Beiträge von derTräumer

    Komplett richtig. Der genaue Zusammenhang ist strittig (und sollte in der Forschung evtl. auch so markiert werden) sofern nicht weitere Informationen verfügbar werden, was zur Zeit unwahrscheinlich ist.


    Leider ist in dem sonst hervorragenden Band "Selected Letters of Clark Ashton Smith" ja nur Smiths Teil der Korrespondenz enthalten (ich schiele da erwartungsvoll zur Hippocampus Press, die ja unlängst angekündigt haben aufwendige Brief-Sammlungen Smiths mit diversen Autoren zu veröffentlichen). Solange kann man nur mutmaßen: In den letzten drei Briefen vor dem 13. April 1937 erwähnt Smith "The Return of Hastur" nicht, Derleth vollendete die Geschichte nach HPLs Tod, daher vermute ich, dass Derleth sie Smith als Antwort auf dessen Brief vom 30. März 1937 schickte, er diese dann im Brief vom 13. April 1937 kritisierte. Übrigens eine der frühesten Kritiken an Derleths Mythos-Bild die überliefert sind.


    Derleth erwähnt "The Return of Hastur" bereits in einem Brief vom 19. Februar 1932 an HPL (Essential Solitude. S. 455.). Sie lag also wirklich lange als "first draft" in der Schublade.

    Das mit Howard Wandrei hat mich jetzt nicht losgelassen.


    Auch in einem Brief von Derleth an E. Hoffmann Price vom 18. März 1948 (Schultz, David E./ Joshi, S.T. (Hg.): Essential Solitude. I. S.20) taucht die Version auf, das es ein Brief von Howard war.



    "Hasturs Rückkehr" wurde noch vor HPLs Tod (nach Derleths Angaben 1936 begonnen - ich finde gerade meine Aufzeichnungen nicht um das mit der Sekundärliteratur zu vergleichen) und durch einen kreativen Schub dessen Auslöser HPLs Tod war beendet.


    Die anderen Geschichten sind im Endeffekt Derleths Versionen bekannter Geschichten Lovecrafts.

    Ich gebe dir vollkommen Recht bei allen Aussagen.
    Ich finde es gut, dass mittlerweile auch mehr Material zu Derleth zugänglich wird. Wobei das Projekt sicher nie so ausführlich begangen wird wie etwa HPL,CAS oder REH.


    Zu deiner Frage:
    Ich beziehe mich dabei auf Lin Carter "A Look behind the Cthulhu Mythos" (S. 131) - angeblich ja nach langen Interviews mit Derleth geschrieben.
    "J. Koblas: The Lovecraft Circle and others" habe ich leider nicht (der Fluch der schlechten Verfügbarkeit solcher Bücher). Daher wusste ich - von dieser Seite her nichts von der Doppelreferenz. In "I am Providence" habe ich es anscheinend nicht bewusst wahrgenommen.

    Ich kopiere mal den table of content des Buches:



    Es sind knapp 30 Briefe von Derleth an HPL ( HPL hat außer CASs und REHs, sonst wohl nur Barlows Briefe sorgsam verwahrt), natürlich die vielen Briefe HPLs an Derleth (dank Joshi ungekürzt).
    "The Weird Tale in English Since 1890" ist seine Semesterarbeit (leider jedoch nur im Exzerpt erhalten).
    Die anderen Texte sind Essays Derleths, welche er ab Lovecrafts Tod in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte.
    "H.P.Lovecraft, Outsider" ist hier wohl einer der wichtigsten, da er soetwas wie ein "In Memoriam" ist und kurz nach HPLs Tod erschien. Bereits hier tauchen die ersten Fehldeutungen Derleths auf (1. der Dualismus Gut/Böse , 2. die "Black Magic Quote").

    In der Tat, das wollte er. Zumindest im Groben.
    Derleth war zwar Pulp-Autor aber wie Lovecraft auch ein begeisterter Regional-Writer (nur das Derleth in diesen Teil seiner Werke keine phantastischen Elemente einbaute - die Geschichten ähneln eher der Heimat-Literatur, er sammelte Anekdoten und Überlieferungen/Geschichten aus seinem County und verarbeitete diese)
    Thoreau war tatsächlich einer seiner großen Einflüsse, nicht ohne Grund heißen zwei seiner Werke (regionalliteratur) "Walden West" und "Return to Walden West". Generell war er sehr gerne in der Natur: Mit Menschen die er sehr mochte verbrachte er ganze Tage im Wald um seine lieblings Pilze zu suchen, Morchel.


    Die "Essential Solitude"-Bände sind ganz hervorragend, im Anhang findet sich ein Essay Derleths über Supernatural Literature, dass er als Semeserarbeit (English Literature) abgegeben hat, in dem er Lovecraft hervorhebt. Zudem finden sich dort noch viele andere wichtige Texte im Anhang. Leider haben nur 30 Briefe von Derleth an HPL überlebt, sodass dieser Teil recht mager ist.
    Besser erhalten ist die Korespondenz mit Ramsey Campell (wenn ich mich nicht irre ist sie in gänze erhalten). Hier wird es unter anderem deswegen spannend, weil man dort einen gealterten Derleth erlebt, der vor allem nüchterner Verleger ist.

