Beiträge von Alex

    "Mythos" meint ja in der Regel immer eine Art von "Geheimnis" oder "Unverfügbarkeit" und in vielen HPL-Adaptionen werden dem so ein wenig die Zähne gezogen, scheint mir: Da werden die Figuren des Lovecraftzirkels schon benutzt, um anzuzeigen "oh hey hier passiert etwas existenzialistischeres, größeres, grimmigeres" als sonst (man könnte auch sagen: "deep shit"). Aber es geht selten konsequent darüber hinaus insofern, dass grundlegende Sicherheiten und Wahrheiten derart radikal zerschlagen werden würden wie in den klassischen Erzählungen.

    Sandy Petersen - den ich ansich sehr schätze - geht da oft in die Richtung, wenn er HPL z.B. v.a. im Science-Fiction-Kontext verortet und/oder dessen Monsterwesen in "Cthulhu Wars" strategisch gegeneinander kämpfen lässt.

    Gottheiten sind ja in der Fantasy verblüffend oft sehr "verfügbar" und damit nicht mehr oder nur noch reduziert "religiös": Wenn die wirklich "da sind" dann gleicht die Anhängerschaft eher einer "Gefolgschaft" denn einer "Glaubens-" oder Kultgemeinde. Man kann da manchmal tatsächlich hingehen, wenn man nur kompetent genug ist - unsere D&D-Gruppe war auch schon bei Dämonenfürst Graz'zt zu Besuch, und die Spinnengöttin Lolth schickt Visionen als wäre sie eine Brieffreundin.

    Ich weiß nicht mehr, wie das bei DSA ist, meine DSA-Zeit ist 15 Jahre her - aber der "Mythos" hat auch so ein bisschen die Chance, den "Punch" in weltanschauliche Konfliktfragen zurückzubringen, der in Spielen oft fehlt. Dafür bräuchte man aber nicht explizit HPL, und es funktioniert auch nicht wenn man dessen Mythos, wie eben Petersen manchmal und viele andere, wie ganz herkömmlichen, wenn auch "deepen" Fantasy-/SciFi-Stoff behandelt. Oder die Held:innen dann eben zwischen dem Beholder im zehnten und Drachen im zwölften Kerkerstock "den großen Cthulhu" im elften erschlagen müssen und es dann wieder in die Taverne geht.

    Brindlewood Bay ist auf Englisch aktuell für "so viel man bezahlen möchte" bei DriveThruRPG erhältlich - vielleicht eine schöne Gelegenheit, schon einmal reinzuschauen, bevor die deutsche Version erscheint?

    Ich habe vor ein paar Wochen einen der Autoren des halboffiziellen "Carved from Brindlewood"-Bandes getroffen und in der Folge einmal beim Spiel zugeschlagen. Ein wenig fürchtet mich noch die Herausforderung, diese Kombination aus altmodischer Gemütlichkeit und kosmischem Horror zu leiten. Insgesamt macht das alles jedoch einen wunderbaren Eindruck. Ich freue mich drauf.

    Der Name Volker Weiß ist hier ja schon gefallen und ich erinnere mich, dass er in einer TV-Dokumentation über den Schriftsteller Ernst Jünger einmal die Frage aufgeworfen hat, was "legitime" (meine nicht perfekte Wortwahl) und "missbräuchliche" Rezeption eines Werkes sei. Für Jünger fiel seine Diagnose so aus, dass er dessen starke Präsenz im Umfeld der "neuen", "intellektuellen" Rechten usw. nicht als Missbrauch versteht, da Jünger zwar unheimlich vielfältig und politisch schwer zu fassen ist (zumal über die Jahrzehnte), aber er zumindest auch stimmigen Nährboden für derartige Rezeption liefere, ohne dass man diesen komplett verbiegen, d.h. "missbrauchen" müsste. Ich stimme dem zu, obwohl ich aus gänzlich anderem politischen Hintergrund heraus die Jüngers in mancherlei Hinsicht sehr schätze.

    Diese "Gretchenfrage" verstehe ich selbst als sehr wichtig im Zusammenhang von Literatur und politischem Denken: Bis wo ist eine Übernahme von (scheinbaren?) Denkhorizonten Ergebnis eines "legitimen" Zugangs, und ab wo beginnen "Instrumentalisierung", "Missbrauch", "Vereinnahmung" usw.?

