Die „Derleth-Lovecraft-Collaborations“

Die Menschen hinter dem Mythos | Wiki
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Nils
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#11 Re: Flensburger Gesellschaft für Phantastik

Beitrag von Nils » 09.04.2016, 10:35

Diese "Gründungsgeschichte" kannte ich gar nicht. Hört sich für mich auch eher nach Mythos an als nach Realität. Was wollte er denn in der Landschaft mit einem Buch von Thoreau? Sich nach dessen Vorbild in den Wald zurück ziehen?

Leider weiß ich über Derleth als Menschen noch kaum etwas, habe mich eher mit Howard und Smith befasst. Ich schiele schon eine Weile auf die "Essential Solitude"-Bände, die sollten wohl etwas Aufschluss über Persönlichkeit und Denkstruktur geben.

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derTräumer
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Beitrag von derTräumer » 09.04.2016, 12:43

In der Tat, das wollte er. Zumindest im Groben.
Derleth war zwar Pulp-Autor aber wie Lovecraft auch ein begeisterter Regional-Writer (nur das Derleth in diesen Teil seiner Werke keine phantastischen Elemente einbaute - die Geschichten ähneln eher der Heimat-Literatur, er sammelte Anekdoten und Überlieferungen/Geschichten aus seinem County und verarbeitete diese)
Thoreau war tatsächlich einer seiner großen Einflüsse, nicht ohne Grund heißen zwei seiner Werke (regionalliteratur) "Walden West" und "Return to Walden West". Generell war er sehr gerne in der Natur: Mit Menschen die er sehr mochte verbrachte er ganze Tage im Wald um seine lieblings Pilze zu suchen, Morchel.

Die "Essential Solitude"-Bände sind ganz hervorragend, im Anhang findet sich ein Essay Derleths über Supernatural Literature, dass er als Semeserarbeit (English Literature) abgegeben hat, in dem er Lovecraft hervorhebt. Zudem finden sich dort noch viele andere wichtige Texte im Anhang. Leider haben nur 30 Briefe von Derleth an HPL überlebt, sodass dieser Teil recht mager ist.
Besser erhalten ist die Korespondenz mit Ramsey Campell (wenn ich mich nicht irre ist sie in gänze erhalten). Hier wird es unter anderem deswegen spannend, weil man dort einen gealterten Derleth erlebt, der vor allem nüchterner Verleger ist.

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Beitrag von Case » 09.04.2016, 13:06

Thema geteilt und hierher verschoben.
Chaotisch Neutral - Geschichten vom Rollenspieltisch | CthulhuWiki

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Beitrag von Nils » 09.04.2016, 14:15

Was enthalten diese Bände denn dann noch neben Derleths Arbeit und den Briefen? Oder sind diese 30 Briefe jeweils so lang, dass sie tatsächlich zwei Bände füllen?

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Beitrag von derTräumer » 09.04.2016, 14:46

Ich kopiere mal den table of content des Buches:
Volume 1

Introduction
A Note on This Edition
Abbreviations
Letters
1926 (26 letters, 32 pages)
1927 (43 letters, 64 pages)
1928 (39 letters, 52 pages)
1929 (40 letters, 66 pages)
1930 (39 letters, 66 pages)
1931 (54 letters, 127 pages)

Volume 2

Letters
1932 (56 letters, 100 pages)
1933 (46 letters, 83 pages)
1934 (37 letters, 56 pages)
1935 (24 letters, 47 pages)
1936 (17 letters, 39 pages)
1937 (3 letters, 8 pages)
Appendix
One for the Black Bag (H.P. Lovecraft)
The Weird Tale in English Since 1890 [excerpt] (August Derleth)
A Master of the Macabre (August Derleth)
H.P. Lovecraft, Outsider (August Derleth)
H.P.L.—Two Decades After (August Derleth)
Glossary of Frequently Mentioned Names
Bibliography
Index

(Quelle: http://www.hplovecraft.com/writings/sources/es.aspx )
Es sind knapp 30 Briefe von Derleth an HPL ( HPL hat außer CASs und REHs, sonst wohl nur Barlows Briefe sorgsam verwahrt), natürlich die vielen Briefe HPLs an Derleth (dank Joshi ungekürzt).
"The Weird Tale in English Since 1890" ist seine Semesterarbeit (leider jedoch nur im Exzerpt erhalten).
Die anderen Texte sind Essays Derleths, welche er ab Lovecrafts Tod in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte.
"H.P.Lovecraft, Outsider" ist hier wohl einer der wichtigsten, da er soetwas wie ein "In Memoriam" ist und kurz nach HPLs Tod erschien. Bereits hier tauchen die ersten Fehldeutungen Derleths auf (1. der Dualismus Gut/Böse , 2. die "Black Magic Quote").