    Da gibt es glaube ich keine einseitige Antwort, kein Schwarz und Weiß.
    Zu Anfang von Arkham House (da sind sich auch alle, von Joshi über Grobe Litersky bis Haefele einig) war es ein idealistisches Projekt um einen hochgeschätzten Freund und Mentor vor dem Vergessen zu bewahren. Man bedenke den Mythos den Derleth von sich selbst gestaltet hatte, dass er sich bei einer Wanderung in der Landschaft von Sauk City mit einem Buch von Thoreau und dem ungeöffneten Brief (in dem er von HPLs Tod erfahren sollte) von Howard Wandrei, Donalds Bruder, um den Brief zu lesen, dabei vor Entsetzen das Buch liegen lies und noch dort beschloss eine Sammlung von Lovecraft-Geschichten in Hardcover zu veröffentlichen. Nach Derleth entstand SO Arkham House.
    Es gab aber diesen Punkt in der Geschichte des Verlags an dem Donald Wandrei sich fast komplett zurückzog und Derleth den Verlag quasi alleine betrieb. Zwar ist Wandrei der Haupt-Editor der Selected Letters, aber mit dem "Management" des Verlags hatte er wohl nicht viel zutun. Vermutlich weil der Löwenanteil des Verlagskapitals von Derleth kam. Außerdem sicher auch, weil die Geschäftsadresse des Verlags Sauk City/Wissconsin (das "Arkham House" - es war ja gleichzeitig Derleths Wohnhaus) war, während Wandrei in Minnesota lebte.
    Aber das ist natürlich nur eine These.


    Letztlich bin ich diesbezüglich noch über keine befriedigenden Quellen gestoßen, vermute aber auch, das ich solche nicht mehr finden werde.


    Beim lesen der drei oben genannten Autoren kam es mir eher so vor, als ob Wandrei Arkham House als ein gutes Projekt von vielen betrachtete, während Derleth sich von Anfang an darüber im klaren war, dass man den Verlag professionell und gewinnbringend führen musste. Wobei er nunmal auch viele der Entscheidungen traf, die zu den Umdeutungen Lovecrafts führten, sei es die Elementar-Lehre oder der christliche Unterton, den er Lovecraft in den Mund legte, oder die "black magic quote!, oder eben das imaginierte Copyright und vieles mehr.


    Wie gesagt, das ganze ist ein Thema, mit dem man ein Buch füllen kann.

    Derleth hat den Bankkredit, den er für sein Haus bei der Bank aufgenommen hatte dafür benutzt The Outsider and Others zu veröffentlichen. Tatsächlich kamen 80% des in AH gegangene Kapital von Derleth und nur 20% von Wandrei.
    Sehr informativ ist hier die (sonst eher mäßige) Derleth-Biografie (Grobe Litersky, Dorothy M.: Derleth. Hawk and Dove. The National Writers Press. 1997) und (Haefele, John D.: August Derleth REDUX. The Weird Tale 1930-1972. H. Harksen Productions. 2009).


    Ich werde mich am Wochenende mal an ein Autorenportrait setzen. Das Interesse scheint ja da zu sein :)

    Danke Blackdiabolo,


    Ja, im Endeffekt kann man jede der posthumen Kollaborationen auf Einträge aus Lovecrafts Notizbuch zurückführen. Joshi geht da in Gänze in "Joshi, S.T.: The Rise and Fall of the Cthulhu Mythos. Mythos Books. 2008" auf die einzelnen Fälle ein, wobei Haefele ("Haefele, John D.: A Look Behind the Derleth Mythos. Origins of the Cthulhu Mythos. H. Harksen Productions. 2012") in relativ rechthaberischer Manier ihn in - ich glaube - zwei Fällen verbessert. Die beiden Beispiele, die ich in meinem Text nenne, habe ich selbst ausgearbeitet, ich weiß nicht ob ich da Joshis/Haefeles Aussage bestätige, wahrscheinlich aber schon.


    Der Charakter von Derleth ist eine sehr komplexe Sache. Zum Einen hat er halt eine ganz andere Art von Selbstbild als HPL: Er sah sich als Berufsautor (also wie REH), dadurch war ihm wichtig viele Texte zu verkaufen, gerade nachdem er (mit Wandrei) Arkham House gegründet hat. So war er zum Beispiel auch fest davon überzeugt das Copyright an allen Geschichten HPLs zu besitzen (hier ein guter Text warum das unfug ist: http://www.aetherial.net/lovecraft/arkham.html ), sodass er (wie in einem Brief an Ramsey Campell (Joshi, S.T. (Hg.): LETTERS TO ARKHAM. The Letters of Ramsey Campbell and August Derleth, 1961-1971. PS Publishing LDT. 2014, S. 23) 1961) versucht Campbell einzureden, dass das Schreiben von Cthulhu-Mythos-Geschichten nur nach seiner Erlaubnis gestattet ist.
    Zum Anderen hing auch tatsächlich seine Existenz und die seiner Familie daran Bücher zu verkaufen.


    Ich hoffe in einem Jahr meine Masterthesis als erweiterte/überarbeitete Ausgabe drucken lassen zu können, da werden alle Aspekte von Lovecraft/Derleth/Cthulhu-Mythos behandelt.


    Auf Wunsch kann ich gerne eine Literaturliste anfertigen, falls ernsthaftes Interesse besteht. Aber ich plane eh ein Autorenportrait und eine Basisbibliothek (ein neues Textformat bei uns), also eine kommentierte Zusammenfassung von Primär- und Sekundärliteratur.



    Liebe Grüße,
    Niels