    Ich bin mir da fast immer, v.a. aber bei HPL, sehr unsicher. Einerseits weil ich einfach nicht der allergrößte Kenner seiner Briefwechsel, Biographie usw. bin. Andererseits habe ich aber den Verdacht - und das veröffentlichte DLG-Statement ebenso wie die entsprechende Arkham-Insiders-Episode scheinen mir da insofern in die gleiche Richtung zu gehen, dass sie eine große Ambivalenz stehen lassen müssen - dass man da nicht alle Lücken wird schließen können.

    Die (wenn auch von mir selbst) verlinkten Beiträge von V. Zierke halte ich nicht für besprechenswert. Ich wüsste auch gar nicht, was ich zu dieser Mischung aus lückenhaften Sachinformationen, oberflächlichen politischen Bezügen und mäßig gehandhabten Houellebecq-Zitaten (und unheimlich unangenehmen und -informierten Gesprächspartnern) sagen sollte. Das ist einfach keine anschlussfähige Diskussionsbasis und trägt zu der für mich entscheidenden Fragestellung nichts bei.

    Zum günstig/legal frei streamen oder ggf. physisch kaufen?

    Den Randolph gibts für 18 Euro bei "cthulhu-webshop.de".

    Den Shuttered Room gibt es in der spanischen Variante (mit auch englischem Ton) ganz gut auf DVD zu haben: "Por qué lloras, Susan?" (z.B. Filmundo, Amazon - aber auch ab 15 Euro). Ich glaube nicht, dass eine Discvariante für den deutschen Raum hergestellt wird oder wurde.

    Vielen Dank für den Bericht!

    Der Szenarioeinstieg klingt extrem nach dem Aufhänger von D. Prestons & L. Childs Roman Relic (1995), der fast ausschließlich im nächtlichen Naturkundemuseum New Yorks spielt. Auch hier geht es um einen am Amazonas verschollenen Anthropologen, eine krokodilartige Statuette aus dessen Nachlass und bald häufen sich die bestialischen Morde, während die Geldgeber - wie die des Strandes in Jaws halt - den Laden natürlich offen lassen wollen...

    Das Buch ist wunderbar und sicher das mit Abstand dichteste der Preston/Child-Romane. Als Horrorgeschichte leidet es für mich ein wenig darunter, dass die Hauptfigur - ein FBI-Agent, der gleich einem Supersoldaten immer alles kann - das Grauen etwas schmälert, weil sie eben so ein harter Hund und Universaltalent ist.

    Es gibt einen Film von 1997 (aktuell bei Amazon Prime). Da fehlt diese Figur - er behält die Grundideen des Buches aber bei. Ich finde ihn, trotz einigem 90s-Horror-Trivialcharme, sehr gut, es lohnt sich - viel, viel gruseliges, nächtliches Versteckspiel im schaurigen Naturkundemuseum. Und wunderbar monströse, praktische Spezialeffekte. Wer noch mehr Inspiration braucht.... :)

    Was hätten die Abenteurer denn hier vorgefunden, hätten sie die Sache selbst weiter verfolgt?

    Ich habe missgünstigerweise natürlich sofort Schuld auf Seiten der Übersetzer/-innen gewittert und schnaubend nachgesucht, aber zumindest in der aktuellen Festa-Sammlung ist es auch "das ich zu verschwenden wagte". :D

    Vielleicht eine andere Ausgabe?

    Wie es der Zufall so will habe ich die Tage, auf dem Weg zur Arbeit, eine Folge des Podcasts "Geschichten aus der Geschichte" gehört, der sich mit den Lemuria-Theorien und deren Rezeption durch Blavatsky u.a. befasst:

    GAG280: Der versunkene Kontinent Lemuria - Geschichten aus der Geschichte
    Wir springen in dieser Folge ins 19. Jahrhundert und widmen uns nichts Geringerem als einem ganzen Kontinent: Lemuria. Im Jahr 1864 stellt nämlich der…
    www.geschichte.fm

    Ich denke nicht, dass in diesem Überblick Infos gegeben werden, die neu sind für die, die sich mit dem Thema bereits ein bisschen auseinandergesetzt haben. Aber eine ansprechende Aufbereitung fürs Ohr hat ja auch einen gewissen Wert aus sich selbst heraus. :)

    Das "Problem" erscheint mir so ein bisschen zu sein, dass beide Bände halt aktiv mit ihren englischssprachigen Gegenstücken konkurrieren, die man ja auch überall herbekommen kann, wenn man denn möchte. Die kosten 30-35 Euro und sind für Liebhabende der Originalsprache sogar bevorzugt.

