Beiträge von Seanchui

    Hallo zusammen,

    meinen Dank an Case für die Ankündigung! Dann will ich mich an dieser Stelle auch einmal ordentlich vorstellen!

    Wer bin ich...?
    Mein Name ist André Frenzer, bin aber den Usern, die im cthuloiden Rollenspiel-Netz unterwegs sind, vielleicht eher unter dem Namen "Seanchui" ein Begriff. Ich bin 35 Jahre alt, zweifacher Familienvater, im "wahren Leben" kaufmännischer Angestellter und leite in meiner Freizeit ein Laienorchester.

    Meine Rollenspielkarriere begann im zarten Alter von 10 Jahren, als ich mit zwei Musikkameraden auf Vereinsfahrt nachts in der Herberge den "Quell des Todes" (ein uraltes DSA-Solo-Abenteuer) besuchte. Ein Weihnachten später war ich im Besitz der DSA2-Basisbox. Von da an - und spätestens zu Beginn meiner Ausbildung - gesellte sich dann immer mehr Material hinzu. Zu meiner rollenspielerischen Vita gehören Ausflüge zu Shadowrun, Star Wars D6, Fading Suns, Deadlands, natürlich Cthulhu und noch ein paar kleinere Systeme; gelesen und/oder ausgeschlachtet habe ich aber noch wesentlich mehr Material.

    Zu Lovecraft bin ich irgendwann in meinen frühen Zwanzigern gekommen. Ich kann mich nicht recht an den Auslöser erinnern, aber seitdem habe ich mich bemüht, ihn und auch einige seiner Zeitgenossen oder Nachfolger möglichst umfangreich zumindest zu lesen.

    Seit Ende 2010 betreibe ich einen Blog unter seanchuigoesrlyeh.wordpress.com, der dem cthuloiden Rollenspiel - insbesondere Call of Cthulhu - gewidmet ist. Hier finden sich Rezensionen, Newsmeldungen oder Produktvorstellungen ebenso wie Abenteuer, Szenarien-Ideen, Spielmaterial im Allgemeinen und allerlei Plaudereien aus meinem Nähkästchen.

    Was bringe ich mit?
    Ich bringe eine gewisse Erfahrung redaktioneller Betreuungstätigkeiten mit. Diese sind zwar autodidaktisch und stets nach bestem Wissen und Gewissen aber ich hoffe, die Ergebnisse waren bislang in Ordnung :).
    - zur Zeit bin ich "Second in Command" beim Ringboten (http://www.ringbote.de). Das bedeutet in dem Fall allerdings weniger redaktionelle Arbeit (wobei ich hin und wieder Korrektur lese), sondern eher "Content-Erweiterung"; ich betreue Partnerthreads in Foren, twittere, führe Interviews und Conbesuche durch und versuche den Rollenspielbereich dort so bunt und breitgefächert wie möglich zu halten.
    - hin und wieder verirren sich auch Gastbeiträge auf meinen Blog. Seien es gezielt eingereichte Artikel/Abenteuer oder Einreichungen bei von mir durchgeführten Wettbewerben. Ich überarbeite diese Texte vor der Veröffentlichung immer (streamlinen, korrigieren, layouten), was viel Spaß macht.
    - darüber hinaus habe ich auch bereits eine erste Printpublikation von der Konzeption bis zum Versand selbst betreut - es ging um eine NSC-Sammlung für Call of Cthulhu, die aus einem Wettbewerb heraus entstanden ist. Das war ein Heidenaufwand, aber der hat sich echt gelohnt.
    - darüber hinaus versuche ich mich auch hin und wieder als Autor im Bereich Rollenspiel (wobei sich auch tatsächlich eine Kurzgeschichte aus meiner Feder in einer Anthologie wiederfindet...); Texte von mir sind teilweise bei Pegasus gelandet, auf meinem Blog oder auch bei verschiedenen Projekten wie den OPCs, den NIPAJIN-Shots, der CR oder GRT-Flyern.

    Und was stelle ich mir nun vor?

    In den nächsten Tagen möchte ich an dieser Stelle ein wenig weiter ausführen, wie ich mir den rollenspielerischen Bereich des Lovecrafters vorstelle und natürlich vor Allem, wie sich die dLG-Mitglieder daran beteiligen können und sollen ;). Doch heute ist es schon ein wenig spät geworden! Von daher möchte ich mit den besten Grüßen schließen und natürlich mit dem Wunsch, dass wir gemeinsam den Lovecrafter zu einer großartigen Vereinszeitschrift werden lassen!

