Zuerst, warum wird die Frage eigentlich gestellt?
Es deutet auf Unzufriedenheit mit dem Verlag, mit dem Spiel an sich hin, deshalb stellt sich die Frage:
Was wollen wir (Wir, das ist in diesem Falle das Fandom!)?
Was braucht das Cthulhu-Rollenspiel?
Ich persönlich möchte in erster Linie was Eigenständiges.
Was neues, was die aktuellen Trends und Entwicklungen der deutschsprachigen Cthulhu Szene bedient
und kein verlagsdiktiertes Cthulhu. Gerne auf der Basis von BRP, ich spiele seit 20 Jahren damit
und kann andere Ansätze sehr gut daran ankoppeln, ein neues System empfinde ich hier eher kontraproduktiv
und es längt vom wesentlichen ab.
Wir spielen seit Jahren auf der Plotebene z.B. mit dem Sandbox Ansatz,
das lässt sich auch prima auf das Regelsystem an sich übertragen.
Schön wäre ein Cthulhu Rollenspiel welches von einem Team gemacht wird,
das Freiheiten hat, die Freiheit Einflüsse und Trends die aus dem Fandom kommen, einarbeiten zu dürfen.
Ich persönlich bin interessiert an generischem Material das mein Rollenspiel pusht,
interessanter macht, Stealing Cthulhu ist da ein gutes Beispiel, davon hätte ich gerne mehr.
Dramaturgische Ansätze ausbauen, dem Freeform mehr Raum geben.
Dazu gute neue Plots, die ich noch nie bespielt habe,
mir fallen aus dem Stegreif drei Hintergrund/Abenteuer-Bände ein mit denen man glänzen könnte
und die mir persönlich fehlen, aber da wird jeder seine eigenen Favoriten haben.
Seanchui schrieb:
„Das nun "blind" eine deutsche Version der amerikanischen Verhältnisse existiert
ist ja gerade mein/das (?) Problem und macht die Sache weder verständlicher noch besser…“
Da bin ich ganz bei Seanchui:
Meins ist das auch nicht und wie wir aus der Geschichte wissen, wollten weltweit ca. 50% das nicht.
Trotzdem wurde es durchgezogen und jetzt finden sich wieder alle damit ab
bzw. versuchen das richtige im Falschen zu finden, die anderen sind abgesprungen
und spielen mit BRP weiter.
7.0 wurde ohne zu fragen über das deutsche Fandom gestülpt und ist keine große Leistung,
eher ein gefundenes Fressen. Ich hätte gerne gesehen was Heiko Gill ohne 7.0 auf die Beine gestellt hätte,
die Chance wäre da gewesen, anstatt 7.0 hätte der Verlag hier einen eigenen Weg einzuschlagen müssen, die Zeit war reif!
Aber das ist Arbeit und man müsste sich wieder mit nörgelnden Redakteuren rumschlagen.
Anstatt auf Kontinuität und Kreativität zu setzen, wird der Rückbau von Kernelementen des deutschen Systems,
in die Frank Heller und Marcus Johannus viel gute Arbeit investiert haben, vorangetrieben, warum?
Das Cthulhu Rollenspiel ist mit der 7ten Edition keinen Schritt voran gekommen,
der Verlag schon und hier liegt der Hase im Pfeffer.
Der Verlag guckt auf Produktionskosten, Absatzzahlen, Lagerplatz, Aufwand und vieles mehr - gut, kann er tun aber …
Wenn die inhaltliche Qualität und meines Erachtens sogar das ganze Konzept des Cthulhu Spiels
unter der Verlags Politik leidet, wird das vollkommen zurecht vom Fandom kritisiert.
Aber eigentlich müsste das nicht der Fall sein und wäre es wahrscheinlich auch nicht,
wenn das Cthulhu Rollenspiel von einem vom Fandom mitgetragenen Verlagsmodell
veröffentlicht werden würde. Das könnte Pegasus auch leisten wenn sie wollten!
Ich denke das die Ära Heller schon viel Eigenes gebracht hat.
Unabhängig davon das Frank ein Team aufgestellt hat das über zehn Jahre kontinuierlich gearbeitet hat.
Aus diesem Grunde haben wir zum ersten und wahrscheinlich einzigen Male ein komplettes deutsches Regelwerk
mit allen wichtigen Corebooks, Kampagnen und einer eigenen Zeitung die das Spiel jahrelang begleitete im Schrank stehen.
Diese Kontinuität ist wichtig, muss erhalten und gepflegt werden, deshalb ist ein neuer Verlag nicht die richtige Lösung, es wird dadurch wahrscheinlich nicht besser werden, da die Kontinuität verloren geht und bis sich ein neuer Verlag an den jetzigen Punkt gekämpft hat … brauchen wir nicht drüber zu diskutieren.
Systempflege: Mangelhaft!
Dann kommt noch das große Problem, dass für Neuankömmlinge nichts mehr da ist,
das könnte ein anders aufgestellter Verlag locker mit Crowdfunding, .pdf und Demand Druck auffangen,
das muss man aber wollen.
Dementsprechend ist dies einzig und allein der Politik des Verlages zuzuschreiben und wurde schon 100x durchgekaut.
Ich wünsche allem Anfängern, dass sie zumindest irgendwann die Chance haben an die .pdf’s zu kommen,
denn ich sehe nicht, dass mit der 7ten Edition der Startschuss für ein so umfangreiches Regelwerk gegeben wurde,
wie ich es glücklicherweise im Schrank stehen habe.
Wie wird es besser?
Umdenken und Zusammenarbeiten und Cthulhu nach und nach modernisieren,
mit neuen Spielmechaniken, neuen Plots - mal was wagen!
Der Verlag müsste mal zuhören und aufhören die inhaltlich Linie des Spiels mitgestalten zu wollen.
Denn nicht nur ich unterstelle den „Verlagsbossen“, dass sie schon längst keinen Schnall mehr haben,
wohin sich Cthulhu entwickelt bzw. in den letzten Jahren im deutschsprachigem Raum entwickelt hat,
denn sonst hätten wir anstelle der 7ten Edition jetzt vielleicht ein auf das deutschsprachige Fandom zugeschnittenes System,
das vom Einsteiger bis zum alten Hasen mehrere Spielstile vereint.
Thomas Michalski hat mit seiner Regelüberarbeitung in der CW,
einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, für das deutschsprachige Fandom wohlgemerkt
und Paul Fricker hat mit der 7ten Edition auch einen Schritt in die richtige Richtung gemacht,
aber nicht für unsere Szene!
Alles war da, Ansätze, Ideen, Vorarbeit, gute Leute.
Unabhängig ob 7.0 ein gutes/besseres System ist,
hier wurden und werden Chancen vergeben das Spiel zu verbessern und voran zu bringen.
y.