    Es ist toll, wenn Sachen auf Deutsch übersetzt werden, und das wird ein ordentlicher Haufen Arbeit gewesen sein bei den beiden Bänden, der den Preis bestimmt rechtfertigen kann. Aber ich kenne viele Leute, die die Bände haben, aber niemals den Fünfziger (oder so) drauflegen würden für die deutschsprachige Variante. Mich eingeschlossen (wobei beides Geschenke waren).

    Würde ich den Kommentarapparat unbedingt haben wollen, aber des Englischen nicht mächtig sein, dann hätte ich ganz, ganz arges Bauchweh beim Kauf, wenn mir die englischen Ausgaben permanent vor der Nase rumtanzen würden mit ihren Traumpreisen.

    Deine Einschätzung motiviert mich, es mit Machen erneut zu versuchen, ich bin nämlich mit ihm seinerzeit leider nicht so warm geworden. Gerade Die drei Häscher (die Kalka-Version aus den 90ern trägt den Titel Botschafter des Bösen) habe ich gar als relativ schwach empfunden. Ich werde es wohl wagen müssen! Ich weiß auch, dass unser Arkham Insider Axel ein großer Freund des Episodenromans ist.

    Nachdem ich mich aus Kostengründen zunächst gegen das Elfenbein-Gesamtwerk entscheiden musste liegt aktuell genau dieser Kalka-Band hier und ich glaube, ich habe bisher auch nur das "Siegel" und das "Pulver" in ihrer jeweiligen, entkoppelten, Anthologieversion gelesen, und das auf Englisch. Nie den ganzen Roman. Die Piper-Kladde scheint ja aber die gleiche Übersetzung, wie bei Elfenbein zu sein (?).

    Meins ist er nach knapp zwei Dritteln leider auch nicht wirklich. Ich mag Schnipsel der verschiedenen Schnipsel sehr, so vor allem das mal deutlichere, mal subtilere "Anklingen lassen" der Machenschen, nennen wir es mal "Anderswelt". Aber man wühlt sich schon durch sehr viel, auch repetetiven, Ballast für mein Empfinden. Dabei mag ich es eigentlich sehr, wenn eine Erzählung auf ihren schaurigen Kern langsam zu- und darum herumschlingert - tut der "Pan" ja auch, tun so viele wunderbare Geschichten. Aber hier... ich bin mir noch unsicher.

    Für mich persönlich hätten Leman/Branney ja einfach immer in genau dem Stil von "Call of Cthulhu" weitermachen können - der "Whisperer" war mir dann schon zu sehr mit digitaler Tricktechnik überfrachtet.

    Hoffen wir, dass sie ihr Talent ausreichend in den Farbtonfilm übertragen bekommen, und das "Besondere" erhalten bleibt. Der Trailer hatte für mich interessante Elemente und solche, bei denen ich skeptisch bin.

    Ich muss die Dokumentation auch wieder einmal anschauen.

    In meinem Bekanntenkreis hatte sich damals recht schnell etabliert, neben HPL auch übertrieben tief in CAS' Geschichten und deren Entstehungsbedingungen einzusteigen.

    Aber ich glaube, insbesondere für viele Deutschsprachige ist letzterer dennoch nur eine dieser "sekundären Nebenfiguren" aus "H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens". "The Emperor of Dreams" ist da ein wahrer Augenöffner.

    2016 — Unter der Regie von Jörg Buttgereit und Bodo Traber entsteht das Hörspiel Fungus – Pilz des Grauens, basierend auf der Geschichte „The Voice in the Night“, erweitert um einen japanischen Schauplatz und eine vom Original abweichende Figurenkonstellation. Ausstrahlungen 2016 vom WDR und 2017 vom Deutschlandfunk.

    Ist seit einem Monat jetzt wieder beim WDR verfügbar. :)

    Hörspiel "Fungus - Pilz des Grauens" von Jörg Buttgereit und Bodo Traber
    Das erste gemeinsame Hörspielprojekt der Horror-Ikonen Buttgereit und Traber: Tokio im Ausnahmezustand – Sirenen heulen über der Stadt. Die Bevölkerung wird…
    www1.wdr.de

    Ich kenne diese Geschichte vom Hope Hodgson leider noch nicht. Ich vermute, das Hörspiel ist ganz, ganz weit davon entfernt. Aber eine sehr schöne, hochwertige Produktion mit u.a. Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Joachim Kerzel (Anthony Hopkins) und dem unverkennbaren Buttgereit-Flair. Für den nächsten Sonntagabend auf der Couch oder so. :)

    LG

    Sind die Elfenbein-Machenbände denn generell zu empfehlen? In deutscher Sprache habe ich nur vor Urzeiten mal eine der alten Suhrkamp-Kladden gelesen, die ich ansich heiß und innig liebe, aber ich erinnere mich null an die Übersetzung.

