4. März 2017

Biografie

Das ältes­te und stärks­te Gefühl ist Angst, die ältes­te und stärks­te Form der Angst ist die Angst vor dem Unbe­kann­ten.
– Howard Phil­lips Love­craft (Love­craft: Lite­ra­tur; S. 7)

Leben

Howard Phil­lips Love­craft wur­de am 20. August 1890 in Pro­vi­dence, Rho­de Island, gebo­ren. Sein Vater, Win­field Scott Love­craft, war ein Han­dels­rei­sen­der und ver­starb bereits 1898 nach fünf­jäh­ri­gem Auf­ent­halt im But­ler Hos­pi­tal, wo er, ver­mut­lich auf­grund einer Syphi­li­ser­kran­kung, behan­delt wur­de. Der jun­ge Love­craft wuchs mit sei­ner Mut­ter, Sarah Susan Phil­lips Love­craft auf. Sein Groß­va­ter, der Indus­tri­el­le Whipp­le Van Buren Phil­lips, wur­de schnell zu Love­crafts männ­li­cher Bezugs­per­son. Zusätz­lich küm­mer­ten sich die bei­den Tan­ten um den Jun­gen. Love­craft lern­te bereits im Alter von einem Jahr zu spre­chen, mit zwei ein­fa­che Gedich­te auf­zu­sa­gen und im Alter von vier zu schrei­ben. Die frü­hes­ten noch erhal­te­nen Tex­te sind die Geschich­te „The Litt­le Glas Bot­t­le“ und das Gedicht „The Poem of Ulys­ses“, bei­de aus dem Jahr 1897 (Joshi: Leben; S. 14f).

Früh begeis­ter­te er sich für Che­mie und Astro­no­mie, sodass er bald begann klei­ne­re Abhand­lun­gen zu ver­fas­sen und bis zu sei­nem zwan­zigs­ten Lebens­jahr auch in regio­na­len Zei­tun­gen und Maga­zi­nen ver­öf­fent­licht wur­de. Auf­grund sei­ner schlech­ten Gesund­heit, vor allem sei­ner psy­chi­schen Ver­fas­sung, gelang es ihm nicht einen Ober­schul-Abschluss zu machen, wodurch ihm der Zugang zu einer Uni­ver­si­tät ver­wehrt blieb. 1909 ver­fiel er des­we­gen einer Depres­si­on, aus der er sich erst 1914 befrei­te. In die­sem Jahr lern­te Love­craft den ame­ri­ka­ni­schen Ama­teur-Jour­na­lis­mus ken­nen, eine Art Gras­wur­zel­be­we­gung, deren Mit­glie­der sich gegen­sei­tig selbst­ver­fass­te Tex­te zusand­ten.

Die­ses Enga­ge­ment im Ama­teur-Jour­na­lis­mus soll­te Love­crafts Leben auf zwei Arten ver­än­dern. Zum einen hol­te es ihn aus der selbst­ge­schaf­fe­nen Iso­la­ti­on und zum ande­ren schloss er dort Freund­schaf­ten, die zum Teil bis zu sei­nem Tod hal­ten soll­ten. Zu sei­nen Freun­den zähl­ten etwa der jun­ge Autor Frank Bel­knap Long oder der Dich­ter Samu­el Love­man (Kir­de: Love­craft; S. 143f).

1921 ver­starb sei­ne psy­chisch labi­le Mut­ter nach zwei­jäh­ri­gem Auf­ent­halt im But­ler Hos­pi­tal.

Im Jahr 1923 wur­de das Maga­zin Weird Tales gegrün­det. Kei­nem ande­ren Medi­um soll­te Love­craft län­ger als Ver­fas­ser phan­tas­ti­scher Geschich­ten zur Ver­fü­gung ste­hen. Er galt neben Robert E. Howard und Clark Ash­ton Smith als der bes­te Autor des Maga­zins.

Im Jahr 1924 hei­ra­te­te Love­craft die Jüdin Sonia Haft Gree­ne und zog zu ihr nach New York. Doch hielt die­se Ehe nicht lang, sodass er 1926 zurück nach Pro­vi­dence ging. Die Zeit zwi­schen 1926 und sei­nem Tod 1937 gilt als Love­crafts lite­ra­risch bedeu­tends­te Pha­se. In die­sen Jah­ren leb­te er mit sei­nen Tan­ten zusam­men und pfleg­te sie. Einer gere­gel­ten Arbeit ging Love­craft nicht nach, sodass er begann Auf­trags­ar­bei­ten und Über­ar­bei­tun­gen anzu­fer­ti­gen. Sein gerin­ges Ver­mö­gen gab er für Aus­flü­ge ent­we­der zu sei­nen Brief­freun­den oder in die Regi­on Neu­eng­land aus. Love­craft starb am 15. März 1937 an Darm-Krebs.