    Seanchui

    @DocShirmon
    Es gibt einige Punkte, in denen ich vehement widersprechen möchte und das beizeiten auch schon einmal getan habe. Insbesondere "wohin entwickelt sich die Szene" und "wir sind keine Freizeitspieler mehr, weil wir mehr anders machen als vor zehn Jahren" würde ich nie, nie, nie unterschreiben wollen können. Ich würde auch mein Verlagsprogramm nicht danach ausrichten, ob ein Teil meiner Spielerschaft mal eine eigene Con auf die Beine gestellt hat, bei der irgendein Freeform durchgeführt wurde. Sorry, aber da fehlt mir irgendwie der Blickwinkel für.

    Ebenso betrachte ich die Edition 7 weiß Gott nicht als vertane Chance. Das gute ist doch, dass sich die Regeln eben KAUM geändert haben. CoC ist damit nach wie vor - aus Crunch-Sicht - ein sehr mittelmäßiges Regelwerk, aber eines, dass sich als sehr flexibel und ignorierbar erweist und trotzdem funktioniert. Sowas ermöglicht doch erst variantenreiche Experimente wie den Gatsby. Versuch das mal mit DSA :D

    Hier sind eine Menge gute Vorschläge im Thread entstanden, was schief läuft und wie man es besser machen könnte. Warum wurde das Look&-Feel über den Haufen geworfen, zusammen mit einem ganzen Haufen originärer deutscher Inhalte, die Cthulhu zu dem Spiel formten, das es war? Warum wurde es verpasst, sich auf eine Linie festzulegen (und hier noch einmal: GANZ EGAL WIE DIE AUSSIEHT UND WARUM DIESE ENTSCHEIDUNG GETROFFEN WIRD)? Warum ist der Publikationsoutput so merklich zurückgefahren worden? Warum hat man das Gefühl, niemand weiß mehr so recht, wo die Reise hingeht? Um ehrlich zu sein finde ich dann den Einwand "Cthulhu ist nicht Fan-nah genug, weil es sich nicht nach den Möglichkeiten, die in Deutschland schon irgendwann irgendwo mal ausprobiert worden ausrichtet" als eher kontraproduktiv. Denn nun hat der Judge wieder die Möglichkeit sich auf "man kann es nie ALLEN rechtmachen" auszuruhen.

    Dumon:

    warum waren sie denn bei den Regelbüchern der Edition 7 so deutlich an Chaosium gebunden, während das bei den vorhergehenden Büchern eben nicht der Fall war? Wenn Chaosium ein einheitliches Auftreten haben wollte, warum haben die Franzosen es denn dann nicht? Ich behaupte, die Bilder und die Nicht-"eindeutschung" ist aus Kosten- und Zeitgründen erfolgt. Das lese ich aus allen Kommentaren der Redaktion heraus.

    Um das auch an dieser Stelle noch einmal zu sagen: ich möchte nicht darüber sprechen, ob mir die neue Ausrichtung gefällt oder nicht. Das ist total irrelevant, wirklich. Mein eigener Geschmack ist für Cthulhu total irrelevant. Pulp oder Atmo-Spiel hin oder her, beide Richtungen machen Spaß und haben ihre absolute Daseinsberechtigung. Aber wenn ich das Gefühl bekomme, dass man "das hier halt 1:1 übersetzt weil's grad da ist" und "das hier jetzt irgendwie dazupackt weil's billig ist" und "das hier jetzt neu produziert, egal ob's zur Ed7 oder 3. Ed passt" - dann fehlt mir die Linie. Da warte ich lieber länger und habe dafür ein Spiel aus einem Guß. Egal wer jetzt hier wem die Tür einrennt.

    Sich gerade NICHT auf die beiden neuen Regelbücher zu beziehen ist doch total falsch, oder? Sie bilden doch die "Basis". Eigentlich sollten sich Quellen- und Abenteurbände doch darauf beziehen und dazu passen?

    Dumon:

    Nein, den "Plan" haben wir nicht mehr. Sieh Dir doch mal die Veröffentlichungen zur Edition 7 an. In der Edition 7 haben wir - und an dieser Meinung halte ich fest - ein anderes Spiel, als es noch in der 3. Edition war. Nicht nur wegen den paar Regeländerungen sondern in der Präsentation des Themas und dem Stil. Die Edition 7 sagt viel mehr "jage Kultisten, kämpfe gegen Tiefe Wesen, rette die Welt" als es die vorherige Edition tat.

    Und dann wählt man als Einsteigerbände uralte CW-Abenteuer, die sicher nicht schlecht sind aber eben aus einer anderen, vorherigen Epoche stammten. Zusammen mit der alten Bebilderung. Und das ganze dann unter dem Deckmantel des Fanservice ("IHR wolltet doch GENAU DIE CW-Abenteuer..."). Das ist Quatsch, billig sollte die Lösung sein. Ein Gesamt-Konzept läßt sich aber eben NICHT mehr erkennen. Das bisherige Edition 7-Portfolio ist sehr unrund. Im cthulhu-forum habe ich mal den Vergleich zwischen DSA und DnD gewählt - das sind nicht nur regeltechnisch sondern auch inhaltlich sehr unterschiedliche Spiele, auch wenn es in beiden Drachen, Elfen und Zwerge gibt. Und in eben diesem Maße präsentiert Pegasus nun die Edition 7 im Vergleich zur 3. Edition, ohne im Autorenleitfaden oder in den bisherigen Publikationen darauf Rücksicht zu nehmen. Und das kreide ich eben AUCH der Redaktion an.

