Lovecraft und der Rassismus

Die Menschen hinter dem Mythos | Wiki
Benutzeravatar
jayjay
Reactions:
Beiträge: 153
Registriert: 03.09.2016, 19:45
Wohnort: Passau

Unnatürliches Wissen

#1 Lovecraft und der Rassismus

Beitrag von jayjay » 03.09.2016, 22:06

Der von Poe angesprochene Punkt des Rassenbegriffs, bzw. des von Lovecraft benutzten Rassismus, stellt für mich einen sehr wichtigen Punkt in seinem Werk und hinsichtlich seiner Person dar. Gibt es dafür schon einen Thread? Dieser komplexe und doch recht heikle Bereich sollte nicht einfach fallengelassen werden.
out of what crypt they crawl, i cannot tell

Benutzeravatar
Nils
Reactions:
Beiträge: 1959
Registriert: 09.01.2016, 21:28

Unnatürliches Wissen

Beitrag von Nils » 05.09.2016, 11:45

Ich glaube nicht, aber was genau willst du denn hinsichtlich dieser Thematik diskutieren?

Benutzeravatar
jayjay
Reactions:
Beiträge: 153
Registriert: 03.09.2016, 19:45
Wohnort: Passau

Unnatürliches Wissen

Beitrag von jayjay » 05.09.2016, 15:00

Naja, ich weiß nicht, inwiefern das vielleicht an anderer Stelle bereits aufgearbeitet wurde, aber für mich stellen sich da z.B. Fragen wie sich sein Rassismus über die Jahre entwickelt oder ob er ihn vielleicht irgendwann "abgelegt" hat. Gibt es auch Quellen oder Textstellen für eine antisemitische Haltung (mir fällt gerade keine ein) und wie lässt sich das mit der Ehe mit einer Jüdin vereinbaren? Wie geht ihr persönlich damit um? Trennt ihr das Werk ganz klar von der Person bzw. wird die Person isoliert und nur als Künstler gesehen? Vor allem innerhalb der aktuellen Flüchtlingsdebatte konnte man die Angst der "Überfremdung" - die scheinbar einige Bundesbürger haben - natürlich auch schon bei Lovecraft sehen und ihn als "besorgten Bürger" bezeichnen. Es sind also einige Parallelen vorhanden. Für mich entspricht in seinem Werk die Erzählinstanz Lovecraft selbst, er macht also keinen Hehl aus seinem Rassismus. Vielleicht hat sich ja jemand von euch auch schonmal an der Thematik gestoßen, mir schlug das damals schon ordentlich auf den Magen!?
out of what crypt they crawl, i cannot tell

Benutzeravatar
Nils
Reactions:
Beiträge: 1959
Registriert: 09.01.2016, 21:28

Unnatürliches Wissen

Beitrag von Nils » 05.09.2016, 15:16

Wenn man sich im Internet umtut, wurde das Thema schon ausgiebig be-aufregt, be-weint und be-arbeitet. Aber mach einen Thread auf und stoß eine Diskussion an, wenn dir der Sinn danach steht.

Benutzeravatar
Kezia
Reactions:
Beiträge: 127
Registriert: 12.01.2016, 19:56

Unnatürliches Wissen

Beitrag von Kezia » 06.09.2016, 20:07

Im Pegasus Forum gab es auch mal eine Diskussion darüber:

http://www.foren.pegasus.de/foren/topic ... chauungen/

Besonders beeindruckend fand ich gleich den zweiten Post, in dem Heinz schrieb:
Lass Dir von dem Negativen nicht das Positive verderben. Sieh das Positive weiter so, wie bislang auch und schätze es. Steck das Negative in eine Schublade und mach diese zu. Vergiss aber nicht, dass es diese Schublade gibt.
Super schön gesagt und (für mich) 100% passend. Bin ich heute noch dankbar dafür.

Benutzeravatar
Dark_Pharaoh
Reactions:
Beiträge: 4177
Registriert: 17.12.2015, 08:44
Wohnort: Nürnberg

Unnatürliches Wissen

Beitrag von Dark_Pharaoh » 06.09.2016, 23:04

Auf Facebook gab es die Diskussion auch neulich wieder durch "Ratten im Gemäuer" und den alten "Niggerman". Ohne das gutheißen oder verteidigen zu wollen, man darf auch nicht aus unserem heutigen Blickwinkel auf seinen Rassismus schauen, sondern es aus der Zeit betrachten. Die Arkham Insiders greifen das Thema auch immer mal wieder auf.

