• Habe mir kürzlich eine Lesung von "The White People" angehört. Bin hin- und hergerissen: die Geschichte ist ... anstrengend. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht sie aufmerksam bis zu ende zu hören - und wenn es nicht ein Klassiker gewesen wäre der mir schon so oft empfohlen wurde - ich hätte ihr nicht die zweite, dritte und vierte Chance gegeben die es gebraucht hat bis es bei mir "klick" gemacht hat. Sowohl die Rahmenhandlung (überheblicher Monolog eines Exzentrikers zur Natur der Sünde) als auch der Haptteil (Tagebuch eines Mädchens das ohne Struktur ihren Gedanken folgt) sind alles andere als angenehm aufzunehmen. Das ist vermutlich Absicht von Machen - und insofern gebührt ihm Respekt dass er es schafft sowohl den überheblichen philosophischen Monolog als auch den kindlichen Gedankenerguss jeweils auf ihre Weise realistisch und anstrengend wirken zu lassen. Trotzdem ein literarisches Wagnis, denn wenn man diese anstrengenden Partien weglässt dann bleibt nichts mehr übrig was literarisch angenehm sein könnte.


    Allerdings: nachdem ich mich dann doch durch die Erzählung gequält und ihr inhaltlich eine Chance gegeben habe, da ist es mir unmöglich sie nicht zu mögen. Denn hat man sich erstmal durch die äußerst anstrengende Präsentation gequält und ist zum Inhalt gelangt, so findet man hier eine faszinierende Feengeschichte mit mehr als nur ein paar guten Ideen. Und diese Inhalte sind es mehr als wert, sich durch die anstrengende Form zu kämpfen.


    Letztendlich scheint mir diese Geschichte wie die literarische Form eines Found Footage Films. Sich dort über das verwackelte Bild zu beschweren erscheint mir ebenso am Ziel vorbei, wie hier über die anstrengende Lektüre.


    Wen es interessiert, hier die Lesung die ich gehört habe - und hier noch eine Podcast-Folge die die Geschichte bespricht.

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