Beiträge von Antonia

    Für ein Beispiel, wie ein Computerspiel mit dichter, verzweifelter Stimmung aussehen kann, empfehle ich "Heavy Rain". Es handelt sich eher um einen interaktiven Film und hat keinen Mythosbezug (man versucht in unterschiedlichen Rollen einen Serienmörder zu fangen), aber eine unfassbar dichte, verstörende Stimmung. Und im Gegensatz zu einem Film bleibt das nagende Gefühl, dass du für jeden Misserfolg durch deine Handlungen verantwortlich bist.
    Würde man ein ähnliches Narrativ anschlagen, könnte man meiner Meinung nach auch kosmischen Horror ausgezeichnet vermitteln.

    Bei mir taucht der Mythos so auf, wie es meiner Einschätzung nach realistisch wäre und wird so wahrgenommen, wie ich mir vorstelle, dass er von Menschen wahrgenommen wird.

    Sprich, ich bringe die typischen "Mythos-Trigger" (du hörst, riechst, schmeckst was Komisches, irgendwas an dem Gesicht des Typen beunruhigt dich, du hats ein komisches Gefühl, wer zur Hölle malt sowas??), auch oft im nicht-mythos-Kontext, einfach weil ich das im "echten Leben" genug beobachte. Ich mache das oft davon abhängig, wie viel Mana ein Charakter hat und wie aufmerksam oder sensibel er gespielt wird.
    Das führt zum Einen dazu, dass die Gruppe konstant leicht beunruhigt ist, nicht sofort den "Endgegner" erschießt, weil irgendjemand das Gefühl nicht los wird, etwas stimme nicht, und vor Allem die Spieler dazu neigen, ihren Charakteren nicht mehr so zu vertrauen.
    Was meiner Einschätzung nach den Horror verstärkt und das Spiel unfreiwillig nicht-linear macht.
    Die Welt ist gruselig und bedrohlich genug, das kann man schon mal ruhig heraus arbeiten ;)

    Mythos-Monster gibt es bei mir wohldosiert, auch nach meiner Einschätzung eines realistischen Auftretens. Sprich, einen Ghul in der Kanalisation zu finden, kann schon mal passieren, ein Dunkeljunges, das im Wald vorbei huscht oder ein Hinterwäldler mit Verdacht auf ... nun ja, fischige Vorfahren auch. Wenn dich eine Byakee angreift hast du schon ein ganz massives Problem, und dann gehe ich bei meinen Charakteren von einem derartigen Grundstress aus, dass sie das Ganze nur noch auf ihr Überleben fokussiert wahrnehmen. Sprich kein "Über dir siehst du ein x mit a Flügeln, b Beinen und einer Menge Tentakeln", sondern man realisiert nur, es fliegt, man hört Schnappen oder das Kratzen von Klauen auf Stein, vielleicht spürt man schleimige Tropfen auf seiner Haut oder schlittert über etwas Glitschiges etc.
    Jeder der mal in einer wirklich bedrohlichen Situation war weiß, dass Gehirn und damit auch die Wahrnehmung da anders funktioniert, das versuche ich einzufangen.

    Alles, was in Richtung Großer Alter, Äußerer Gott usw. geht kam bei mir eigentlich nur im Abspann vor. Und dann auch nur, wenn irgendwas ganz gewaltig schief gelaufen sind. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Wenn so ein Vieh erstmal da ist, dann wird man es betimmt nicht mit einer Gruppe Ermittler wieder los.
    Nach dem einzigen Kontakt meiner Gruppe mit Azazoth - und sie haben ihn nur durch ein Tor gesehen - nahm sich selbige im darauf folgenden Jahr fast geschlossen das Leben. Das war für mich als Meister konsequent, auf eine gewisse Art sehr erfreulich und zeigt mir, dass ich die Bedrohung ausreichend drastisch rüber gebracht habe.
    Aber führt eben auch dazu, dass ich mir das für besondere Momente aufheben werde, sowas nutzt sich ja durchaus ab.
    Mal abgesehen davon können wir vermutlich auch davon ausgehen, dass nicht alle zwei Woche irgendwo irgendwer beschworen oder aufgeweckt werden soll. Es steht ja nicht immer alles richtig, die Anzahl der Kulte hält sich in Grenzen und seien wir mal realistisch - wenn es alle Nase lang jemand versuchen würde, dann stünde hier länger nichts mehr, so knapp wie das oft wird ;)