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Beitrag von Nils » 09.04.2016, 16:59

Ach so, dann hatte ich das mit der Briefanzahl falsch verstanden. Danke für den Inhalt.

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Beitrag von Arkham Insider Axel » 10.04.2016, 08:48

Der Briefwechsel Letters To Arkham liefert nicht nur ein aufschlussreiches Bild über den Austausch zwischen R. Campbell und Derleth. Ebenso interessant sind die Einblicke in die Tätigkeiten von Arkham House während des nämlichen Zeitraums (1961 – 1971). Dass die Gleichung Arkham House gleich August Derleth hinkommt, daran besteht nach der Lektüre wenig Zweifel; und auch Joshi drückt es so aus. Wandreis Rückzug hing offensichtlich mit seinem Wehrdienst 1942 – 1945 zusammen. Sein Part bei der Entstehung der Selected Letters, ab 1964, ist freilich ein extra Verdienst. Die Herausgabe der Briefe, lange als "high priority" geplant, will indes Sam Moskowitz schließlich angeregt haben.

Das Tauziehen um die Rechte der HPL-Veröffentlichungen (speziell bei AH) ging nach Derleth’ Tod 1971 weiter. Nun war es Wandrei, der sich mit dem August Derleth Estate herumschlug. Auch das ist bei Chris J. Karr detailliert nachzulesen.

Nun noch eine Frage:
Wo und wann erzählt Derleth, dass ihn ein Brief von Howard Wandrei über den Tod HPLs unterrichtete? In I am Providence gibt Joshi die Erinnerung von Derleth so wider, als sei der Brief von Donald Wandrei gekommen. Er zitiert nach A. Derleth: Arkham House. The First Twenty Years (1959). So lautet auch die Information von Jack Koblas, der mit Wandrei von 1972 bis zu dessen Tod 1987 befreundet war, nachzulesen in: J. Koblas: The Lovecraft Circle and others (2012).

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Beitrag von derTräumer » 10.04.2016, 10:28

Ich gebe dir vollkommen Recht bei allen Aussagen.
Ich finde es gut, dass mittlerweile auch mehr Material zu Derleth zugänglich wird. Wobei das Projekt sicher nie so ausführlich begangen wird wie etwa HPL,CAS oder REH.

Zu deiner Frage:
Ich beziehe mich dabei auf Lin Carter "A Look behind the Cthulhu Mythos" (S. 131) - angeblich ja nach langen Interviews mit Derleth geschrieben.
"J. Koblas: The Lovecraft Circle and others" habe ich leider nicht (der Fluch der schlechten Verfügbarkeit solcher Bücher). Daher wusste ich - von dieser Seite her nichts von der Doppelreferenz. In "I am Providence" habe ich es anscheinend nicht bewusst wahrgenommen.

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Beitrag von Nils » 10.04.2016, 10:31

derTräumer hat geschrieben:Ich finde es gut, dass mittlerweile auch mehr Material zu Derleth zugänglich wird. Wobei das Projekt sicher nie so ausführlich begangen wird wie etwa HPL,CAS oder REH.
Ich hatte gerade gelesen via Hippocampus Press, dass die Bancroft Library aus Kalifornien Gelder mobilisiert für eine Research Fellowship zur Erforschung von u.a. Ambrose Bierce und Clark Ashton Smith, später soll auch R.E. Howard dazu kommen. Von Derleth keine Rede, insofern wirst du wohl recht haben.

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Beitrag von Arkham Insider Axel » 10.04.2016, 11:42

Abwarten, was in Sachen Derleth noch auf uns zukommt. Dank Niels wird ja der hiesigen Rezeption schon gewissenhaft der Weg geebnet, – go on!

Die Sache mit den Wandrei-Brüdern bleibt drollig, hatte Derleth denn viel mit Howard Wandrei zu tun? Eine ambivalente, wohl auch unglückliche Gestalt, die HPL sogar noch persönlich kennengelernt hat.

Interessant wäre die Bibliografie zu Derleth, insb. was von ihm auf deutsch erschienen ist. Auch hier richten wir unsere Blicke erwartungsvoll nach Flensburg. Ich habe mal eine Story von ihm – kein Kollaboration – gelesen in einer Anthologie … die fand ich äußerst läppisch. Name und Titel muss ich gerade schuldig bleiben. Von den Kollaborationen schlägt sich "The Survivor" wacker, wie ich finde.

Im Yankee Magazin (April 1968) fiel mir mal folgendes Gedicht von ihm in die Finger. Es handelt von der Zwergschnepfe:

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