DAGON - Lovecraft das Werk - The New Annotated H.P. Lovecraft

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derTräumer
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#11 Re: DAGON - Lovecraft das Werk - The New Annotated H.P. Lovecraft

Beitrag von derTräumer » 05.12.2017, 10:10

Zum Begriff "Hunnen":
1923 ist der erste Weltkrieg, der Große Krieg, noch lange nicht verarbeitet. Zwar waren die Amerikaner erst recht spät dabei, doch Grabenkrieg, Giftgas und Artilleriebeschuss haben sicherlich auch in Amerika eine traumatisierte Generation von Männern hinterlassen. Und ohne jetzt eine statistische Untersuchung anzustreben, vermute ich, dass die Leserschaft des WT überwiegend männlich war. Schaut man stichprobenartig in die Leserbriefrubrik "The Eire", liest man relativ wenige Frauennamen. Da würde es mich nicht wundern, wenn der Chefredakteur von Weird Tales, Edwin Baird, Hand an den Text gelegt hat.

Heute abend schau ich mal in meinen Büchern, ob ich dazu was finde - kann ich mir aber nicht vorstellen, da dieser Punkt doch recht maginal ist.
Mögliche Quellen wären die Briefe oder ggf. "Robert Weinberg. The Weird Tales Story". Wie gesagt, wenn ich heute abend eine Mußestunde finde, schau ich mal nach.

Außerdem war damals "Hunne" zwar ein auf die Deutschen angewandtes Schimpfwort, doch wurde es über diese hinaus auch gebraucht. "Der Hunne" war der Feind, der ungerecht oder ehrlos und Brutal agiert. Im irishen Rebelsong FOGGY DEW von Charles O’Neill aus Portglenone, County Antrim (1887–1963), der etwa um 1919 entstand, heißt es "While Britannia's Huns, with their long range guns
sailed in through the foggy dew".

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Blackdiablo
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Beitrag von Blackdiablo » 07.12.2017, 16:40

Ich habe heute diese schöne Diskussion entdeckt und interessiert gelesen. Mindestens die wichtigsten Punkte sind sicherlich bereits genannt worden, deswegen beschränke ich mich auf zwei Details:

1. Ein Motiv, das sich durch Lovecrafts Texte zieht und nicht direkt ins Auge springt, findet sich hier in rudimentärer Form (siehe ansonsten bspw. "Stadt ohne Namen", "Schatten aus der Zeit", "Berge des Wahnsinns"). Die Säule auf der Insel ist von Bildern geschmückt, die Rückschlüsse auf die Kultur der fremden Rasse ziehen. Ein daraus gezogener Schluss: kulturhistorisches Interesse in Lovecrafts Werk.

2. Eine Inkohärenz, welche des Öfteren parodiert wird (ich glaube von Goomi), ist der Bruch zwischen dem, was am Ende für Rezipienten erzählt bzw. angedeutet werden muss, und der erzählten Realität, in der sich der Erzähler befindet. Weswegen hat der Erzähler, wenn der Schrecken - ob real oder nicht - dermaßen grauenhaft ist, die Zeit, seinen Suizid noch anzudeuten? Ferner: Hat er diese Antizipation nicht bereits am Anfang seines Schreibens deutlich genug gemacht? Was ein Gentlemen der trotz seiner "geistiger Anspannung" aufgrund fehlender Drogen derartig versiert von seinen Erlebnissen schreibt. Mich erinnert das bei Lovecraft oft an Hofmannsthals "Brief".

Ich möchte damit nicht sagen, dass mich dieser Bruch unmäßig stört. Nur eine nebensächliche, amüsante Beobachtung.
"Nicht einmal der Tod kann dich vor mir retten."

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Beitrag von derTräumer » 07.12.2017, 16:48

Zwei gute Punkte Blackdiablo. Was mir beim ersten Lesen... damals... durch den Kopf ging, war, dass dieser Erzähler für Lovecrafts Verhältnisse unglaublich unglaubwürdig ist. Wer sagt uns, das irgendetwas von dem was er behauptet wahr ist?

1. Auf der Sandbank ist er dehydriert und verängstigt. Zwei gründe eine Halluzination er bekommen.
2. Er ist drogensüchtig. HPL hielt bekanntlich nichts von Alkohol oder anderen Drogen. Es wäre denkbar, dass seine Geschichte eine Legitimation für die Drogensucht ist, bzw. er die Geschichte erfand um seine Sucht vor sich zu legitimieren.
3. Auch das Ende ist ja eine Halluzination, wodurch eine Klammer gesetzt werden könnte zur Halluzination auf der Insel.