    In englischer Sprache empfehle ich immer den aktuellen Band der Oxford University Press zum Einstieg, da hübsch, leicht verfügbar, günstig und immerhin mittelguter Kommentarapparat.

    Zum Thema: Horacio Quiroga - Weißer Herzstillstand. Erzählungen. Auch Suhrkamp. Wundervoll.

    Je nachdem, wie viel ihr ausgeben möchtet, kann man natürlich wärmstens die H.P.L. Historical Society mit ihren (teilweise fürs Rollenspiel gedachten, jedoch sicher auch als Deko gut aussehenden) Props empfehlen: https://store.hplhs.org/collections/games-props?page=1

    Uneingeschränkt unterstützenswert, mit Zoll und dem ganzen Geraffel muss man das aber natürlich selbst wissen.

    Ansonsten gibts natürlich heutzutage auch ungefähr jeden Quatsch an Merchandise, wenn man bei einschlägigen Portalen nur mal "Cthulhu" eingibt.

    Was alte Möbel, Obskuritäten usw. angeht, bleibt Stöbern bei Ebay Kleinanzeigen natürlich unschlagbar.

    Ich empfand "The Beach House" leider auch eher als Negativbeispiel dafür, dass man "lovecraftsche Schablonen" oft viel zu leichtfertig als Ausrede nimmt, mit beliebigen Darstellungen fremdartigen Krimskrams´ direkt "kosmisch" zu sein. Was ja tierisch im Trend ist, liest man gängige Horrorfilmmedien.

    Spoiler anzeigen

    Leider vertrödelt der Film trotz vielversprechendem Start und herrlich ekeligem Fußwurm sein Momentum sehr bald, indem eine gefühlte halbe Stunde nur im Kunstnebel rumgetappt wird.

    Auch aus der merkwürdigen Situation des unerwarteten Zusammentreffens im Strandhaus wird wenig gemacht - könnten vier x-beliebige Personen sein, dabei war das doch ein guter Aufhänger für Cringe und Kammerspiel.

    Die Studienbildung der Protagonistin, die uns den Film ein wenig aufschließen könnte, beschränkt sich auch darauf, dass sie ab und zu mal etwas wie "Organismen funktionieren halt chaotisch" oder "in der Tiefsee gibts noch ganz Unentdecktes" oder so beitragen darf.

    Die eigentlich schöne Prämisse, die Gruseligkeiten unerschlossener Biologie aufzeigen zu wollen, sabotiert sich so leider zunehemend selbst - zum ansich lobenswert kryptischen Schluss hin ist man nur noch desinteressiert. Schade!

    Die "Farbe"-Bearbeitungen "Annihilation" und "Color Out of Space" mit Cage sind tonal natürlich ganz anders als die Erzählung. An ersterem mag ich viel von dem animierten Computerwischiwaschi auch nicht. Aber sie machen sich schon viele Gedanken, die durchaus irgendwo den "kosmischen" Kern der Mythos-Erzählungen berühren, wenn auch publikumsorientiert und irgendwo optimistischer. Sie sind viel teurer und aufwändiger als "The Beach House", der Vergleich ist unfair - aber das ändert nichts daran, dass es bei letzterem einfach für mich nicht "reicht".

    Der absolut hinreißende "The Endless", sogar noch optimistischer als Genannte und irgendwo ein echt herziger und netter Familienfilm, hat in jüngerer Vergangenheit gezeigt, dass es das Budget nicht braucht. Von den tollen, supernerdigen Special Interest-Adaptionen von Wu und der Lovecraft Society ganz zu schweigen.

    Hallo,

    ich lasse hier einmal den Hinweis auf eine feine, kleine, "weirde" Geschichte des polnisch-amerikanischen Literaturprofessors und Schriftstellers Victor Contoski da: "Von Goom's Gambit" (1966). Es geht hier um einen Schachspieler, dessen Spezialmanöver die Muster von Raum und Zeit zu verzerren scheinen und unerklärliches Grauen bei seinen Gegnern auslösen.

    Mir fiel beim Umzug der deutsche TERRA FANTASY Band 69: "Die Werwölfin" in die Hand, wo diese Erzählung abgedruckt ist. Ich mag sie sehr gerne.

    Das englischssprachige Original findet ihr in FANTASY & SCIENCE FICTION, Dezember 1966.

    Hier bei Archive.org!