Antiquarische Streifzüge: Insel Almanach auf das Jahr 1972. Pfade ins Unendliche (1971)

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    Franz Rottensteiner: Insel Almanach auf das Jahr 1972. Pfade ins Unendliche

    Broschur, 177 Seiten. Insel Verlag. Frankfurt a. Main 1971

    Beschreibung

    Als einen Sidekick zur Bibliothek des Hauses Usher und der Reihe Phantastische Wirklichkeit – Science Fiction der Welt (beide Insel Verlag) möchte ich den Insel Almanach auf das Jahr 1972 bezeichnen.


    Herausgegeben von Franz Rottensteiner bietet dieses Jahrbuch eine kurzweilige Mischung aus phantastischer Primär- und Sekundärliteratur; oder – wie der Untertitel verkündet: „Pfade ins Unendliche“. Dies scheint denn auch der einzige Almanach des Verlags zu sein, der sich so dezidiert der Phantastik widmet.


    In puncto Lovecraft ist das Buch in zweierlei Hinsicht nennenswert: Zum einen enthält es Lovecrafts launige Selbstbeschreibung „Autobiographie – Bemerkungen über einen unbedeutenden Menschen“ („Autobiography: Some Notes on a Nonentity“). Dies müsste die erste deutsche Verlagsübersetzung sein, sie stammt von Michael Maier und beinhaltet auch die Einführung und zahlreichen Anmerkungen von August Derleth. Franz Rottensteiner selbst hat den Text später für den Azathoth-Band (Suhrkamp, PB 230, 1989) noch einmal übersetzt. Zum anderen ist die eher zweitrangige Story „Der Untergang Sarnaths“ („The Doom that came to Sarnath“) abgedruckt. Auch diese Version von Michael Maier weicht von der späteren Suhrkamp-Fassung ab (übersetzt als „Das Verderben, das über Sarnath kam“ von Michael Walter, in: In der Gruft, PB 71, 1982).


    Aufgelockert wird der Almanach von 4 schwarzweißen Illustrationen Helmut Wenskes in einer minutiösen, punktierten Technik; nicht zu vergessen das farbenfrohe Coverartwork.

    Mit seinen psychedelischen Bildern hat der Künstler „Anfang der 70er Jahre […] für die Covergestaltung der Science Fiction im deutschen Raum neue Maßstäbe“ gesetzt, wie Christoph Roos auf dem
    Blog Phantastische Bilder zwischen Traum und Wirklichkeit schreibt. Übrigens: Eine Lovecraft-Illustration von Wenske ziert auch den Festa-Band Der Lovecraft-Zirkel (2006).

    Fazit

    Eine nette Ergänzung zu den eingangs erwähnten Reihen. Hinsichtlich der Sekundärliteratur ist natürlich das Alter zu beachten: So kann der Vampir-Text von Chotjewitz naturgemäß nicht den Boom berücksichtigen, der im Gefolge der Bücher von Anne Rice in den 1980er und 90er Jahren entstand. Und auch die theoretische Auseinandersetzung mit der Science Fiction dürfte seit den frühen 1970er Jahren nicht auf der Stelle stehen geblieben sein …

    Inhalt

    • Franz Rottensteiner: Science Fiction. Eine Einführung
    • Stanisław Lem: Erotik und Sexualität in der Science Fiction
    • Michel Butor: Die Krise der Science Fiction
    • Robert Plank: Golems und Roboter
    • Peter O. Chotjewitz: Der Vampir. Theorie einer Mythe
    • Stanisław Lem: Das Märchen vom König Murdas
    • H. P. Lovecraft: Autobiographie – Bemerkungen über einen unbedeutenden Menschen
    • H. P. Lovecraft: Der Untergang Sarnaths
    • Bücher aus dem Insel Verlag

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