Benutzeravatar
jayjay
Reactions:
Beiträge: 153
Registriert: 03.09.2016, 19:45
Wohnort: Passau

Unnatürliches Wissen

Beitrag von jayjay » 07.09.2016, 21:15

Dark_Pharaoh hat geschrieben:Auf Facebook gab es die Diskussion auch neulich wieder durch "Ratten im Gemäuer" und den alten "Niggerman". Ohne das gutheißen oder verteidigen zu wollen, man darf auch nicht aus unserem heutigen Blickwinkel auf seinen Rassismus schauen, sondern es aus der Zeit betrachten. Die Arkham Insiders greifen das Thema auch immer mal wieder auf.
Ich versteh was du meinst und da ist natürlich auch was wahres dran. Die 20er Jahre waren eben die 20er Jahre. Antisemitismus gehörte ja z.B. im 19. Jahrhundert mehr oder weniger auch zum "guten Ton". Jede Zeit hat wohl irgendwo ihre Schattenseiten...
out of what crypt they crawl, i cannot tell

Benutzeravatar
Bluestone
Reactions:
Beiträge: 823
Registriert: 02.01.2016, 00:32
Wohnort: Oberhausen

Unnatürliches Wissen

Beitrag von Bluestone » 07.09.2016, 22:31

Gibt es denn wirklich antisemtische Äußerungen von ihm? In den Geschichten fallen mir nur, aus heutiger Sicht, rassistische Äußerungen ein.

Benutzeravatar
jayjay
Reactions:
Beiträge: 153
Registriert: 03.09.2016, 19:45
Wohnort: Passau

Unnatürliches Wissen

Beitrag von jayjay » 08.09.2016, 12:17

Bluestone hat geschrieben:Gibt es denn wirklich antisemtische Äußerungen von ihm? In den Geschichten fallen mir nur, aus heutiger Sicht, rassistische Äußerungen ein.
Das würde mich auch interessiert, vor allem in Hinblick auf seine Ehe. Ich habe den - damals noch salonfähigen - Antisemitismus aber jetzt nur als Beispiel für die deutsche Gesellschaft angeführt und eben nicht auch Lovecraft bezogen.
out of what crypt they crawl, i cannot tell

Benutzeravatar
derTräumer
Reactions:
Beiträge: 548
Registriert: 23.03.2016, 20:57
Wohnort: Kiel

Unnatürliches Wissen

Beitrag von derTräumer » 08.09.2016, 12:47

Ich meine mal irgendwo den recht interessanten Satz gelesen zu haben, dass "Lovecrafts Rassismus ein Kultur-Rassismus" war.

Wenn man "He" oder "Horror at Red Hook" liest, ebenso wie eigentlich auch "Innsmouth" fällt auf, dass der Rassismus oft aus der kulturellen Andersartigkeit gespeist war. Assimilierte sich eine Minderheit/ ein Individuum sah er sie als geringere/ keine Gefahr. Ich kann diese Aussage grad aber auch nicht belegen. HPL, besonders der junge, hegte ein verklärtes Bild vom Germanen/-tum (zu denen als Ango-Saxons dann auch die Engländer und Teile der US-Amerikaner, sicher aber die Neuengländer zählten). Dennoch baute HPL seine Vorurteile ab, sobald er sich näher mit Individuen beschäftigte. Das muss man ihm nicht hoch anrechnen, das ist bei fast allen Menschen so. Was eher interessant ist, ist, dass einige Leute, die eigentlich in einer seiner Schubladen gelandet wären ihren Weg in seinen engsten Kreis machten.

Samuel Loveman und Sonia Haft Greene waren beide Juden. Loveman zudem homosexuell, Greene mit ukrainischen Wurzeln und "emanzipiert" (nicht im heutigen Wortsinn, aber für ihre Zeit wohl). Dennoch gehören beide zu HPLs engstem Kreis.

Eine Person ist immer eine Person ihrer Zeit. Der Rassismus in den USA war damals ein Alltagsphänomen. Und noch stärker wohl innerhalb des immer noch recht weißen Ost-Küsten-Bereichs in dem Lovecraft sich vor allem aufhielt. New York musste ihn nicht zuletzt deswegen so verstören, weil es eine multiethnische Metropole war, wie sie das recht verschlafene Providence nicht war. Das ist wohl etwas vergleichbar mit der Situation in Meck-Pom.: Dort gibt es einen Ausländeranteil von unter 3%. Wenig Kontakt erzeugt große Vorurteile und viele Ängste.

Soweit erstmal, ich hoffe jemand versteht mein eilig getipptes.

Antworten