Beiträge von Sorben

    Innswich Horror kenne ich, fand ich ok. Das Schwein fand ich nicht so gut. Ich denke, man muss ein Fan des Genres sein: Blut, Perversion und generell kranker Scheiß, das meine ich nicht abwertend. Lee ist darin gut, aber wenn man mit dieser Schreibe nichts anfangen kann, wird man ihn nicht mögen. Zu Innswich Horror hatte ich auch mal was geschrieben: https://gelbe-zeichen.eu/lee-innswich-horror/

    das schreit doch förmlich nach ner sortierten Auflistung ;) .... haben wir keinen Listenfetischisten an Bord? ;)


    Es gibt bereits zwei Listen, die recht umfangreich sind: Einmal http://www.yankeeclassic.com/m…ions/films/thefilms00.htm und auf dem Lovecraft eZine https://lovecraftzine.com/movies/. Was mir aber zum Teil fehlt ist die Verlinkung zu umfassenden Reviews und nur Titel bringen mir persönlich nichts.


    Zum Thema Trash: Ich liebe guten Trash :)

    Aktuell ist gerade mein Beitrag Neuigkeiten aus R'lyeh. Darin weise ich auf zwei cthulhoide Serien hin: Lovecraft Country und The Terror. Enthalten ist auch etwas zu den Spielen Call of Cthulhu, The Sinking City und Tesla vs Lovecraft.

    Ich habe mal das Inhaltsverzeichnis der deutschen der englischen Ausgabe gegenübergestellt. Falls noch jemand die englische Ausgabe besitzt, ist dies vielleicht nützlich. Vielleicht auch für die angedachte Umsetzung der Forenstruktur :)
    Ist es möglich Tabellen einfach in ein Forenpost zu übertragen? Fand die Übertragung vom Blog hierher etwas müssig. Wenn es aber nicht geht und gewünscht wird, mache ich es dennoch die Tage ansonsten habe ich im Blog eine Liste: Inhaltsverzeichnis


    Bei dem Tentakel-Sex-Buch bin ich skeptisch, das Thema scheint mir unterhalb eines boulevardesken Interesses wenig stichhaltig und ergiebig zu sein. Aber das ist nur mein erster Eindruckt.


    War auch mein erster Gedanke ;) Das Cover der englischen Ausgabe sah noch bizarrer aus, allerdings scheint es seriös zu sein. Ich werde berichten! :)

    Gestern habe ich einen Blick auf die anstehenden Neuerscheinungen getroffen, die da wären:
    Klinger – H. P. Lovecraft. Das Werk
    Joshi – H. P. Lovecraft – Leben und Werk
    Bartoschek/Dombrowski/Dreyfürst (Hrsg.) – Gegen die Religion
    Derie – Sex und Perversion im Cthulhu Mythos


    Ich habe allerdings nur das Buch von Derie vorbestellt, die ersten beiden Ausgaben besitze ich bereits in englisch. Zum Thema Religion habe ich auch eine Ausgabe von Joshis Against Religion.


    Leben und Werk finde ich aber von der Aufmachung der Übersetzung sehr schön (fester Einband und Cover), wenn beide Bände draußen sind hol ich sie mir im Doppelpack ;)


    Sind die Ausgaben definitiv komplett inhaltsgleich? Habe mir dazu keine weiteren Informationen besorgt. Die englische Ausgabe bekommt man teils recht günstig.


    Die englische ist tatsächlich wesentlich günstiger.
    Ob sie wirklich inhaltsgleich sind, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, ich schätze schon, zumindest dürften aber gewiss große Teile gleich sein.