    @Lizenz: natürlich haben sie da kein echtes Platzhirschrecht. Aber der Name "CTHULHU" ist es halt, nicht der Mythos-Inhalt, auf den sie wohl - auch nach deutschem Recht - pochen können dürften.

    Zitat von swc

    Jetzt muss ich unwissend zurückfragen, da ich da zwischen den Zeilen lesen könnte, dass sowas in der Planung ist:
    Ist es das wirklich (oder doch noch eher ein Wunsch)?

    Hallo SWC,

    meines Wissens ist so etwas NICHT in Planung. Zumindest wüsste ich nicht, von wem. Ich habe nur meinen löchrigen Wissensstand bzgl. Lizenzen durchgegeben ;). Ich wäre mir auch echt nicht sicher, ob sich ein zweites System am Markt halten könnte :kulhu:

    Hm, hier scheint es keine "Mehrfach-Zitat"-Funktion zu geben...?!?

    Daher hier ganz grob zusammenkopiert:

    Zitat

    Dumon: Ich wage aber, zu fragen, wo beim Heller'schen Cthulhu eine "Linie" ersichtlich war. Das Einzige, was ich da als "roten Faden" sehen kann, ist, dass Cthulhu bemüht war, sich vom alten "Cult of the Week"-Schema zu lösen, der "Cthulhu-Matrix" zu entfliehen. Sonst aber sehe ich dort wie hier eine Fülle an Materialien und Richtungen, die verschiedentlich ausgetestet, weitergeführt oder eingestellt wurden. Ich sehe ein verbindendes Element in den Designs von Manfred Escher (über die Rücken hinaus), das mir nun etwas fehlt, gut. Aber wo ist dort wie hier eine Linie? Wo gab es tatsächlich eine "Vision"?

    Zitat

    Angband: Aber auch vermisse eine zugrunde liegende Vision... ich versuche es mal zu konkretisieren: in der Heller-Zeit war eine klare Entwicklung weg von dem, mangels Vokabular nenne ich es mal "alt-und-billig"-Image der Chaosium-Produkte zu erkennen. Die deutsche Spielerschaft konnte sich über sehr schöne Cthulhu-Bücher freuen (nicht nur aber vor allem auch Escher-Coverbilder!) freuen. Entwicklungen wie die indirekte Monsterdarstellung im MM waren deutlich zu erkennen. Auch die Spielidee war klar umrissen (Fokus auf Machtlosigkeit; "normale" Leute als SC; Stimmungsspiel; historische und lokale Anbindungen und Authentizität) und auch im SL-Handbuch bekam man gute Tipps, um dies zu bewerkstelligen. Das Spiel wurde entwickelt, bzw. in eine klare Richtung weiterentwickelt.

    Exakt das, was angband sagt (meinen Dank!)! Dazu noch:

    Zitat

    Dumon: Wenn DAS eine Linie war, dann war es eigentlich keine. Denn "Verbesserung" ist eine Sache, die per se geschehen sollte. Was aber eben "besser" heißt, das ist Ansichtssache.

    Nein, man hat nicht schlicht "verbessert" - natürlich das auch. Man hat mit PLAN verbessert. Auf ein Ziel hin. Wie soll das Produkt nachher aussehen?

    Zitat

    Sorben: Ein anderer Punkt ist die Kommunikation. An sich möchte man ja mit den Fans reden, akzeptiert vielleicht einige Anregungen als konstruktiv, aber letztlich bleibt alles so wie es ist. Ehrlich gesagt, wäre mir dann gar keine Kommunikation lieber.

    Dito. In der Art, wie auf Feedback und/oder Kritik eingegangen wird, kann man sich das eingehen auch ganz sparen. Andererseits gibt es ja ohnehin kaum "echte" Kommunikation. Die Ankündigung der Edition 7 war in meinen Augen ein Desaster.

    Zitat

    Sorben: Niemand bestreitet, das Pegasus wirtschaftlich denken soll. Dieses Argument wird immer angeführt, um Sachen zu rechtfertigen. Nur wenn Cthulhu so hart auf Kante genäht ist, ist es unwirtschaftlich überhaupt die Lizenz zu behalten, zumal Cthulhu nicht das Flaggschiff von Pegasus ist. Außerdem könnte ja vielmehr umgesetzt werden, zumindest in der Vergangenheit, wenn die Auflagen nur höher gewesen wären. Für mich sieht es eher so aus, das ein Brettspielverlag nur noch wegen einer Art Nostalgie an Cthulhu festhält und eigentlich den Rollenspielanteil als Last empfindet. Mein Eindruck zumindest.

