Beiträge von Kain

    Na ja, was den Roman angeht: Frank hat vor ein paar Jahren mal erklärt, wie er etwa bei der Auswahl von Titeln vorgeht. Komplett liest er i. d. R. nichts. Querlesen, Intuition, Marktbeobachtung und so was in der Art. Dass die Stelle durchgerutscht ist kann ich mir da schon vorstellen. Dem Übersetzer hätte es auffallen müssen. Ob er jetzt darauf schaut, was ein potentieller Autor oder eine Autorin sonst so macht ... wer weiß. Ich würde das wahrscheinlich nicht tun. Wenn es jetzt irgendwie medienträchtig aufgearbeitet wurde, ja. Aber von dem Talley hatte ich zuvor noch nie was gehört.


    An der ansprochenen Stelle musste ich halt schon arg schlucken.

    3. Was nicht leben darf

    Ich breche das Buch jetzt ab. Eine Kaufempfehlung kann ich nicht aussprechen. Mir ist sogar eher danach, jedem vom Kauf abzuraten. Ich denke sogar darüber nach, diese Zufriedenheitsgarantie in Anspruch zu nehmen. Die halte ich eigentlich für ziemlichen Blödsinn, da ich mit "Fehlkäufen" leben kann. Eigentlich.


    Das liegt nicht an der Qualität der Geschichte bis zu diesem Punkt sondern daran, dass ich über den Autoren recherchiert habe. Und den Grund dessen.


    Wie oben gesagt hört sich der Protagonist die Geschichten von vier Gesprächspartnern an. Bei der letzten Story, der des Kapitäns, befleißigt sich der Autor antisemitischer Sprache. Ginge es um das Thema, wäre das eine klar als Antisemit dargestellte Figur (also nicht glorifizierend) wäre das auch bei einem zeitgenössischen Autoren machbar. Dass der Roman in älteren Zeiten spielt (es werden noch Kutschen verwendet) ist keine Entschuldigung. Mag sein, dass entsprechende Kommentare im Zeitrahmen des Romans zur Tagesordnung gehört haben. Von einem kontemporären Autoren erwarte ich da mehr sprachliches Feingefühl.


    Die Google-Recherche hat dann ergeben, dass es sich bei Talley um einen Waffennarren, Trump-head und MAGA-Deppen handelt.


    Auf den Punkt gebracht: In seiner Erzählung bezeichnet die Figur die Israeliten - aus der Sicht der alten Ägypter (Kontext, keine Entschuldigung) ein "Krebsgeschwür" waren und sagt diesen nach, dass sie später (also nach ihrem Auszug aus Ägypten, zeitlich nicht genauer spezifiziert) "degenerierten".


    Wäre das bei einem Autoren aus der Vergangenheit passiert, als solche Ansichten salonfähig waren, würde ich das aushalten. Spiegelt die Zeit wider, in der es entstanden ist, auch wenn es beim Lesen unangenehm ist. Und jemand der seit 100 Jahren tot ist, verdient durch meinen Kauf auch kein Geld mehr. Bei einem zeitgenössichen Vertreter der schreibenden Zunft finde ich es aber völlig inakzeptabel.

    Oh, da werde ich dann wohl versuchen müssen an den Fritz Leiber Band zu kommen.

    Wie gesagt, die erhöhte Auflage sollte das möglich machen. Der neueste Band ist jetzt schon seit fast einem Monat raus und hat bisher noch nichtmal die Anzeige der bisher verkauften Ausgaben hinzugefügt worden. Ob da nun die Differenz von der alten zur neuen Limitierung noch lieferbar ist, oder sich die Erhöhung der Limitierung allgemein negativ auf die Verkäufe ausgewirkt hat mag ich nicht beurteilen. Wie dem auch sei, mit "Was nicht leben darf" habe ich inzwischen angefangen. Einmal mehr geht es nicht in die Richtung von Edward Lee und Co. Das ist gut. Strukturell ist der Band so aufgebaut, dass sich der Protagonist die Geschichten von vier Leuten anhört. Da bin ich gerade bei der dritten Erzählung. Die erste hat mir bisher am besten gefallen. Das ganze Drumherum mit den Fallenstellern mag von Jack London beeinflusst sein. Kann ich nicht beurteilen. War aber ganz nett. Die zweite Erzählung fand ich etwas zäh. Alles in allem merkt man, dass Talley ein Fan von "Dracula" ist. Die Reise in der zweiten Geschichte erinnert sehr an die entsprechende Stelle bei Stoker. In der dritten heißt dann der Chef einer Irrenanstalt Dr. Seward. Und sein Kollege ist Dr. Harker. Die dritte Geschichte gefällt mir bisher wieder besser. Bin mir aber noch nicht sicher, wie das die Handlung voranbringen soll. Das Buch ist in mehrere Teile gegliedert. Im ersten wird der Held der Geschichte auf seine Mission geschickt. Die nächsten sind den Erzählungen seiner Gesprächspartner gewidmet und werden immer länger. Am Ende geht der Platz für die Suche des Protagonisten aus. Mal sehen. Bisher würde ich die Bände der Reihe so einordnen:


    1. Tote Titanen, erwacht!

    2. Southern Gods

    3. Was nicht leben darf

    4. Die Romanze von Dunwich (Und auf dem Platz ist das Buch nur, weil die Inspiration von Lovecraft auch enthalten ist. Sonst wäre es noch weiter hinten.)