H. P. Love­craft um 1915 im Alter von 25 Jah­ren

Werke

Neben sei­nem – eher über­schau­ba­ren – Pro­sa­werk war Love­craft auch ein begeis­ter­ter Brief­schrei­ber, Poet und Essay­ist. Allei­ne sei­ne Essays fül­len fünf Bän­de und das Aus­maß sei­ner Brie­fe lässt sich nur schät­zen. Bis­her sind fünf Bän­de Selec­ted Let­ters, sowie etwa ein dut­zend Brief­samm­lun­gen von Kor­re­spon­den­zen Love­crafts mit spe­zi­fi­schen Part­nern, erschie­nen.

Neben Love­crafts schwär­me­ri­scher Begeis­te­rung für Edgar Allen Poe und Lord Dunsa­ny war er ein begeis­ter­ter Leser des wali­si­schen Phan­tas­ten Arthur Machen. Die­se drei soll­ten die Art prä­gen, wie er Mythen erschuf und in sei­ne Welt ein­bau­te. Den­noch war Love­craft auch gut ver­netzt mit gleich­ge­sinn­ten Autoren. So unter­hielt er mit Clark Ash­ton Smith, Robert E. Howard, Fritz Leib­ner, August Der­leth, Robert Bloch und vie­len ande­ren Phan­tas­ten sei­ner Zeit Kor­re­spon­den­zen. Gera­de Clark Ash­ton Smith hat­te es ihm beson­ders ange­tan, so sehr, dass er die­sen sogar in „Ber­ge des Wahn­sinns“ und „Pick­mans Modell“ nament­lich erwähn­te.

Love­craft nach den her­kömm­li­chen Gen­re-Kri­te­ri­en zu bewer­ten ist schwer: Sei­ne frü­hes­ten Geschich­ten erin­nern an die maka­be­ren Wer­ke von Edgar Allen Poe. Zwi­schen 1919 und 1927 schrieb er vie­le Geschich­ten, die von den phan­tas­ti­schen Anders­wel­ten Lord Dunsa­nys beein­flusst waren.

Erst sein Spät­werk, also ab „Cthul­hus Ruf“ (1926), zeigt Geschich­ten, die wirk­lich typisch Love­craft sind. Sie sind eine Mischung aus Weird Fic­tion, deren Ziel es ist den Leser zu ver­un­si­chern, Regio­nal­li­te­ra­tur, bezo­gen auf sein halb­rea­les Neu­eng­land, und den Anfän­gen von Sci­ence-Fic­tion. Den­noch lässt sich Love­craft nicht zufrie­den­stel­lend die­sen Gen­re­gren­zen zuord­nen, auch wenn er sich stets als Weird-Fic­tion-Autor sah. Viel wich­ti­ger ist Love­crafts Welt­an­schau­ung, die in sei­nen Geschich­ten eben­so mit­schwingt wie in sei­nen Brie­fen und Essays.

Es ist zutref­fend Love­craft als „Koper­ni­kus der Hor­ror­ge­schich­te“ zu bezeich­nen, der „den Brenn­punkt über­na­tür­li­chen Grau­ens vom Men­schen und sei­ner klei­nen Welt […] zu den Ster­nen und […] unaus­ge­lo­te­ten Abgrün­den des inter­stel­la­ren Welt­raums“ ver­schob, wie es Fritz Lei­ber in sei­nem Essay „Ein lite­ra­ri­scher Koper­ni­kus“ tat (Lei­ber: Koper­ni­kus; S. 44).

Die­ser Cos­micism ist Love­crafts größ­te lite­ra­ri­sche Leis­tung. Sei­ne Wesen sind nicht über­na­tür­li­che Göt­ter, son­dern außer­ir­di­sche Wesen, die nach phy­si­ka­li­schen Regeln funk­tio­nie­ren, die der Mensch nicht zu ver­ste­hen im Stan­de ist. Love­craft hin­ter­fragt in sei­nem Werk nicht nur die mensch­li­chen Vor­stel­lun­gen von Moral, Erkennt­nis und dem Platz des Men­schen im Uni­ver­sum, son­dern er bie­tet einen poin­tier­te Kri­tik an Mys­ti­zis­mus, Okkul­tis­mus und Reli­gi­on. Den­noch darf man nicht ver­ges­sen auch die unschö­ne Sei­te Love­crafts zu zei­gen, denn in vie­len sei­ner Geschich­ten schwingt auch ein tie­fer Ras­sis­mus mit, der sei­nen Höhe­punkt wohl in „Der Schat­ten über Inns­mouth“ hat.

