040 Anno Domini in den schottischen Highlands. Der Thane MacBeth kehrt nach einer siegreichen Schlacht nach Hause zurück. Der König von Schottland, Duncan I., kommt daraufhin zu Besuch, um eine wichtige Ankündigung zu machen.
Achtung: Wer dieses Szenario auf der nächsten Anrufung gerne spielen möchte, sollte diesen bericht nicht lesen!
Originalspielbericht
Die Charaktere
MacBeth: Ein erfolgreicher Thane, der einen rasanten Aufstieg hinter sich hat. Er steht hoch in der Gunst des Königs und erhofft sich, dessen Nachfolger zu werden.
Lady MacBeth: Seine Gemahlin, die gerne Königin wäre und so ziemlich alles dafür tun würde. Sie hat eine heimliche Affäre mit Banquo, dem besten Freund ihres Mannes.
Banquo: MacBeths Heerführer und bester Freund. Für ihn hat Banquo schon etliche Probleme beseitigt. Macht ihn das nicht zu einem viel besseren Kandidaten für den Königsthron?
MacDuff: Der Thane will nur das beste für Schottland: Stabilität. Er entstammt einer langen Linie von Thanen, die schon oft den König gestellt haben.
Malcolm: Der einzige Sohn des Königs, jung und unerfahren. Er will ein potenzielles Bündnis mit dem englischen Königshaus eingehen, um die Macht zu ergreifen.
Die Geschichte
Prolog
Irgendwo in einer modrigen Höhle stehen drei Hexen und mischen einen Zaubertrunk. Ihr unheimlicher Gesang hallt durch die tiefen Wälder. Eine Prophezeiung wird gesprochen. Sie berichtet vom Untergang des Königs, wenn Uraltes wandelt und davon, dass Banquo unbesiegt bleiben wird, bis er brennt.
Akt 1 – Daggers in men’s smiles
Nach ihrer Rückkehr von der Schlacht bereiten sich alle auf die Ankunft des Königs an MacBeths Hof vor. Auch viele andere Thanen kommen von überall her, um der Versammlung beizuwohnen. Das Gerücht geht um, dass der König abtreten wird, obwohl er noch gar nicht so alt ist und Schottland bisher gut geführt hat.
Natürlich wird auch über die Prophezeiung gesprochen, die Banquo jedoch als Geschwätz abtut. Wenn Feuer ihn besiegt, dann ist sein Schutz sicher schon damit verflogen, dass er vorhin den Kamin entfacht hat. MacDuff allerdings mahnt ihn, die alten Mächte nicht so leichtfertig abzutun.
Schließlich kommt König Duncan an. Sein Sohn, ein unerfahrener, schüchterner Bursche ohne Kampferfahrung, ist auch dabei. Duncan trägt einen seltsamen Anhänger, an dem eine zusammengerollte Schriftrolle hängt, um den Hals. Er bestätigt, dass es in dieser Zusammenkunft um seine Nachfolge geht und so versammeln sich die Thanen in der großen Halle.
Zu jedermanns Entsetzen verkündet der König, dass es fortan keine Königswahl mehr geben wird, sondern seine Nachfolger Herrscher des Landes werden sollen. Die Erde bebt bei dieser Verkündung und draußen beginnt es stark zu regnen. Plötzlich stürzt Duncan. Eben noch kerngesund, scheint er nun hohes Fieber zu haben, atmet schwer und verliert schließlich das Bewusstsein.
Banquo eilt los, um den Priester und den Heilkundigen zu holen, doch er findet niemanden. In der Kirche stellt er fest, dass die Bänke seltsam modrig sind und alles mit Moos überwachsen ist. In der Halle spalten sich derweil die Lager. Besonders MasDuff und MacBeth ringen um Anhänger, um sich für die alten Riten starkzumachen, während der Königssohn von niemandem ernstgenommen wird. Eine gewalttätige Auseinandersetzung scheint unabwendbar zu sein.
Akt 2 – Fair is foul, and foul is fair
Man bringt Duncan schließlich in die Burg, damit er sich ausruhen kann. Doch auch hier wird schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Holzbalken scheinen zu vermodern, überall wächst Moos. Nach einigem Hin und Her beschließen Banquo und MacDuff, dem König die seltsame Schriftrolle abzunehmen, in der Hoffnung, dass diese einen Schutz gegen die seltsamen Vorfälle bietet.
MacBeth wird derweil zur Palisade gerufen, wo er entdeckt, dass seine Wachen zu Holz geworden sind und der Wald näherzukommen scheint. Immer mehr Personen cheinen spurlos zu verschwinden oder zu Geäst zu werden, wenn man kurz nicht hinsieht. Es ist offensichtlich ein Fluch, vermutlich, weil sich der König gegen die alten Riten gestellt hat.
Schließlich treffen sich alle im Zimmer des Königs und es kommt zu einer hitzigen Diskussion, was zu tun ist. Malcolm, Duncans Sohn, steht klar hinter dessen Entscheidung und bestimmt sich bereits zum neuen König, obwohl sein Vater noch gar nicht tot ist. Daraufhin enthauptet MacBeth ihn einfach und der Prinz wird ebenfalls zu einem Haufen Geäst.
