Beiträge von Chris

    Habe mir kürzlich eine Lesung von "The White People" angehört. Bin hin- und hergerissen: die Geschichte ist ... anstrengend. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht sie aufmerksam bis zu ende zu hören - und wenn es nicht ein Klassiker gewesen wäre der mir schon so oft empfohlen wurde - ich hätte ihr nicht die zweite, dritte und vierte Chance gegeben die es gebraucht hat bis es bei mir "klick" gemacht hat. Sowohl die Rahmenhandlung (überheblicher Monolog eines Exzentrikers zur Natur der Sünde) als auch der Haptteil (Tagebuch eines Mädchens das ohne Struktur ihren Gedanken folgt) sind alles andere als angenehm aufzunehmen. Das ist vermutlich Absicht von Machen - und insofern gebührt ihm Respekt dass er es schafft sowohl den überheblichen philosophischen Monolog als auch den kindlichen Gedankenerguss jeweils auf ihre Weise realistisch und anstrengend wirken zu lassen. Trotzdem ein literarisches Wagnis, denn wenn man diese anstrengenden Partien weglässt dann bleibt nichts mehr übrig was literarisch angenehm sein könnte.


    Allerdings: nachdem ich mich dann doch durch die Erzählung gequält und ihr inhaltlich eine Chance gegeben habe, da ist es mir unmöglich sie nicht zu mögen. Denn hat man sich erstmal durch die äußerst anstrengende Präsentation gequält und ist zum Inhalt gelangt, so findet man hier eine faszinierende Feengeschichte mit mehr als nur ein paar guten Ideen. Und diese Inhalte sind es mehr als wert, sich durch die anstrengende Form zu kämpfen.


    Letztendlich scheint mir diese Geschichte wie die literarische Form eines Found Footage Films. Sich dort über das verwackelte Bild zu beschweren erscheint mir ebenso am Ziel vorbei, wie hier über die anstrengende Lektüre.


    Wen es interessiert, hier die Lesung die ich gehört habe - und hier noch eine Podcast-Folge die die Geschichte bespricht.

    Ja, lasst uns gerne mit den vorgeschlagenen Titeln anfangen. Die hatte ich als Klassiker der Schauerliteratur ohnehin schon viel zu lange auf meiner "irgendwann mal lesen" Liste. Alle zwei bis drei Monate klingt auch gut (realistischer als jeden Monat, wenn wir hier ganze Romane und nicht bloß Kurzgeschichten lesen).


    Eine Mitschrift fände ich super, um unsere Ergebnisse irgendwie festzuhalten. Aber setzt natürlich voraus dass sich jemand die Mühe macht das aufzubereiten und die gemeinsamen Notizen in eine lesbare Form zu bringen. Insofern: super falls es klappt, aber falls nicht dann sollte das auch kein Showstopper für uns sein. Lasst uns nicht mit zu hohen Erwartungen starten.


    Eine Sekundärliteraturliste oder Expertenvorträge müssen für mich hingegen nicht unbedingt sein. Ich würde mir eher wünschen: wir alle lesen dasselbe Buch (wer möchte darf gerne gemäß den eigenen Interessen weiter recherchieren) und unterhalten uns am Ende auf Augenhöhe über unsere Eindrücke und ggf. die eigene weiterführende Recherche. Von vorneherein einen "Experten" zu benennen der mehr Rederecht hat das wäre mir etwas zu sehr "von oben herab". Bezüglich der Sekundärliteratur würde ich einerseits gerne die Einstiegshürde gering halten (es ist vollkommen okay mitzumachen und dabei nur den Originaltext zu lesen) und andererseits glaube ich wir (bzw. die von uns die Zeit für die "Extrameile" haben) könnten mehr abdecken wenn wir jeweils eigene Recherchen anstellen anstatt alle dieselbe Sekundärliteraturliste zu lesen. Vielleicht könnten wir aber eine Art Materialsammlung machen, z.B. hier im Forum: jeder von uns der während der Lektürephase auf etwas relevantes stößt kann das direkt mit allen teilen - und muss damit nicht bis zur "Abschlussbesprechung" warten. Wäre dann quasi ein Hybrid-Format: knapper Austausch hier im Forum während der 2-3 Monate - und eine abschließende Discord-Gesprächsrunde am Ende.

    Aus Kosten- und Logistik-Gründen kann ich die Entscheidung natürlich nachvollziehen. Etwas schade finde ich es aber schon: ich mochte das alte getackerte Heft-Format. Klebegebundene Softcover auf Hochglanzpapier lassen sich leider nicht so schön flach öffnen bzw. bleiben oft auch nicht offen liegen. Habt ihr euch denn schon Gedanken gemacht ob ihr dieses neue Format als neuen Standard beibehalten wollt? Oder ist das eine einmalige "Notausgabe"?

