HP Lovecraft and The Occult – Paranormal Podcast 425

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Arkham Insider Axel
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#1 HP Lovecraft and The Occult – Paranormal Podcast 425

Beitrag von Arkham Insider Axel » 29.03.2016, 08:52

Ein umstrittenes Thema wird in diesem Podcast besprochen:

HP Lovecraft and The Occult – Paranormal Podcast 425

In letzter Zeit stoße ich mich an dem Begriff „Einfluss“, den auch das erwähnte Buch zu erkennen meint: Lovecrafts Einfluss auf den modernen Okkultismus.

Lovecraft hatte nur ein sehr oberflächliches Wissen über Okkultismus, entsprechende Spezialwerke zog er nicht zu Rate. Wie ich an anderer Stelle schrieb: „… liegen die Quellen dank der Lovecraft-Forschung häufig zutage, wie beispielsweise beim Grauen in Red Hook. Für den Hokuspokus der Story standen die Artikel über Magie und Dämonologie des Anthropologen Edward Burnett Tylor (1832 – 1917) aus der Encyclopedia Britannica Pate.“ (Axel Weiß: Bücher als Kultobjekte im Leben und Werk H. P. Lovecrafts. In: Cthulhu Libria Neo, 2015. Hrsg. Jörg Kleudgen, Eric Hantsch)

In meinen Augen ist dies ein seltsamer Blütentrieb und ein weiteres Phänomen in der Rezeption H. P. Lovecrafts. Er, der auf dem Gebiet völlig unbeleckt war, soll einen „Einfluss“ auf Geheimwissenschaften und Esoterik gehabt haben. Richtiger wäre es wohl, von einer „Vereinnahmung“ oder zweckdienlichen Interpretation von Seiten der Okkultisten zu sprechen.

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Ginster
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Beitrag von Ginster » 29.03.2016, 10:51

Ohne den Podcast bisher gehört zu haben (vielleicht komme ich heute Abend dazu):

Soweit ich weiß hatte Lovecraft umfassende Kenntnis von Frazers "The Golden Bough" auch wenn ich das gerade nicht genauer belegen kann (von der Erwähnung in Call of Cthulhu" mal ausgenommen). Ich kann mir das aber sehr gut vorstellen, da es seinem Interesse in dieser Richtung aus einer wissenschaftlichen Perspektive entgegengekommen sein dürfte.

Das ist zwar kein Okkultismus, aber interessanterweise bezog sich auch A. Crowley sehr oft auf Frazer und zitiert ihn ziemlich regelmäßig, wirft ihm jedoch vor, "die falschen Schlüsse" zu ziehen. Ein gutes Beispiel für eine solche Vereinnahmung, wie Du sie ansprichst - und wo ich Dir absolut zustimme. Crowley hat ja das Necronomicon hin und wieder benutzt, wenn ich mich nicht irre. Soweit ich weiß, bezog sich auch sein Schüler Kenneth Grant immer mal wieder darauf (mit dem Hinweis, dass es real sei und einigen Therorien dazu).

Das ist ein interessanter Aspekt der Interpretation der Phantastik, der aber nicht nur Lovecraft trifft. Es gibt ja auch Esoteriker, die die wahre Botschaft des "Herr der Ringe" kennen wollen.

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Nils
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Beitrag von Nils » 29.03.2016, 11:47

Sehr interessantes Thema, vielen Dank für den Hinweis. Der Podcast wird beizeiten gehört.

Ich bin zwar auch nicht allzu sehr beschlagen in dieser Richtung, aber das, was ich an Briefen und biographischem von bzw. über Lovecraft kenne, zeichnet definitiv kein Bild eines "okkulten Adepten" oder ähnliches. Es gibt ja dieses deutsche Buch, "Schatzmeister des Okkulten" oder so ähnlich, was in einem obskuren kleinen Szeneverlag mal erschienen ist. Hatte ich mal auf dem Flohmarkt in der Hand, war mir aber zu teuer und lief eben auf solchen Tenor hinaus: Lovecraft war ein "Wissender", der seine Geheimnisse durch Literaturverschlüsselung mit der Welt teilen wollte. Ich glaube, er selbst wäre über solche Annahme zutiefst belustigt und würde amateurjournalistisch seine Späße damit getrieben haben.

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Beitrag von Arkham Insider Axel » 29.03.2016, 15:38

Allerdings kannte Lovecraft Frazers Golden Bough, doch würde ich das nicht unter dem Aspekt betrachten. Ich meinte tatsächlich Werke, die einen okkulten Anspruch erheben, – wie etwa die Sachen von A. Crowley.

Was Lovecraft auch kannte, war Margaret Murray: The Witch-Cult in Western Europe, ein weiterer Klassiker der Anthropologie. In diesem Buch wird die Idee gepflegt, dass sich in unseren "modernen Zeiten" heidnische Kulte aus der Vergangenheit bewahrt haben. Eine schöne Idee, die Lovecraft natürlich weiter spann. Murrays Untersuchung wird heutzutage – u. a. wegen solcher Aussagen – kein großer Wert mehr beigemessen.

Dass das Necronomicon von Okkultisten "benutzt" wurde bzw. auf einmal vermeintliche Exemplare auftauchten, das ist natürlich die Schau!

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Beitrag von Ginster » 29.03.2016, 19:22

Arkham Insider Axel hat geschrieben: Ich meinte tatsächlich Werke, die einen okkulten Anspruch erheben, – wie etwa die Sachen von A. Crowley.
Habe ich auch so verstanden, dennoch sind die Parallelen (bzw. Unterschiede) recht spannend. Kenneth Grant ist ja auch keine Theorie zu schade, Lovecraft als Sprachrohr höherer Mächte darzustellen. Ein Beispiel wäre das Neconomicon, das zwar existiere, aber nur auf einer Art Traumebene. Ich glaube, Grant hat sogar mal eine tabellarische Übersicht der Gemeinsamkeiten Lovecrafts und Crowleys erstellt und wollte da irgendeinen Zusammenhang sehen, aber es ist einfach zu lange her, mir fällt die Quelle nicht mehr ein.

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Beitrag von Arkham Insider Axel » 30.03.2016, 07:55

Ob diese Verbindungen "richtig" oder "falsch" sind, erlaube ich mir übrigens nicht zu beurteilen. Falsch sind gewiss Behauptungen, die den Schriftsteller Lovecraft als eine Art hellsichtigen Prophet interpretieren. Oder, dass das Necronomicon auf einer Traumebene existiere. – Selbst dafür gäbe es allerdings einen Erklärungsansatz. Nämlich dergestalt, dass Lovecraft bekanntlich Träume als Inspirationsquelle nutzte.

Dass aber eine Vereinnahmung durch Leute wie Grant u. a. existiert, ist ein Beweis für die ungebrochene Power Lovecrafts. Man muss das Phänomen akzeptieren, – was sollte man auch sonst tun? :)

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Beitrag von Nils » 30.03.2016, 08:37

Ginster hat geschrieben: Ein Beispiel wäre das Neconomicon, das zwar existiere, aber nur auf einer Art Traumebene.
Das klingt mir verdächtig nach der von Rudolf Steiner behaupteten Akasha-Chronik. Irgendwie kehren aber wohl allgemein in esoterischen Kreisen verschiedene Theorien immer wieder, habe ich so das Gefühl. Oft dann in etwas anderem Gewande.

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