Sekunden darauf sieht MacDuff etwas oder jemanden in der Ecke des Raumes, was nicht da ist und faselt wirr vor sich hin. Banquo dagegen sieht, wie der kranke König sich erhebt und ihm die Krone aufsetzt. In seinem Wahn erklärt er, nun die König zu sein und Lady MacBeth zu seiner Königin machen zu wollen. MacDuff nutzt die Situation, um MacBeth einzuflüstern, dass der Krieger offenbar eine Affäre mit seiner Frau hat, während die panisch erklärt, dass der Mann offensichtlich fantasiere.
Als sie kurz darauf Gesänge aus dem Keller hört, folgen ihr Banquo und MacDuff dorthin, während MacBeth Duncan ersticht und sich dann dessen krone aufsetzt. Die Krone ist in Wahrheit nur ein Stock, aber das nimmt er nicht wahr.
Im Keller findet die Gruppe eine Strohpuppe mit einer kleinen Krone darauf und unter ihr ist eine lose Steinplatte, aus der die Geräusche zu dringen scheinen. Als Banquo sie anhebt, offenbart sich ein tiefer Schacht. Er macht daraufhin ein Seil fest und klettert nach unten, um dem faulen Zauber ein Ende zu bereiten.
Oben streiten währenddessen MacBeth und MacDuff um die Herrschaft, bis sich Lady MacBeth einmischt und erklärt, ihr ungeborenes Kind sei gerade zum König ernannt worden. Schließlich scheint ihr Ehemann nachzugeben, nimmt sich den Stock vom Kopf und reicht ihn MacDuff, der ihn ebenso als Krone sieht wie er selbst. Doch es war nur eine List und MacBeth nutzt den Moment der Ablenkung, um den unliebsamen Konkurrenten in das Erdloch zu stoßen und das Seil zu kappen.
Akt 3 – Who can impress the forest
Banquo ist unten schon weiter vorgedrungen und steht in der Hexenhöhle, in der die Prophezeiung gemacht wurde. Doch von den Hexen keine Spur und ihre Gesänge sind erstorben. Nur ihr brodelnder Kessel steht noch da. Auf seinem Rand ist etwas in alter Schrift geschrieben, was Banquo nicht lesen kann. Allerdings formt sich aus dem Gebräu ein Donnerkeil, den er an sich nimmt.
Dann stolpert der lädierte MacDuff zu ihm und liest ihm vor, was da steht. Offenbar schickt das Land ein gewaltiges Ungetüm als Rache, dem nichts vom Mensch und nichts vom Land etwas anhaben kann. Offenbar kann nur der Donnerkeil es verletzen. Um das Geheimnis zu wahren und seine eigene Herrschaft zu sichern, erschlägt Banquo MacDuff. Der versucht sich zu wehren, doch sein Hieb gleitet beinahe wirkungslos an dem gesegneten Mann ab.
Dann klettert Banquo wieder nach oben. Währenddessen dringen Druiden und Waldwesen in den Hof der Burg ein. MacBeth versucht, gegen sie zu kämpfen, doch sie überwältigen ihn problemlos und entwaffnen ihn, töten ihn aber nicht. Dann marschiert ein Riese aus Holz heran, ein Weidenamnn, in dessen Brust ein brennender Käfig steckt. Lady MacBeth hat derweil die Schriftrolle des Königs gelesen, welche beschreibt, dass nur der Stärkste das Land anzuführen vermag.
MacBeth ergreift daraufhin eine Fackel und sein Schwert und greift Banquo an, der sich ebenfalls auf ihn stürzt. Vom Feuer verwundet und dadurch seiner Unbesiegbarkeit beraubt, fällt Banquo dem Schwert seines besten Freundes zum Opfer. Der Weidenmann wirft seine Leicht in den brennenden Käfig und salbt daraufhin MacBeth mit der Asche. Ein neuer König wurde vom Land anerkannt. Die Waldwesen ziehen sich zufrieden zurück und der Himmel klart auf.
Fazit
Ein sehr schnellebiges, actiongeladenes Szenario, das uns allen sehr viel Spaß gemacht hat. Ein absolutes Highlight! Es gab quasi keine Sekunde, in der nichts passiert ist. Die Charakterbögen sind mit Zitaten aus dem Theaterstück versehen, und sie aufzusagen hat einen würfeltechnischen Bonus gegeben. Dazu fühlt sich das ganze nach einem kleinen Theaterstück an, selbst die Hexen übernehmen die Spieler kurzzeitig zu Beginn des Szenarios und spinnen ihre eigene Prophezeiung.
Das Szenario findet sich in der PDF „In Nomine Tenebrae – Im Namen der Dunkelheit“. Autor ist Stefan Droste, der unter anderem das Szenario Golem verfasste.
Zur Einstimmung für das Szenario bietet es sich an das bekannte Werk von Shakespeare nochmals zu lesen und/oder eine der zahlreichen Verfilmungen zu sichten (auch um weitere Zitate zum Besten geben zu können). Hier wäre besonders The Tragedy of Macbeth (2021) von Joel Coen zu empfehlen, welches das Werk besonders ausgefeilt und kunstvoll inszeniert.