    Zitat

    »H. P. Lovecraft – Das Werk« ist ein aufwändig ausgestatteter Prachtband, der alle wichtigen Arkham-Erzählungen in sorgfältiger Neuübersetzung enthält. Rund 300 oft vierfarbige Abbildungen zeigen Originalillustrationen, Cover, Filmplakate, Originalschauplätze und vieles mehr. Über 1000 Anmerkungen beleuchten sämtliche Aspekte von Lovecrafts Leben und Werk. Die definitive Ausgabe für alle Lovecraft-Fans, Horror-Experten und Freunde schöner Bücher.
    H. P. Lovecraft ist neben Edgar Allan Poe DER Klassiker der modernen Horrorliteratur. Seine phantastischen Erzählungen erscheinen, im Original wie auch in zahlreiche Sprachen übersetzt, in hohen Auflagen und finden weltweit allergrößte Leserresonanz. Leslie S. Klinger präsentiert in »H. P. Lovecraft – Das Werk« die besten Erzählungen, reich bebildert und mit einem ausführlichen Kommentar versehen.
    Der Neuübersetzung aus der Feder zweier ausgewiesener Lovecraft-Kenner gelingt es erstmals, Lovecrafts speziellen Stil und die besondere Atmosphäre seiner Erzählungen in deutscher Sprache schillern zu lassen.
    »Sowohl dem glücklichen Leser, der sich zum ersten Mal in das verlockende Dickicht von Lovecrafts Prosa wagt, als auch dem erfahrenen Verehrer der Älteren Götter garantiert dieses unerlässliche Buch eine Fülle neuer Erkenntnisse. Mit dieser Ausgabe lesen wir den vielleicht bedeutendsten unheimlich-phantastischen Autor, der je gelebt hat, völlig neu.« Alan Moore


    Von der Verlagsseite.
    Hier wird ja nur die Neuübersetzung der Geschichten erwähnt. Ergänzendes Material hätte der Verlag mMn. dann erst Recht aufgeführt. Aber wie gesagt, meine Hand lege ich nicht dafür ins Feuer.


    Das habe ich auch immer so verstanden, Sorben. Mein Post war auch nicht als Kritik gedacht. Sorry, wenn das so rübergekommen sein sollte.


    Kritik wäre grundsätzlich auch in Ordnung. Ich habe es aber auch nicht als Angriff gewertet :)
    Was ich damit sagen wollte ist, wir drehen uns mitunter im Kreis.



    Ich würde eine Fortführung der Diskussion jedenfalls begrüßen. Die meisten von uns stecken nicht tief genug im Thema, um es wirklich in einem wissenschaftlichen Sinne belastbar klären zu können. Dennoch ergeben viele Puzzleteile irgendwann ein Bild, optimalerweise das beste Bild, das man sich aus heutiger Zeit jedenfalls noch von Lovecrafts Gesamtpersönlichkeit machen kann ... auf semiprofessioneller Laienebene.


    Für mich vermischen sich aber permanent zwei Sachen in der Diskussion:
    1. Die Situation in den USA der 20er
    2. Die Person Lovecraft in den USA der 20er


    Nun, ich bin auch kein Wissenschaftlicher und was die Person Lovecraft angeht, gestehe ich Axel mehr und tiefere Kenntnisse zu. Um die Diskussion sinnvoll weiterführen zu können, fasse ich doch mal meine Aussagen und Prämissen zusammen:


    Zu Punkt 1. Die Situation in den USA der 20er


    Meine Grundannahme
    In den USA der 20er herrschte ein Klima des Rassismus vor.


    Begründung
    Im öffentlichem Raum der USA gab es nach Hautfarbe getrennte Orte wie Toiletten und Bushaltestellen. Auch wurden bestimmte Verhaltensweisen von der schwarzen Bevölkerung erwartet, wie etwa das Räumen eines Platzes im Bus für Mitbürger mit weißer Hautfarbe und grundsätzlich extra Plätze nur für Afroamerikaner. Dies mündete in dem Vorfall mit Rosa Parks 1955.
    Auf staatlicher Ebene bestand ein aufgrund von Hautfarbe getrenntes Bildungssystem. Ganze Schulen waren entweder speziell für weiße oder schwarze Schüler. Nur eine Quelle
    Daneben betrieb das US Militär während des 2. Weltkrieges Rassentrennung. Einschränkung: 1940 wurde die Wehrpflicht in den USA erstmalig eingeführt, vorher gab es aber auch Rassentrennung. Im 1. WK beispielsweise.

    Zitat

    The Army operated under a policy of racial segregation and blacks were commonly relegated to supply and labor jobs. There were, however, active black combat units that made notable contributions.


