Der Fall Charles Dexter Ward (HPL)

Gedanken zu den Erzählungen von HPL, CAS, REH und anderen
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Case
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#1 Der Fall Charles Dexter Ward (HPL)

Beitrag von Case » 04.03.2017, 15:13

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Beitrag von Dark_Pharaoh » 09.03.2017, 11:25

Mit der Geschichte hat er mich endgültig erwischt. Habe ich mit ca. 16 oder 17 mehrere Male gelesen und sie steht heute noch sehr weit oben in meiner persönlichen Reihenfolge der besten HPL Geschichten.

Hier sind einfach alle Elemente drin, die ich so mag. Eine düstere Herkunft die erforscht und langsam ans Licht kommt, kosmisches Grauen, Riten und dunkle Bücher und obwohl es ordentlich zur Sache geht bleibt einiges doch sehr geheimnisvoll und das Kopfkino läuft auf Hochtouren.

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Beitrag von Nils » 09.03.2017, 16:35

Hm, mach ich mich doch mal unbeliebt. :shock: :D

Mir sagt die Geschichte strukturell nicht zu. Einige Passagen sind definitiv sehr hochwertig und auch der Lokalkolorit ist wirklich stimmig, aber sie ist mir deutlich zu lang. Lovecraft überstrapaziert hier sein Konzept aus meiner Sicht doch arg, da man wirklich von Anfang an weiß, worauf es konkret hinauslaufen wird und sich die Entwicklung dann aber sehr zieht.

Ich habe sie deswegen bisher auch nur einmal gelesen und werde es wohl auch nicht wieder tun. Gekürzte Hörspielfassungen waren da eher meine Sache, denn thematisch ist es natürlich sehr reizvoll, wie du es ja über mir schon beschrieben hast.

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Beitrag von Blackdiablo » 09.03.2017, 20:33

Ich schließe mich (mit Ausnahme der gekürzten Hörspielfassungen) Nils an. ;) Allderdings empfand ich die Stellen mit den Schächten als sehr eindrucksvoll.
"Nicht einmal der Tod kann dich vor mir retten."

- Diablo 2

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Beitrag von Case » 09.03.2017, 21:17

Ich bin großer Fan dieser Geschichte, da sie so viele Dinge enthält, die ich insbesondere beim Rollenspiel für sehr kurzweilig halte. Und genau die Szene mit den Schächten ist großartig. :)
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Beitrag von Dark_Pharaoh » 10.03.2017, 11:56

Das mit der Länge kann ich nachvollziehen, auch wenn das bei mir sogar besonders gut ankommt. Man weiß bei einigen Geschichten, zumindest aus heutiger Sicht, wohin es geht. Ich frage mich immer wie das damals war. Haben die Leser das erwartet oder auf eine "normale" Erklärung gewartet?

Zudem gehöre ich eh zu den Leuten, die bei Büchern und Filmen mitgenommen werden wollen. Bei einem Horrorfilm erschrecke ich auch bei offensichtlich aufgebauten Schreckszenen, einfach weil ich mich da voll reinfallen lassen kann und nicht nachdenke, sondern nur erlebe. Das hilft vermutlich auch hier. Aber solche Diskussionen kenne ich, da bin ich wohl etwas seltsam ;)

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Beitrag von Nils » 10.03.2017, 14:23

So wirkt Literatur auf jeden anders.

Ich glaube nicht, dass die Leser damals Geschichten in Lovecrafts Stil erwarteten. Er fährt da ja doch ein (natürlich unter Einflüssen entstandenes) recht originäres Konzept. Wenn man schaut, was für Geschichten ansonsten in den klassischen Pulps veröffentlicht wurden (gibt ja dankenswerterweise einige Quellen dazu im Internet), dann sind das schon eher andere Stile und auch andere Stoffe. Erklärt wohl auch, warum Lovecraft so oft abgelehnt wurde.

Es ist auch wirklich nicht für jeden, das muss man akzeptieren. Ich habe meiner Freundin einige Geschichten als Hörbuch gegeben und sie fand es insgesamt recht langweilig, gerade weil man mehr oder weniger von Anfang an weiß, was in Etwa passieren wird. Die besondere Atmosphäre, die dadurch erzeugt wurde, verfing bei ihr nicht.

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Beitrag von derTräumer » 10.03.2017, 17:17

Ich muss ja immer wieder sagen, dass ich diese Geschichte für eine der besten Geschichten Lovecrafts halte, auch wenn sie sehr vorhersehbar und streckenweise zu lang ist.
Im Endeffekt hatte HPL wohl Recht, diese Geschichte bei sich in der Schublade zu lassen und nicht an Farnsworth Wright (WEIRD TALES) zu senden. Alleine das beweist schon, dass HPL sehr genau wusste was er schrieb und wie der allgemeine Pulp-Markt aussah.

Dennoch hat diese Geschichte so vieles, was sie besonders macht, dass man sie einfach mögen muss.
1.Providence! Diese Geschichte ist mehr eine fiktive Chronik des Ortes als eine Weird Tale. Wunderbar, gerade der Anfang und die Parts um die Zeit Joseph Curwens.
2. Die Grubenszene! Was soll ich dazu sagen?!
3. Die Langsamkeit der Geschichte hat auf der Spannungsebene natürlich ihr Manko, ist aber, wie ich finde, auf der Stimmungsebene sehr hilfreich.
4. Vielleicht liegt es daran, dass ich beim Lesen (2-3 mal gelesen) immer eine lange Leitung hatte, aber ich habe immernoch Fragen an den Text, was ich sehr spannend finde und mich dazu gebracht hat in Zukunft mal intensiver an dem Text zu arbeiten.
5. Borelus und die Essentiellen Salze sind ein toller Aufhänger.

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Beitrag von Nils » 11.03.2017, 12:19

Hm... so schnittig argumentiert, bekommt man ja fast doch wieder Lust, einen weiteren Versuch unter alternativen Aspekten zu wagen.

Mal sehen.

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Ginster
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Beitrag von Ginster » 14.03.2017, 17:44

Ich finde auch, die Geschichte könnte wirklich hervorragend sein, wäre sie nicht so arg aufgebläht. Ich mag ja Spannungsbögen und Langsamkeit aber hier möchte man leider oft nur "komm auf den Punkt" schreien und ist der Geschichte ab einem gewissen Punkt eigentlich gedanklich schon weit voraus - und wird dann leider auch nicht mehr überrascht.

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