Beiträge von Blackdiablo

    Ich glaube ihm schon, dass er Lovecraft schätzt, aber das was King sagt und anschließend tut, ist in solchen Belangen oft zu unterscheiden.


    Speziell das Omi-Beispiel finde ich persönlich gar nicht mal sehr passend und eher atmosphärestörend, muss ich gestehen. Dabei liebe ich sonst Insider und intertextuelle Referenzen.


    Wäre dein angesprochenes Thema etwas, was du im Lovecrafter sehen könntest? Ich habe nahezu alles von King gelesen und plane, dieses Jahr den Rest (ca. 6 Bücher fehlen) zu lesen. Ich könnte mir gut vorstellen, zu dem Thema etwas zu schreiben.

    Hier finden sich zwei nette, erste Listen:


    https://www.kingwiki.de/index.php/Howard_Phillips_Lovecraft


    https://www.kingwiki.de/index.php/Cthulhu


    Allerdings ist bei Stephen King, wie die Listen zeigen, der Einfluss Lovecrafts meistens in augenzwinkernden Referenzen zu schmecken, die - ehrlich gesagt - nicht den Anschein erwecken, dass King tatsächlich handfeste Ahnung von Lovecraft und/oder dem Mythos hat. Die gelungensten Hommages an Lovecraft sind wohl noch: generell die Außenseiter, "Briefe aus Jerusam", "N." und "Revival", wobei bei letzterem einiges an anderen Horroreinflüssen samt Coming-of-Age-Story dazukommt. "Kinder des Mais" hat eine lovecrafteskes Stimmung, wenn ich mich nicht falsch entsinne.
    Das wären so die gängigsten und mir spontan einfallenden Geschichten. Läge es dir daran, jede Referenz zu erfassen, gäbe es allerdings weitaus mehr Geschichten. Lovecraft wird gelegentlich erwähnt (ich meine eine Lovecraft-Büste kommt wiederholt vor) und Cthulhu auch. Klar ist aber, dass es King in den meisten Fällen nicht darum geht, in Lovecrafts Spuren zu wandeln. Er ist ja quasi seine eigene Rubrik.

    Ich habe diese Diskussion glatt übersehen. :o


    Bemerkenswert finde ich tatsächlich genau das, was sich hier im Forum bereits zeigt: die Offenheit der Story für etwaige Adaptionen. Ich meine, es gab auch einen oder mehrere recht gelungene Kurzfilme. Außerdem schätze ich die Verknüpfung des Plots mit dem Hauptplot Randolph Carters. Haben wir in ihm sonst einen Träumer, der in Fantasiereichen wandelt, ist er hier in eine waschechte Horrorgeschichte gestolpert.


    Dennoch schließe ich mich euren restlichen Einschätzungen an: viel ist über "The Statement" eigentlich nicht zu sagen.


    "In ähnlicher Form (nur mit Briefen statt mit Telefon) hat es ja auch Lovecraft selbst noch an anderer Stelle verwendet ("The Whisperer in Darkness") - aber die sofortige Rückmeldung eines Telefons gibt dem Horror noch mal eine andere Qualität."


    Allerdings würde ich persönlich tatsächlich eher dem "Whisperer" die immensere Wirkung diagnostizieren. Die Geschichte zeigt, wie leicht Briefverkehr zu manipulieren ist und wie berechtigt die steigende Paranoia von Wilmarth ist. Vor allem die zeitliche Verzögerung der Korrespondenz halte ich für einen sehr unangenehmen Beigeschmack beim Lesen, weil die Zeit zum Handeln höchstwahrscheinlich längst verstrichen ist. Dagegen ist das Telefongespräch in meinen Augen noch ein sehr rudimentäres Plot device, um die Nachricht der Katastrophe zu übermitteln.

    Also ich würde vielleicht noch bis Montag warten und anschließend den neuen Thread öffnen. Falls sich hier dann noch jemand hier meldet, kann man ja problemlos noch antworten.


    Ich habe mal hier ( http://www.hplovecraft.de/index.php?id=werke ) geprüft, was es so alles in der Zeit gab. Spontan würde ich die sagen, dass der unglaubwürdige Erzähler mindestens in "The Tomb" aus dem selben Jahr ähnlich instabil inszeniert wird. Allerdings habe ich die Einzelheiten nicht mehr dermaßen präsent, dass ich sie dir im Detail aufzählen könnte.


    Was Pym am Ende konkret sieht, ist nicht so einfach zu beurteilen. Die Erzählung ist meiner Erinnerung nach ein Fragment und endet eigentlich nicht an der Stelle, an der sie endet. Es gibt, glaube ich, handfeste Theorien, was es mit dem Ende auf sich hat, aber dann müsste man zumindest mit den Knöcheln in die Poe-Forschung einsteigen.

    Ich stimme dir zu, dass die Geschichte allen Grund liefert (wieder und wieder), ihr keinen Glauben zu schenken.


    Dem entgegen stehen die erstaunlich akkuraten naturwissenschaftlichen Beobachtungen und die gehobene, präzise, ausgeformte Sprache. Erschwerend kommt hinzu, dass der Topos des unglaubwürdigen Erzählers im Horrorgenre weit verbreitet ist, weswegen er sich unter Umständen als bloße Rhetorik Lovecrafts verstehen lassen könnte, sich in die Tradition einzufügen, als ein Hinweis darauf, alles als ungesichert zu betrachten. Das wären zumindest meine Bedenken.

    Ich habe heute diese schöne Diskussion entdeckt und interessiert gelesen. Mindestens die wichtigsten Punkte sind sicherlich bereits genannt worden, deswegen beschränke ich mich auf zwei Details:


    1. Ein Motiv, das sich durch Lovecrafts Texte zieht und nicht direkt ins Auge springt, findet sich hier in rudimentärer Form (siehe ansonsten bspw. "Stadt ohne Namen", "Schatten aus der Zeit", "Berge des Wahnsinns"). Die Säule auf der Insel ist von Bildern geschmückt, die Rückschlüsse auf die Kultur der fremden Rasse ziehen. Ein daraus gezogener Schluss: kulturhistorisches Interesse in Lovecrafts Werk.


    2. Eine Inkohärenz, welche des Öfteren parodiert wird (ich glaube von Goomi), ist der Bruch zwischen dem, was am Ende für Rezipienten erzählt bzw. angedeutet werden muss, und der erzählten Realität, in der sich der Erzähler befindet. Weswegen hat der Erzähler, wenn der Schrecken - ob real oder nicht - dermaßen grauenhaft ist, die Zeit, seinen Suizid noch anzudeuten? Ferner: Hat er diese Antizipation nicht bereits am Anfang seines Schreibens deutlich genug gemacht? Was ein Gentlemen der trotz seiner "geistiger Anspannung" aufgrund fehlender Drogen derartig versiert von seinen Erlebnissen schreibt. Mich erinnert das bei Lovecraft oft an Hofmannsthals "Brief".


    Ich möchte damit nicht sagen, dass mich dieser Bruch unmäßig stört. Nur eine nebensächliche, amüsante Beobachtung.