    Quelle US Militär


    Gesellschaftlich manifestierte sich aber auch ein regelrechter Rassenhass, wie in den Lynchmorden schwarzer Bürger in aller Öffentlichkeit.
    Quelle


    Ich könnte jetzt noch weitere Dinge anführen, die meine Grundannahme stützen.
    Was also besagen die Fakten? Mitnichten unterstelle ich jeden Amerikaner Rassismus oder gar das Gutheißen der Segregation. Allerdings scheinen einige Amerikaner den Rassismus zugetan gewesen zu sein. Da dies auch kein Geheimnis war, gehe ich weiter davon aus, dass einige (mehr) das akzeptiert oder zumindest toleriert haben. Bei dem Ausmass schlussfolgerte ich, dass es die Mehrheit war, zumindest der weißen Bevölkerung. Mir sind keine Initiativen bekannt, die eine Gleichberechtigung zum Inhalt hatten und von einer größeren Bevölkerungsgruppe mit gesellschaftlichen Erfolg getragen wurden. Mir ist bekannt, dass vieles nur in einzelnen Bundesstaaten auftrat. Diese waren aber nicht isoliert, d.h. die Rassentrennung dürfte in dem ganzen US-Gebiet bekannt gewesen sein. Desweiteren ist mir auch die Existenz des NAACP und der beginnenden Bürgerrechtsbewegung nicht unbewusst. Einschränkend kann man sagen, dass Afroamerikaner mitunter gehindert wurden, ihr demokratisches Recht auszuüben: Stichwort Großvater Regelung. D.h. ihr tatsächlicher Einfluss auf politische Entscheidungen war wohl geringer als bei der ohnehin mehrheitlichen weißen Bevölkerung.


    Warum ist die Situation in den USA der 20er wichtig?
    Für mich war es nie entscheidend um HPL als Opfer eines Systems darzustellen, noch wollte ich etwas relativieren oder entschuldigen. Die Situation in den USA könnte aber seine Sicht erklären. Es ging mir über eine Interpretation seiner Aussagen und der Nachvollziehbarkeit. Wenn man so will, reine Analyse seines Geistes und seines Denkens. Und da kommen wir zum 2. Punkt.


    Punkt 2: Die Person Lovecraft in den USA der 20ern


    Ich hatte hier nur eine sehr wage Grundannahme, die im Verlauf der Diskussion positiv bereichert wurde und die sicher noch nicht abschließend gebildet ist.


    Annahme: HPL war sich seiner Zeit bewusst.
    D.h. er traf überall auf Rassismus und sich über Afroamerikaner lustig zu machen, war nichts verwerfliches. Seine Katze Niggerman z.B.


    Gegenargument:


    Lovecrafts Freundschaft zu dem Kosmopolit James Ferdinand Morton (1870 – 1941), der ihm hier diametral gegenüber stand, rüttelt an dieser Behauptung. Mehr noch: Dass sich Lovecraft ausgerechnet mit dem Autor eines Textes namens „The Curse of Race Prejudice“ anfreundete, ist ein weiteres Phänomen.


    Wir können also feststellen, dass sich Lovecraft durchaus seiner Umgebung bewusst war und zwar mit entsprechenden Gegentendenzen und trotzdem an seinen Vorurteilen festhielt. Die er aber nicht so streng nahm: Immerhin heiratete er eine Jüdin. Vielleicht war sein Weltbild auch differenzierter?


    Zur Diskussion (nicht zum eigentlichem Thema gehörend):


    Zunehmend glaube ich, dass man zu schnell nach dieser Erklärung greift. (Ich habe früher schon einmal neben anderen Beispielen auf Martin Luther verwiesen. Mein erster Gedanke war auch dort, er sei ein Kind seiner Zeit gewesen. Diese Vorstellung habe ich inzwischen beiseite gelegt. Auch dort scheinen wohl andere persönliche Gründe, wie die Enttäuschung, die Juden nicht zu dem neuen, reformierten Glauben bekehrt zu haben, ausschlaggebend gewesen zu sein.)


    Abgesehen von Martin Luther, bedeutet Kind seiner Zeit für mich bestimmte gesellschaftliche Konventionen unhinterfragt für sich zu übernehmen. Moral ist dem Zeitgeist unterworfen. Dies ist schwammig formuliert, weil Moral nichts weiter als Werte sind, die sich permanent ändern können. Daher hätte auch HPL ein Kind seiner Zeit sein können. Was auch meine frühere These betrifft, dass HPL seinen Rassismus vielleicht nicht als falsch erachtete.


    Trifft diese Aussage nicht perse auf jeden Rassisten (genauer gesagt auf jede persönliche Überzeugung) zu?