    Danke für den Tipp. Staffel 3 wurde vor ein paar Tagen veröffentlicht. Sehr hörenswert, auch wenn die neuen Folgen in meinen Augen ganz an Staffel 1 heranreichen. In der dritten Staffel war am Ende erstaunlich weinig Shadow over Innsmouth, dafür wieder garniert mit vielen Bezügen auf die Geschichte des Okkultismus und anderer unerklärten Ereignissen der realen Welt, sowie auch anderer Teile des Lovecraft-Mythos.


    Die einzige Lösung die mir sonst noch einfällt sähe so aus: Dagon (Begriffsklärung)


    Alles auf einer Seite mit verschiedenen Abschnitten. Die Seite könnten wir dann wieder in "Dagon" umbenennen - und in allen passenden Kategorien ablgegen.


    Vorteil: Tooltip und Verlinkung würden funktionieren.

    Nachteil: ziemlich viel vermischte Inhalte auf einer Seite zusammengewürfelt.

    Schade. Hat der Support sich dazu geäußert ob das vielleicht in absehbarer Zeit verbessert wird? Haben sie gesagt was alles als Sonderzeichen zählt? Bindestrich auch? (Würden das Cthulhu-Mythos Phänomen erklären) Kommas? Umlaute?

    Ja, eigene Kategorie Meta/Begriffserklärung finde ich auch am schönsten.

    Aktuell wird "Dagon" alleine gar nicht mehr automatisch verlinkt. Ich würde vorschlagen "Dagon" alleine als Alias für "Dagon (Begriffserklärung)" zu definieren, damit die automatische Verlinkung des Begriffs dann auf die Begriffserklärung geht. Oder seht ihr das anders?

    Super dass es vorangeht!


    Mir ist aufgefallen dass die automatische Verlinkung nicht immer das gewünschte Ergebnis liefert:


    "Dagon (1917)" in der Leseliste meint natürlich die Geschichte diesen Namens - die Website verlinkt aber auf die Wesenheit. (Zu allem Überfluss gibt es auch noch einen gleichnamigen Film von 2001, der aber nicht diese Geschichte sondern "Schatten über Innsmouth" verfilmt, welcher in einem anderen Kontext auch gemeint sein könnte).


    Ähnlich wäre es mit "Cthulhu" - je nach Kontext kann die Wesenheit oder das Rollenspiel von Pegasus gemeint sein.


    Das könnten wir mit Disambiguations-Artikeln lösen, ähnlich wie Wikipedia das macht: zum Beispiel "Dagon" ist ein Alias auf einen Artikel "Dagon (Disambiguation)", welcher nur eine Auflistung möglicher Bedeutungen enthält: "Dagon (Geschichte)", "Dagon (Wesenheit)", "Dagon (Film)" die jeweils eigene Artikel sind. Die automatische Verlinkung würde dann zumindest immer alle möglichen Bedeutungen im Tooltip und hinter dem Link zeigen.


    Wenn allgemeines Interesse an der Idee besteht, dann lege ich gerne mal entsprechende Seiten an ... müssten dann nur noch vorab klären in welcher Kategorie im Wiki wir Disambiguations-Artikel anlegen. "Meta"?


    Eine andere Sache noch: Cthulhu Mythos (mit Leerzeichen) wird korrekt verlinkt, Cthulhu-Mythos (mit Bindestrich) hingegen nicht. Insbesondere Lovecraft-Neulinge würde das auf die falsche Fährte führen, da der Mythos sich ja gerade nicht nur um diese eine Wesenheit dreht. Das scheint mir ein Bug zu sein, oder?

    Bisher konnte ich mir nie richtig vorstellen konnte wie ich vorstellen soll was beim "auf Bindungen projizieren" in FHTAGN oder Delta Green in der Spielwelt passiert.


    Jetzt hatte ich ein Aha-Erlebnis beim Hören eines Actual Play Podcasts:



    Dort gehört: SC hat im Einsatz einen Zombie getötet, kann deswegen keine Zombiefilme mehr anschauen, sagt deswegen das traditionelle Zombiefilm-Schauen mit seiner Bindung ab, die fühlt sich deswegen verletzt, deswegen reduziert sich der Bindungswert.


