DAGON - Lovecraft das Werk - The New Annotated H.P. Lovecraft

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#1 DAGON - Lovecraft das Werk - The New Annotated H.P. Lovecraft

Beitrag von DrGonzo » 01.12.2017, 09:17

Start unserer Diskussionsrunde zur ersten Kurzgeschichte im WÄLZER!

Das Ende ist offen, mitmachen kann jeder, gleich ob er das englische Original, die neue deutsche Version hat oder nichts davon.

Wir beginnen mit der Kurzgeschichte Dagon

https://de.wikipedia.org/wiki/Dagon_(Kurzgeschichte)

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Viel Spass!
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Beitrag von derTräumer » 01.12.2017, 09:49

Um eine Diskussion in Gang zu bringen lohnt sich ja immer eine These in den Raum zu werfen, da fang ich doch mal an:

"Dagon" ist HPLs Prototyp zu "Call of Cthulhu".

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Beitrag von Kain » 01.12.2017, 17:05

Würde ich durchaus zustimmen. Ich habe mal während der HEP-Ausbildung in einer Art Projektwoche für ein Schattentheater ein bissel Lovecraft adaptiert und das wurden ganz automatisch Elemente aus "Dagon" und "Call of Cthulhu".

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Beitrag von DrGonzo » 01.12.2017, 19:55

Würde da auch nicht widersprechen.

Im Pumpnehaus in Münster hatten sie vor 5-6 Jahren eine echt tolle Adaption von Dagon. Minimalistisch aber trotzdem sehr stimmig.
Soo, dann lese ich heute abend mal den Text. Ist schon etliche Jahre her bei mir ;) .
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Beitrag von Bloo » 03.12.2017, 10:02

Für mich hat Cthulhus Ruf auch eindeutig Elemente aus Dagon wieder auftauchen, daher ist der Begriff des Prototyps wohl gar nicht so falsch. Genauso wie Dagon ja auch Einflüsse auf Schatten über Innsmouth hatte.
Interessant, oder auch amüsant, an Dagon finde ich immer die Überlegung ob der Erzähler nun am Ende Halluziantionen hat oder das Monster tatsächlich vor seiner Tür auftaucht. Wie in eines der Kommentare (im Buch) auch zeigt ist es naheliegend, dass es sich um Halluzinationen handelt (so ein Monster in San Francisco würde schon auffallen), aber irgendwas muss schließlich auch die starke Reaktion des Erzählers am Schluss der Geschichte ausgelöst haben. Stellt sich nur die Frage, warum das Monster ihm überhaupt folgen sollte?
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Beitrag von Nils » 03.12.2017, 12:51

Der These kann man kaum vollends widersprechen; zumindest enthält Dagon diverse Elemente, die in The Call of Cthulhu weiter verwandt oder ausgebaut werden.

Zwei Punkte, die mir bei der Lektüre und durch die Kommentare auffielen:

- Offenbar beschrieb Lovecraft die deutschen Seestreitkräfte, die zu Beginn kurz genannt werden, ursprünglich als "Streitkräfte des Kaisers", was eine neutrale, sachbezogene Zuschreibung ist. Als die Geschichte 1923 in Weird Tales re-publiziert wurde, änderte man dies offenbar in den propagandistischen Kampfbegriff "Hunnen" ab. Der Ursache geht Klinger nicht nach, es gäbe dazu sicherlich mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Hat Lovecraft seine Geschichten in solchen Fällen immer selbst nochmal überarbeitetet oder wurden Änderungen und Anpassungen ohne Rücksprache verlagsseitig vorgenommen?