    Nein, es erfordert Empathie und/oder einen Maßstab wie Moral bzw. gesellschaftlich anerkannten Verhaltensweisen um zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können. Man kann aber davon ausgehen, dass nach Kant eine grundsätzliche Richtschnur vorhanden ist.



    2) Oder geht es bei dem Aspekt der Verbreitung rassistischen Gedankengutes in der Gesellschaft um Lovecraft herum in dieser Diskussion nicht eher eigentlich um eine Bewertung der individuellen Schuld, um eine ethische Bewertung? Geht es also um die Frage, ob Lovecrafts rassistischen Texte hierdurch entschuldbar werden? (Das wäre schön, könnte man sich doch viel unbefangener mit Lovecraft befassen und dieses Thema abhaken.)


    Mir zumindest nicht. HPL hat die Besonderheit, dass seine Person und sein Leben ebenso wie sein Werk von Interesse sind. Ich lese auch Hemingway, obwohl er ein nach eigenen Aussagen, Kriegsverbrecher war. Die Trennung von Werk und Autor funktioniert sehr gut für mich. Außerdem liegt die Interpretation des Textes beim Leser, nicht beim Autoren. Also warum sollte man HPL reinwaschen wollen? Ich halte es für den falschen Ansatz einen Autoren nur zu lesen, wenn er ohne Fehler ist. Und sein Werk kann auch ohne rassistische Ansätze interpretiert werden.



    Mit dem Verweis auf "historische Fakten" kann ich mich anfreunden. Die Formulierung "Norm in Form von Gesetzen, gesellschaftlichen Verhaltensweisen und staatliches Handeln" erscheint mir problematisch, denn dies vermittelt ein wenig den Eindruck, die "Norm" im Sinne des "Normalen" sei Rassismus gewesen und hieraus habe sich ein Druck oder eine irgendwie geartete Zwangsläufigkeit ergeben, sich in Wort oder Schrift rassistisch zu äußern. Und hieran habe ich erhebliche Zweifel. Selbst an eine "Gedankenlosigkeit" bzw. "Unbedarftheit" angesichts einer "Norm" mag ich eigentlich nicht glauben.


    Norm nicht im Sinne von normal, sondern von allgemein üblich und anerkannt... Daraus ergibt sich keine Zwangsläufigkeit, sondern lediglich das allgemein übliche Verhalten. Beispiele führte ich unter Punkt 1. an. Diskriminierung auf allen Ebenen entsprach der Norm, also war allgemein üblich. Abweichungen gab es natürlich. Ob sich nun jemand berufen fühlte, sich dazu zu äußern, sei dahingestellt. Zumindest musste niemand um sein gesellschaftliches Ansehen fürchten, wenn er rassistische Äußerungen traf.



    Ich kann Aussagen wie "Also für mich gelten eher historische Fakten, da muss ich nicht in einer Epoche gelebt haben." oder "Für mich gilt die Norm in Form von Gesetzen, gesellschaftlichen Verhaltensweisen und staatliches Handeln." nicht zustimmen. Geschichte (oder besser gesagt: Geschichtsschreibung) besteht eben längst nicht nur aus sogenannten historischen Fakten, Gesetzen und gesellschaftlich und staatlich normierten Verhaltensweisen, sondern ebenso aus Einzelschicksalen, die sich abseits der großen und bekannten Strömungen abgespielt haben.


    Zum einen, wenn ich von Für mich schreibe, meine ich auch für mich. Ich gebe zu, dass dieser Satz für mich eine Allgemeingültigkeit meiner Meinung nahelegen könnte. Das ist dem Medium geschuldet. Ich bin weder Historiker, Soziologe noch Psychologe. Für mich sind überprüfbare historische Fakten relevant, diese werte ich dann ganz unwissenschaftlich für mich aus. Die Verbindung HPL/Morton ist ja auch ein Fakt, den ich aufgenommen habe. Aber letztlich weiß ich nicht, was für eine Relevanz Einzelschicksale und Strömungen für die Frage haben, ob es in den USA Rassismus gab oder nicht. Das ist wieder eine Vermischung zweier Themen. Morton als Einzelschicksal hat sicher auch Einfluss auf HPL gehabt, wir können vielleicht weitere Personen, Schriften etc. finden, die die Denkweise von Lovecraft beeinflusst haben. Aber für das Gesamtbild der USA ist es doch unerheblich. Wir sind uns doch sicher einig, dass es immer und überall mehrere Meinungen gab und gibt, aber welche Schlussfolgerung kann man im konkreten Fall der USA in den 20ern ziehen? Der Rassismus war weniger schlimm?