    Exakt das. Und ganz ehrlich: es gibt Verlage, die leben NUR von Rollenspielen. Und da sind auch Mitarbeiter angestellt, die machen das nicht komplett in ihrer Freizeit. Aber die Marge, die Vertriebswege und überhaupt alles bei Rollenspielen dürfte schlichtweg nicht so attraktiv sein wie der Brettspielsektor. Da geht es nicht nur um "wirtschaftlich" sondern "wirtschaftlichER". Da passt es nur zu, dass die Redaktion Freischaffende sind, die hin und wieder von Pegasus eine Mail mit "okay, jaja..." kriegen, während irgendein Verlagsmitarbeiter Bände plant, die an der Spielrealität vorbeigehen. Naja.

    Ich wäre nach wie vor für einen Schnitt. Zu einem Verlag, der engagierter an die Sache geht. Aber das habe ich nicht zu entscheiden ;)

    PS: noch meine 50 Cent zur Lizenzfrage: meines Wissens hat Pegasus das Wort/die Marke "CTHULHU" in Deutschland lizenzrechtlich soweit geschützt, dass sie grob den Spielesektor abdecken. Darum musste Uhrwerk auch bei Pegasus erst nachfragen, wie es mit Achtung!Cthulhu aussieht. Heißt: ein lovecraftsches Rollenspiel OHNE das C-Wort sollte funktionieren ;)

    Zitat von Dumon


    Ich denke, das Problem, das wir haben, ist, dass wir uns schwer damit tun, von unserem alten, liebgewonnenen Baby zu lassen, es uns aber gleichzeitig total nervt. Etwa wie die Eltern, die den 21jährigen Jungen nur ungern gehen lassen würden, sich aber ständig darüber aufregen, dass er immer noch da ist.
    Für uns als diejenigen, die sich weiterentwickelt haben, wird es mMn Zeit, das Alte gehen zu lassen, sich zu lösen und nach etwas Neuem Ausschau zu halten. Und nicht auf Teufel komm raus zu versuchen, das Alte (und funktionierende) zu etwas machen zu wollen, was es nicht ist.

    Gerade deshalb finde ich eine Neuvergabe von Lizenz hier überhaupt nicht relevant. Viel relevanter ist es doch, zu diskutieren, wohin ein MYTHOS-RPG gehen könnte. Und wie wir das umsetzen, wo wir Ansätze suchen und finden, und ob wir das auf die Beine stellen können.

    Ob dies dann konkurrenzfähig ist, sei dahingestellt. Oft sind es Neuaufgüsse und -interpretationen im Lichte des Traditionellen nicht. Aber das liegt eben in der Natur der Sache. So gut ein Appletini schmecken mag, wird er doch nie die Klasse des traditionellen Martini ersetzen können (und jetzt krieg ich bestimmt von Mr.Y aufs Hirn)...

    Das sehe ich ehrlich gesagt komplett anders. Ich halte die Neuvergabe einer Lizenz und/oder einen Redaktionswechsel für sehr relevant.

    Denn was Cthulhu in meinen Augen wirklich fehlt - und das kreide ich der Redaktion durchaus an - ist eine Vision davon, wie das Spiel aussehen soll. Damit meine ich nicht (nur) die Optik (auch, wenn die ohne wirklich drüber nachzudenken im Vorbeigehen über den Haufen geworfen wurde...), sondern den Inhalt und die Darbietung des Ganzen.

    In Hellerschen Zeiten war das anders. Zumindest fühlte es sich anders an. Das deutsche Cthulhu war ein kleines Kunstwerk in sich - sicher, es hatte seine Schwächen und es hat weite Teile der Nicht-Cthulhu-RPG-Community verwirrt (Atmo-Spiel ohne Regeln, wie man im Tanelorn immer hört) - doch es war sich treu und man erkannte einen designerischen Plan.

    Im Moment wird das nur noch irgendwie verwaltet und mit noch nicht abgegrasten Themen vermixt, während Leute die sich über Spieldesign oder damit verwandte Themen null Gedanken gemacht haben in der Verantwortung sind.

    Und vielleicht täusche ich mich ja in alledem was ich sage. Aber die Diskussionen im anderen Forum, die man mit der Redaktion führen darf, lassen nicht darauf rückschließen, dass sich umfangreiche Gedanken um die Produkte gemacht werden die über "Thema - Seitenzahl - Lektorat - Fertig" hinausgehen...