- Massiv springt einem in dieser frühen Geschichte schon Lovecrafts Intention ins Auge, exakte wissenschaftliche Phänomene zu beschreiben (die korrekte Nennung der Mond-Zyklen, die akkurate Schilderung eruptiver Vorgänge), um dies dann zu vermischen mit einem Abdriften in irrationale Momente zu verbinden. Auch fällt die nüchterne Sprache des Protagonisten auf. Über diesen weiß man zwar gar nichts, aber er scheint ein zumindest in Teilen wissenschaftlich geschulter und beobachtender Charakter zu sein, denn er reflektiert das in ihm aufsteigende Grauen und den Ekel recht genau und schreitet dennoch voran, um alles um ihn herum zu beschreiben und zu benennen. Zudem sind ihm wissenschaftliche Entdeckungen geläufig. Auch einen gewissen Grad an klassischer kultureller Bildung scheint er genossen zu haben, was sich aus den Verweisen auf verschiedene Literatur, Mythen und bildende Kunst ableiten lässt. Erst bei Erscheinen von dem, was wohl Dagon selbst sein soll, wird es ihm zu viel. Man könnte meinen, hier ein alter ego Lovecrafts vor sich zu haben.
Bloo hat geschrieben:
03.12.2017, 10:02
Interessant, oder auch amüsant, an Dagon finde ich immer die Überlegung ob der Erzähler nun am Ende Halluziantionen hat oder das Monster tatsächlich vor seiner Tür auftaucht. Wie in eines der Kommentare (im Buch) auch zeigt ist es naheliegend, dass es sich um Halluzinationen handelt (so ein Monster in San Francisco würde schon auffallen), aber irgendwas muss schließlich auch die starke Reaktion des Erzählers am Schluss der Geschichte ausgelöst haben. Stellt sich nur die Frage, warum das Monster ihm überhaupt folgen sollte?
Ich denke mal, die starke Reaktion wurde ausgelöst durch die beendete Wirkung des Medikaments. Die Medikation drängte die Eindrücke der Reise im Geist des Erzählers zurück und als dies nicht mehr gewährleistet wird, kommt der Wahnsinn und er springt aus dem Fenster, wie es ja am Anfang korrekt angekündigt wird. Insofern liegt hier aus meiner Sicht klar eine Halluzination vor; die Wesen auf dem Monolithen und auch das aufsteigende Wesen selbst würden wohl auch nicht besonders gut in den Flur eines Mietshauses in San Francisco passen, rein räumlich betrachtet.

Mir hat Dagon wieder sehr gut gefallen. Eine schöne Skizze für viele kommende Geschichten, wobei die Schilderung der widerlichen Landschaft schon eine eigenständige Qualität hat, die HPL hier bereits als talentierten Autor ausweist. Der Einsatz von Adjektiven bleibt hier meiner Meinung nach absolut im Rahmen des Sinnvollen.

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Beitrag von DrGonzo » 04.12.2017, 10:05

So auch erneut gelesen.

Ich finde Dagon ist eine recht gute Einstiegsgeschichte, da sie die typische Lovecraftart zeigt. Mit abschließendem Wahnsinn (bin da auf der Halluzinationsseite).

Die Charakterisierung der Hauptfigur anhand der ausführlichen Beschreibung, finde ich schwierig bei HP's Geschichten.
Da er alles der Atmosphäre unterwirft, spielt der Erzähler beinahe eine Nebenrolle. Rückschlüsse auf dessen Bildung sind daher mutig. Er muss halt gut beobachten um genau zu beschreiben. ;)

Das mit den Hunnen ist in soweit interessant, dass ich eigentlich davon ausgehen würde, dass die amerikanische Propaganda damals recht wenig Rücksicht genommen hat und daher ist Lovecraft demgegenüber schon beinahe rücksichtsvoll zu nennen. Hatte am Wochenende eine spannende Diskussion über die amerikanische Anti-Japaner Propaganda im 2ten Weltkrieg. Da ist viel hängengeblieben in den Köpfen.
Hunnen klingt aber auch reißerischer verkauft sich daher bestimmt besser.
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Beitrag von DrGonzo » 04.12.2017, 10:07

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Beitrag von Nils » 04.12.2017, 16:09

Die Ausformungen von Propaganda gegen das Deutsche Reich/ die Deutschen während des 1. WK waren mir bekannt. Mich würde halt interessieren, warum man dies bei einer Geschichte änderte, als diese 1923 publiziert wurde, also mehrere Jahre nach Kriegsende. Es kann wohl kein Autor oder Verleger da noch die vaterländische Pflicht empfunden haben, gegen den Feind mobil zu machen. Dass gepflegte Ressentiments bestehen bleiben, ist indes wahrscheinlich, wobei ich Lovecrafts genaue Meinung zum Deutschen Reich nicht kenne. Er war für den Kriegseintritt der USA und befürwortete zweifellos den Kampf des britischen Empires gegen Deutschland, aber deswegen muss er nicht gleich Deutschenfeind gewesen sein.

Die genauen Umstände dieser Änderung würden mich daher interessieren, auch wenn es sich um ein für die Geschichte selbst völlig unbedeutendes Detail handelt.

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Beitrag von DrGonzo » 05.12.2017, 09:31

Ich denke da kann man nur spekulieren. Die Hunnen können einfach "knackiger" geklungen haben. Bei Waid Tales ("Schundmagazin") vielleicht eine Anpassung an den Kunden?!?!

Das die Propaganda noch lange nachwirkte sieht man allerdings auch. Hier im Pott wurden Leute die sich mit dem "Schlemel" (Franzosen) abgaben gern denunziert. Und wir Deutschen sind nicht soooo beliebt.

In England fand man solchen Stilblüten.

https://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Germ ... poster.jpg
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