    Das Narrativ (vereinfacht ausgedrückt) "Zu Lovecrafts Zeit war die Mehrheit rassistisch, also ist es irgendwie verständlich, dass er auch einer war" ist zu oberflächlich. Es dürfte so m. E. auch nicht in einem offiziellen Statement der dLG auftauchen. Allein schon der Hinweis auf James Ferdinand Morton – während der New Yorker Zeit einer von Lovecrafts engen Freunden – straft diese Behauptung Lüge. Hier haben wir ja bereits ein Beispiel für so ein Einzelschicksal – und zwar eins in unmittelbarer Nähe zu Lovecraft!


    Die Aussage wurde seit ich an der Diskussion teilnehme auch von niemanden getroffen. Wenn sie nicht vereinfacht sondern falsch dargestellt meint, dass die Zeit möglicherweise Einfluss auf die Sichtweise und das Denken von HPL hatte, bekenne ich mich allerdings schuldig. Aber hier gab es im Laufe der Diskussion bereits einen Erkenntnisgewinn meinerseits.


    Man müsste aber vermutlich doch dort gelebt haben, um wirklich verstehen zu können, welchen Einfluss öffentliche Meinungsbilder tatsächlich auf ihn (zumal ein Sonderling und vielfach Einzelgänger) gehabt haben.


    Nichts anderes sagte ich im ersten Post:



    Was mir persönlich aber auch bei der Diskussion fehlt, ist die Betrachtung der Gesellschaft. HPL lebte zu einer Zeit in einem Land in dem Rassismus Alltag war. Bis in die 60er gab es in Amerika de facto Rassentrennung (in Teilen der USA). Ich will jetzt nicht relativieren oder schönreden, aber Lovecraft war ein Kind seiner Zeit, der das Talent besaß, mit Worten umgehen zu können. Diese beiden Umstände führten wohl zu diesen Machwerken.


    Ich hatte es als eine Möglichkeit formuliert. Mir schien dies durchaus überzeugend zu sein. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, um es mit Marx zu sagen. D.h. wäre Lovecraft einem permanenten Rassismus ausgesetzt gewesen und hätte er diese Vorurteile in seiner New Yorker Zeit bestätigt gesehen, wären seine rassistischen Äußerungen nachvollziehbar für mich gewesen. Und damit meine ich nicht entschuldbar sondern im Sinne einer psychologischen Wandlung die ich nachvollzogen hätte. Ich habe mich aber gegen andere Argumente bzw. Interpretationen nicht verschlossen. Im Gegenteil, deine Argumentation, dass Lovecraft weit über das hinausgeht, was ich als gesellschaftlich tolerierten Rassismus bezeichne, hat mich auch umdenken lassen.



    Aber wofür ist die Frage, ob die USA zur Zeit von Lovecraft "rassistisch war", hier im Moment eigentlich relevant?


    Die Frage ist obsolet für mich geworden, da sich meine Interpretation durch deine Argumentation als falsch erwiesen hat und ob Rassismus in den USA nun existierte oder nicht, weitestgehend irrelevant für die Aussagen von HPL ist. Ich hab allerdings die Aussage von Axel aufgegriffen, dass es andere Tendenzen gab. Das ist sicherlich richtig, zumal die USA eine Demokratie mit Meinungsfreiheit und einer Bevölkerung mit diversen kulturellen Hintergründen waren und sind. Was mir aber nicht klar geworden ist, welche Relevanz oder Wirkung diese Tendenzen (Strömungen, Meinungen etc.) für die Menschen im Alltag und die Gesellschaft als solche gehabt haben. Und da führte ich an, dass ich eher die Fakten zugrunde lege, die mir bekannt sind.


    Es reizt mich schon ein wenig auf deine Punkte noch genauer einzugehen, aber das hätte mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zu tun. Außerdem führen solche Diskussionen zu nichts, zumindest meiner Meinung nach.