    Was ich ziemlich exzessiv mache, weil ich solche Szenen einfach liebe, sind Kontakte mit Menschen, die mit dem Mythos in Verbindung stehen in sozial restriktivem Umfeld. Zum Beispiel auf einer großen Gala, auf der sich der mutmaßliche Gegenspieler so richtig viel Zeit nimmt, mir der Gruppe eine Unterhaltung zu führen. Je nach Fortschritt und Zustand des Abenteuers kann man da auch schon mal ein Kult-Symbol aufblitzen lassen oder ieiner der Charaktere realisiert, dass da irgendwas Schleimiges unter dem Hemd heraus tropft und dass das an der Stelle ohnehin eine ganz eigenartige Form hat...


    Also, lange Rede, kurzer Sinn: Meiner Meinung nach überlebt man eine Begegnung mit dem "vollen Mythosprogramm" einfach nicht. Selbst zwei oder drei Byakee dürften die meisten Gruppen klein kriegen.
    Sprich, ich hebe mir derartige Begegnungen für Oneshots und manchmal Finale auf, aber nur, wenn ich das Gefühl habe, dass die Spieler bereit sind, sich darauf einzulassen, in welchem Ausmaß sie da gerade zerstört werden.

    Die poster sind schön, ja.
    Sonst war ich nach erster Aufregung eher ... negativ beeindruckt?
    150 Seiten in der Schriftgröße lassen nicht viel Inhalt zu, eine "Enzyklopädie" wird es also vermutlich eher nicht, oder sehe ich das falsch? Also nicht ganz das, was ich suche und brauche und nach dem Titel erhofft hatte. Als reines Kunstprojekt reicht mir das Budget derzeitig nicht, ich warte dann vielleicht auf die Version für Normalsterbliche, sollte es die geben ;)

    Zitat von Rotthauser

    Man kann ja auch erst mal klein Anfangen und kleine cthuloide Krimidinner machen. Da gibt es ja mittlerweile viele Szenerien, die man vielleicht umschreiben kann.


    An sich hatten wir ja auf der letzten AnRUFung den Rahmen für ein Dinner gesteckt (der mir btw sehr gut gefällt, Kompliment an meine Mit-Ideensammler. Wird eventuell eher von höherer Schwierigkeit, aber die meisten Krimidinners sind eh zu einfach...). Müsste nur eben mal fertig ausgearbeitet werden und da scheitert es gerade etwas dran. Wird allerhöchste Zeit, dass ich mal mit dem Studium durch komme, kann ja nicht sein, dass man einfach keine Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens findet ;)

    Eben noch mal das Gatsby-Video angeschaut, hach ja, schön war's.
    Danke für eure Mühen, davon erzähle ich noch meinen Enkelkindern (oder so) ;)

    Was das neue Multigruppenabenteuer betrifft: Ich war vom Gatsby kurz etwas auf dem falschen Fuß erwischt, weil ich mir das Ganze wirklich als gigantische Gartenparty vorgestellt hatte, eben nicht als Multigruppenabenteuer (ja, an mir sind wirklich _alle_ Spoiler vorbei gegangen). Ich hatte mich schnell gefangen, aber schon im Zug angefangen, ein Setup für eine Gartenparty mit ~30 Teilnehmern zu schreiben. Auf dem derzeitigen Stand wird es ein unglaubliches Chaos und ich werde die Spieler sehr genau für die Rollen aussuchen lassen, aber das Grundgerüst gefällt mir ganz gut, mal schauen, wie sich das noch entwickelt :)

    Also, als Spielleiter ist der Ruf schon der Hammer. Gerade, wenn man so ein potenzieller Querkopf wie ich ist und so viel Spaß an Spielereien und alternativen Settings hat. Das einzige, was mich vor der Verzweiflung nach der letzten Ausgabe bewahren wird ist, dass ich beim "Durcharbeiten" inzwischen in der Mitte der dritten Ausgabe bin, die 10 Hefte werden mich wohl also noch ein paar Jahre beschäftigt halten ;)

    Und, Spaß beiseite, ich bin schon wahnsinnig gespannt auf die Nachfolge :)