Okay, das ist alles recht weit hergeholt und es gibt sicher auch keine Belege für diese frühe These von mir, doch irgendwie ist sie bei mir hängen geblieben und ich kann sie nicht ganz los werden.

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Beitrag von Blackdiablo » 07.12.2017, 17:06

Ich stimme dir zu, dass die Geschichte allen Grund liefert (wieder und wieder), ihr keinen Glauben zu schenken.

Dem entgegen stehen die erstaunlich akkuraten naturwissenschaftlichen Beobachtungen und die gehobene, präzise, ausgeformte Sprache. Erschwerend kommt hinzu, dass der Topos des unglaubwürdigen Erzählers im Horrorgenre weit verbreitet ist, weswegen er sich unter Umständen als bloße Rhetorik Lovecrafts verstehen lassen könnte, sich in die Tradition einzufügen, als ein Hinweis darauf, alles als ungesichert zu betrachten. Das wären zumindest meine Bedenken.
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Beitrag von DrGonzo » 08.12.2017, 09:08

ooC Discussion: Ich würde die hier stattfindende Diskussion weiterlaufen lassen und die nächste Geschichte erst posten wenn's hier ruhiger wird oder?

Ich denke diese mögliche Unglaubwürdigkeit ist gewollt. Kommt bei HP ja immerwieder vor. Hatte er das eigentlich erstmals so konkret?
Wenn ich mich an Poe erinnere ist zum Beispiel das Ende von Arthur Gordon Pym auch so eine "Wahnvorstellung".
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Beitrag von Blackdiablo » 08.12.2017, 11:44

Also ich würde vielleicht noch bis Montag warten und anschließend den neuen Thread öffnen. Falls sich hier dann noch jemand hier meldet, kann man ja problemlos noch antworten.

Ich habe mal hier ( http://www.hplovecraft.de/index.php?id=werke ) geprüft, was es so alles in der Zeit gab. Spontan würde ich die sagen, dass der unglaubwürdige Erzähler mindestens in "The Tomb" aus dem selben Jahr ähnlich instabil inszeniert wird. Allerdings habe ich die Einzelheiten nicht mehr dermaßen präsent, dass ich sie dir im Detail aufzählen könnte.

Was Pym am Ende konkret sieht, ist nicht so einfach zu beurteilen. Die Erzählung ist meiner Erinnerung nach ein Fragment und endet eigentlich nicht an der Stelle, an der sie endet. Es gibt, glaube ich, handfeste Theorien, was es mit dem Ende auf sich hat, aber dann müsste man zumindest mit den Knöcheln in die Poe-Forschung einsteigen.
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Beitrag von Chris » 12.12.2017, 21:31

"Dagon" hat auch sehr starke Parallelen zu "The Temple": in beiden taucht die deutsche Marine auf (wenn auch hier als Widersacher und dort als Protagonist); beides spielt auf hoher See; und in beiden macht der Protagonist eine Reise durch eine fremdartige und verlassene Welt, zwar unfreiwillig aber doch auch fasziniert. In beiden Geschichten trifft der Protagonist auf Kultur-Artefakte die tief unter dem Meer verborgen waren. Nur am Schluss laufen die Geschichten auseinander: während der Protagonist aus "Dagon" das Monster deutlich sieht und danach in seine Welt zurückkehrt, bricht die Erzählung von "The Temple" ab bevor der Protagonist erfährt was genau er vorfinden wird und es ist abzusehen dass er nicht zurückkehren wird.

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Beitrag von DrGonzo » 13.12.2017, 13:25

Das mit der deutschen Marine finde ich interessant.
Ich wage mich da vermutliche sehr weit vor aber ich hatte immer den Eindruck, dass Micronesien und die deutsche Kolonien ein wenig Cthulhuid wirken.
Der Aufstand der Sokehs auf Ponpai und der Sardaukar?!?

https://de.wikipedia.org/wiki/Pohnpei

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Sokehs

dürften Lovecraft in Zeitungen über den Weg gelaufen sein. Die "Stadt" Nan Mandol ist auch sehr interessant.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nan_Madol
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Beitrag von Bloo » 13.12.2017, 19:07

Nan Madol, wieder mal ein interessantes Fleckchen Erde vom welchen ich noch nie zuvor etwas gehört habe.
Vielen Dank @DrGonzo für die Links!
- J.P. Bloftcraft
- Hüter der schwarzen (Ruhrpott-) Ziege
                                                              :kohleziege: Määäh Määäh cthulhu fhtagn
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Beitrag von DrGonzo » 14.12.2017, 12:43

Gerne,

die Geschichte des Aufstandes ist eine weitere rühmliche unter unseren Kolonialabenteuern. Siehe auch Tafelberg und von Trotha.



In der Doku kommen auch einige der skurrilen "Originale" vor.
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