    Hm. Also für mich gelten eher historische Fakten, da muss ich nicht in einer Epoche gelebt haben. Allerdings wird mir vielleicht klar, warum wir hier auseinander gehen. Du hast sicher recht damit, dass es andere Strömungen gab. Ich bezeichne Südafrika vor 1989 als rassistisches Land und dort gab es auch andere Strömungen. Für mich gilt die Norm in Form von Gesetzen, gesellschaftlichen Verhaltensweisen und staatliches Handeln.


    Ironischerweise wurde der Film vom US Militär in Auftrag gegeben, das, wie ich oben verlinkt hatte, Rassentrennung in den eigenen Reihen praktizierte. Übrigens ein Fakt ist auch, das lediglich japanischstämmige Amerikaner während des 2. Weltkrieges in den USA interniert wurden.


    Vielleicht kommen wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner, müssen wir auch nicht. Wir teilen ja die Meinung, dass HPL Rassist war und ich habe auch meine Meinung geändert, dass er lediglich ein Kind seiner Zeit gewesen sei, zumindest meine Sicht auf die Zeit.


    Ich möchte noch einmal auf die Aussage zurückkommen, dass Rassismus zu Lovecrafts Lebzeiten Konsens oder gar wissenschaftlich anerkannt gewesen sei.


    Lovecrafts Freundschaft zu dem Kosmopolit James Ferdinand Morton (1870 – 1941), der ihm hier diametral gegenüber stand, rüttelt an dieser Behauptung. Mehr noch: Dass sich Lovecraft ausgerechnet mit dem Autor eines Textes namens „The Curse of Race Prejudice“ anfreundete, ist ein weiteres Phänomen.


    Noch bevor sich die beiden in New York treffen sollten, gab es 1915 einen Schlagabtausch in den Reihen des Amateurjournalismus. In seiner Erwiderung „Conservatism’ Gone Mad“ – eine Anspielung auf Lovecrafts Publikation „The Conservative“ – bezeichnet Morton Lovecraft als Demokratiefeind und Dogmatiker und wirft ihm vor, seine rassistischen Vorurteile entbehrten der wissenschaftlichen Rechtfertigung (wobei der Ton nachsichtig, etwas altväterlich ist und Morton nicht Lovecrafts schriftstellerische Qualitäten verkennt). Dass diese Vorwürfe Lovecraft nicht beeindruckt haben, wissen wir ja. Dass jedoch gerade auf diesen völlig entgegengesetzten Ansichten eine lange und intensive Freundschaft aufbauen konnte, ist, wie gesagt, ein Phänomen.


    Naja, von der Hand ist aber nicht zu weisen, dass es getrennte Bereiche für Afroamerikaner und Weiße gab sagar staatlich abgesegnet. Im 2. Weltkrieg wurden Einheiten ebenso nach "Rasse" getrennt und Rosa Parks löste einen Skandal aus, weil sie sich auf einen Platz für Weiße setzte und das war 1955. Dass der Rassismus also mehrheitlich, zumindest aber von der weißen Schicht mit Einfluss, akzeptiert wurde, ist leicht anzunehmen. Sicher HPL hätte es besser wissen sollen und das Argument, dass Tötungsfantasien über den allgemeinen Rassismus hinausgehen, habe ich durchaus aufgenommen. Allerdings war die Zeit keinesfalls Tolerant oder aufklärerisch in Bezug auf die Ethnie. Vielleicht bei einigen, aber nicht in der Masse und die schaffte die Realität für die Menschen.


    Ich stelle jetzt einfach mal die mutige These auf, das Gedicht "On the Creation of …" wäre vermutlich von Lovecraft nie in dieser Form geschrieben worden, wenn es damals keinen öffentlichen Diskurs zu diesem Thema gegeben hätte. Auf mich wirkt es viel zu provokant und programmatisch, als dass es nur einen vermeintlich allgemeinen Konsens abbilden wollte. Das liest sich nicht wie ein unreflektierter "Ausrutscher".


    Das ist nicht mutig, dieses Aussage ist ziemlich überzeugend! Ich muss zugeben, dass ich es aus dieser Warte bislang nicht gesehen habe.