Den­noch gehört „Der Schat­ten über Inns­mouth“, neben „Cthul­hus Ruf“ und „Der Schat­ten aus der Zeit“ zu den bes­ten Geschich­ten, die er in sei­ner spä­ten Pha­se geschrie­ben hat. Zudem muss noch „Die Rat­ten im Gemäu­er“ erwähnt wer­den. Jene Geschich­te sei­ner frü­hen Pha­se, die auf unnach­ahm­li­che Art eine Atmo­sphä­re der Beklem­mung erzeugt und die mit einem sorg­sam kom­po­nier­ten Ende auf­war­tet.

Cthul­hu-Skiz­ze von Love­craft, 1934

Rezeption

Über Love­crafts Leben und Werk wur­den bereits vie­le Regal­me­ter gefüllt und es wer­den immer mehr. Immer neue Genera­tio­nen von Lesern ent­de­cken in sei­nen Wer­ken The­men, Moti­ve und Aspek­te, die für sie aktu­ell sind, die Fra­gen auf­wer­fen und zu einer inten­si­ve­ren Beschäf­ti­gung ein­la­den. Außer­dem ist Love­craft, und noch viel mehr sein Werk, Teil der Pop­kul­tur gewor­den. Neben eher sub­ti­len Anspie­lun­gen etwa in der belieb­ten Serie Game of Thro­nes tau­chen sei­ne Krea­tu­ren unter ande­rem in Mike Migno­las Comic-Rei­he Hell­boy auf. Beson­de­re Bekannt­heit genießt der Name Love­craft unter Rol­len­spie­lern: Das auf Love­crafts Geschich­ten basie­ren­de Rol­len­spiel Call of Cthul­hu gehört seit drei­ßig Jah­ren zum Kanon der gro­ßen Rol­len­spie­le und gilt für vie­le als das bes­te Rol­len­spiel. Auch in der Musik­welt, beson­ders im Hea­vy Metal Bereich, bin­den vie­le Künst­ler sei­ne Krea­tu­ren und Geschich­ten in ihren Tex­ten ein.

Love­craft und sei­ne Rezep­ti­on sind noch nicht an ihrem Ende ange­langt. Für sie gilt, was Love­craft in „Das Grau­en von Dun­wich“ sei­ner Schöp­fung, den Gro­ßen Alten, zusprach: „Die Alten waren, die Alten sind, die Alten wer­den sein.“ (Love­craft: Dun­wich; S. 93).

Literatur

  • Joshi, S.T.: H.P. Love­craft. Leben und Den­ken. S. 12–34. In: Rot­ten­stei­ner, Franz (Hg.): H.P.
    Love­crafts kos­mi­sches Grau­en. Suhr­kamp Ver­lag. 1997
  • Kir­de, Kal­ju: H.P. Love­craft (1890–1937) Bemer­kun­gen über das Leben und Werk eines
    bedeu­ten­den Hor­ror­erzäh­lers. S. 141–173. In: Alpers, Hans Joa­chim (Hg.): H.P. Love­craft
    – Poet des Grau­ens. Cori­an Ver­lag. 1993
  • Lei­ber jr., Fritz: Ein lite­ra­ri­scher Koper­ni­kus. S. 44–59. In: Rot­ten­stei­ner, Franz (Hg.): H.P.
    Love­crafts kos­mi­sches Grau­en. Suhr­kamp Ver­lag. 1997
  • Love­craft, H.P.: Die Lite­ra­tur der Angst. Zur Geschich­te der Phan­tas­tik. Aus dem
    Ame­ri­ka­ni­schen von Micha­el Kose­ler. Suhr­kamp Ver­lag. 1995
  • Love­craft, H.P.: Das Grau­en von Dun­wich. S. 73–132. In: Fes­ta, Frank (Hg.): Namen­lo­se
    Kul­te. Hor­ror­ge­schich­ten. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Andre­as Die­sel und Frank Fes­ta.
    Fes­ta Ver­lag. 2006

Der König in Gelb von Robert W. Cham­bers beein­fluss­te Love­craft und zusam­men beein­fluss­ten sie zahl­rei­che ande­re Autoren.

Autor: Niels-Ger­rit Horz

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