    Wobei das ja nun nicht mehr geht. Schutzumschläge mag Frank nicht mehr. Sind jetzt auch in den HCs bedruckte Cover. Aber gut, wenn mir der Inhalt dann gefällt, kann ich mit einem weniger gefälligen Titelbild dann durchaus leben. In dieser Reihe ist es bisher aber alles in allem in Ordnung. Das Cover von "Die Romanze von Dunwich" ist nicht mein Fall, aber da gab es schon Schlimmere bei Festa. Das von "Tote Titanen, erwacht!" gefällt mir richtig gut. Die nächsten beiden sind in Ordnung, wenn auch nichts Besonderes. Band 4 (der Neue) gefällt mir dabei etwas besser als "Southern Gods".

    Aus dem Forum, ein Ausblick auf nächstes Jahr:

    Von Michael Shea kenne ich nur die eine Ausgabe aus den früheren Tagen der Reihe. Der hat mir ganz gut gefallen. Leiber finde ich auch ganz interessant. Gibt Hoffnung.

    Festa will sämtliche Erzählungen in 6 Bänden bringen. Dazu eine eben vollendete Biographie:


    Robert Aickman - Horror & Thriller Forum
    Ein Meister seltsamer und unheimlicher Geschichten ... https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Aickman youtube.com/watch?v=M-FyIYMEFj…kf4BszWlrIa4FyHY6H0VfX730
    www.horrorundthriller.de


    Zitat
    Bei Festa in Vorbereitung: Alle Erzählungen von Robert Aickman

    6 Bände, etwa 2.500 deutsche Buchseiten. Dazu die gerade fertig geschriebene Aickman-Biografie von Ray Russel, die noch nicht veröffentlicht wurde. Vielleicht bei Festa in Welterstveröffentlichung.


    Genaueres zu diesen Mammutprojekt kann ich noch nicht sagen. Ich freue mich drauf.


    Bin vorsichtig gespannt. Von der Ankündigung im Forum bzgl. Seabury Quinn hat man seitdem ja auch nichts mehr gehört.


    EDIT:


    Da habe ich frecherweis mal nachgefragt. Und dann gesehen, dass vergangenen Oktober schonmal jemand gefragt hat. Ohne Reaktion.

    Welches Buch mir ebenfalls umgehend einfällt, wenn wir über cthulhoide Literatur sprechen ist "Ich hol dir die Vögel vom Himmel" von Brian Hodge, erschienen im Festa Verlag.

    Das habe ich kürzlich gelesen. War ganz nett. Z. T. vorhersehbar. Irgendwie auch zahm. Aber das mag an der Kürze liegen.

    Ich bin durch.


    Unterm Strich hat es mir echt gut gefallen. Ich war definitv positiv überrascht, dass es nicht in die Edward-Lee-Ecke ging. Auch wenn es mitunter etwas deftig wird. Aber das geht nie in die Ekelsparte über und dürfte dem geschuldet sein, wohinter ich einen Hardboiled-Einfluss vermute (wie gesagt, kenne mich da nicht aus). Ein bisschen Straffung wäre vermutlich nicht schlecht gewesen. Es gibt Sexszene die ich bestenfalls peinlich fand. Hätte man nur erwähnt, dass die beiden Figuren in der Kiste landen, hätte das auch gereicht. Dass Motive aus "King in Yellow" verwendet werden, hat mir durchaus gefallen. Das Südstaatensetting lässt mich dadurch auch an die erste Staffel von "True Detective" denken. Wobei es damit natürlich nichts zu tun hat. Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt. Das Ende fand ich etwas eigenwillig.

    Band drei ist inzwischen bei mir eingetroffen. Gestern war "Southern Gods" zu 98,x % vergriffen. Möglich, dass noch welche verfügbar sind. Außerdem der erste Band der Reihe, der nicht schon vor Erscheinen vergriffen war.


    Ich habe heute morgen auf dem Weg zur Arbeit damit angefangen und jetzt drei Kapitel gelesen, zzgl. Prolog. Letzterer zeigt bereits an, dass es sich um einen Horrorroman handelt und spielt in der Vergangenheit. Also ein Prolog in jeder Hinsicht, wenn man so will. Der Handlung des Romans (also in der Gegenwart des Buches) führt die unheimlichen Sachen bisher recht vorsichtig ein. Es ist an dieser Stelle kein Ekel-Sperma-Pipi-möglichst-harte-Vergewaltigungen-Splatter-und-Blut-Horror. Ich bin kein Spezialist für dieses Genre, aber ich würde sagen, dass hier Elemente des Hardboiled-Krimis angewandt und mit dem Cthulhu-Mythos verwoben werden. Bisher ist es ganz gut lesbar.

    Nun ja, die stärkeren waren ja schon in Band 1. Das ist halt "übrig". Bin aber ganz froh, dass es diese Geschichten dann auch mit Kommentar von Klinger gibt. Mal sehen ob es einen dritten mit den Kollaborationen, Überarbeitungen usw. geben wird.


    Zitat
    1. The Shadow on the Chimney
    2. A Passer in the Storm
    3. What the Red Glare Meant
    4. The Horror in the Eyes

    Die sagen mir irgendwie gar nichts.


    EDIT:


    Ach je, das sind nur die Kapitel ... -_-