    Ich glaube, dass der Artikel der NZZ etwas erreicht hat, was nicht so leicht zu erreichen ist: Er hat mich provoziert. Als Lovecraftliebhaber bin ich nicht auf dem Kreuzzug seine befleckte Weste wieder rein zu waschen, aber ich habe die - nicht substanzlosen - Rassismus Vorwürfe auch als persönlichen Angriff gewertet. Warum? Weil dieser Artikel ein Bild von HPL zeichnet, als sei er und sein Werk so von Rassenhass durchdrungen, dass ihn nur rechte Spinner lesen würden. Das der Autor einen Lehrstuhl inne hat, wirkt dann auch noch, als sei diese Meinung wissenschaftlicher Konsens. Ich will nicht behaupten, dass meine Deutung des Zeitungsartikels richtig ist, aber er führte bei mir zu einen Beißreflex.

    Ich wollte damit auch nicht Lovecraft entschuldigen. Ich wollte damit nur sagen, dass ihm sein Rassismus vielleicht nicht falsch erschien. Wohingegen wir heute durchaus eine andere Vorstellung davon haben (sollten). Ich möchte es an einem Beispiel verdeutlichen: In hundert Jahren vielleicht auch später, werden die Menschen eventuell nur noch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen und die heutige Zeit als barbarisch und zerstörerisch für die Umwelt ansehen. Heute wissen wir bereits das wir Raubbau betreiben. Ähnlich ist es mit dem Klimawandel. Das heißt wir wissen viele Dinge, die wir falsch angehen, aber machen trotzdem weiter. Warum? Aus Bequemlichkeit. Und in einer Atmosphäre, die diese Trägheit akzeptiert, ändern sich nur wenige. Im Gegenteil: Wir etikettieren die Wahrheit um. Klimawandel? Eine Hanebüchene Idee von Ökospinnern.


    Lovecraft war in Sachen Intoleranz kein Held und schon gar nicht Vorbild. Vielleicht mag meine Denkweise falsch sein, ich kann HPL und seine Aussagen dadurch aber besser einordnen.
    Kann man HPL vorwerfen sich nicht allumfassend mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben? Klar! Traf er verachtenswerte Aussagen? Sicher! War er ein Rassist? Ja! Trat er damit aus der Masse hervor? Da bin ich mir nicht sicher und das macht die Kröte für mich leichter zu schlucken.

    Was mir persönlich aber auch bei der Diskussion fehlt, ist die Betrachtung der Gesellschaft. HPL lebte zu einer Zeit in einem Land in dem Rassismus Alltag war. Bis in die 60er gab es in Amerika de facto Rassentrennung (in Teilen der USA). Ich will jetzt nicht relativieren oder schönreden, aber Lovecraft war ein Kind seiner Zeit, der das Talent besaß, mit Worten umgehen zu können. Diese beiden Umstände führten wohl zu diesen Machwerken. Und bei aller Zuneigung: HPL hatte zu Lebzeiten kaum Reichweite. In der NZZ kommen jetzt Aussagen eines Mannes auf den Tisch, der 80 Jahre tot ist und der zu seinen Zeiten Sachen geschrieben hat, die von weiten Teilen der damaligen Gesellschaft akzeptiert waren - allerdings kaum jemand gelesen hat - um aktuelle politische Diskussionen über amerikanische Urängste zu erklären. Was wäre den mit Henry Ford? Dieser Mann hatte wesentlich mehr Einfluss und war bekennender Antisemit.


    Zitat

    Dass Lovecraft selber rassistische Meinungen und Positionen vertrat, steht außer Zweifel: Seit seiner Jugend las er Bücher zu «Rassenkunde» und Eugenik.


    Alleine dieses Zitat zeigt doch, wie sehr Lovecrafts Rassismus nicht für heutige Verirrungen als Erklärung taugt. HPL hatte keinen Giftschrank geplündert, er las keine Bücher, die auf irgendeinem Index standen. Rassentheorie und Eugenik waren anerkannte Theorien und Bücher mit dieser Thematik waren Sachbücher; im Gegensatz zu heute. Heute brauchen wir keine pseudo wissenschaftlichen Erklärungen mehr, um jemanden mit einer anderen Hautfarbe zu hassen.


    Und ich betone nochmals, ich will nichts relativieren, aber historische Persönlichkeiten muss man aus ihrerer Zeit heraus betrachten, um ihr Handeln nachvollziehen zu können. Darüberhinaus halte ich Lovecraft für absolut ungeeignet aktuelle Geschehnisse zu erklären. Auf dem Gebiet der Literatur vielleicht, aber nicht in Sachen Politik. Und das ist die Krux an dem Artikel.