    Das leuchtet mir ein - aber gleichzeitig habe ich eine Frage: Das projizieren ist ja keine bewusste Charakter-Entscheidung in dem Moment in dem der Stabilitätsverlust auftritt, sondern es ist eine Art von Verlust die sich erst in der Zwischenszene entfaltet. In dem Podcast wurden die Spieler auch erst in der Zwischenszene gefragt ob sie projizieren wollen und wenn ja auf welche Bindung. Das scheint mir vom Narrativ her auch die elegantere Lösung zu sein. Aber: nach den Regeln passiert das Projizieren ja im Moment des Stabilitätsverlusts. Wenn ein einzelner Stabilitätsverlust gegen Ende eines Szenarios auftritt macht das keinen Unterschied - aber was wenn danach weitere Stabi-Proben nötig sind oder die Belastungsgrenze erreicht würde? Dann sollte die Entscheidung ob man projiziert ja sofort beim Eintritt des Stabilitätsverlusts getroffen werden. Aber was passiert dann in diesem Moment im Narrativ und im Innenleben des SCs? Wie handelt ihr das ab?

    Auch auf die Gefahr hin, vom eigentlichen Thema abzukommen - diese These würde ich gerne aufgreifen, Dark_Pharaoh : ist das Problem hier wirklich Systemdesign? KatharinaKuo schreibt ja gerade dass Problem ist "schlechtes Abenteuerdesign oder ein unflexibler Leitstil, aber keine Frage der Regeln". Auch die Beispiele die sie bringt ("Die Charaktere könnten die Türe ja auch aufbrechen (macht Lärm), einer Wache den Schlüssel abnehmen, einen anderen Eingang suchen usw.") zeigen ja gerade alternative Lösungsansätze die im Rahmen klassischer Regeln "by the book" möglich sind - ganz ohne "Hausregeln". Das deckt sich auch mit meiner persönlichen Spielerfahrung: ein Spiel mit klassischen Regeln kommt ins Stocken wegen schlechtem Abenteuerdesign (es gibt einen einzigen ganz bestimmten "Schalter" den die SCs umlegen müssen - und zu weniger Hinweise darauf) und/oder unflexibler Leitstil (SL erlaubt alternative Lösungswege jenseits des angedachten Plots nicht, obwohl die Regeln dies zulassen würden).


    Dark_Pharaoh wo siehst du denn in den Beispielen die KatharinaKuo bringt die Notwendigkeit für "Hausregeln"?


    Eine gewisse Souveränität und Bereitschaft zur Improvisation als SL ist in einem klassischen System sicher notwendig - ich vermute das meinst du mit "Erfahrung" - und ich kann nachvollziehen warum ein "modernes" erzählerisches System wie PbtA einer in dieser Hinsicht unerfahrenen und unsicheren SL einen kräftigen Schubs in die richtige Richtung gibt. Ich würde dir auch voll zustimmen wenn du von veraltetem Abenteuerdesign gesprochen hättest (denn da kenne ich auch viele schlimme Dinge) . Trotzdem würde ich behaupten dass auch ein klassisches System "by the book" und ohne "Hausregeln" alternative Lösungsansätze ohne Steckenbleiben ermöglichen, sofern sich auch Abenteuer und SL an ebendiese Regeln halten. Das Problem tritt dann auf wenn Abenteuer und/oder SL sich über klassische Regeln hinwegsetzen.

    Zitat
    Welche weiteren Bände kennt ihr, in die Lovecraft nahezu heimlich, still und leise Einzug gehalten hat? Und welche sind empfehlenswert?

    Die Hellboy-Serie - und insbesondere deren Ableger B.P.R.D.: die Froschmenschen die dort die Welt überrennen sind schon ein sehr deutliches Zitat.


    So ziemlich alles von Junji Ito: kosmischer Horror in Reinform, ganz ohne Cthulhu-Mythos-Elemente zitieren zu müssen.

    Danke für deine Empfehlung. Am Ende habe ich mich dann aber doch für diese Ausgabe von Wordsworth entschieden, weil ich die Geschichtensammlung in ihrer Originalzusammenstellung haben wollte:

    https://wordsworth-editions.co…pernatural/king-in-yellow


    Hier bekommt man zu einem unschlagbar günstigen Preis tatsächlich ein ganz akzeptables Buch: das Cover-Design ist ansprechend und modern (sogar mit Relief-Prägung), Papier und Klebung sind okay (nicht berauschend, aber habe bei britischen Taschenbuchausgaben schon deutlich schlechteres gesehen), das Druckbild is ansprechend, das Buch enthält eine Einführung von David Stuart Davies (nicht überragend, aber solide) - und die Ausgabe ist vollständig (inklusive der Gedichte und der nicht-übernatürlichen Geschichten am Ende der Sammlung). Klare Kaufempfehlung.


    (Und ganz nebenbei: bei einem Preis von unter 3,50€ inklusive Versand für ein internationales Buch, da kann ich schon irgendwie nachvollziehen warum der große gelbe Versandhandelskonzern kein Interesse mehr am Büchergeschäft hat.)